Kinesiotape in der Schwangerschaft - sanfte Hilfe bei Beschwerden

Kinesiotape ist nicht nur das Geheimrezept von Leistungssportlern. Auch während der Schwangerschaft kann Kinesiotaping gegen viele Beschwerden helfen. Tape aufkleben und sofort beschwerdefrei: Ist es wirklich so einfach? Die Fakten.


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Leistungssportler schwören auf die bunten Bänder: Kinesiotape. Aber auch der Körper einer Frau erbringt während der Schwangerschaft Höchstleistungen. Dass Muskulatur, Bänder und Nervenstränge wie der Ischias bei solchen Belastungen irgendwann kapitulieren, ist klar. Deshalb setzen auch immer mehr Hebammen auf Kinesiotape in der Schwangerschaft. Die elastischen Baumwolltapes wirken gezielt an den betroffenen Muskelgruppen, entlasten und unterstützen. Außerdem regen sie die Durchblutung und die Stoffwechselaktivität des Körpers an. "Kinesiotape in der Schwangerschaft ist sinnvoll in den Bereichen unterer Rücken und Ischias, zur Symphysenlockerung, bei Wassereinlagerungen, insbesondere beim Karpaltunnelsyndrom. Nach einem Kaiserschnitt lässt sich die Narbe so wunderbar stabilisieren. Auch die Stillbrust kann manchmal durch ein Tape stabilisiert bzw. der Lymphfluss verbessert werden.", erklärt Hebamme Jana Friedrich vom hebammenblog.

Kinesio-Tape: Kinesiotaping in der Schwangerschaft


© iStock

Anwendung von Kinesiotape in der Schwangerschaft


• bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule
• bei Nacken- und Schulterverspannungen
• bei Schmerzen im Iliosacralgelenk (ISG)
• bei Ischias-Schmerzen
• zur Entlastung der Bauchmuskulatur
• zur Unterstützung der Bauchmuskulatur
• bei einem Karpaltunnelsyndrom
• bei Lymph-Abflusses Problematik (Wassereinlagerungen)
• bei Schwellungen der Beine (Ödeme)

Am häufigsten wird das Kinesiotape aber bei Rückenschmerzen in der Schwangerschaft angewendet, vor allem im unteren Lendenwirbelbereich. Das Vertrackte: Gegen diese Schmerzen können Schwangere kaum etwas tun. Durch Hormone werden Bänder und umliegendes Gewebe stark gelockert und durch den wachsenden Babybauch zusätzlich überdehnt. Am besten hilft es, die betroffenen Muskeln so oft es geht zu entlasten und zu massieren, damit sie nicht zu sehr verkrampfen. Und genau dabei soll das Kinesiotaping helfen.
Wirkung des Kinesiotapes
Das Kinesiotape kommt ursprünglich aus Japan. Der Erfinder ist Kenzo Kase, ein Chiropraktiker. Er experimentierte zunächst mit ganz normalem Sporttape, entwickelte aber letztlich ein Tape, das in seiner dicke, seinem Gewicht und der Dehnbarkeit den Eigenschaften unserer Haut ähnelt. Das Kinesiotape ist also wie eine zusätzliche Haut, die auf die schmerzenden Muskelgruppen geklebt werden kann. Eine dünne Schicht Acrylkleber sorgt dafür, dass das Tape lange hält – über einen Woche. Selbst Duschen ist damit problemlos möglich.

Die positive Wirkung auf die Muskeln kommt daher, dass die Haut durch das elastische Tape bei jeder Bewegung ganz sanft angehoben und massiert wird. Das regt Lymph- und Blutfluss an, Muskeln werden stärker durchblutet und lockern sich dadurch.

Wird bei der Anlegetechnik zusätzlich mit Zug gearbeitet, hat das Tape auch eine stabilisierende Wirkung auf den Körper. Bei schwangeren Frauen wird das Kinesiotape deshalb auch unter und auf dem Bauch angelegt. Es unterstützt die seitlichen und geraden Bauchmuskeln dabei, das Gewicht des Babys zu tragen. Je nachdem, wie geklebt wird, kann das Kinesiotape also gegen viele Beschwerden helfen. Selbst bei geschwollenen und schweren Beinen soll das Tape Linderung verschaffen. 

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Hilft Kinesiotaping wirklich so gut?

Klingt irgendwie nach Wundermittel: Tape aufkleben und alle Beschwerden sind weg. Doch einen sicheren wissenschaftlichen Nachweis über die Wirksamkeit des Kinesiotapes gibt es nicht. Derzeit muss man sich noch auf Erfahrungsberichte stützen. Auch wir haben festgestellt, dass in Internetforen viele Frauen darüber schreiben, dass Ihnen Kinesiotape in der Schwangerschaft sehr geholfen hat. Doch solche Einschätzungen sind wie gesagt sehr subjektiv. Und was für die einen selbst gut ist, kann für einen anderen wiederum weniger hilfreich sein. Andere Frauen schwören z.B. auf Akupunktur in der Schwangerschaft. "Ich denke es kommt immer auf das Beschwerdebild an. Gerade bei einer Symphysenlockerung, die sehr schmerzhaft sein kann, bewirken Tapes oft Wunder. Meiner Erfahrung nach helfen sie oft sogar besser als die speziellen Gurte, die es hierfür gibt. Denn das Tape wird der Frau ja quasi auf den Leib geschneidert. Bei Wassereinlagerungen oder einem Karpaltunnelsyndrom kann auch Akupunktur sehr gut helfen. Oder Physiotherapie. Es gibt oft einfach verschiedene Wege, die zum selben Ziel führen", weiß auch Jana Friedrich. 
Keine Selbstexperimente
Experimentieren Sie aber bitte nicht selbst mit dem Tape. Lassen Sie es nur von geschulten Ärzten, Physiotherapeuten oder Hebammen anlegen. Jeder, der das Kinesiotaping anbietet, musste dafür eine spezielle Zusatzausbildung absolvieren. Jana Friedrich gibt außerdem zu Bedenken: "Es sollte niemals zirkulär getapt werden, da der Blutfluss gestört werden kann. Solch ein Fehler wäre bei einer Schwangeren schlimmer, da sie in der Regel schneller Ödeme entwickelt, die die Situation verschärfen könnten. Auch kann bei falscher Anwendung der Lymphfluss gestört werden. Da das Tape auf heiler Haut angewendet werden sollte, wäre ich auch auf Haut mit sehr starken Schwangerschaftsstreifen sehr vorsichtig." Angst vor allergischen Reaktionen brauchen Sie aber nicht haben. Selbst Frauen mit einer Pflasterallergie reagieren nur selten auf das Tape. Es klebt - anders als herkömmliche Pflaster - dank einer hautfreundlicheren Acrylschicht. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie unter Neurodermitis leiden oder einen Schwangerschaftscholestase haben. Da die Haut dann onehin schon sehr empfindlich ist, kann das Tape eventuell eine Verschlechterung bewirken.

In Foren zu dem Thema wird immer wieder auch darüber diskutiert, dass Kinesiotaping vorzeitige Wehen verursachen kann. Jana Friedrich gibt Entwarnung: "Das wäre mir neu. Davon habe ich noch nichts gehört." Jedoch betont Sie, dass von jeglicher Manipulation am Bauch und im unteren Rücken-Bereich abzuraten sei, wenn bei einer Schwangeren zuvor vorzeitige Wehen aufgetreten sind.
Machen oder lassen?

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Kinesiotaping in der Schwangerschaft durchaus eine sanfte Methode sein kann, Beschwerden zu lindern – und zwar ganz ohne Medikamente. Gerade Schwangeren sind in Sachen Schmerzbehandlung ziemlich die Hände gebunden. Soweit es geht sollten Schmerzmittel in der Schwangerschaft vermieden werden. Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass das Kinesiotape bei jedem den gleichen Erfolg bringt. Da das Kinesiotaping auch in der Schwangerschaft mit keinem Risiko verbunden ist, ist es durchaus einen Versuch wert. Um es aber nochmals zu betonen: Keine Selbstexperimente! Fragen Sie bei Ihrer Hebamme nach, ob Sie selbt die notwendige Zusatzausbildung hat oder ob Sie Ihnen einen ausfebildetetn Physiotherapeuten oder heilpraktiker empfehlen kann.

Wichtig: Da die Krankenkassen das Kinesiotaping als alternative Heilmethode einstufen, übernehmen sie dafür in der Regel keine Kosten. Pro Sitzung müssten Sie – je nach Umfang – mit fünf bis 25 Euro pro Sitzung, plus Material, rechnen.

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