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Zu viel Freizeit? Schäuble schlägt vor, die Sommerferien zu verkürzen

Zu viel Freizeit? Schäuble schlägt vor, die Sommerferien zu verkürzen

Guter Vorschlag!?

Normalerweise freuen sich Schüler und Schülerinnen immer richtig auf lange Sommerferien, in denen sie entspannen oder eine längere Reise mit der Familie machen können. Jetzt schlägt Bundestagspräsident Schäuble vor, die Sommerferien zu verkürzen, und erntet dafür viel Gegenwind.

Verkürzte Sommerferien, um versäumten Stoff nachzuholen

Was Wolfgang Schäuble jetzt sicherlich gut gemeint vorschlägt, sorgt aktuell vielerorts für Diskussion und wird viele Schüler und Schülerinnen sicherlich nicht erfreuen. Da aktuell viele Schulen weiterhin bis zum Sommer nicht geöffnet werden könnten und die Schüler so viel Stoff verpassen, bringt er einen Vorschlag: Man könne die Sommerferien doch verkürzen.

"Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen."

Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident, Augsburger Allgemeine Zeitung

Seine Begründung: Dieser Schritt würde den Schülern die Möglichkeit bieten, den Unterrichtsstoff nachzuholen, der durch die Corona-Pandemie versäumt wurde. Profitieren würden davon laut Bundestagspräsident auch die Eltern, die ihre Schüler nicht mehr selbst im Homeschooling betreuen oder zwangsweise Urlaub nehmen müssten. Weiterhin meinte er, man könne ja auch noch nicht absehen, ob und wie lange man im Sommer verreisen könne.

So reagieren die Parteien auf Schäubles Vorschlag

Die Reaktionen sind bisher sehr deutlich: Zuspruch gibt es bisher kaum. Der bayerische Ministerpräsident Söder lehnte den Vorschlag Schäubles klar ab. Er sagte der Bild-Zeitung, dass Bayern nicht über eine Verkürzung der Ferien nachdenke, er aber wolle, dass niemand wegen Corona durchfällt. Auch SPD-Vize Kühnert steht dem Schäuble Vorschlag skeptisch gegenüber: "Ich glaube, dass Erholung ein ganz wichtiger Faktor in so einem Stressjahr ist."

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Lehrerverband skeptisch, Beirat für Familienangelegenheiten dafür

Der Chef des deutschen Lehrerverbands, Meidinger, sieht in kürzeren Ferien aktuell keine Lösung des Problems und denkt, dass das nicht den von Schäuble gewünschten Effekt hätte. Man müsse aktuell eher an einem Gesamtkonzept arbeiten, da diese Diskussion eher fehlgehen würde, so erwähnt er im Deutschlandfunk. Um die Hygienemaßnahmen einzuhalten, können zudem nicht alle Schüler und Schülerinnen gleichzeitig im Schulgebäude sein. Daher würde aktuell der Schulunterricht auch schrittweise eingeführt.

Eine positive Antwort auf Schäubles Vorschlag kommt aktuell nur vom Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt: Reiner Haseloff hält diese für "in Teilen geboten", denn man könne noch nicht vorhersagen, was passiere. Zudem gibt der wissenschaftliche Beirat für Familienangelegenheiten Schäuble recht: Lerndefizite können in dieser Zeit aufgeholt werden. Der Beirat berät das Bundesfamilienministerium in Fragen der Familienpolitik.

Tourismusbranche verärgert

Die Tourismusbranche reagiert verärgert. Vielen Hotels und Reiseveranstaltern brechen bereits die Umsätze weg und die Branche leidet unter Existenzangst, ähnlich wie die Gastronomie. Bisher haben bereits ein Drittel der Deutschen ihren Urlaub storniert. Aktuell gilt zudem noch eine Reisewarnung. Außenminister Heiko Maas sagte, man könne keine Prognose treffen, wie lange diese Warnung noch gelten würde und was im Sommer passiert.

Noch ist hier nicht das letzte Wort gesprochen. Aktuell war das Verkürzen der Ferien nur ein Vorschlag. Die Debatte darüber wird sicherlich weitergehen. Ausschlaggebend dafür werden sicherlich die Zahlen der Infizierten in den nächsten Wochen sein. Es bleibt abzuwarten, wie sich der langsam beginnende Schulbetrieb im Alltag mit gesonderten Hygienevorschriften etablieren kann. Einfach wird das für Lehrerinnen, Schüler und Eltern keinesfalls.

Lernen ja, aber Erholung ist auch wichtig

Eine Familie, die ihre Kinder zu Hause unterrichten muss, braucht auch Urlaub. Unabhängig davon, ob man ins Ausland verreisen darf, ist es wichtig, sich im Sommer zu erholen und die Zeit zu genießen. Eine Pause müssen sich in der Familie alle nehmen und Eltern als auch Kinder brauchen einen Tapetenwechsel. Sonst kann niemand im Herbst weiter lernen und mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Was bringen frustrierte Kinder auf den Schulbänken, die keine Sommerferien hatten? Man muss ja nicht weit reisen, um ein wenig Abstand zu bekommen. Doch es ist wichtig, den Schülern auch ihren Freiraum zu geben.

Bildquelle: Getty Images/Mukhina1
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