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Nachgeforscht

Einfach dazwischen: Was ist die Bedeutung von "divers"?

Divers Bedeutung
© Getty Images/vchal

Du liest in formalen Anträgen öfter mal das Wort "divers" als Eintrag zum Geschlecht? Hier erfährst du mehr über du die Bedeutung des Wortes divers und die rechtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe.

Was bedeutet divers?

Das Wort "divers" stammt aus dem Lateinischen und heißt im Deutschen "verschieden" oder "ungleichartig". In Bezug auf die Geschlechter wurde es im Januar 2019 rechtlich als dritter Geschlechtseintrag neben männlich und weiblich eingeführt. Manche sehen die Bedeutung von divers als eine Art drittes Geschlecht.

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Als divers darf sich ein Mensch eintragen, der intergeschlechtlich ist, also biologische Merkmale beider Geschlechter hat. Das heißt auch, dass sich jemand, dem bei der Geburt das Geschlecht weiblich oder männlich eingetragen wurde auch im Nachhinein sein Geschlecht ändern lassen kann auf "divers". Dazu benötigt er nur eine Bescheinigung vom Arzt, der die Zwischen-Geschlechtlichkeit bestätigt.

Das heißt aber nicht, dass man sich als Mensch, der sich als inter* oder trans* bezeichnet, sein Geschlecht als divers angeben muss. Es gibt auch die Möglichkeit, die Geschlechtsangabe bei offiziellen Anträgen freizulassen. Doch im Alltag ist das noch gar nicht behördlich überall angekommen, denn teilweise verlangt die Bürokratie eine konkrete Angabe, der sich ein Mensch dann nur schwer verweigern kann.

Für Eltern interessant

Eltern, deren Kind bei der Geburt nicht eindeutig durch die biologischen Merkmale bestimmt werden kann, können nun "divers" als Geschlechtseintrag im Geburtenregister angeben. Sie müssen nicht mehr selber entscheiden, ob das Kind als männlich oder weiblich im System geführt wird. Das ist eine große Erleichterung für die Eltern und die Entwicklung des intergeschlechtlichen Kindes.

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Der rechtliche Hintergrund: Warum ist ein dritter Geschlechtseintrag wichtig?

Das Gesetz wurde dahingehend angepasst, weil eine intergeschlechtliche Person geklagt hatte: Die Person wollte intersexuelle Menschen sichtbar machen und erreichen, dass sie im Rechtssystem auch stattfinden. Daher strebte die Klage einen dritten Eintrag neben männlich und weiblich an. Es ist eine Sache, wenn sich ein Mensch aussuchen kann, als was er sich geschlechtlich bezeichnet, aber eine andere Sache, wenn seine Zwischenform, die es nun mal einfach gibt, gar nicht im System existiert.

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Für diesen Menschen ist es so, als würde seine Person nicht existieren. Die Klage ging bis vor das Bundes-Verfassungs-Gericht, das entschieden hat, dass auch das Geschlecht zwischengeschlechtlicher Menschen im Geburtenregister geändert werden kann. Begründet hat das Gericht die Entscheidung mit dem Grundgesetz: Das bis dahin gültige Gesetz wäre nicht passend zum Grundgesetz, weil auch zwischen-geschlechtliche Menschen ein Geschlecht haben und das Recht, dass dieses im Register genannt wird.

Das Gesetz wurde daraufhin geändert und "divers" als dritte Kategorie eingeführt. Das heißt nicht, dass divers nun eine Art drittes Geschlecht ist, sondern eher eine rechtliche Lösung für Personengruppen, die bis dahin vor dem Recht nicht existent waren. Wie viele Geschlechter es gibt, darüber scheiden sich je nach Betrachtungsweise die Geister:

Non-binär, inter oder trans*: Alles nur Begriffe-Wirrwarr!?

Für Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht zur Debatte steht oder die mit diesem Thema wenig Berührung haben, ist es meist unverständlich: Warum ist es jetzt neuerdings wichtig, dass man Personen nicht mehr eindeutig mit er oder sie bezeichnet, sondern die Möglichkeit aufmacht für weitere Geschlechtsbezeichnungen?

Es geht einfach darum, auch sprachlich zu zeigen, dass eben nicht jede Person eindeutig männlich oder weiblich ist. Dabei gibt es einmal die Unterscheidung in das gefühlte Geschlecht, also die Geschlechtsidentität. Ein Mensch kann mit eindeutig weiblichen oder männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, sich aber nicht mit diesem Geschlecht identifizieren. Dann bezeichnet er sich meist als non-binär oder trans*.

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Im Gegensatz dazu, gibt es Menschen, die mit Merkmalen beider Geschlechter geboren wurden oder deren körperliche Merkmale nicht eindeutig zuordenbar sind. Für genau diese Menschen wurde der Geschlechtseintrag "divers" eingeführt. Die Wissenschaft bezeichnet sie als intergeschlechtlich und die Gesellschaft oder sie selbst meist als inter*.

Dies zu unterscheiden ist wichtig, denn es ist nicht einfach alles dasselbe und auch keine Lapalie. Für Menschen, die sich nicht zur Mehrheitsgesellschaft zugehörig fühlen können, ist es im Alltag und in allen gesellschaftlichen Bereichen sehr schwer. Das fängt beim täglichen Toilettengang in der Öffentlichkeit an und hört beim Ausfüllen von Anträgen auf.

Darum braucht eine offene Gesellschaft auch eine sprachliche Anpassung

Die Gesetzesänderung ist ein wichtiger Schritt für alle Menschen, die zwischengeschlechtlich sind. Das Gesetz erkennt sie als solche an und zeigt, dass sie zur Gesellschaft dazu gehören. Das ist ein wichtiger Meilenstein, damit inter*Personen gesehen und anerkannt werden. Gesellschaftlich wird die Bezeichnung divers zwar noch nicht überall akzeptiert und verwendet, doch die Änderung hinsichtlich des Grundgesetzes zeigt, dass sie rechtsstaatlich anerkannt ist.

Der zweite Schritt ist die sprachliche Wirkung. Wenn wir nur von weiblichen oder männlichen Personen reden, schließen wir alle aus, die dazwischen sind. Dass es inter* und trans*Menschen gibt, ist keine Erfindung der Neuzeit. Sie werden nur immer sichtbarer, geben sich zu erkennen und wir sprechen darüber. Sprache kann sehr ausgrenzend sein, ohne dass es der Mehrheit bewusst ist. Daher sind sprachliche und rechtliche Anpassungen für eine moderne sich entwickelnde demokratische Gesellschaft extrem wichtig

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Interessiert ihr euch für weitere Themen aus dem Bereich Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung? Dann schaut euch mal diese Beiträge an:

Quellen: Genderdings, Parlament.de, BpB, Queer-Lexikon

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