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Herausfordernd!

Meine Erfahrung mit zwei Kindern unter zwei und warum ich echt davon abrate

2 unter 2
2 unter 2: Mehr Stress als gedacht (© familie.de-Redaktion/Canva)

„Hach, sie spielen dann ja so toll miteinander“, ist oft die Reaktion auf eine schnelle erneute Schwangerschaft. Aber zwei Kinder unter zwei Jahren gleicht meiner Erfahrung nach eher Extrem-Leistungssport als gemütlichem Beim-Spielen-zugucken. Wenn ich vorher gewusst hätte, was zwei unter 2 wirklich bedeutet, hätte ich es wohl nicht getan – ein Erfahrungsbericht.

Zwischen den Geburten meiner beiden Kids liegen 22 Monate. Als meine Tochter auf die Welt kam, war mein Sohn also noch keine zwei Jahre alt. „2 unter 2“ nennt sich dieses Phänomen unter Eltern; viele Kinder haben sogar einen noch kleineren Altersabstand als meine beiden. Nicht nur körperlich eine Höchstleistung, ihr braucht auch ziemlich starke Nerven für zwei Kinder unter 2.

10 Gründe, warum ich keine 2 unter 2 mehr bekommen würde:

#1 Immer nur Streit & Konkurrenz

„Spätestens, wenn das zweite Kind ein Jahr alt ist, geht’s los mit dem gemeinsamen Spielen.“
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Als ich wieder schwanger wurde, war mein Sohn gerade 13 Monate alt. Die Freude war riesig und ich bekam viele positive Reaktionen: „Wenn das zweite Kind ein Jahr alt ist, geht’s los mit dem gemeinsamen Spielen. Dann hast du viel mehr Ruhe!“ Ha! Mal davon abgesehen, dass eigentlich NIE Ruhe ist, wenn (meine) zwei Kinder zusammen sind, musste ich nicht eines, sondern geschlagene vier Jahre warten, bis ich die beiden überhaupt mal für ein paar Minuten unbeaufsichtigt zusammen „spielen“ (also: toben, rangeln, Unsinn machen) lassen konnte.

Ja, die Interessen meiner Kids sind ähnlich gelagert, doch dann geht’s auch schon los mit dem ständigen Streit um dasselbe Spielzeug – als sie noch klein waren, konnten beide nicht verstehen, was Teilen bedeutet. Auch sich Kümmern, Mithelfen und Empathie gehören nicht unbedingt zu den Stärken von Kleinkindern, für die eher das Konzept „ich“ und „meins“ an vorderster Stelle steht. Das führt zu sehr, wirklich sehr viel Geschrei.

Während mein Sohn sich also voll in der Trotzphase befand, schrie meine Tochter ständig nach der Brust. Echt anstrengend!

Später dann der ständige Vergleich: Was hat der eine, was der andere nicht hat? Die Konkurrenz bei 2 unter 2 ist extrem groß: Wer ist schneller? Wer kann schöner singen? Und der Klassiker: Wen hat Mama lieber?

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#2 Geschwisterzimmer undenkbar

Um Streit wenigstens ab und an zu vermeiden und jedem seinen Rückzugsraum zu geben, hat jedes Kind bei uns sein eigenes Zimmer. Der Traum von gemeinsamen Geschwisterzimmer? Fehlanzeige! Und so steht mein Schreibtisch jetzt im Schlafzimmer und wir Eltern müssen näher zusammenrücken, als uns oft lieb ist.

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#3 Die 2. Schwangerschaft ist kein Spaziergang

Die erneute Schwangerschaft mit einem Kleinkind an der Hand war für mich eine ziemliche Herausforderung: Der Bauch wächst viel schneller, alles ist irgendwie anstrengender, Zeit auszuruhen bleibt keine, denn mein Sohn wollte 24/7 (draußen) bespaßt werden & der Sommer war sehr heiß.

Studien belegen, dass es schonender für Mütter ist, etwa 18 Monate mit einer erneuten SW zu warten, weil vorher das Risiko für eine Früh- oder sogar Fehlgeburt oder ein geringeres Geburtsgewicht erhöht ist.

Trotz diverser Rückbildungs- und Sportkurse hat mein Beckenboden stark gelitten. Und auch andere Beschwerden wie Verstopfung, Hämorrhoidalleiden, Inkontinenz oder Probleme mit der Kaiserschnittnarbe können nach zwei nahen Schwangerschaften eher auftreten.

#4 So viele Windeln… und anderes Equipment

2 unter 2 bedeutet auch zwei Wickelkinder – wenn beide Kids am Tag je 5 Windeln brauchen, sind das 10 Windeln pro Tag, also 300 Windeln im Monat. Und es gab Tage, da hat mein Ich-will-alle-2-Stunden-gestillt-werden-Baby locker 10 Windeln verbraucht. Das geht richtig ins Geld. Da lohnt es sich für Eltern, über ein Windel-Abo nachzudenken, damit man das alles nicht auch noch schleppen muss. Aber denkt ihr, ich hatte die Zeit, mich um darum zu kümmern?

Windeln sind ja nur der Anfang: Babys und Kleinkinder brauchen so viel Equipment: Schnuller, Autositze, Kinderhochstühle etc. Ganz zu schweigen von einem Geschwisterwagen, der nicht gerade billig ist. Lange Strecken möchte auch ein knapp Zweijähriger nicht allein laufen.

#5 Und so wenig Schlaf

Mit zwei Kindern unter zwei Jahren bekommt der Schlafentzug eine neue Dimension. Bei uns hat es sehr lange gedauert, bis sich die Schlafrhythmen beider Kinder angeglichen hatten. Zwar hat meine Tochter direkt nach der Geburt einen super Tag-Nacht-Rhythmus entwickelt, von Durchschlafen konnte aber (wie bei den meisten Babys und Kleinkindern) keine Rede sein. Schläft das eine Kind, ist das andere also wach. Und falls beide mal zufällig (!) gleichzeitig Mittagsschlaf halten (Halleluja), rufen Wäscheberge und Co.

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Gesine Engels-Krone

Ich will die Zeit nicht zurückdrehen

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich will meine Kids um Nichts in der Welt eintauschen oder missen, und natürlich ist man hinterher schlauer und kann mit Ratschlägen um sich werfen. Jede*r von uns hat seinen eigenen Plan und hinter dem sollten wir auch stehen, klar. Nichtsdestotrotz darf man Dinge auch anstrengend finden. Und sie auch als das zu benennen, kann helfen, sich in schwierigen Situationen weniger hilflos und allein zu fühlen.

Raus damit: Wie sind eure Erfahrungen mit 2 unter 2? Schreibt mir gerne an gesine@familie.de.

Gesine Engels-Krone

#6 Die Sache mit dem Geld

Wer zwei kleine Kinder hat, muss nicht nur sehr viel Geld für allerlei Equipment ausgeben, unter Umständen bekommt ihr auch weniger Elterngeld fürs 2. Kind. Das gilt vor allem dann, wenn zwischen dem 1. Geburtstag eures ersten Kindes und dem Mutterschutz des zweiten Kindes ein längerer Zeitraum liegt, in dem ihr kein Einkommen hattet. Es lohnt sich, das einmal durchzurechnen.

Gut zu wissen: Bekommst du innerhalb von 12 Monaten ein weiteres Kind, erhältst du auch für das 2. Kind dein volles Elterngeld. Liegt dazwischen ein längerer Zeitraum ohne Arbeitseinkommen, kriegst du unter Umständen nur bis zu 300 € pro Monat.

Hier gibt es Hilfe zur Berechnung des Elterngeldes beim zweiten Kind.

#7 Das ältere Kind ist oft überfordert

Bei zwei Kindern mit einem größeren Altersabstand stellt ich es mir toll vor, dass das ältere Kind Lust hat, mitzuhelfen und du ihm viele Situationen erklären kannst: „Das Baby braucht jetzt viel Aufmerksamkeit, weil es vieles noch nicht alleine kann. Das verstehst du doch sicher?“ Von einem zweijährigen Kind kann man dieses Verständnis aber nicht erwarten, es ist kein kleiner Erwachsener!

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Die Gefahr ist groß, das ältere Kind zu überfordern oder zu erwarten, dass es freiwillig zurücksteckt. Dabei braucht auch das ältere Kind noch sehr viel Aufmerksamkeit, die es oft nicht bekommt, weil die Bedürfnisse des Babys noch dringender sind. Ein schwieriger Balance-Akt, an dem ich oft verzweifelt bin.

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#8 Eine Belastung für die Beziehung

Freizeit oder „We-Time“ für den Partner oder die Partnerin könnt ihr mit 2 unter 2 echt knicken. Meine Erfahrung nach wird es erst besser, wenn das jüngere Kind ca. 3 Jahre alt ist. Klingt krass? Ist aber leider realistisch…

Und nein, es ist nicht immer eine Frage der Prioritäten: Kinder sind unterschiedlich bedürfnisstark und ein Kind mit Behinderung wird z. B. immer mehr Unterstützung benötigen, die sich nicht „einfach aufschieben“ oder minder priorisieren lässt. Seid euch beide sicher, dass ihr das wirklich wollt!

#9 Meilensteine folgen zu schnell aufeinander

Die Meilensteine der Kinder folgen sehr schnell aufeinander. Meine Kids haben sich z. B. gleichzeitig von der Windel verabschiedet, was für mich ganz toll war, unter den beiden aber zu viel Konkurrenz geführt hat. Die Entwicklungsstufen der Kinder laufen recht parallel ab, was dazu führt das alles schneller „abgehakt“ ist: der 1. Wackelzahn, die Einschulung, das 1. Schwimmabzeichen – so habe ich weniger Zeit, Entwicklungsschübe zu genießen.

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#10 Ordnung? Nö!

Dass Kinder von allein ihr Zimmer aufräumen, halte ich für ein Gerücht. Ich bin ständig damit beschäftigt, hinter den beiden herzuräumen. Ordnung kann ich hier knicken, es sei denn, ich kümmere mich selbst darum. Das große Geschwisterkind übernimmt die Vorbildfunktion? Ja, aber nicht im positiven Sinne: Wenn der Große sich mitten in der Trotzphase befindet und Spielzeug herumschmeißt, kann sich das Baby so einiges abschauen und genauso agieren – und das gilt auch für (wählerisches) Essverhalten, Mediennutzung usw.

Gesine Engels-Krone

Ideal gibt es nicht

Kommen euch diese Szenarien bekannt vor, weil ihr gerade das Gleiche durchmacht? Dann schicke ich euch eine Umarmung. Und an Diejenigen unter euch, die mit dem Gedanken „2 unter 2“ spielen, hier mein lieb gemeinter Rat: Setzt euch nicht unter Druck, denn einen idealen Altersabstand, mit dem eure Kids garantiert die besten Freund*innen werden, gibt es nicht!

Gesine Engels-Krone

Ja, meine beiden spielen jetzt schön miteinander – nach etwa vier Jahren des Dauer-Schlafentzugs, jeder Menge Eifersuchtsdramen & Konkurrenzkampf und finanzieller und beruflicher Entbehrungen. Leicht war die Zeit allemal nicht und ich würde es nicht noch einmal durchstehen.

Mein Fazit: Diese vielen tollen Geschwister-Momente, die andere heraufbeschwören, die gibt es wirklich. Bei uns eben viel seltener, als ich es mir vorgestellt habe. Es ist sicher individuell: Ist das erste Kind pflegeleicht & kontaktfreudig, die Mama topfit oder reich an privaten Unterstützungsangeboten, dann spricht absolut nichts gegen 2 unter 2!

Hilfe bei Problemen

Und auch wenn du dich permanent überfordert und überlastet fühlst, wie ich in den ersten zwei Jahren, es gibt Hilfsangebote: Es ist absolut okay, dir bei einer Erziehungs- oder Familienberatung Hilfe zu suchen. Fordere auch in deinem Familien- oder Freundeskreis aktiv Hilfe ein (im Haushalt und mit den Kids) und nimm diese an.

Hast du schon einmal über eine Vater- bzw. Mutter-Kind-Kur nachgedacht? So beantragst du eine.

Im Familienalltag läuft nicht immer alles rund: Lest hier, warum meine Kollegin Natalie nie wieder ein Hausbett kaufen würde, Katja den Hype um Tragetücher nicht mitmacht und Charoline ein triftiges Problem mit dem Kinderbuch „Das Neinhorn“ hat.

Bin ich eigentlich eine gute Mama?

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