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Paracetamol in der Schwangerschaft: Gefährlich oder nicht?

© Getty Images/tommaso79
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Paracetamol gilt als DAS Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft, wenn diese wirklich nötig werden. In den vergangenen Jahren wurden aber immer mehr Studien veröffentlicht, die teils erschreckende Ergebnisse zu Langzeitfolgen des Medikaments liefern. Was es vor der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft zu beachten gibt.

Je weniger Medikamente in der Schwangerschaft nötig sind, umso besser. Schließlich gehen viele der Stoffe über unser Blut zum Baby über. Aber was, wenn du in der Schwangerschaft Fieber oder starke Schmerzen hast? Wenn es dir nicht gut geht, kann das ebenfalls Auswirkungen auf die Gesundheit deines Babys haben, sodass Medikamente nötig werden. Aus diesem Grund gilt es, die Einnahme von Medikamenten vorher mit deiner Ärztin, Hebamme oder in der Apotheke abzusprechen und diese vorher auch sehr gut abzuwägen. Denn so birgt auch die längerfristige oder unbedachte Einnahme von Paracetamol Risiken für dich und dein Baby.

Ist Paracetamol sicher in der Schwangerschaft?

In der Regel gilt Paracetamol in der Schwangerschaft als das Schmerzmittel der Wahl und wird auch vom unabhänigen Institut der Berliner Charité Embryotox als sicher eingestuft. Wenn du es einnimmst gilt aber: So wenig und für so kurze Zeit wie möglich. Denn gerade die längerfristige Einnahme könnte neuen Studien zufolge Einfluss auf die Gesundheit deines Babys haben. Bevor du dich aber verrückt machst: Ein unbehandeltes hohes Fieber oder starke Schmerzen sind mit viel Stress für deinen Körper verbunden, der ein Risiko für euch beide darstellt. Deshalb sind sich die Wissenschaftler*innen einig, dass eine ärztlich überwachte, kurze Einnahme von Paracetamol im Vergleich durchaus als sicherer einzuschätzen ist.

Studien zu Folgen von Paracetamol in der Schwangerschaft

Eine neue, umfangreiche Studie der dänischen Wissenschaftler*innen um David M. Christensen der University of Copenhagen sah sich die Daten zu Risiken des Medikaments genauer an. Sie kam zu dem Schluss, dass sich die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Babys auswirken könnte. Besonders neurologische Störungen, ein erhöhtes Risiko für Autismus, ADHS und Verhaltensstörungen traten häufiger auf. Auch Fortpflanzungsstörungen, vor allem in Jungen, und eine verfrühte Pubertät wurden mit Paracetamol in Zusammenhang gebracht. Dabei schien die unüberwachte und häufige Verwendung eine große Rolle zu spielen. Das Team von 91 Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen ist sich deshalb einig: Paracetamol sollte von Schwangeren nur unter ärztlicher Aufsicht bei Beschwerden eingesetzt werden und so kurz und niedrig dosiert wie möglich. Dann bleibt es das Mittel der Wahl.

Während der Schwangerschaft ist die Verwendung von Paracetamol wichtig für die Behandlung von Fieber und starken Schmerzen, die unbehandelt das Ungeborene oder die Mutter beeinträchtigen könnte. Fieber ist ein ernstzunehmneder Risikofaktor für viele Erkrankungen, u. a. Neuralrohrdefekte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben.

Bauer, A.Z., Swan, S.H., Kriebel, D. et al. Paracetamol use during pregnancy — a call for precautionary action. Nat Rev Endocrinol 17, 757–766 (2021).

Auch eine erst kürzlich veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Bristol kommt zu dem Schluss: Die Auswirkungen von Paracetamol auf das Ungeborene könnten gravierend sein. Die Untersuchungen zur sogenannten ALSPAC-Studie hatte Wissenschaftlerin Jean Golding bereits in den 1990ern gestartet, 14.000 Schwangere, die Paracetamol mehr oder weniger regelmäßig schluckten, nahmen teil. Deren Kinder wurden dann später auf Erinnerungsfähigkeit, Intelligenz und Entwicklung getestet.

Das Ergebnis: Besonders im Sozialverhalten zeigten sich viele Auffälligkeiten. Die Kinder verhielten sich beispielsweise unkonzentriert oder hyperaktiv. Auch eine Häufung von Asthma konnten die Forscher feststellen. Besonders in den Schwangerschaftswochen 18 bis 32 sei Vorsicht geboten: 44 % der schwangeren Studienteilnehmerinnen hatten angegeben, in der 32. Schwangerschaftswoche Paracetamol eingenommen zu haben.

Auffälligkeiten als Folge der Krankheit selbst?

Doch jetzt kommt das große Aber: Die Forscher können nicht ausschließen, dass die Krankheiten, zu deren Behandlung die Frauen Paracetamol einnahmen, dazu führten, dass die Kinder diese Symptome haben. Deshalb rät Studienautorin Prof. Jean Golding werdenden Müttern auch nicht grundsätzlich von der Einnahme ab. Man solle eine Medikation allerdings immer genau abwägen und sich von einem Arzt beraten lassen.

Auch frühere Studien waren bereits zu dem Resultat gekommen, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Paracetamol geschluckt haben, häufiger wegen Hyperaktivität auffallen. Die norwegische Mutter-Kind-Studie (Brandlistuen, 2013) geht außerdem davon aus, dass diese Kinder sich langsamer motorisch entwickeln würden – vorausgesetzt, das Schmerzmedikament wurde an mehr als 28 Tagen eingenommen.

ADHS, Entwicklungs- und Sprachstörungen

Ähnlich sind Ergebnisse der dänischen Forscher (Liew, 2014): Das Risiko an ADHS zu erkranken, sei deutlich erhöht, wenn Mütter Paracetamol in der Schwangerschaft einnehmen. Auch eine Studie aus dem Jahr 2016 setzt die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft mit späteren Entwicklungsstörungen der Kinder in Zusammenhang. Und eine schwedische Studie von 2018 gibt Hinweise darauf, dass die Sprachentwicklung des Kindes beeinträchtigt sein könnte – jedoch nur bei Mädchen.

Ist Paracetamol also ein echtes Teufelszeug, um das man als Schwangere einen großen Bogen machen sollte? Verständlich, dass die Verunsicherung bei werdenden Müttern angesichts solcher Studien groß ist.

Berliner Zentrum für Embyronaltoxikologie spricht von „unnötiger Verunsicherung“

Doch es gibt auch Stimmen aus der Wissenschaft, die beruhigen: Laut dem Berliner Zentrum für Embyronaltoxikologie (Embryotox) werden Schwangere unnötig verunsichert. Denn auf den zweiten Blick hätten die viel diskutierten Studien nicht unerhebliche methodische Schwächen: Es wurde weder die Dosierung der Schmerzmittel, noch die tatsächliche Einnahmedauer erhoben.

Auch die Diagnose ADHS basierte teilweise nicht auf ärztlichen Berichten, sondern lediglich auf Gesprächen mit den Eltern der betroffenen Kinder. Plus: Dass Krankheiten wie ADHS immer mehrere auslösende Ursachen haben, wurde nicht berücksichtigt. Genetische und familiäre Faktoren wurden außer Acht gelassen.

Weiterhin Empfehlung von Paracetamol als Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft

Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol und Entwicklungsstörungen ist also längst nicht bewiesen, so wie die Studien es glauben lassen. Die Ergebnisse seien lediglich ein „interessantes Signal“, auf deren Basis weiter geforscht werden solle.

Keineswegs seien sie ausreichend, die Empfehlung von Paracetamol in der Schwangerschaft als Schmerzmittel der Wahl zu beschränken oder gar aufzuheben, betonen die Embryotox-Forscher. Die gelte weiterhin für die gesamte Schwangerschaft.

Auch Ibuprofen ist – mit Einschränkungen – erlaubt

Ibuprofen, ein weiteres Schmerzmittel, das für werdende Mütter grundsätzlich erlaubt ist, sollte nur im ersten und zweiten Trimester eingenommen werden. Ab Schwangerschaftswoche 29 kann es dadurch nämlich zu einem vorzeitigen Verschluss eines Gefäßes in Herznähe kommen und Nierenschäden verursacht werden.

Von Acetylsailcylsäure rät man bei Embryotox, das unabhängig vom Einfluss von Arzneimittelfirmen oder anderen Interessengruppen forscht, dagegen ganz ab. Sie steigere die Gefahr für Blutungen und kann ebenso den Verschluss des Gefäßes in Herznähe begünstigen. Ausnahme: Eine sogenannte "Low-dose-Behandlung" zur Vorbeugung wiederholter Fehlgeburten und Präeklampsie.

Fazit: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Grundsätzlich gilt: Wer so wenig wie möglich Schmerzmittel schluckt, der muss sich keine Sorgen machen. Falls andauernde Schmerzen oder Fieber eine regelmäßige Einnahme nötig machen, sollte man das unbedingt mit einem Arzt abklären.

Für alle Fälle: Lade dir am besten die Embryotox App herunter, um die Sicherheit von Medikamenten zu überprüfen. Das unabhängige Institut der Berliner Charité gibt Empfehlungen basierend auf der neuesten Datenlage ab.

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