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Corona-Krise: Diese Ängste haben unsere Kinder & das lernen wir Eltern daraus

Neue Studie

Corona-Krise: Diese Ängste haben unsere Kinder & das lernen wir Eltern daraus

Viele Kinder glauben schnell, was sie aufschnappen und aktuell verunsichern die vielen Fehlinformationen umso mehr. Das IZI München hat in einer internationalen Studie Kinder nach ihren Ängsten und Medien-Umgang während des Lockdowns gefragt. Die ersten Ergebnisse zeigen uns Eltern, worauf wir achten sollten.

Welche Ängste haben unsere Kinder aktuell?

Familien und Kinder sind von der aktuellen Situation am stärksten betroffen, denn es finden Veränderungen in ihrem gewohnten Alltag statt, mit denen sie erst einmal umgehen lernen müssen. Ohne die Hilfe ihrer Eltern und Pädagogen ist dies nicht zu bewältigen. Das zeigt die Studie "Kinder, Medien und Covid-19", die vom Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk durchgeführt wurde. Dazu wurden Ende Märze bis Ende April 4300 Kinder zwischen neun und 13 Jahren aus über 42 Ländern online befragt. Das Ziel der mitwirkenden Wissenschaftlicher*innen, Pädagog*innen und Fernsehproduzent*innen war es, besser zu verstehen, wie Kinder die Krise erleben. Insgesamt zeigten viele Kinder, dass sie gut über das neue Virus Bescheid wussten, aber die Situation auch als emotional belastend empfanden, weil diese Einschränkungen für sie vollkommen neu waren.

Das sind die größten Ängste der Kinder:

  • die meisten Kinder (88%) gaben an, dass sie sich darum sorgen, dass ihre Familie krank wird und ca. 70 % sorgten sich auch um ihre Freunde
  • danach folgte die Angst, dass Großeltern und Verwandte nicht mehr besucht werden dürfen
  • über 76 % machte es traurig, dass Urlaub und Veranstaltungen abgesagt wurden
  • und knapp die Hälfte gab an, sich vor der Langeweile zu Hause zu ängstigen

Das zeigt, dass den Kindern vor allem der soziale Umgang enorm fehlt und was es für sie bedeutet, keinen Kontakt zu anderen Kindern und Bezugspersonen wie Großeltern haben zu dürfen. Im internationalen Vergleich bezüglich ihrer Beunruhigung waren die Kinder in Deutschland eher entspannt, was die Zukunft anging. Sicherlich können auch Eltern hier Vorbild sein. Je größer die Verunsicherung bei den Eltern, um so stärker überträgt sie sich auch auf die Kinder.

Kinder müssen über Fake News aufgeklärt werden

Das interessanteste Ergebnis der Studie ist: Die Kinder, die mehr über das Virus wussten, hatten auch weniger Angst davor. Unwissenheit schürt Ängste und diese werden von der Vielzahl an kursierenden Fake-News noch verstärkt. In der Befragung wurden Kinder auch auf das Erkennen solche Corona-Falschmeldungen hin befragt. 30 % der Befragten lagen mit der Richtigkeit einer solche Fake-News daneben.

Studienleiterin Maya Götz weist gegenüber der Augsburger Allgemeinen darauf hin, dass Corona-Gerüchte mit den Ängsten spielen und Kinder Klarheit brauchen, "um sich nicht ohnmächtig zu fühlen". Immerhin wussten 79 % der Kinder, dass das Coronavirus nicht als Waffe eingesetzt wird, aber 21 % hielten dies immerhin noch für wahr. Dass man durch den Verzehr von Knoblauch eine Ansteckung mit Corona verhindert, entlarvten immerhin 84 % als falsch.

Die Kinder, die viele der Aussagen für wahr hielten, gaben häufig an, sehr besorgt über die Situation zu sein. Deutsche Kinder konnten Fake News insgesamt recht gut erkennen. Das heißt, sie sind insgesamt gut informiert über das, was richtig ist. Hier sind wir Eltern gefragt: Kinder müssen über solche Nachrichten, die sie online oder von Freunden aufschnappen, aufgeklärt werden und es ist wichtig, dies als Eltern für sie kritisch zu hinterfragen und einzuordnen. Wir selbst können dabei mit gutem Beispiel voran gehen, da auch Erwachsene für die Verbreitung solcher Falschmeldungen verantwortlich sind.

Die Mediennutzung ging während es Corona-Lockdowns stark nach oben

Viele Kinder gaben an, ihr Smartphone oder Computerspiele mehr zu nutzen als vor dem Lockdown. WhatsApp und Tiktok waren dabei die beliebtesten Medien. Drei Viertel der Jungen gab an, vor allem Computerspiele zur Entspannung zu zocken. Studienleiterin Maya Götz sieht hierin ein Problem, da ihrer Meinung nach der längere Medienkonsum zu stärkerem Stress führe und die Kinder das noch nicht einschätzen können. Es fehle ihnen hier an Strategien und Bewegungs-Alternativen.

Ein Mädchen gab an, dass ihre Mutter sie daran erinnern müsse, ihre Mediennutzung einzuschränken, da sie es allein nicht schaffen würde. Auch hier sind wir Eltern in der Verantwortung: Es ist wichtig, den Kindern zu Hause Strukturen zu bieten, damit sie wissen, wann was passiert und dass man z.B nach dem Mittag essen raus geht oder verschiedene Aktivitäten unternimmt. Um die Kinder von den Medien wegzuholen, muss die eigene Arbeit warten. Das ist natürlich mit Homeoffice-Aufgaben eine mehr als schwierige Herausforderung, die da aktuell an Eltern gestellt wird.

Deutsche Kinder kennen kaum alternative Methoden Stress abzubauen

In der Befragung kam auch heraus, dass vor allem die deutschen Kinder ein Defizit hätten, Stress abzubauen, ohne das Smartphone, den Fernseher oder die Konsole zu nutzen. 80% der befragten Kinder würden keine Erfahrung mit Yoga oder Meditation haben. Zudem gaben sie an, dass die Eltern keinen Plan für solche Aktivitäten hätten. Da liegt auch das Problem: Als Eltern sind wir Vorbild für die Kinder.

Wenn ein Kind Yoga oder Sport zur Entspannung nicht kennt, wie soll es dann selbst auf die Idee kommen, so Stress abzubauen? Maya Götz betont, dass es wichtig sei, die Kinder hier zu motivieren und gemeinsam einen Weg zu finden. Bewegung gehört nach der Mediennutzung essentiell zum Alltag der Kinder. Doch hier sieht Götz nicht nur die Eltern in der Pflicht, die privat durch Home-Office und Kinderbetreuung bereits am Limit seien, sondern die Gesellschaft als Ganzes.

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Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Was wir als Eltern tun können

Es ist aktuell immer noch eine Mammutaufgabe, die wir Eltern zu bewältigen haben. Natürlich wollen die meisten von uns für ihre Kinder da sein, wollen mit ihnen raus gehen, ihnen Abwechslung und genug geistigen Input bieten, dass sie sich gefordert fühlen. Doch den Haushalt in Ordnung halten, selbst seine Aufgaben im Homeoffice erledigen, Schulaufgaben überwachen und super kreative Spiele zu spielen, ist nun mal nicht täglich immer so erfüllbar. Dann muss halt mal die Konsole herhalten. Doch worauf wir achten können, ist die Kinder ernst zu nehmen in ihren Ängsten und Fragen, ihnen Dinge zu erklären und mit ihnen darüber zu sprechen, warum die Situation gerade ist, wie sie ist. Das heißt nicht, dass wir für alles eine Antwort geben müssen, aber wir sollten den Kindern zeigen, dass wir sie verstehen und ihnen zuhören. Beim Thema Yoga und Bewegung sollten wir dann selbst einfach mal den Schweinehund besiegen und mit den Kids zusammen was tun. Woher sollen sie es denn wissen, wenn wir es ihnen nicht zeigen und schmackhaft machen? Da reichen ja auch anfangs schon 10 Minuten mit leichten ersten Übungen und wenn nicht alles gleich klappt und dabei noch gelacht wird, ist das auch wieder gut für die Entspannung.

Bildquelle: Getty Images/PeopleImages

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