Babyblues: Bis Mutter und Baby im Einklang spielen

Endlich ist das Baby da aber das große Mutterglück will sich nicht so recht einstellen. Keine Angst, das ist der Babyblues, der fast jede Frau im Wochenbett heimsucht. Lassen Sie die schlechte Laune ruhig zu. Ihr Körper braucht Zeit, um sich wieder zu regenerieren und den Hormonhaushalt zu stabilisieren.


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Den Babyblues im Wochenbett hat jede frisch gebackene Mutter

Wenig Schlaf trotz anstrengender Geburt: der Babyblues spielt sein trauriges Lied


© Thinkstock
Statt der erwarteten Glücksgefühle überkommt Sie das große Elend und Sie brechen bei Kleinigkeiten in Tränen aus. Alles ist Ihnen zu viel, und Sie befürchten, die neue Herausforderung nicht bewältigen zu können. Es ist, als würden die „guten Hoffnungen“, die Sie neun Monate begleitet haben, einfach nicht erfüllt werden. Seien Sie beruhigt: Es ist völlig normal, dass eine Mutter in den Tagen nach der Geburt nicht nur glücklich ist. „Während und nach der Geburt werden die meisten Frauen mit Gefühlen konfrontiert, die sie vorher nicht kannten und sich auch niemals vorstellen konnten“, sagt die Hebamme und Buchautorin Bettina Salis.

Der ganz normale Wahnsinn


Die sogenannten Heultage treten in der Regel in der ersten Tagen des Wochenbetts auf und klingen nach einigen Tagen, aber spätestens nach einer guten Woche wieder ab. Je nach Erhebung verwandeln sich in dieser Zeit 50 bis 85 Prozent der Mütter in seelische Mimosen. Der Babyblues, wie man diese Stimmungslabilität nach der Geburt auch nennt, gilt im medizinischen Sinn nicht als Krankheit und muss fast nie behandelt werden. Ruhe, Zuwendung und Unterstützung reichen in der Regel, damit sich das Nervenkostüm der Wöchnerin wieder stabilisiert.

Viel ernster ist eine Wochenbettdepression. Obwohl sie in kaum einem Vorbereitungskurs je erwähnt wird, ist die postpartale Depression vermutlich die häufigste Komplikation im Wochenbett. Je nach Erhebung schätzen die Experten, dass 10 bis 15 Prozent aller jungen Mütter daran leiden. Es handelt sich dabei um eine Krankheit - daher muss die Frau auch behandelt werden, damit sie möglichst schnell wieder aus diesem Tief hinauskommt. Der Babyblues ist dagegen verhältnismäßig harmlos und der „ganz normale Wahnsinn“ nach der Geburt. Schuld an dem Gefühlschaos ist eine erneuete plötzliche Hormonumstellung.

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Die Hormone stürzen in den Keller

Der Abgang des Mutterkuchens bedeutet nicht nur den Abschluss der Geburt, sondern leitet gleichzeitig einen gewaltigen hormonellen Umschwung ein - und das bekommen junge Mütter, ähnlich wie beim prämenstruellen Syndrom, mal stärker, mal schwächer einige Tage nach der Geburt zu spüren. In der Schwangerschaft ändert sich die Hormonmenge im weiblichen Körper zum Teil erheblich, so ist zum Beispiel das Östriol (ein Hormon aus der Östrogen-Gruppe) etwa um das Tausendfache erhöht.

Über die Plazenta wird das Kind während der Schwangerschaft mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Dort werden aber auch die Schwangerschaftshormone gebildet. Mit der Nachgeburt verlässt diese Hormonproduktionsstätte den Körper.

Ein paar Tage lang zirkulieren noch Restmengen des Hormons im Blut der Mutter, dann kommt es zu einem regelrechten Absturz: Die Level von Östrogenen, Endorphinen und Progesteron stürzen in den Keller, die Konzentration sinkt zum Teil um das 50- bis 100-fache. Dieser hormonelle Umbruch findet besonders am dritten bis siebten Tag nach der Geburt statt und gilt als Hauptursache für den Babyblues. Im Körper einer Frau finden niemals sonst in ihrem Leben vergleichbare hormonelle Schwankungen statt - und das wirkt sich natürlich auch auf die Seele aus.
Das Baby ist da - und nicht zu überhören
Im Vergleich zu jetzt war der kleine Schreihals im Babybauch noch so friedlich. Trotz der anstrengenden Geburt macht sich Ihr Kind deutlich bemerkbar - morgens, mittags, abends und nachts. Der Schlaf kommt dabei natürlich zu kurz und das schlägt aufs Gemüt. Doch es sind nicht nur die Hormone schuld daran, dass die Tränen in diesen Tagen so reichlich fließen. Auch die neue Situation trägt dazu bei, dass die Mutter labil ist: Das Baby fordert seine Mutter mit Haut und Haaren. Alle zwei bis vier Stunden meldet sich der Säugling und verlangt nach Nahrung. In der ersten Euphorie des Mutterseins hält die Frau dies zunächst gut durch, doch nach einigen Tagen macht sich der chronische Schlafmangel bemerkbar.

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Das Wissen, dass dieser Zustand die nächsten Wochen oder gar Monate anhalten wird, trägt nicht gerade zur Entspannung bei. Und selbst wenn das eigene Baby selig schlummert, findet die Mutter häufig nicht die nötige Ruhe. Die fremde Umgebung des Krankenhauses, die Visiten, das schreiende Kind der Bettnachbarin und vor allem: Die vielen Besucher, die „nur mal kurz reinschauen“ wollen, um das Neugeborene zu begrüßen - das alles zerrt am Nervenkostüm der Wöchnerin.

Hinzu kommt das körperliche Unwohlsein: Der Bauch, den man noch vor wenigen Tagen stolz vor sich her schob, ist nun ein lascher Hautsack, und es dauert einige Zeit, bis er halbwegs wieder eine normale Form annimmt. Auch empfinden viele Frauen den blutigen Wochenfluss als sehr unangenehm. Wenn man all dies bedenkt, ist es eigentlich völlig verständlich, dass einer Mutter in den ersten Tagen die Tränen kommen - selbst wenn sie ein bezauberndes, kleines Baby in den Armen hält. 

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Fast so als wäre nichts gewesen?

Viel tun kann (und muss) man gegen den Babyblues nicht. „Der Umgang mit diesen Gefühlen ist meist einfacher, wenn die Frau den Babyblues als etwas Normales und zur Geburt Dazugehöriges betrachtet“, meint der Frauenarzt Dr. Kai J. Bühling. Was jetzt auch gut hilft: So früh es geht, mit leichter Rückbildungsgymnastik beginnen. Und zum Glück hat die Natur es so eingerichtet, dass wir die Strapazen der Geburt nach relativ kurzer Zeit wieder vergessen - und uns nach einigen Monaten vielleicht schon fast wieder vorstellen können, noch einmal ein Kind zu bekommen.



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