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Notbetreuung: Bekommen alle Alleinerziehenden einen Kitaplatz?

Ländersache

Notbetreuung: Bekommen alle Alleinerziehenden einen Kitaplatz?

Alleinerziehende Väter und Mütter wissen momentan nicht, wie sie Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen sollen. Eine Notbetreuung stand ihnen bisher auch nur zu, wenn sie in einem systemrelevanten Beruf arbeiten. Das soll sich jetzt ändern.

Bundesregierung plant Erweiterung der Notbetreuung

In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt ca. 1,78 Millionen Alleinerziehende, die berufstätig sind. Vor allem für sie ist es unmöglich, ihre Kinder zu Hause zu betreuen und gleichzeitig ihrer Arbeit nachzugehen. Eine Kitaschließung bis zum Sommer bedeutet nicht nur häuslichen Stress und psychische Herausforderung, sondern bringt die finanzielle Lage und berufliche Existenz in Gefahr. Die Kinder zu Oma und Opa geben, ist aufgrund des Kontaktverbots und Vorsichtsmaßnahmen keine wirkliche Option.

Daher will die Regierung jetzt die Notbetreuung für weitere systemrelevante Berufe öffnen sowie generell für alle alleinerziehenden Eltern. Aktuell haben lediglich ca. 450.000 dieser Eltern einen Anspruch auf Betreuung in der Corona-Krise. Dies geht aus Zahlen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hervor. Wenn diese berufliche Zugangsbeschränkung gelockert wird, wäre dies eine große Hilfe für Eltern, die sich allein um ihre Kinder kümmern müssen. Familienministerin und Mutter Franziska Giffey setzt sich für diese Erweiterung ein.

Eine pauschale Aussage, die Kitas bleiben bis zum Sommer zu, führt bei vielen Familien zu noch mehr Stress und kann nicht die einzige Antwort sein.

Familienministerin Franziska Giffey

Kitaplatzvergabe und Notbetreuung ist weiterhin Ländersache

Eine einheitliche Regelung wird es jedoch deutschlandweit nicht geben. Denn die Kitaplatzvergabe sowie die Kinderbetreuung liegt in Länderhand und wird kommunal geregelt. So haben letzte Woche bereits einige Bundesländer angekündigt, ab heute weiteren Berufen den Zugang zur Notbetreuung zu ermöglichen und vor allem Alleinerziehende mehr zu unterstützen.

Diese Bundesländer bieten Alleinerziehenden ab sofort generell Notbetreuung an:

  • Hessen
  • Hamburg
  • Nordrhein-Westfalen
  • Schleswig-Holstein

In allen anderen Bundesländern wird aktuell noch diskutiert, inwieweit die Notbetreuung für die Gruppe der Alleinerziehenden generell geöffnet werden kann. Im Laufe dieser Woche werden sicherlich noch einige weitere nachziehen. Aktuell sitzen in den Gremien der Parteien bereits Experten zusammen, die Leitlinien und Empfehlungen zur weiteren schrittweise Öffnung der Kitas erarbeiten. Es sei allen Parteien bewusst, welches Problem hier für Eltern entsteht, die über mehrere Monate ihre Familie finanzieren müssen und gleichzeitig die Kinder angemessen betreuen wollen.

Kritik an der Erweiterung der Notbetreuung

Gleichzeitig wird jedoch auch Kritik an der Öffnung der Notbetreuung für weitere Kinder laut. Je mehr Kinder wieder in eine Kita gehen, umso schwieriger würde es sein, die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können. Bei den ganz Kleinen ist das nahezu unmöglich. Ministerpräsidentin Malu Dreyer bekräftigt daher die Entscheidung, die Kindergärten aktuell noch nicht wieder generell zu öffnen, weil auf Empfehlung der Epidemologen das Risiko einer Verbreitung des Virus zu groß wäre. Franziska Giffey sieht jedoch noch deutliche Kapazitäten in der Kinderbetreuung.

Wenn wir überlegen, dass ja fünf Kinder pro Erzieherin in einem Raum empfohlen sind, dann könnten wir die Kapazität an Kitaplätzen - über drei Millionen haben wir - nicht voll nutzen. Dann könnte man etwa ein Drittel nutzen, also eine gute Million, 1,15 Millionen Plätze. Und das müsste dann überlegt werden, wer zunächst da mit hin kann

Franzisksa Giffey

Alle Eltern, die ihre Kinder allein erziehen, müssen sich aktuell also am besten an ihren Kitaträger bzw. die Leitung wenden. Dort werdet ihr erfahren, ob die Erweiterung der Notbetreuung jetzt auch in eurem Bundesland gilt und wann ihr eure Kinder wieder in eure Kitas bringen könnt.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Schwere Entscheidung

Ich bin in der glücklichen Lage gemeinsam mit meinem Mann mein Kind zu Hause zu betreuen. Nur dadurch können wir beide unserem Beruf im Homeoffice nachgehen. Wenn ein Elternteil das jedoch alleine wuppen muss und vielleicht noch einen Beruf hat, wo Homeoffice nicht möglich ist, sieht es auch finanziell ganz düster aus, vor allem, wenn mehrere Kinder im Haushalt leben. Für diese Eltern wäre es eine Erleichterung, ihre Kinder wieder in Betreuung geben zu können. Allerdings bleibt dann die Frage, wie die Erzieherinnen und Erzieher die Hygieneregeln einhalten können, wenn weitere Kinder auf engem Raum betreut werden müssen. Leicht wird das sicherlich für keinen. Doch eine Lösung muss ja gefunden werden, denn niemand möchte, dass sich das Virus weiter ausbreitet und die eigenen Familie betroffen ist.

Bildquelle: Getty Images/Kerkez

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