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Warum Patienten mit mildem Corona-Verlauf häufiger nichts mehr riechen

Warum Patienten mit mildem Corona-Verlauf häufiger nichts mehr riechen

Forscher rätseln

Eines der häufigeren Symptome bei einer Corona-Infektion ist der plötzliche Verlust des Geruchs- und damit auch Geschmackssinns. Besonders häufig tauchte dies laut Studien bei Betroffenen mit milderem Krankheitsverlauf auf. Forscher rätseln, warum dies so sein könnte. Jetzt haben sie eine erste Erklärung.

Verlust des Geruchssinns bei etwa ein Viertel der Erkrankten

Im Fachblatt "Journal of Internal Medicine" haben Wissenschaftler*innen um den Mediziner Jerome Lechien von der Universität Paris-Saclay Daten von über 2.581 Patienten aus ganz Europa ausgewertet und miteinander verglichen. Bei den Patienten mit milderen Verläufen gaben ca. 86 % an, unter Riechstörungen gelitten zu haben. Unter den ernsthaft Erkrankten mit sehr kritischen Verläufen gab es aber nur 7 %, die dieses Coronasymptom festgestellt haben.

Der Geruchsverlust dauerte bei den Befragten im Durchschnitt drei Wochen an. Ein Viertel litt sogar noch nach zwei Monaten daran, als sie die Erkrankung eigentlich schon überstanden hatten. Es gibt sogar Berichte, in denen Corona-Erkrankte auch noch nach einem halben Jahr nicht wieder richtig riechen konnten.

Die olfaktorische Dysfunktion ist bei leichten Covid-19-Formen häufiger als bei mittelschweren bis schweren Formen, und 95 Prozent der Patienten erlangen ihren Geruchssinn sechs Monate nach der Infektion wieder.

Jerome Lechien

Seltsames Phänomen der Parosmie: Patienten riechen vor allem üble Gerüche

Ein weiteres eher selteneres Phänomen, das mit einer Coronainfektion einhergeht, ist die Parosmie: Darunter versteht man eine Störung des Geruchssinns, bei der die Patienten vor allem nur noch üble Gerüche wahrnehmen und stark darunter leiden. Zunächst klingt das nach einem eher harmlosen Symptom, mit dem man noch ganz gut leben kann. Doch mit dem Verlust des normalen Geruchssinns leidet eben auch der Geschmackssinn und das ist für die Betroffenen im Alltag mehr als unangenehm.

Ist das Immunsystem dafür verantwortlich?

Die Forschenden rätseln noch immer, woran es liegen könnte. Man vermutet, die Störung des Geruchssinns könne mit der unterschiedlichen Antwort des Immunsystems zusammen hängen. Bei milden Verläufen ist diese deutlich anders als bei Patienten mit schwerer Erkrankung. Das Virus würde sich dieser Hypothese zufolge bei den mild an Corona Erkrankten nicht so weit im Körper ausbreiten, aber eine eher lokale Entzündung im Geruchssystem auslösen.

Einer weiteren Hypothese zufolge könnten auch die Nervenzellen in der Nase durch das Virus geschädigt werden. Wie stark der Geruch dann verloren gehe, hänge davon ab, wie stark die Geruchszellen beeinträchtigt wurden. Behandeln kann man dies nicht wirklich. Die Patienten erlangen ihren Geruch nach der erwähnten Zeit und einer Genesung vom Virus wieder zurück.

Quelle: Süddeutsche, Journal of Internal Medicine

Bildquelle: Getty Images/filistimlyanin

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