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"Freundin auf Zeit": Wie eine Doula euch rund um die Geburt unterstützen kann

Emotionale Hilfe

"Freundin auf Zeit": Wie eine Doula euch rund um die Geburt unterstützen kann

Habt ihr schon einmal etwas über die Arbeit einer Doula gehört? Diese Unterstützung bei der Geburt ist bei uns noch recht unbekannt. Wir haben mit einer praktizierenden Geburtsbegleiterin gesprochen und verraten euch, worin ihre wertvolle Hilfe besteht und was sie von einer Hebamme unterscheidet.

Was ist eine Doula?

Als ich vor zwei Jahren schwanger war, war mir der Begriff "Doula" noch völlig unbekannt. So geht es einigen Frauen, obwohl es diese Art der Geburtsbegleitung eigentlich schon seit dem Mittelalter gibt. "Doula" stammt aus dem Altgriechischen und heißt wortwörtlich "Dienerin" oder "Sklavin", natürlich wirkt dieser altmodische Begriff in der Ursprungsbedeutung sehr unterwürfig.

Damals standen Frauen häufig Doulas zur Seite, wenn es im Dorf oder Umkreis keine Geburtshelferin gab. Während Schwangere in der Schweiz sich zunehmend einer Doula anvertrauen, ist diese Art der Geburtsbegleitung in Deutschland und Österreich noch nicht sehr bekannt. Hier seht ihr Doula Stephanie Johne bei der Arbeit:

Was macht eine Doula?

Eine Doula ist eine nicht-medizinische Helferin. Sie ist also weder eine Geburtshelferin oder Hebamme, noch Krankenschwester. Sie übernimmt keine direkten medizinischen Aufgaben, sondern begleitet Frauen während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett eher emotional.

Vor allem Frauen, die große Bedenken während ihrer Schwangerschaft haben, sich unsicher in Bezug auf die Geburt fühlen, können von dieser Unterstützung profitieren. Laut dem Verein Doulas in Deutschland e.V. sollte eine Doula eine qualifizierte anerkannte Ausbildung durchlaufen und kann sich zertifizieren lassen. Zu ihren Aufgaben gehören:

  • psychischer Beistand während der Schwangerschaft
  • geschult im Umgang mit verschiedensten Geburtsverläufen
  • praxiserfahren mit Entspannungs- und Schmerzlinderungstechniken
  • persönliche Ansprechpartnerin und Vertraute der Familie
  • schützen die Intimsphäre der Eltern und unterstützen die Väter während der Geburt
  • geschult in aktivem Zuhören, nonverbaler Kommunikation und besonders empathisch
  • das Geburtsteam ergänzend

Darüber hinaus bieten manche Doulas Massagen an, Übungen mit dem Rebozo, also dem weiten mexikanischen Schulter-/bzw. Tragetuch, Yoga-Übungen oder teilweise auch Stillberatung. Sie stärken das Körpervertrauen der Schwangeren und informieren über Möglichkeiten und Angebote, die jungen Eltern zur Verfügung stehen.

Ich höre also zu, versuche herauszufinden, welches Bild Frauen von Geburt haben und was sie brauchen, um bestärkt und mit Selbstvertrauen in diese Erfahrung zu gehen. Es gibt mittlerweile viel Angebot – nicht alles ist etwas für jede Frau. Doulas unterstützen sehr individuell, wir schreiben einen Geburtsplan, wo wir verschiedene Szenerien durchspielen. Gerade in Zeiten von Corona gibt das Sicherheit. Die größte Angst der Frauen jetzt ist ganz klar, die Geburt alleine erleben zu müssen.

Doula Stephanie Johne

Eine Doula ist keine Hebamme, sondern ergänzt diese

Doulas dürfen keine Geburten in Krankenhäusern durchführen, sondern sie begleiten die Frauen und Familien dabei emotional mit fundiertem Wissen. Zudem muss eine Doula selbst eine Geburt erlebt haben, um diese Qualifikation zu erhalten.

Vor allem für Frauen, die unter Geburtsangst leiden kann eine solche Geburtsbegleiterin die richtige Hilfe sein. Es geht darum, die werdenden Mutter schon in der Schwangerschaft zu begleiten, trösten und ermutigen und ihr während der Geburt zur Seite zu stehen. Das kann auch schwangeren Frauen helfen, die nach einem Geburtstrauma Angst vor der zweiten Entbindung haben.

Eine Doula hat zwar ein medizinisches Verständnis, aber keine medizinische Kompetenz, sie arbeitet ausschließlich auf emotionaler Ebene und ersetzt nie eine Hebamme. Wir arbeiten also immer im Team und ergänzen uns in der Regel gut. Oft ist es so, dass Doulas vor allem dann extrem hilfreich sein können, wenn Frauen vorab keine eigene Hebamme haben. Es ist wichtig, dass zumindest eine vertraute Person die werdenden Eltern durchgehend begleitet.

Doula Stephanie Johne

Doula Stephanie Johne: "Wir sind Freundinnen auf Zeit"

Die Österreicherin Stephanie Johne ist Mutter eines kleinen Sohnes, nach dessen Geburt sie sich als Doula ausbilden ließ.

Welchen Weg bist du dann gegangen, um eine Doula zu werden?

Die Geburt von meinem Sohn vor vier Jahren war ausschlaggebend dafür. Wir hatten eine Hausgeburt geplant, die wunderschön gestartet ist und mussten dann kurzfristig ins Krankenhaus verlegen. Darauf waren wir nicht vorbereitet und dementsprechend lief das nicht so gut – obwohl wir nicht lange dort waren. Ich hatte daraufhin das Gefühl, irgendwas an diesem System ändern zu wollen.

Zwei Monate später bot sich mir die Möglichkeit, die Doula Ausbildung bei Angelika Rodler (DiA) & Debra Pascali-Bonnaro (DONA) zu machen und ich bin ohne zu zögern dem Ruf gefolgt. Das ging mit Still-Baby tatsächlich ganz gut, auch dank des Supports meines Partners.

Hebammen haben oft einen engen Terminkalender und es bleibt wenig Zeit für Emotionales: Wie kannst du als Doula Frauen nochmal ganz anders helfen als eine Hebamme das kann?

Ohne dass ich hier pauschalisieren möchte, ist es trotzdem oft so, dass Hebammen natürlich nur bestimmte Zeitfenster haben und ihre Begleitungen auch nur feste Termine vorsehen, bei denen es ja nicht nur um die Bedürfnisse der Mamas geht, sondern vor allem um das Kind.

Frauen, die sich für eine Krankenhausgeburt entscheiden ohne eigene Hebamme, haben diesen Austausch gar nicht. Da ist der Arzt Ansprechpartner Nummer eins. In beiden Fällen reicht der dabei gebotene emotionale Support oft nicht aus – vor allem nicht, wenn wir uns anschauen, welche gesellschaftlichen Paradigmen wir rundum das Thema Geburt verinnerlicht haben. Ein positives, Frauen in ihrer Urkraft bestärkendes Bild sieht anders aus! Schon allein um das zu überschreiben, kann es nicht genug Doulas geben, die zuhören und aufklären.

Unser Gesundheitssystem ist so sehr auf die körperlichen Veränderungen fixiert, dass die Frauen selbst der Transformation auf psychischer Ebene erst sehr spät Bedeutung zumessen. Die Schwangerschaft ist so eine zauberhafte Zeit (wenn sie nicht gerade beschwerlich ist, auch da gibt es Ausnahmen – aber gerade dann braucht es ja nur noch mehr Zuspruch und Support) – und wir verbringen sie hauptsächlich damit, beim Arzt zu sitzen und zu kontrollieren, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist. Das will ich per se nicht in Abrede stellen, aber es lässt eben wenig Spielraum für das große kleine Wunder, das diese Zeit ja auch ist.

Mit welchem Wissen stehst du als Doula einer Frau zur Seite?

Wir versorgen die Frauen mit Ressourcen, um vorab die richtigen Entscheidungen zu treffen, hören zu, sitzen Ängste und Sorgen mit den werdenden Eltern aus und verweisen im Zweifel weiter, wenn mehr psychischer Support gebraucht wird.

Wir spielen aber auch hier oft wieder eine Schlüsselrolle. Doulas kommen im Wochenbett oft über die Hebammen-Begleitung hinaus zu den Frauen nach Hause – Wochenbettdepressionen lassen sich so frühzeitig erkennen und abwenden, weil wir für diese Themen sensibilisiert sind und schnell Support dazu holen können.

Oft haben Doulas aber auch andere berufliche Hintergründe – je nachdem, was das ist, erweitert sich das Repertoire natürlich. Bei mir sind es beispielsweise Yoga, Reiki, Vaginal Steaming und die ayurvedische Küche. Ich begleite auch mit Entspannungstechniken, Meditationen, Reiki, Intimdampfbädern, Prä- und Postnatal Yoga und koche für die Frauen im Wochenbett nach Wochenbettrezepten.

Während trotz Corona die Bars an jeder Ecke voll sind, darf eine Gebärende nicht mit den beiden Personen ihres Vertrauens den Kreißsaal betreten, selbst wenn sie die Geburt vorher bereits über Stunden mit der Doula zuhause begonnen hat (so behelfen wir uns derzeit).

Doula Stephanie Johne

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf deine Arbeit aus: Darfst du die Frau in den Kreißsaal begleiten?

Grundsätzlich dürfen wir das. Im Moment ist es leider schwierig, was ich ganz schrecklich finde. Frauen werden damit sehr übergangen. Es gibt wenig Spielraum im Moment – einige Krankenhäuser lassen sich bereits wieder darauf ein, wenn die Doula eine negativen Corona-Test hat. Und trotzdem habe ich seit Anfang des Jahres mehr Anfragen denn je. Gerade in Zeiten wie diesen können wir – zumindest vorab und danach – offenbar verstärkt Sicherheit bieten.

Das kostet eine Doula

In Deutschland wird die Unterstützung durch eine Doula nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Kosten müssen privat getragen werden. Die Leistung umfasst dann zwei Vorgespräche, Rufbereitschaft (in der Regel 10 Tage vor bis 10 Tage nach dem errechneten Geburtstermin), telefonischen Kontakt, Erreichbarkeit, Anwesenheit während der Geburt und ein Nachgespräch. Weitere Vor- und Nachgespräche sowie Fahrtkosten werden extra berechnet.

Wie finde ich (m)eine Doula?

Geburtsbegleiterinnen arbeiten rein freiberuflich und sind nicht in Kranken- oder Geburtshäusern angestellt. Doch manche Geburtshäuser können euch eine Begleiterin vermitteln. In Deutschland kann man bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung - Familienbildung und Frauengesundheit Bundesverband e.V – eine Ausbildung zur Doula machen. Auch DONA International, die größte und älteste Doula-Vereinigung weltweit, bietet in Zusammenarbeit mit Doulas-in-Deutschland eine solche an. Ihr könnt also bei diesen Verbänden nach qualifizierten Geburtsbegleiterinnen fragen.

Wenn man selber keine Doula kennt und auch niemanden, der eine empfehlen könnte, kann man sich auf diesen Portalen informieren und unverbindlich umsehen:

Doulas in Deutschland
Doula-Info
Gesellschaft für Geburtsvorbereitung

Geburt in Bildern: So emotional kann Geburtsfotografie sein

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Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Wertvolle Hilfe

Wenn ich jetzt höre, was Stephanie alles bietet, bin ich wirklich überrascht. Obwohl meine Geburt gut verlief und ich jetzt keine größeren Ängste hatte, wäre eine persönlich Ansprechpartnerin zusätzlich toll gewesen. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt hatte meine Hebamme nicht wirklich Zeit für längere Gespräche bzw. ging es eher darum, dass es dem Baby gut geht und weniger um meinen emotionalen Zustand.

Zudem kann ich mir vor allem bei Schwangerschaftskomplikationen und Frauen, die psychisch sehr sensibel und schmerzemfpindlich sind eine solche Begleitung sehr gut vorstellen. Es ist schade, dass man diesen Service komplett selbst finanzieren muss. Daher kann sich diese Unterstützung leider wieder nicht jede Familie leisten. Doch was eine Geburtsbegleiterin bieten kann, ist sicherlich auch diese Kosten Wert.

Bildquelle: Getty Images/MangoStar_Studio

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