Carlas Kolumne

Eltern

Carlas Kolumne

Jung-Mama Carla berichtet auf familie.de über ihr Leben als Mutter und Erlebnisse mit ihrem Sohn. Diesmal geht es zum Arzt ....

Früher ging mein altes ICH zum Arzt. Und wie das so als Kassenpatient ist, hockt man erst mal ne Weile im Wartezimmer. Als Nicht-Mum blättert man dann in Frauenzeitschriften, schaut sich die neuesten Styles und Trends an, schmökert Schminktipps und liest das Horoskop. In aller Ruhe. Bis man aufgerufen wird und endlich zum Arzt kann – wo man ja hin will. Aber man ist genervt. Weil man sooo lange – in aller Ruhe – warten muss! Als Mum sieht die Sache dann manchmal etwas anders aus, wenn Mum den Mäusemann mitnehmen muss. Denn es kann auch so laufen:

Möglichkeit a)

Der Mäusemann freut sich auf Mums Arztbesuch. Schließlich gibt es da im Wartezimmer einen Spielbereich mit gaaanz tollen Spielsachen und Büchern. Wir gehen also an den Empfang und die freundliche Arzthelferin teilt uns freudig mit, dass wir den besten Termin des Tages erwischt haben. Wir müssen heute gar nicht warten! Wir dürfen sofort ins Arztzimmer, sind wirklich gleich dran und können dann ganz schnell auch wieder gehen! Super Sache! Toll! Findet die Arzthelferin. Ich finde das die ersten 20 Sekunden auch. Doch dann äußert der Mäusi seine Meinung dazu. Er findet es nämlich überhaupt nicht in Ordnung gleich wieder zu gehen! Er hat ja schließlich noch gar nicht im Wartezimmer gespielt! Also schreit und tobt mein Schatz während wir ganz schnell ins Behandlungszimmer dürfen und wieder gehen können. Toller Plan, uns ohne warten heute dran zu nehmen.

Möglichkeit b)

Wir fahren zum Arzt. Im Auto fragt der Mäusi plötzlich: „Mami, hast du mein Schnuffel?!“ Hmmmm … habe ich das Schnuffeltuch eingepackt?! Ich durchwühle während des Fahrens die riesige Tasche. Kekse, feuchte Tücher, Taschentücher, Ersatzklamotten, Spielzeugautos, PixiBücher, … - aber kein Schnuffel! Was nun passiert?! Kompletter Wut-Tobsuchts-Anfall. Der Mäusemann tickt völlig aus. Alle Tricks und Ablenkungsmanöver bringen nichts. Also trage ich das wütende Kind in die Arztpraxis, um uns anzumelden. Leider versteht uns die leicht irritierte Arzthelferin nicht. Das Toben des Mäusileins ist einfach zu laut. So laut, dass selbst der Arzt mal kurz seine Behandlung unterbricht und aus Sprechzimmer 1 schaut, um zu sehen welcher Tornado hier durch seine Praxis stürmt. Auch im Wartezimmer mag der Mäusi heute nicht spielen und sich auch nicht beruhigen. Kein Gummibärchen der Welt tröstet … nein! Das Schnuffel soll her. Das weiß hier mittlerweile JEDER. Die anderen Patienten schauen entsetzt, schockiert bis hilflos. Ich bin auch mit meinem Latein am Ende. Es hilft kein Trösten, kein Schimpfen, kein Ablenken. Nichts. Der Arzt hat die rettende Idee: wir sollen nicht warten und sind natürlich vorgezogen und können gleich mit ins Behandlungszimmer. Die anderen Wartenden sind natürlich einverstanden länger zu warten – Hauptsache das brüllende Kind kann hier weg ... schnell zum Arzt rein und wieder raus.

Und die Moral von der Geschicht: im Wartezimmer gemütlich Lesen, darüber beschwert man sich nicht!!

Das Leben zwischen zwei ICHs

Ab sofort berichtet Carla monatlich auf familie.de über ihr Leben als Mutter und Erlebnisse mit ihrem Sohn. Im ersten Teil geht es um Veränderungen im Leben, die ein Kind mit sich bringt.

Foto: Privat

Ich muss mich kurz vorstellen. Ich bin Carla. Ich bin 27 Jahre alt und seit einigen Monaten halb-alleinerziehende Mutter eines bezaubernden Sohnes.
Kindesvater ist mein NICHT-Freund. Was immer das auch sein mag. Es ist kompliziert. Er ist mein Freund und doch nicht. Klingt komisch… ist aber so. Er wohnt weiter weg, kommt aber jedes Wochenende zu uns. Aber zum NICHT-Freund ein anderes Mal mehr. Bisher lebte ich quasi nachts in einem Club und tagsüber im Pferdestall. FREIHEIT war mein Lebensmotto… doch zack… plötzlich sitzt man ratlos auf der Toilette und starrt auf einen Schwangerschaftstest auf dem sich ein Streifen hellrosa färbt. Und man überlegt ob hellrosa auch zählt oder ob das Ding doch dunkelrosa werden muss. Was ich an diesem Tag gelernt habe? Ja, hellrosa zählt auch. Nun ja… jetzt bin ich also eine Mama und mein Leben wurde mit meinem kleinen Mäusemann auf den Kopf gestellt. Und ziemlich oft habe ich mich in meiner Rolle noch nicht ganz eingefunden. Vieles sagt einem auch keiner über das Schwangersein und das Leben mit einem Kind. Man weiß also auf keinen Fall auf was MUM sich da einlässt. Darum lebe ich gerade zwischen zwei ICHs. Für mein Umfeld des Öfteren auch nicht ganz einfach. Und ich sage euch: neues ICH als MUM und altes ICH die Disco-Tussi stehen sich manchmal ganz schön im Weg…

Glucken – man nennt es wohl auch Muttergefühle

Mein altes ICH war genervt von gluckenden Müttern, die nur von ihrem Baby erzählen, ständig besorgt sind, nichts anderes im Kopf haben… einfach nur gluck-gluck-gluck. So – da war sich mein altes ICH sehr sicher – würde ich niemals nie werden falls der Fall eintreten sollte selbst mal ein Kind zu bekommen. Mein neues ICH hat gelernt: Muttergefühle hat man nicht von Anfang an, aber wenn man sie hat hauen sie einen um. Die meisten Frauen sind schwanger und freuen sich auf das ungeborene Baby welches da demnächst schlüpfen wird. Sie sind im Einklang mit sich und ihrem monströsen Bauch. Sie streicheln ihn und reden mit ihm und sind einfach nur SCHWANGER. Ich hatte ein eher kritisches Verhältnis zu dem Mietnomaden und dem neuen Volumen welches ich gerne zu verdrängen versuchte… ja, auch im 9. Monat kann man sich einbilden mit einem Schal den Bauch kaschieren zu können! Und dann die Geburt. Zwischendrin wäre ich gerne aufgestanden und nach hause gegangen. Es tat höllisch weh, ich war nur noch müde und vor dem Mann der einen eigentlich sexy finden soll war das alles ziemlich ungeil. Dann war dieses kleine, zerknautschte Wesen da – welches noch nicht sehr schön aussah – und lag auf dem Bauch. Befremdlich. Ich musste ihn die ganze Zeit anstarren. Erst Stunden später als alle ersten Besucher gegangen waren, beschnupperte ich im wahrsten Sinne des Wortes den kleinen Kerl. Ich musste einfach an ihm riechen. Immerzu. Als dann nachts eine Schwester kam, um das Baby für eine Stunde mit zu nehmen damit ich nach so vielen Stunden ohne Schlaf zur Ruhe kommen konnte, nahm ich das Angebot dankend an. Doch nach nur 10 Minuten ohne den Mäusemann rannte plötzlich mein neues ICH – wenn man das breitbeinige Gewatschel bedingt durch die Katastrophe die zwischen meinen Beinen angerichtet war so nennen kann – ins Schwesternzimmer wo ich tränenüberströmt nach meinem Baby verlangte. Zum ersten Mal in meinem Leben hätte ich auf ALLES verzichtet – inklusive meinem kostbaren Schlaf – ohne zu zögern, wenn nur mein Baby bei mir war! Und da war es geboren das neue ICH. Und das Muttergefühl. Und die Glucke in mir. Es lässt sich wohl kaum vermeiden… Gluck… gluck… gluck!

Der Plan und die Spontaneität – was ist das??

Carla hatte früher ihre Tage gut geplant. Doch ihr kleiner Noah hält sich meist nicht an den Plan. Und mal spontan sein, ist auch schwer ...

Foto: Privat

Mein altes ICH war ein Organisationstalent. Ich plante den Tag. Die Woche. Am besten den ganzen Monat im Voraus. Ein Tag sollte klar strukturiert sein. Klar, ein wenig spontan kann man die eine oder andere Sache auch noch laufen lassen. Aber ein Plan ist toll. Und ich liebe Pünktlichkeit. Doch mein neues ICH musste eines schnell lernen:

ein Baby macht, was es will!

Mum möchte pünktlich um 10 Uhr beim Yoga sein? Spuckt sich der Mäusemann doch auf dem Weg in den Maxi Cosi noch mal ordentlich voll, damit Mum ihn auf jeden Fall noch mal umziehen muss. Und wenn Mum Glück hat, bekommt Mum selbst auch noch ne ordentliche Portion ab. Und wenn es richtig gut läuft, verschwindet die Hälfte der halb verdauten Babymahlzeit in den Haaren, die Mum sich ausnahmsweise doch mal geglättet und gestylt hat. Naja, dann heute eben kein Yoga. Meine Freundin ruft an, ob wir spontan einen Kaffee trinken gehen. So in ca. 30 Minuten?? Ähm … einen Augenblick. Mal überlegen, was vorher noch erledigt werden muss: Stillen, Wickeln, Anziehen, Tasche packen mit Windeln – Trinkfläschchen - Obstbrei-Gläschen – Lätzchen – Löffelchen - Schnuffeltuch, mich selbst anziehen und fertig machen, ab in den Maxi Cosi … ähm, nein das schaffe ich wohl eher nicht. Möchte Mum am frühen Abend Essen gehen mit Freunden, brüllt das Kind im Lokal müde vor sich hin und möchte ausnahmsweise nicht auf dem Arm einschlafen. Der Mäusemann quengelt bis Mum das Restaurant verlässt als das Sushi gerade serviert wird und bevor Mum etwas gegessen hat, um im Auto auf dem Heimweg wieder gut gelaunt vor sich hin zu brabbeln, was das hungrige Knurren des Magens übertönt. Wenigstens muss ich mir über einen fetten Arsch keine Gedanken machen. Ein gut geplanter Tag wie ich ihn mir vorstelle: Morgens Krabbelgruppe, danach noch auf der Arbeit vorbei, anschließend Einkaufen und evtl. noch einen kleinen Stadtbummel anhängen, wenn man schon mal in die Stadt gefahren ist. Hört sich gut an. Doch nach dem Krabbeln ist der Mäusemann so müde, dass er das Büro zusammenbrüllt. Aaah, da freuen sich die Kollegen, mich wieder zu sehen. Einkaufen muss noch sein, im Kühlschrank befindet sich nur noch Marmelade und Butter. Zum Glück ist das Baby im Auto auf dem Weg vom Büro zum Supermarkt eingeschlafen. Was nun? Weiter im Kreis fahren so ca. eine Stunde und 200 km lang bis der Mäusemann wieder aufwacht? Einkaufen und das Kind im Auto schlafen lassen? Den Maxi Cosi auf den Einkaufswagen packen … das ist der Plan. Also raus aus dem Auto mit dem Babysafe … gaaanz vorsichtig, damit er nicht aufwacht. Rein in den Supermarkt, so schnell wie möglich durch die Gänge flitzen und Lebensmittel in den Wagen schmeißen … und da brüllt plötzlich die schwerhörige Oma in der Gemüseabteilung so laut, dass der Kleine natürlich sofort die kleinen Äuglein erschrocken bis entsetzt aufreißt: „Oooooooooh, ist das süß! Ein Mädel oder ein Bub??“ - Hm, mein Kind ist heute ausnahmsweise mal komplett blau angezogen. Was wird es wohl sein!? Die Laune des Mäusemanns ist natürlich nach der brüllenden Weck-Attacke auf dem Nullpunkt angelangt. Jetzt noch ein Stadtbummel?! Ähm, vielleicht nächste Woche.

Als Mum sieht man manchmal etwas merkwürdig aus

Von der Disco-Tussi zur Mum: Im zweiten Teil ihrer Kolumne erzählt Carla von der optischen

Verwandlung zur Mum.

Foto: Privat

Mein altes ICH – Disco-Tussi. Immer gestylt, geschminkt und ordentlich angezogen. Gerne im Kate Moss-Style. Selbst schwanger mit Monsterbauch legte ich wahnsinnig viel Wert darauf und wurde im Geburtsvorbereitungskurs die Stylo-Mum genannt. So eine seltsame Umstands-Latzhose kam nicht in meinem Kleiderschrank. Dafür eben eine Umstands-Hotpants. Jaaa, so was gibt es!
Mit einem Kind gelingt dies alles nicht immer so gut. Ich – die gerne die Stylo-Mum geblieben wäre – habe da also ein Problem: Mum sieht zuweilen etwas seltsam aus. Das beste Make up kann irgendwann nicht mehr, wenn es Augenringe überdecken soll, die alles überschatten. Augencremchen nützen vielleicht gegen Augenringe einer durchfeierten Nacht, aber gegen kratertiefe Augenringe von fünf fast durchwachten Kind-bekommt-Zähne-Nächte!? Babykotze auf dem Shirt fällt einem nach dem 4. Mal umziehen am Tag irgendwann auch nicht mehr auf. Ebenso wie Breiflecken wenn der kleine Mäusemann den mütterlichen Busen samt Shirt mal wieder als Serviette benutzt und mit seinen Breifingerchen wild um sich gegrabscht hat (beim Essen könnte man denken er ist ein Octopus mit acht Armen). Anziehen sollte Mum sowieso nur noch schwarz – da sind Kürbisbrei-Flecken weniger dramatisch wie auf der guten weißen Bluse und außerdem fällt damit der ungeheuerliche Dolly Buster Busen nicht so auf. Schicke, heiße Unterwäsche hat mein Körper auch ewig nicht erblickt…weder für mein Selbstwertgefühl noch für meinen MC Dreamy. Wie soll man bitte auch in einem Victoria Secret BH eine Stilleinlage verstauen ohne dass sie sich unterwegs herausmogelt und an der Kasse im Geschäft aus dem Shirt gleitet?! Ans Stillen denken wir erst mal gar nicht. Also gibt es halt vorerst nur den Still-BH der so scharf aussieht wie die Unterwäsche die an der Wäscheleine meiner 76jährigen Nachbarin hängt. Die Haare, welche keine Frisur mehr besitzen – wann soll Mum denn bitte mindestens drei Stunden zum Friseur für waschen, schneiden, Strähnchen…..!?! Okay dann sind die Haare im Zopf doch besser aufgehoben. Durch hormonbedingten Haarausfall (jetzt weiß ich endlich warum so viele Mütter üble Kurzhaarfrisuren tragen!) will Mum den paar übrig gebliebenen Haaren ja nicht auch noch das Glätteisen zumuten. Und ganz ehrlich: manchmal hat Mum eben nur ein rasiertes Bein, da das Baby aufgewacht ist bevor man beim Blitzduschen beide rasieren konnte. Und ja, die ausgeleiherte, ausgewaschene, schlabbrige Jogginghose ist echt bequem. Es ist so, der Mäusemann sieht manchmal stylomäßiger aus wie ich. Und er ist ja sooooo süß!

Als Mum verhält man sich manchmal ziemlich eigenartig

Carla wollte nie in der "Baby-Duzi-Duzi"- Sprache mit ihrem Baby sprechen. Doch genau das passiert täglich und noch vieles mehr...

Foto: Privat

Mein altes ICH dachte immer: Wenn ich jemals ein Kind haben sollte – was ich eigentlich nicht vorhabe – werde ich ihm niemals nie mit einem Tuch und etwas Spucke die Backe abwischen! Davon war ich sehr überzeugt. Das hat mein neues ICH auch noch nicht gemacht. Mum braucht kein Tuch um etwas von der Backe zu wischen, Spucke und ein Finger genügen. Mein altes ICH dachte: Ich werde niemals in baby-duzi-duzi Sprache mit meinem Kind reden! Aber es passiert. Plötzlich merkt das neue ICH, dass Mum mit einem Mäuschen-mit-Glöckchen-Beißring wedelt und quietschende, gurrende Geräusche von sich gibt. Und wenn der kleine Mäusemann dann zauberhaft lacht, wenn Mum sich zum Affen macht, dann hört Mum einfach nicht mehr auf damit. (Glücklicherweise passiert das auch dem Daddy, der - natürlich ziemlich cooler Typ - zuhause plötzlich 3 Oktaven höher spricht.) Mein altes ICH dachte: mein Kind kann auch mal bei der Oma übernachten. Außerdem gibt es Mädels die gerne Babysitten – super Sache wenn man am Wochenende mal ausgehen will. Und ausgehen wollte ich immer. Ich war ständig unterwegs. Auf jeden Fall immer am Wochenende. Und das meist exzessiv. Unter der Woche ging eigentlich auch so gut wie jeden Abend was. Auch wenn das dann nur ein Kinobesuch oder Essen gehen oder was trinken mit Freunden war. Daheim auf dem Sofa abhängen ging nur, wenn die neue Staffel Greys Anatomy lief oder wenn man den übelsten Kater vom Vorabend noch nicht los war. Mein neues ICH schafft es (noch) nicht, den süßen Mäusemann außer Haus alleine bei einer Oma schlafen zu lassen und erst recht nicht, irgendein junges Mädel mit dem Mäusemann alleine zu lassen. Wenn dann muss die Oma für ein paar Stunden Babysitter bei mir zuhause spielen oder eben der Daddy... So geht das dann so halbwegs mit dem Ausgehen am Wochenende. Aber spätestens um 2 Uhr möchte ich nach Hause. Zu meinem kleinen süßen Mäusemann. Weil ich ihn so vermisse. Und weil mir sonst der Busen platzt! Aber manchmal könnte man auch eine Babysitter-Oma haben und dann ist es so:
Es steigen 3 tolle Partys, auf die es sich definitiv lohnen würde zu gehen. Es wäre an der Zeit sich die Haare zu glätten, sich in eine knappe Jeans zu werfen, Make-up ins Gesicht zu hauchen, um mit den Mädels um die Häuser zu ziehen. Aber die Augenringe ziehen das neue ICH mit aller Kraft aufs Sofa um dort einzuschlafen. Ein paar Minuten Schlaf sind einfach kostbarer als Arschwackeln im Club. Denn auch wenn man abends aus war möchte der Mäusemann nicht ausschlafen sondern ist spätestens um 6 Uhr top fit und weckt den Langschläfer mit einem strahlenden Lächeln, so dass der größte Morgenmuffel nicht mies gelaunt sein kann. Unter der Woche macht mein neues ICH abends die Arbeit, zu der es unter dem Tag nicht kommt, weil der Mäusemann keine Zeit gelassen hat. Ich habe keine Zeit um fernzusehen. Außer wenn die neue Staffel Greys Anatomy läuft!! Mein altes ICH war sich sicher: Ich werde, falls ich mal ein Kind haben sollte, nicht nur noch über Kinder-Scheiß sprechen! Naja, Babykotze, wo es Windeln im Angebot gibt, die neue Eltern-Zeitschrift, was der Mäusemann seit einigen Tagen Neues kann…das ist eben gerade das Leben von meinem neuen ICH. Was anderes passiert gerade selten – also meine liebe Nicht-Eltern-Freunde: hört mir bitte trotzdem zu!!

… so ein braves Baby!!

Carlas Mäusemann ist eigentlich sehr brav, aber er kann auch anders, nur bekommen das Freund und Omas nicht mit ...

Der kleine Mäusemann von Carla ist nicht immer sooo ein braves Baby. Foto: Privat

Ich dachte immer Kinder sind so wie die Eltern. Also befürchtete ich als ich schwanger war ein kleines, zartes, lautes, hektisches, unruhiges und anstrengendes Baby zu bekommen. Denn das haben mein NICHT-Freund und ich gemeinsam: wir sind beide klein und schmal, leben laut und haben jeweils ein unruhiges Leben. Ich bin dazu noch hektisch. Schusselig sind wir auch wieder beide. Also mein MC Dreamy und ich zusammen die perfekte Mischung für kein einfaches Kind. All meine Freunde befürchteten ebenfalls dass ich mit einem Schrei-Baby gesegnet werden würde, denn wer statt Klassik für Schwangere dann doch Elektro für Babys hört, kann nichts anderes erwarten. Mein Mäusemann hat uns alle überrascht. Er ist ein recht pflegeleichtes Baby. Er ist wirklich kein stressiger Mitbewohner. Er räumt zwar sein Geschirr nicht selbst in die Spülmaschine, aber ausräumen ist dafür seine Leidenschaft! Ich kann und will mich wirklich nicht über ihn beschweren. Aber er ist nun mal ein Baby und ein Baby macht was es will und dann sieht es manchmal so aus: Der Mäusemann brüllt in seinem Bett die halbe Nacht durch und ist nur zufrieden wenn er von Mummy durch die Wohnung getragen wird. Der NICHT-Freund kommt morgens zu uns. Ich stehe total gerädert in der Wohnungstür und der süße Mäusemann lächelt seinem Dad entgegen. Carla: „Die Nacht war übel. Ich habe kaum geschlafen. Er wollte nur herum getragen werden und hat total viel gebrüllt.“ NICHT-Freund: „Ich weiß gar nicht was du hast, er ist doch richtig gut gelaunt!? Wir haben doch soooo ein braves Baby.“ Der kleine Mäusemann ist ziemlich übellaunig und hat gar keine Lust auf gar nichts. Er meckert die ganze Zeit herum und ich komme zu nichts. Die Wohnung sieht aus wie sonst was und ich bin mit meinem Latein am Ende wie man ein Baby bei Laune hält. Meine Mutter – die OMA – kündigt ihren Besuch an, nachdem sie angerufen hatte und ich ihr mein Leid geklagt hatte. Der Mäusemann meckert unleidig auf meinem Arm. Es klingelt – der Mäusemann schaut auf. Horch! Es hat geklingelt! Ich öffne die Türe, vor der die erwartungsvolle Oma steht. Der Mäusemann strahlt übers ganze Gesicht und ist plötzlich bei bester Laune. Oma: „Ach, das ist doch so ein braves Baby unser Sonnenschein!“ Carla: „hmmmmmmmmm.“ Wir fahren zur Pseudo-Schwiegermutter – die andere OMA. Der Mäusemann beschwert sich schon beim Einstieg in den Maxi Cosi lauthals. Während der Fahrt wird die Beschwerde immer deutlicher und lauter. Ich halte auf den 130 km geschätzte 50 Mal an, um dem Mäusemann den Schnuller wieder zu reichen, ihn zu beruhigen und ihm sein Schmusetuch zu geben oder ihm ein Spielzeug anzubieten. Alles erfolglos. Der Mäusemann hat keine gute Laune. Wir biegen in den Rosenweg ein. Im Maxi Cosi tritt Schweigen ein. Ich parke vor der Garage, packe die Wickeltasche unter meinen Arm und den Mäusemann auf den anderen Arm. Oma kommt aus dem Haus gestürmt um den einzigen Enkel zu begrüßen der ihr freundlich entgegen grinst. Oma: „…schön dass ihr da seid. Hat er geschlafen im Auto?“ Carla: „Nein. Es war eine ziemlich anstrengende Fahrt. Er hat nur geweint…“ Oma: „Wirklich? Er ist doch soooo ein braves Baby!“ Danke mein geliebter Mäusemann, dass du bist wie du bist!

Ein guter Morgen beginnt mit …

Carla berichtet im 6. Teil ihrer Kolumne wie immer erfrischend ehrlich über den Wandel ihres Morgens, seit sie ihren Mäusemann hat.

Carlas Mäusemann hält nicht viel vom Durchschlafen. Foto: Privat

Es ist 5.23 Uhr. Früher wäre ich jetzt noch nicht mal zuhause, sondern würde heftigst im Club mit dem Hintern wackeln. Wäre mein altes ICH doch zuhause würde es tief, tiefer und am festesten schlafen. Vor 11 Uhr hätte ich kein Auge auch nur ansatzweise aufgemacht. Hätte jemand gewagt mein altes ICH zu wecken hätte ich gefaucht und gezickt bis man mich in Ruhe gelassen hätte, bis ich ausgeschlafen und den ersten Kaffee getrunken hätte. Aber heute wird mein neues ICH um 5.23 Uhr von einem leisen Weinen geweckt. Das Weinen heißt „Hunger!“ und kommt aus dem Kinderbett das knapp neben dem großen Bett steht. Mein Mäusemann ist aufgewacht – was er ja im 2 Stunden-Takt tut und er möchte einen Snack! Na gut… ich strecke missmutig die Füße unter der Decke hervor und spähe zwischen zwei Schlitzen hervor. Ich tappe zum Kinderbett, schnappe mir den Mäusemann der langsam hektisch in seinem Bärchen-Schlafsack strampelt und dessen Weinen langsam recht entrüstet klingt. T-Shirt hoch und der ungeheuerliche Dolly-Buster-Busen wird zum Vorschein gebracht. Der Beißling dockt an und grunzt zufrieden saugend vor sich hin.
Meine Sehschlitze werden immer kleiner, der Arm, der das Kind hält immer schwerer und das Bett zieht wie ein Magnet. Ich bin seit Wochen einfach nur müde……. Wie machen das Mütter, die nicht stillen und auch noch ein Fläschchen zubereiten müssen?! Nach einigen Minuten ist der Mäusemann satt und packt sein allerliebstes Lächeln aus. Ach ja… jetzt bin ich glücklich und weiß warum ich aus dem Bett gekrochen bin. Von weiterschlafen hält der Mäusemann meist leider nichts… er wälzt sich in meinem Bett herum, turnt auf der müden Mama herum und wirft mit den Kuscheltieren, die bereits in Mums Bett gezogen sind, um sich. Jetzt fängt also mein Tag an… guten Morgen mein kleiner Sonnenschein! Ich bin ein Morgenmuffel. Das war ich schon immer. Nach dem Aufstehen brauche ich meine Ruhe und einen Kaffee. Ich und Kaffee… Das ist eine lebenslange Beziehung. Stabiler wie so manche Ehe. Ich benötige dringend, dringender und am dringendsten bevor ich morgens angesprochen werde einen Kaffee. Eine große Tasse starken Kaffee. In Ruhe… Ruhe und Kaffee. Das gehört zu einem guten Morgen. So war das zumindest immer… Meinem neuen ICH wurde empfohlen auf den morgendlichen sehr starken Kaffee zu verzichten und sich stattdessen doch einen köstlichen Anis-Kümmel-Fenchel-Tee zu brauen. Mmmmmmmh. Lecker. So stehe ich mit diesem köstlichen Getränk und mit einem fröhlichen oder auch ärgerlichen Mäusemann auf dem Arm morgens in der Küche… wo war doch gleich die Ruhe mit dem Kaffee?! …denkt mein altes ICH. Mein neues ICH denkt: So ein süßes Baby!! Und naja, heute Nachmittag gönne ich mir einen Milchkaffee. Und Milchkaffee heißt so, weil es quasi eine heiße Milch mit Kaffeegeschmack ist. Mein neues ICH ist schon recht leicht zufrieden zu stellen.

…MUM lernt nie aus

Carlas Mäusemann ist sehr kreativ. Was er alles mit dem Teigschaber angestellt hat, erzählt uns Carla im achten Teil ihrer Kolumne.

Carlas Mäusemann rockt mit der Teigschaber-Luftgitarre ab. Foto: Privat

Kleine Kinder entdecken die Welt jeden Tag neu … Als Mama lernt man jedoch auch jeden Tag etwas Neues von seinem Kind. Heute durfte ich lernen zu was ein Teigschaber alles zu gebrauchen ist. Zuweilen denkt Mum ein Teigschaber sei zum Teigschaben gut. Der Teig wird gerührt und anschließend aus der Schüssel geschabt – eben mit dem benannten Küchenhelfer. Praktisch. Man kommt gut in die Ecken und Kanten der Schüssel. Wunderbar. Toll so ein Teigschaber. Anschließend kann das Gerät auch noch nach Belieben abgeschleckt werden. Alles bestens. In jeder Küche sollte also ein Teigschaber vorhanden sein. Das war mein Wissen bis heute! Doch dann entdeckte mein Mäusemann den Teigschaber. Und Mama lernte! a) Ein Teigschaber ist ein ausgezeichneter Mobile-Anschubser am Wickeltisch. Das Mobile, welches extra erhöht aufgehängt wurde um den tanzenden Ferdinand davor zu bewahren herab gerissen und angelutscht zu werden, kann somit hervorragend erreicht werden. Der arme Ferdinand wurde also mit dem Teigschaber-Mobile-Anschubser verprügelt und so heftigst zum Tanzen gebracht. Der Mäusemann hatte seine wahre Freude, bis Ferdinand (der Raver!) der wickelnden Mama mit voller Wucht gegen den Kopf ravete. Dann musste der Mäusemann den Teigschaber-Mobile-Anschubser kurzzeitig abgeben. b) Ein Teigschaber kann auch ein Sportgerät sein. Zuerst wurde das Küchengerät ein Teigschaber-Schläger, der alle Spielsachen durchs Wohnzimmer schießt. Zum Glück hat der Mäusemann ja wie beim Golf den Mama-Caddy, der die Bälle wieder einsammelt. Anschließend wechselte der Mäusemann in die Disziplin Teigschaber-Weitwurf. Der Mama-Caddy hatte also auch weiterhin seine Aufgabe. c) Ein Teigschaber kann auch als Musikinstrument verwendet werden. Zum einen zum Trommeln. Ist ja klar. Das wäre ja nicht schwer zu erraten gewesen. Aber mein Mäusemann hatte eine weitere hinreißende Idee: das Küchenutensil wurde kurzerhand zur Teigschaber-Luftgitarre umfunktioniert! Und scheinbar steht mein Kind in musikalischer Hinsicht auf Metal, denn dazu wurde gegrölt und Radau gemacht was die kleine Lunge her gab. Auf zur Rockpalast Revival Party … Nun seid auch ihr Dank meines Mäusemännleins etwas schlauer und könnt euren Teigschaber, den ihr sicherlich in der Küche habt, vielfältiger und sinnvoller nutzen wie bisher! Und wie es aussieht, wenn der Mäusemann zur Teigschaber-Luftgitarre singt und Rabatz macht seht ihr auf dem Bild!

… der neue Job und das alleine sein

Carla erzählt im 10. Teil ihrer Kolumne davon, dass sie jetzt alles in Begleitung macht und ihren Mäusemann nach ein paar Stunden schrecklich vermisst.

Ihr kleiner Mäusemann ist Carlas Liebe ihres Lebens. Foto: Privat

Mein altes ICH war gerne allein. Auch in einer Beziehung hatte mein altes ICH stets viel Zeit für sich gebraucht. Einfach mal seine Ruhe haben. Jeden Abend zusammen verbringen war nicht nötig. Nicht mal jeden Abend telefonieren fand mein altes ICH sinnvoll. Man freut sich schließlich mehr aufeinander, wenn man nicht ständig aufeinander hockt. Ruhe? Mein neues ICH kennt das nicht. Jetzt ist Mum 24 Stunden am Tag nicht mehr alleine. Ja, Mum kann auch mit einem weinenden Kind auf dem Arm aufs Klo gehen, bevor Mum sich in die Hose pinkelt. Mit Kind auf dem Arm lässt es sich kochen und backen. Zum Wäsche aufhängen und Staubsaugen nimmt Mum dann doch meist das Tragetuch. Ein Baby kann in der Wippe sitzend einem beim Duschen zusehen, wo Mum es mit Schaum auf dem Kopf bespaßen kann, weil es nicht alleine im Wohnzimmer im Laufstall liegen oder in seinem Bettchen schlafen mag. Einkaufen, Arztbesuche, Rückbildungskurs … alles in Begleitung. Mum ist einfach stets zu Diensten. Zum Trösten, Füttern, Wickeln, Umziehen, Anziehen, Kuscheln, Blödsinn machen … Ich habe quasi den schönsten Job der Welt, aber ohne geregelte Arbeitszeit, ohne gesetzlich vorgeschriebene Pausen und ohne Feiertags- oder Nachtzuschläge, ohne Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, dafür jedoch mit täglicher Nacht-, Früh- UND Spätschicht. Nur abends wenn der Mäusemann im Bett schon schläft, hat mein neues ICH ein wenig Zeit für sich. Zum Kochen, Putzen, Duschen, Essen, arbeiten, Anträge ausfüllen, … ohne Kind auf dem Arm. Aber aus dem Haus kommt man da auch nicht. Und plötzlich fällt einem schnell mal die Decke auf den Kopf und da fühlt Mum sich abends, wenn das Kind schläft, einsam, obwohl Mum gerne alleine ist, nicht mehr alleine ist und doch alleine ist. Klingt komisch, ist aber so. An diesen Tagen ist das Bett besonders kalt, die Kind-bekommt-Zähne-Nacht besonders lang, das Essen irgendwie langweilig, das nörgelige Kind den halben Nachmittag nicht zu erheitern … In diesen Momenten wünscht sich mein neues ICH den NICHT-Freund herbei, der eigentlich mein mc dreamy sein könnte - falls es so einen gibt - um eben nicht mehr alleine zu sein. Denn alleine sein mit einem kleinen Mäusemann und der ganzen Verantwortung, Verpflichtung und Sorgen für diesen, kann echt hart sein. Und außerdem sind die Tage mit dem mc dreamy und dem Mäusemann zu Dritt ja immer sooo schön. So schön, dass man gar nicht mehr gehen möchte, wenn wir bei ihm sind oder ihn eben behalten möchte, wenn er hier bei uns ist. Seit kurzer Zeit bleibt der Mäusemann einmal in der Woche für ein paar Stunden bei seiner Oma. Es fällt mir schwer ihn alleine zu lassen. Doch diese Zeit für mich alleine genießt mein neues ICH. Ich gehe dann nicht ausreiten, relaxen oder Spaß haben … ich gehe arbeiten. Für mich bedeutet dies ein paar Stunden raus kommen in eine „nicht-mummy-Welt“. Das tut mir gut, auch wenn es keine Freizeit ist … es ist meine Zeit. Und wenn mein neues ICH dann zurück kommt, kann Mum es nicht erwarten, den kleinen Schatz wieder in die Arme zu schließen und zu küssen, denn ich habe ihn soooo vermisst … die Liebe meines Lebens!

Ordnung & Sauberkeit – wie geht das?

Carla erzählt im neunten Teil Ihrer Kolumne, wie schwer es ist, mit Kind alles sauber und in Ordnung zu halten und warum sie nur noch selten was Richtiges isst.

Carlas Mäusemann sorgt für so manche Unordnung im Haushalt. Foto: Privat

Mein altes ICH mochte die Wohnung schlicht eingerichtet, sauber und aufgeräumt. Freunde nannten mich sogar manchmal pingelig. Aber wenn alles seinen Platz hat, findet man es wenigstens schnell wieder und so eine saubere, ordentliche Wohnung sieht einfach besser aus. Man fühlt sich wohl. Ich war stets sauber, modisch und ordentlich gekleidet. Meine Arbeit zeitigst erledigt und gegessen wurde auch jeden Tag was Richtiges. Auf der Arbeit. Mittags. Jetzt lagert das halbe Inventar eines Spielwarenhandels in meinem Wohnzimmer auf einer Krabbeldecke. Außerdem ist mein Wohnzimmer-Regal in den unteren Fächern ausgeräumt. Bücher, CDs und Ordner mussten Stapelbechern und Rasseln weichen. Das hat der Mäusemann bestimmt, der das Regal bevorzugt ausräumt. Einräumen kann ja jemand anderes. Wäsche waschen. Das ist mein neues Hobby. Ich wasche die Wäsche gerne kaputt, meint mein NICHT-Freund, aber gelegentlich trage ich gerne auch ein Oberteil ohne Karottenfleck das nicht nach einer halb verdauten Milchmahlzeit riecht. Und in der Krabbelgruppe sollte der Mäusemann auch nicht zu sehr verwahrlost aussehen, also wird öfter mal was Frisches angezogen. Nötig wäre es fast nach jedem Essen! Meine Wäsche ist etwas knittrig – bügeln kostet auch viel Zeit. Vielleicht wird der Knitterlook ja wieder IN wenn neues ICH diesen vorlebt!? Immerhin schaffe ich die Wäsche glatt zu streifen und zusammen zu legen. Mum sollte den Wäschekorb jedoch nicht unbeobachtet stehen lassen. Denn der fleißige Mäusemann hilft gerne mit und räumt den Wäschekorb aus. Leider nicht fein säuberlich in den Kleiderschrank, sondern eher feinsäuberlich auf den Boden. Na dann halt noch mal … Und sauber machen sollte Mum auch hin und wieder. Das krabbelnde Kind wischt zwar auch mit auf und verteilt die Krümel großzügig. Aber sobald der Mäusemann eine kleine Wollmaus darstellt, müssen der Staubsauger und der Wischmob doch zum Einsatz kommen. Zumindest die Hausordnung im Treppenhaus kann Mum regelmäßig zwischen 21.30 Uhr und 22 Uhr erledigen. Auf und neben dem Schreibtisch türmt sich die Arbeit nach dem Motto –was du heute kannst besorgen das verschieb getrost auf morgen. Leider vergisst Mum dann was noch zu erledigen ist, was schon getan wurde und wo der Merkzettel für die anderen Jobs liegt. Gelegentlich findet sich jedoch der ein oder andere Zettel zerknittert in der Spielkiste des Mäusemännleins. Ja, einen kleinen Snack in sich hinein stopfen und anschließendes Geschirr in die Spülmaschine räumen, damit Mum auch morgen noch welches hat, in den 15 Minuten Mittagsschlaf des Mäusemännleins muss auch genügen. (Ein Hoch auf den Erfinder der Spülmaschine!!) Was Ordentliches zum Essen gibt es wenn dann, wenn der Mäusemann im Traumland angekommen ist. Wenn ich dann noch Lust habe etwas zu kochen. Denn für einen alleine etwas kochen erscheint häufig sinnlos und alleine Essen auch nicht wirklich wichtig. Es dient zur Nahrungsaufnahme. Also gibt es meist die Reste der selbstgekochten Babynahrung welche der Mäusemann nicht gegessen hat oder was Schnelles. Und fürs Wochenende – wenn der NICHT-Freund kommt – wird der Kühlschrank aufgefüllt und tagsüber richtig gekocht. Dann essen wir zu dritt. Und das ist schön.

Als Mum flucht man lieber vorbildlich!

Carla berichtet im 12. Teil ihrer Kolumne von dem Versuch das Fluchen zu lassen, damit ihr kleiner Mäusemann das nicht übernimmt.

Das erste Wort vom Mäusemann soll nicht "verdammt" sein. Foto: Privat

Mein altes ICH flucht wahnsinnig gerne. Zu jeder Gelegenheit. Mit neu ausgedachten Schimpfwörtern und skurrilen Wortaneinanderreihungen. Ein beliebter Ausdruck gegen doofe Männer zwischen meinem alten ICH und der Seelenschwester war „der Vollhoden“. Gut verwendbar für jeden Typen der sich eben zum Vollhoden entpuppt. Und Vollhoden erwischten die Seelenschwester und meine Wenigkeit zu genüge! Deshalb wurde oft und wild geflucht. Mein altes ICH sagte: Falls ich mal ein Kind habe, höre ich auf zu fluchen und werde mein Vokabular anpassen. Schließlich möchte keine Mutter der Welt, dass ihr Kind als erstes Wort Vollhoden oder ein sonstiges Unwort verwendet. Außerdem möchte man auch nicht von der Kindergärtnerin zum Gespräch zitiert werden, da das Kind wild fluchend am Basteltisch knetet! Oder man möchte nicht von Oma Isi am Kaffeetisch entsetzt angestarrt werden, wenn das Kind dem Kuchen hinterher flucht, welcher auf den Boden gefallen ist. Also nahm sich mein neues ICH vor, nicht mehr zu fluchen. Aber… Nö. Das funktioniert nicht. Zumindest nicht immer. Schon bei der Geburt des Mäusemanns hatte ich statt dem wohl üblichen Schreien lieber auf die altbewährte Fluch-Methode zurück gegriffen. Verdammte Scheiße, es tat nun mal auch irre weh!! Mein mc dreamy meinte, wenn ich für jedes „Scheiße“, welches ich von mir gegeben hatte als der Mäusemann schlüpfte, einen 1€ zahlen müsste, wäre ich so was von pleite und ich habe so einiges gespart! Ich persönlich kann mich an mein Fluchen in dieser Situation nicht mehr gar so genau erinnern, aber die Hebamme bestätigte die Aussage meines Nicht-Freundes. Aber es gibt heute auch andere Situationen in denen sich ein kleines Schimpfwort nicht vermeiden lässt. Was soll Mum denn sagen wenn Mum am Wickeltisch stehend angepinkelt wird?! „Scheiße“ triffts zwar nicht wirklich, aber „Pisse“ würde sich blöd anhören. Oder wenn man mitten in der Stadt merkt, dass Mum vergessen hat die Wickeltasche mit einem neuen Ersatzkleidungsstück zu befüllen und der süße Mäusemann sich von oben bis unten vollgeka…… hat!? Mein neues ICH tut also, was mein altes ICH auch so gern getan hat und dabei sind sich die beiden einig: Fluchen! Und es ist toll… Nicht mehr ganz so wild und übel wie früher, aber immerhin! Und darin sind sich neues und altes ICH auch einig: sobald der Mäusemann anfängt nach zu plaudern ist endgültig Schluss damit!! Zumindest in seiner Anwesenheit. Sein erstes Wort soll schließlich nicht „verdammt!“ sein. Denn ich möchte, dass der Mäusemann ein ehrlicher, höflicher, ordentlicher, lieber, einfühlsamer, willensstarker Junge wird. Mit guten Manieren und einem ordentlichem Vokabular.

Als Mum ist man so senil wie eine 80jährige

Carla berichtet im 11. Teil ihrer Kolumne vom Vergesslich sein, da man nur noch an sein Kind denkt.

Ihr kleiner Mäusemann lässt Carla vergesslich werden. Foto: Privat

Mein altes ICH brauchte keinen Terminkalender. Ich hatte zwar einen – brauchte ihn aber nicht. Einkaufszettel? Für was? Erinnerungszettel für den nächsten Arzttermin? Nein danke. Mein altes ICH konnte sich alles merken. Ich hatte ein tolles Gedächtnis. Was Freunde einmal nebenbei erwähnten, wurde sofort gespeichert und konnte eeeeewig später auch noch abgerufen werden. Ich war wirklich nicht auf den Kopf gefallen. Heute sieht es so aus: Ich lasse die EC Karte sperren nachdem ich eine Stunde lang den Geldbeutel ergebnislos gesucht habe und die arme TeGut-Frau in meiner Panik durch den ganzen Laden hechten ließ, um danach festzustellen, dass er noch in der Einkaufstasche liegt. Ich lege den Autoschlüssel auf die Kante des Kofferraumes und haue diesen mit Schwung zu und zack – Schlüssel im Kofferraum und das Auto schließt sich ab! Schlüssel drinnen, Auto zu, Carla draußen. Ausgeschlossen aus dem Auto! (Zum Glück saß der süße Mäusemann nicht mehr im Auto.) Ich werfe das Rezept vom Kinderarzt in den Postkasten und marschiere mit dem Brief für die KiTa Anmeldung zur Apotheke. Beim anschließenden Versuch das Rezept wieder aus dem Briefkasten zu angeln, zerkratze ich mir den gesamten Handrücken und sehe aus, als hätte ich in einen Löwenkäfig gefasst. Ich schreibe vor jedem Einkauf einen Einkaufszettel, um diesen jedes Mal – aber wirklich definitiv immer! – zuhause auf dem Esstisch liegen zu lassen und die Hälfte von dem was ich wirklich bräuchte zu vergessen… der Zettel wird dann natürlich irgendwann doch in die Hosentasche gestopft, um mitgewaschen zu werden und dabei zu zerfusseln. Ich meckere herum, wer meinen Kulli schon wieder eingesteckt hat und halte ihn selbst in der Hand … Ich setze mich auf den Boden zum Stillen, weil mir das Sitzen auf der Luftmatratze zu niedrig ist. (Über dem Kopf von meinem MC Dreamy konnte man nach dieser Aussage – ja, ich habe das peinlicherweise auch noch verbal geäußert – fast die Fragezeichen schweben sehen.) Ich gehe mit Zahnpasta-Baby-Fingerabdrücken auf der Nase und am Hals aus dem Haus, weil ich statt mich im Spiegel zu checken lieber die Wickeltasche auf Schnuffeltuch und Schnuller überprüfe. (Jetzt weiß ich auch warum mich der nette Verkäufer im H&M so nett angelächelt hat … es war vielleicht doch eher Mitleid.) Mein Hirn beschränkt sich momentan also scheinbar steinzeitmensch-mäßig auf die Rolle der Sammlerin und Versorgerin. Und der Mann meiner Träume ist wie schon immer der Jäger der frisches Fleisch anschleppt?! Meine grauen Zellen scheinen sich verabschiedet zu haben. Sie denken nur noch an meinen süßen Mäusemann. Sie erinnern sich nur noch an wickeln, stillen, Windelsonderangebote und Vorsorgetermine beim Kinderarzt. Naja, ich bin blond … da fällts wenigstens nicht so arg auf.

… eine Dusche am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen!

Mit kleinem Mäusemann stellt sich nicht mehr die Frage, wann man am liebsten duscht, sondern wann es am geschicktesten ist. Darunter muss dann auch die Frisur leiden.

Mein altes ICH duschte gerne morgens nach dem Aufstehen. Als Typ Mensch also ein Morgen-Duscher. Das macht fit. Ein guter und frischer Start in den Tag. Man fühlt sich duftig. Und die Haare sind einfach frisch gewaschen am schönsten. Mein neues ICH würde auch gerne morgens duschen. Hier einige Gründe dafür, es nicht zu tun und dann doch lieber Typ Abend-Duscher zu werden: Der Mäusemann steht nach dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ meist zwischen 5.00 und 7.00 Uhr auf. Um also alleine und in Ruhe zu duschen, müsste ich demnach meinen nicht-Mäusemann-normalo-Wecker (den ich für gewöhnlich nicht mehr brauche) auf 4.00 Uhr stellen. Ähm, nein danke! Gegen 8.00 Uhr wird bei uns gefrühstückt. Danach dann in die Dusche in Begleitung vom Mäusemann? Das sähe dann so aus:
Möglichkeit a) mit dem Mäusemann in die Dusche: Der Mäusemann steht mit in der Dusche. Er flitzt rein und raus. Sitzen bleiben findet er wegen der laufenden Brause sehr blöd – der Mäusemann mag nicht gebraust werden. Der Duschvorhang wird gerupft und geschleudert. Das Wasser läuft überall hin. Duschen in Ruhe mit dem Mäusemann zusammen? Nicht möglich.

Möglichkeit b) Mama geht in die Dusche und der Mäusemann bleibt draußen im Bad:

Während Mum in der Dusche steht, untersucht der neugierige Mäusemann das Badschränkchen. Kein Problem denkt Mum. Da ist nichts Gefährliches drin, woran sich der Süße verletzen könnte. Also kurz die Augen zu und Shampoo drauf. Augen auf … kleiner Blick nach draußen … was macht der Mäusemann?! Er sitzt friedlich vor der Dusche und ... Was tut er da?! Er malt! Mit der neuen Zahnpasta als Fingerfarbe. Auf den Boden und auf die Wand. Oh, was für ein schönes Bild! Nach der entspannenden und erfrischenden Dusche kann Mum dann also erst mal badputzen. Oh nein, der Mäusemann steht auf und geht zur Klobürste. Mist! Die hab ich vergessen außer Reichweite zu bringen. Also springt Mum nass und schaumig durchs Bad, um den Mäusemann vor der Klobürste zu schützen oder umgekehrt. Und schnell zurück in die Dusche … alles nass … Schnell noch die Beine rasieren?! Nein, lieber nicht … dauert zu lange. Sonst fällt dem Mäusemann noch was Lustigeres als Zahnpasta-Malerei ein. Also schnell noch abbrausen. Huch, wer grabscht mich denn da an?! Nein Mäusemann! Du kannst hier nicht rein! Du bist angezogen! Doch zu spät … da steht der Mäusemann schon halb mit drin in der Dusche und ist jetzt samt Klamotten auch nass … eine erfrischende Morgendusche ist was anderes. Also entschließt mein neues ICH, ab sofort auf die frisch gewaschenen Haare am Morgen zu verzichten und auf die verwuschelte und verstrubbelte ich-hab-drauf-geschlafen-Morgenfrisur zurückzugreifen, mit der selbst mein teures Glätteisen zu kämpfen hat. Nun wird also abends geduscht. Wenn der Mäusemann schon im Bett liegt und hoffentlich friedlich schläft. Die Chance, dann in Ruhe zu duschen liegt bei 50 Prozent, denn die Möglichkeit, dass er gerade dann seinen Schnuller verliert oder schlecht träumt besteht natürlich auch. Die beste und wirklich schönste Option ist natürlich wir machen Wellness. Das bedeutet, dass der Mäusemann und ich bevor dieser ins Bett geht gemeinsam in die Badewanne gehen. Mit viel Schaum, dem Bade-Sitz und vielen Spielsachen. Dann kann Mum halbwegs in Ruhe die Beine rasieren und sogar eine Haar-Kur machen während Mum die Badeenten-Quak-Geräusche imitiert! Die üble Morgen-Strubbel-Frisur ist dabei natürlich inklusive!

Eine Gruselgeschicht – nach einer wahren Begebenheit

Ein wahrhaft gruseliges Ereignis schildert Carla im 13. Teil ihrer Kolumne - nichts für schwache Nerven.

So sauber wie auf diesem Foto ist der kleine Mäusemann leider nicht immer ... Foto: Privat

Ein Mittwoch. Später Nachmittag. Die Windel ist voll. Also muss eine neue drauf. Und weil meine Bekannte meinte, diese echt super günstigen No Name Windeln tun es auch für tagsüber, dachte ich wir sparen jetzt und statt einer guten Pampers gibt’s heute mal eine von den Billigen. Für die ein bis zwei Stunden bis der Mäusemann ins Bett geht tuts die auf jeden Fall. Abendessen. Der Mäusemann sitzt in seinem Stuhl. Plötzlich schaut er recht andächtig. Er drückt. Und drückt. Und drückt. Fertig. Ein würziger Duft übertönt den leckeren Abendessens-Geruch. Also ab an den Wickeltisch. Hose raus. Strumpfhose raus. Oh mein Gott! Was ist da los?! Die Strumpfhose ist voller Kacke. Und wenn ich voller Kacke sage, dann meine ich VOLLER KACKE!!! Der Body ist natürlich auch voll. Und durchs runter ziehen der Strumpfhose sind die Beine und die Füße auch voller Kacke. Und die Füße strampeln!! Also ist Mum auch ziemlich schnell voller Kacke. Und plötzlich grabschen die Händchen nach den Kack-Füßen… Neeeeeeein, der Pulli ist jetzt auch voller Kacke! Überall nur noch Kacke! Im wahrsten Sinne des Wortes: so eine Scheiße! Mit einer guten Pampers wäre dieses Desaster nicht passiert. Die wäre zwar auch echt randvoll gewesen, da der Mäusemann gute Arbeit geleistet hat, aber dies hier ist ja eine Katastrophe! Blöde Billig-Windel! Na gut, dann raus mit dem Pulli und dem Body und grob die Kacke abwischen. 6 Feuchttücher sind verwendet und immer noch überall klebrige Kacke. Gestern war das Kind erst in der Wanne, aber so wird’s nichts. Also wird das müfflige Kind ins Waschbecken gesetzt. Das fand er im Urlaub im Hotel ja ganz toll. Leider ist unser Waschbecken zuhause nicht so geräumig und da drin zu sitzen auch nicht so lustig. Deshalb bleibt der wilde Watz nicht sitzen sondern würcht im Waschbecken herum, in dem schon einige Kacke-Brösel schwimmen. Und vor dem Waschbecken stehen lauter Zahnbürsten und so, die auch noch schnell runter gegrabscht werden und fliegen… oh nein, bitte nicht ins Kacke-Wasser! Das Wasser im Waschbecken schwappt… aaaaaaaaaaaaaah! So, Kack-Wasser raus, neues rein. Kind wieder zappelnd rein setzen. Wisch wisch… halbwegs wieder sauber. Geruchstest… es riecht immer noch nach Kacke. In jede Speckfalte sehen… irgendwo noch ein Kacke-Krümel?! Nö… Hm… wo kommt der Geruch her?! Aaaah, da an meinem Pulli hängt ein riesiger Kack-Batzen. Pfui! Raus damit… so geschafft… alle Kacke beseitigt. Irgendwie ein scheiß Tag heute!

... hinter den sieben Bergen!

Besondere Lebensumstände zwingen einen manchmal, wieder hinter die sieben Berge zu den sieben Zwergen zu ziehen. Und wenn sich dann die besonderen Lebensumstände wieder ändern, ist der Stadtrand wesentlich attraktiver.

Mein altes ICH zog recht zeitig nach dem 18. Geburtstag von zu Hause aus. Schließlich nervte alles, was mit zu Hause zu tun hatte. Vor allem dieses Kuh-Kaff, in dem ich lebte. Ich wollte etwas anderes aus meinem Leben machen und nicht auf ewig in diesem Kaff hocken bleiben. Nicht den ersten Mann in meinem Leben heiraten, gleich 3 Kinder bekommen und aus die Maus. Mir schwante anderes. Ich zog aus in die Stadt und war disco. Ich arbeitete in einem Club und feierte so oft es ging in den Clubs. Und in die Heimat ging es wenn möglich recht selten. Mein altes ICH zog irgendwann in eine bezaubernde 50m² Stadt-Single-Wohnung. Schon bei der Wohnungsbesichtigung wusste ich: das ist mein zu Hause! Hier will ich wohnen!

Ich hatte Glück … ich bekam die Wohnung und fühlte mich sooo wohl.

Doch als der Mäusemann sich dann ankündigte war schnell klar, dass eine kleine Stadt-Single-Wohnung nur für einen Single toll ist. Für eine Mummy-Baby-WG eher ungeeignet. Und noch schneller war klar, dass eine Stadt-Mummy-Baby-Wohnung unbezahlbar werden würde. Schließlich weiß jeder, dass ein Kind quasi ein Luxus-Gut ist! Also entschloss ich mich schweren Herzens, wieder aufs Land in die Nähe der Eltern zu ziehen. Und glaubt mir, mein altes ICH war tot unglücklich.

Nun wohnt mein neues ICH also hinter den sieben Bergen mit meinem Mäusemann.

Ich muss sagen, es hat schon was für sich, auf der Straße Bobby-Car fahren zu können oder einen Bäcker zu haben, der noch alles selbst von Hand macht und nicht aufbackt. Es ist schön, den Wald ums Eck zu haben und dem Mäusemann die Natur nahe bringen zu können, wenn wir zum Beispiel für die Oma einen Blumenstrauß auf der Wiese pflücken oder ein Eichhörnchen dem Baum hinauf huscht. Wir hören statt Motorengeräuschen morgens die Vögel vor dem Fenster.

Wir sehen oft Traktoren - welche den Mäusemann über alles beeindrucken - und Mähdrescher und manchmal auch einen Bus!

Auf dem Dorf-Spielplatz ist nicht alles mit Wörtern beschmiert, welche der Mäusemann glücklicherweise noch nicht lesen kann. Dafür stehen da die Mütter, welche im selben Kaff den ersten Freund geheiratet und schwups drei Kinder bekommen haben und aus die Maus. Diese, welche nicht verstehen können, dass mein neues ICH mit dem Nicht-Freund, der nur am Wochenende kommt und welcher im Club kennen gelernt wurde, ein Kind hat. Diese, welche außer Kind nichts mehr anderes kennen und, die die letzten Styling-Tipps mit 16 gelesen haben, wenn überhaupt. Diese, welche nicht meine Freundinnen werden und mich lieber in die Stadt zur Krabbelgruppe fahren lassen. Wenn es dann regnet, stürmt oder schneit und Mum mit dem Mäusemann auf dem Land fest hockt, verflucht Mum oft die sieben Berge. Denn bei den Spritpreisen von 1,58 Euro für den Liter überlegt Mum sich fünf mal, ob Mum mal in die Stadt fährt, um einfach mit einer Freundin einen Kaffee zu trinken, in den H&M und in die Drogerie zu gehen, welche es auf dem Land nun mal nicht gibt.

Tun wir es doch, ist der Mäusemann aus dem Häuschen, wenn er eine Straßenbahn sieht. Klingelt diese auch noch war das unser Highlight des Tages.

Doch wer sein Ziel kennt, findet den Weg. Deshalb weiß ich, dass ich mit dem Mäusemann an den Stadtrand ziehen möchte, sobald die Jobfrage geklärt ist und der Kindergarten nach dem 3. Geburtstag ruft. Und bis dahin machen wir es uns hinter den sieben Bergen schön ... der Mäusemann und ich!

… der Schwieger-Tiger

Der Schwieger-Tiger ist eine Spezies für sich. Bei einem Aufeinandertreffen kochen gerne mal Emotionen hoch. Aber was ist eigentlich, wenn man dann mal selbst ein Schwieger-Tiger wird?

Mein altes ICH wurde äußerst ungern den Müttern des Typen vorgestellt mit dem man eben zu diesem Zeitpunkt liiert war. Denn für Mütter stellt man wohl als Frau an der Seite eines Mannes eine Konkurrentin dar. Der Sohn – der ganze Stolz – wird der Mutter durch ein neues und jüngeres Modell Frau entrissen.

So war das auch bei meinem NICHT-Freund und mir.

Vor unserer Zeit fuhr er seine schmutzige Wäsche lieber knappe 300 km quer durch Deutschland, um sie sich von Mutti waschen und bügeln zu lassen. Denn Mutti meint, man braucht auch mit 42 noch keine eigene Waschmaschine. Sie macht diese Arbeit ja gerne für den schon etwas großen Buben.

Spätestens mit 24 bekommt der Mäusemann eine Waschmaschine zum Geburtstag geschenkt!

Nun ja mittlerweile lädt der Mann meiner Träume seine Dreckwäsche bei mir ab. Wieder ein Stück vom Sohn, welches ich der Mutti stehle. Und noch mehr ein Grund für den Schwieger-Tiger misstrauisch um die Rivalin zu schleichen, welche ihr den Jungen streitig macht. Und dann ist da ja auch noch der Mäusemann. Als Einzelenkelkind richtet sich nun natürlich alle Liebe und Aufmerksamkeit auf ihn. Als frisch gebackene Oma ist der Schwieger-Tiger natürlich besessen davon, Geschenke zu machen und den Mäusi mit allem zu verwöhnen, was es so auf dieser Erde gibt, was Mum jedoch auch wirklich nicht braucht. Sei es ein seltsamer Schaukelelefant, der dem Kind eher unheimlich ist, oder ein quietschgelber Plüsch-Giraffen-Koffer, von dem ich beim ersten Anblick Gänsehaut bekomme und inbrünstig hoffe, dass dieser nicht mit nach Hause genommen werden muss, sondern bei der Oma bleibt … damit man da halt auch was zum Spielen hat!

Überfreundlich und doch mit großem Misstrauen begegnet der Schwieger-Tiger also mir als neuem Familienmitglied.

Plaudere ich dann mal zu Besuch in Schwiegerstaft mit der Tante ausnahmsweise ungezwungen und frei, sehe ich die Ohren des Schwieger-Tigers immer größer werden. Plötzlich muss sie zufälligerweise in der Nähe etwas suchen, holen, räumen oder wischen. Sie tigert quasi um das Gespräch herum, um natürlich alles haargenau mitzubekommen … denn der Tiger würde wahrscheinlich eher zu Stein erstarren, anstatt freiwillig etwas Persönliches zu fragen, was nicht mit oberflächlichem Geplänkel zu tun hat. Kündigt sich dann auch mal die Schwieger-Familien-Sippe zu Besuch an, renne ich also schon vier Tage im Voraus hektisch durch die Wohnung … backe, putze, räume auf … und bin selbst nach zwei Jahren noch aufgeregt, wenn der Schwieger-Tiger mein Revier betritt. Es muss alles perfekt sein, damit der Schwieger-Tiger doch auch irgendwann mal einen guten Eindruck von mir erhascht, nachdem wir schon des Öfteren aneinander geraten sind. Denn auch wenn ich nur mit Widerwillen nach Schwiegerstaft zu bekommen bin und ich mich am liebsten verstecken würde wenn die Sippe anrückt, ist es doch die Familie und vor allem die Mutter von meinem mc dreamy. Sie hat ihn zu dem gemacht, was er ist … den, den ich liebe … auch wenn sie ihn total verkorkst hat! Und mal ganz unter uns: Mal sehen was für ein grausliger Schwieger-Tiger ich werde, wenn der süße Mäusemann plötzlich mit einer Tussi anrückt!

Einmal Kaffee und Kuchen zum Reinstopfen bitte!

Kaffee trinken und Kuchen essen gelingt mit dem kleinem Mäusemann im Café eher nicht, denn im fünf Minuten Turnus bahnen sich kleine Malheurchen an. Gut, dann gehen wir halt wieder, aber was nun mit Kaffee und Kuchen anstellen?

Mein altes ICH ging gerne abends mit den Freunden Essen. Am liebsten Sushi Essen. Oder nachmittags gemütlich einen Latte trinken gehen und nen fetten Schoko-Kuchen genießen. In Ruhe und bei einem tollen Gespräch. Heute sieht das etwas anders aus. Mein neues ICH geht nicht mehr abends Essen mit den Freunden. Der Mäusemann geht ja zwischen 19 und 20 Uhr ins Bett. Da ist also nichts mehr mit nach 18 Uhr das Haus verlassen. Ansonsten geht man aus dem Restaurant wieder raus, bevor man was gegessen hat, weil der Kleine einfach zu müde ist und nur noch quengelt. Aber mein neues ICH geht weiterhin gerne Kaffee trinken. Das sieht dann aber nicht mehr gemütlich aus und, an ein Gespräch ist auch nicht zu denken. Denn der Mäusemann hat anderes im Sinn als bequem rumzusitzen und genüsslich am Cappuccino zu nippen und zu plaudern. Der junge Mann möchte lieber seine Welt erkunden und die neuerlernte Gabe des Laufens auskosten. Also hechtet Mum hinter dem neugierigen Mäusemann im Café hinterher, anstatt im Kuchen herumzustochern. Anfangs, noch auf Mamas Schoß, wird die Karte zerfleddert. An der Tischdecke gerupft. Die Tischdeko inspiziert. Dann geht’s los. Zuerst geht’s zum leeren Tisch gegenüber. Zuckerstreuer austesten. Was ist das? Da kommt was raus, wenn man es schüttelt. Super Sache denkt wohl der Mäusi. Weiter geht es unter den Tisch, hinter in die Ecke, Stehlampe … an … aus … der Mäusemann flitzt durchs Café. Und meine Freundin sitzt alleine an unserem Platz, denn Mum wird beschäftigt. Dann geht’s zu dem netten Herrn am Nachbartisch, der dem Mäusemann schon ein paar Mal zu gelächelt hat. Vor ihm stehend lächelt mein Junior mit seinem Junior-Cup in der Hand den Typen zuckersüß an. Der Typ lächelt noch immer zurück. Der Mäusemann – charmant wie er ist – hat einen Plan: er schwingt seine Flasche, um mit dem Typen, dessen Kaffee noch auf dem Tisch steht, freundlich anzustoßen! Leider ohne den Typen vorher darüber zu informieren … die Kaffeetasse klirrt … prost … und kippt und der Kaffee schwappt dem netten Mann auf sein helles Hemd! Okay. Tut mir wirklich leid. Wir gehen dann wohl mal. Den bereits bestellten Kaffee und den Kuchen hätte ich bitte to go oder ich stopfe ihn schnell noch beim Anziehen des Mäusemanns in mich hinein. Und wir wünschen uns ein kinderfreundliches Café mit Spielecke, in der es eine Puppenküche gibt, Lego und Bilderbücher, mit gemütlichen Sesseln und einer schlichten Einrichtung, wo nicht viel kaputt gehen kann. Wo Mum gediegen ihren Kuchen essen und an der Latte schlürfen könnte während der Mäusemann spielt. Da wäre Mum dann wunschlos glücklich.

Oder kommt mich jemand mal bitte auf einen Kaffee zu Hause bei mir hinter den sieben Bergen besuchen!?

Freizeit …

Definition: Zeit außerhalb der Arbeitszeit, über deren Nutzung der Einzelne selbst (frei) entscheiden kann.

Mein altes ICH genoss seine Freizeit. Ich hatte Hobbys. Reiten, Tanzen, Lesen, Kino, Freunde treffen, joggen gehen … Mein neues ICH verbringt die Zeit anders … mit dem Mäusemann natürlich und das ist schön. Aber meistens tun wir dann nicht, was Mum schön findet sondern eher, was der Mäusi schön findet. Und wenn der NICHT-Freund dann sagt: „Ich weiß gar nicht, was du hast … du hast doch viel Freizeit!?“, dann überlege ich, inwiefern die Nutzung meiner Zeit nicht von mir selbst entschieden wird: Reiten? Ich habe ein Pferd. Und dorthin gehen wir auch regelmäßig. Sehr schön. Ich liebe mein Pferd. Er ist mein bester Freund und meine längste Beziehung. Der Mäusemann geht auch gern mit in den Stall. Perfekt. Jedoch nicht um Mum beim Reiten zu zu sehen. Auch nicht um selbst zu reiten. Das findet er höchstens zwei Runden spannend. Nein, der Mäusi will Traktor fahren! Also sitzt Mum regelmäßig neben Gerd (dem Bauern auf dessen Hof mein Pferd steht) im Traktor und hat den freudestrahlenden Mäusemann neben sich und fährt ins Nachbardorf zum Heu holen oder aufs Feld zum Pflügen, denn alleine mitfahren mag der Mäusemann noch nicht. Außerdem will ich den armen Gerd ja nicht als Babysitter missbrauchen … Tanzen? Oh ja, der Mäusemann tanzt auch gerne. Mum wird also des Öfteren im heimischen Wohnzimmer zum Tanzen aufgefordert. Jedoch zu den Hits „Biene Maja“ und „Heidi“. Jaaaa, auch schön. Oder wir gehen zur musikalischen Früherziehung. Da wird auch getanzt. Prima … Lesen? Manchmal lese ich auch. Häufig sogar. Mein altes ICH bevorzugte Romane. Jetzt liest Mum „Tim fährt los nach Timbuktu“ und „die kleine Katze“. Sehr spannend! Und manchmal, wenn abends ein wenig Zeit bleibt, lese ich auch. Doch wieder keinen Roman, sondern eher was über gesunde Zähne oder Ernährung. Da gibt’s wenigstens auch Bilder im Buch. Kino? Klar … wir machen Heimkino. Dann ist ein besonderer Tag. Wir machen uns salziges Popcorn (weils gesünder ist) und dann kuscheln wir uns aufs Sofa. Dann legt Mum eine Folge „kleiner Maulwurf“ ein. Super!! Die ist dann leider schon nach ca. 5 Minuten aus. Und dann ist das Drama groß! Freunde treffen? Ja klar … wir treffen uns auf dem Spielplatz. Wir treffen uns im Cafe „Wunschlos glücklich“ und wir treffen uns im Spielzimmer der Kumpels. Meistens treffen wir also die Freunde vom Mäusemann. Ein Glück dass die auch nette Mütter haben … Joggen gehen? Auch das mache ich. Ich jogge dem Mäusi auf dem Spielplatz hinterher. Ich jogge das Dreirad schiebend auf dem der Mäusemann fröhlich: “Schneller, schneller!“ jauchzt. Und Mum joggt im Supermarkt hinterher, wenn der Mäusemann unbedingt den kleinen Wagen schieben und selber einkaufen will! Ich bleibe also auch fit. Ja, mein liebster NICHT-Freund. Ich verbringe gerne Zeit mit meinem geliebten Mäusemann. Ich finde es toll mit ihm zusammen zu sein und ich liebe meinen Vollzeitjob als MUM. Aber das mit der Freizeit musst du dir wohl noch mal genau durchlesen und einprägen: Es ist Zeit außerhalb der Arbeitszeit, über deren Nutzung der Einzelne selbst (frei) entscheiden kann. Und ob wir mit Gerd Traktor fahren oder doch lieber Ausreiten gehen … das entscheidet immer noch mein Chef, der Mäusemann!

Shopping!!

Der Mäusemann ist ein wildes Kerlchen, da gehen die Hosen schnell kaputt. Also muss geshoppt werden. So eine Shopping-Tour hat aber nichts mehr mit denen von früher zu tun, wo man zu vier Freundinnen loszog und den gesamten Nachmittag extra dafür blockte.

Mein altes ICH ging gerne und häufig Shoppen. Klamotten. Schuhe. Accessoires. Ich kurbelte gern und oft die Wirtschaft an und investierte mein hart verdientes Geld in Fashion. Shoppingtouren mit meinen Freundinnen dauerten in der Regel mindestens einen ganzen Nachmittag. Systematisch klapperten wir alle tollen Läden der Stadt ab, durchforsteten Kleiderständer und blockierten Umkleidekabinen.

Mit dem Mäusemann läuft das Ganze so:

Der Mäusi und ich gehen auch gelegentlich shoppen. Kleider. Schuhe. Accessoires. Jedoch nicht in Größe 34 oder Schuhgröße 36 sondern in Kleidergröße 92 und Schuhgröße 23. Mit meinem hart verdienten Geld kurbeln wir also weiterhin die Wirtschaft an, denn es wird für den Mäusemann investiert, der in Rekordzeit aus seinen Schuhen heraus wächst oder die Jeans auf dem Spielplatz kaputt rockt (mir ist es ein Rätsel wie man in so schneller Zeit eine Hose ruinieren kann!). Shoppingtouren sehen jedoch etwas anders aus … Wir pilgern am Wochenende von einem Kinderkleidermarkt zum nächsten, um gebrauchte Schnäppchen zu erhaschen. Wir gehen auf Flohmärkte und ich stöbere auf ebay durch Auktionen. Gehen wir in normale Läden zum Shoppen, dann flitzen wir im Eiltempo durch die Kinderabteilung. Anprobiert wird eh zu Hause und zu lange darf es auch nicht dauern, sonst pflückt der Mäusemann den ganzen Ständer mit Klamotten auseinander, damit die nette Verkäuferin wieder ein wenig mehr zu tun hat. In die Damenabteilung komme ich recht selten, denn bis dahin hat der Mäusemann meistens keine Lust mehr auf Shopping. Der Mäusi hat nämlich besseres und wichtigeres zu tun. Außerdem hat Mum als halb-alleinerziehende Mummy mit einem schnell wachsenden und extrem hungrigen Kind eh seltenst Geld übrig. Dieses dann auch noch für Schnickschnack auszugeben, erscheint zudem auch nicht sinnvoll, deshalb wandert es oft auf den Bausparvertrag des Mäusemanns, damit der mal was hat, wenn er irgendwann erwachsen ist. Ich ziehe halt meine Klamotten an, die ich zuhauf noch im Schrank habe und die vielleicht nicht mehr ganz nagelneu sind. Nun ja. Das Gute dabei ist ja, die Mode von gestern ist ja übermorgen schon wieder modern …

Das Töpfchen!!

Jedes Kind kann sauber werden. Wenn es nach dem tollen Bilderbuch vom Töpfchen geht auch ohne Probleme. Oder läuft eventuell doch nicht alles wie am Schnürchen?

Der Mäusemann ist jetzt ein großes Bürschchen. Windeln sind ein teures Geschäft … deshalb habe ich eine neue Mission:

Der Mäusemann sollte langsam das Töpfchen kennen lernen!

Also 'Bilderbuch vom Töpfchen' raus. Töpfchen raus. So lieber Mäusi, jetzt ist es soweit. Darf ich dir dein neues Töpfchen präsentieren. Alles genau nach Plan. Jedes Kind kann schließlich sauber werden. Hört sich auch alles ganz easy an. Doch der junge Mann hat kein Interesse an dem Töpfchen. Das Buch schmökert er gerne. Alle andere Anweisungen, Tipps und Methoden aus dem Buch prallen am Mäusilein ab.

Gut dann ist also Mamis Kreativität gefragt.

Der Mäusemann liebt Fahrzeuge jeglicher Art. Also kaufen wir Unterhosen für den jungen Mann mit Baggern und Hubschraubern und Traktoren. Mum:“Mein Schatz, schau mal was für eine coole Unterhose ich für dich habe. Mit einem Bagger drauf! Möchtest du die anziehen oder eine Windel?!“

Mäusi möchte natürlich die ziemlich coole Bagger Unterhose.

Mum:“… und wenn du pieseln musst oder einen Stinker drücken musst, dann sagst du es der Mama, damit wir schnell aufs Klo flitzen können. Du hast nämlich die coole Unterhose und keine Windi an!“ Der Mäusemann ist begeistert! Alle 2 Minuten fragt Mum also danach, ob ein Geschäft im Anmarsch sein könnte. Dann plötzlich aus heiterem Himmel meint der Mäusi: „Mama … pieseln!“ Die Hose ist noch trocken … also nichts wie los und ab aufs Klo! Kind geschnappt, Hose hinten am Hintern gepackt und runter … Ui! Was ist denn das? Pieseln ist was anderes. Zja. Dann war es wohl schon zu spät … und durchs runter ziehen mal wieder alles eingesaut. Na gut. Damit keine schlechten Erinnerungen an dieses Missgeschick beim Mäusi hängen bleiben und das Klo nicht als negativer Ort gespeichert wird, machen wir halt einen Spaß aus dem Sauber machen und der Mäusemann darf mit allem, was er hat schnell noch in die Badewanne.

Aber wir bleiben dran … Rom ist schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden.

Wo ist bitte meine Schmerzgrenze geblieben?!

Als Mum entpuppt sich der Begriff 'Ekligfinden' als dehnbar. Es schleichen sich Automatismen ein, die man selbst normal findet, Umstehende nicht unbedingt. Die sind eher irritiert.

Mein altes ICH dachte, es gibt eine Grenze zwischen normaler zwischenmenschlicher Liebe und Ekel. Klar, man tauscht Körperflüssigkeiten mit dem Geliebten aus, man pflegt meinetwegen die alt gewordene Oma oder man wischt einem Kind natürlich auch den Popo ab. Aber dann gibt es auch eine Grenze, wo man so einiges dann einfach nur eklig findet. Jetzt bin ich Mum. Und manchmal passieren Dinge, welche ich gar nicht schlimm finde. Doch an der Reaktion von außenstehenden Menschen, welche die Situation beobachten, merke ich dann, dass da wohl doch etwas nicht ganz stimmt. Dann trete ich innerlich einen Schritt zurück, analysiere die Sache distanziert und stelle fest: Was zum Teufel habe ich da eben getan?! Fange ich mal mit herunter gefallenen Schnullern an. Die fallen auf den Boden und sind schmutzig, aber der Mäusemann will ihn unbedingt. Da geht nur eins: ablecken. Im Grunde echt pfui, denn im Normalfall stecke ich nicht alles in den Mund, was schon mal auf dem Boden lag. Oder auch sehr bekannt: am volle-Windel-Popo schnuppern! Wenn sonst jemand aus meinem engsten Kreise sein Geschäft verrichtet hat, gehe ich normalerweise nicht hinterher und schnuppere mal dezent daran.

Aber das sind Dinge, die wohl jede Mum schon einmal getan hat.

Doch es geht noch schlimmer:

Der Mäusemann hat Schnupfen. Wir sind unterwegs. Mitten in der Pampa. Nur Wald und Wiese um uns herum. Die Nase läuft. Mum hat natürlich die riesige Tasche am Start … Windeln, Snacks, Mini-Fernglas. Wo sind die Taschentücher? Hmmm … Mist – keine dabei! Also was machen wir?! Ich nehme wie einst unsere Vorfahren ein Blatt! Diese geniale Idee findet leider der Mäusemann überhaupt nicht so gut, also weigert er sich mit Händen und Füßen gegen das Laub-Taschentuch! Na gut, dann nimmt Mum eben die Finger. Schmier, schmier … Rotzglocke weg vom Näslein. In diesem Moment kommt natürlich Frau Nachbarin mit ihrem Hund vorbei spaziert und hat alles genau beobachtet. Mist. Nun schaut sie recht irritiert bis entsetzt. Der Mäusemann isst gut und gerne. Er probiert gerne neues aus und findet seinen persönlichen Geschmack. Wird dieser von einem Snack getroffen, äußert der Mäusi dies mit einem zuckersüßen „guuuuuut“ und er reibt sich sein Bäuchlein. Wird der Geschmack nicht getroffen, verzieht er sein Gesicht, winkt Mummy mit einem „mmmh!“ heran und spuckt das, was er da doch nicht essen will, nicht auf einen Teller oder eine Serviette, sondern ausschließlich in Mutters Hände! Ja und was macht man dann nun im feinen Restaurant mit beispielsweise einer halb zerkauten Rosmarinkartoffel? Unter den Tisch fallen lassen? In eine Serviette wickeln? Naja, wenn man das Teil schon mal in der Hand hat dezent in den eigenen Mund stecken! Ups … der Kellner hat's gesehen. Sein Blick ist ab diesem Zeitpunkt dann eher bemitleidend.

Ich hör hier jetzt mal lieber auf …

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