Spermiogramm gibt Aufschluss über Fruchtbarkeit des Mannes

Wenn es mit dem Schwanger werden einfach nicht klappen will, kommen verschiedene Ursachen dafür in Frage. Mögliche Fruchtbarkeitsstörungen des Mannes lassen sich mithilfe eines Spermiogramms aufdecken. Dabei wird das Sperma im Labor auf verschiedene Faktoren untersucht.


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Bei ungewollter Kinderlosigkeit beide Partner untersuchen


Stellt sich trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütung innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft ein, spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer „unfruchtbaren Partnerschaft“. Warum es mit dem Kinderwunsch des Paares nicht klappt, kann verschiedenste Ursachen haben. Noch immer hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass die Gründe vor allem bei der Frau zu finden sind, doch das stimmt nicht. Laut dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung verteilen sich die körperlichen Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit zu gleichen Teilen auf Männer und Frauen. Daher ist es wichtig, dass beide Partner ihre Fruchtbarkeit untersuchen lassen, um das Hemmnis für die Erfüllung des  Kinderwunschs zu finden und bestenfalls beheben zu können. Beim Mann nennt sich der Standardtest zur Untersuchung der Fruchtbarkeit „Spermiogramm“. Dabei wird die Spermienqualität auf verschiedene Faktoren wie Volumen und Beweglichkeit untersucht.

Spermiogramm: Mann mit Behälter


© iStock
Ablauf eines Spermiogramms

Ein Spermiogramm wird vom Urologen oder Andrologen erstellt. Dafür braucht der Arzt eine frische Samenprobe, die bestenfalls direkt in der Praxis in speziell dafür eingerichteten, diskreten Räumen gewonnen wird. Da für viele Männer die Vorstellung der Samengewinnung innerhalb der Praxisräume äußert unangenehm ist, besteht in der Regel auch die Möglichkeit, den Samen zuhause zu gewinnen. Wichtig dabei ist, vorher die Hände und den Penis zu waschen, um die Samenprobe nicht zu verunreinigen. Zudem muss der Samen ausschließlich und vollständig in dem sterilen Behälter aufgefangen  und transportiert werden, den es extra dafür in der Arztpraxis gibt. Außerdem darf die Probe, wenn sie abgegeben wird, nicht älter als eine Stunde sein und muss konstant Körpertemperatur haben, sollte also zum Beispiel in der Jacken-Innentasche oder in der Hosentasche transportiert werden.

Um ein möglichst unverfälschtes Ergebnis zu erzielen, wird geraten, vor der Untersuchung drei bis maximal sieben Tage enthaltsam gewesen zu sein, das bedeutet weder Sex gehabt noch sich selbst befriedigt zu haben. Ein erst kürzlich erfolgter Samenerguss kann nämlich beispielsweise die Menge des Ejakulats beeinflussen und so das Ergebnis des Spermiogramms verzerren. Ebenso kann eine zu lange Phase der Enthaltsamkeit die Beweglichkeit der Spermien negativ beeinflussen.

Die Samenprobe wird im Labor mikroskopisch auf ihr Volumen, die Spermienzahl, die Spermienkonzentration, die Beweglichkeit, die Vitalität und die Form der Spermien untersucht.
Auswertung des Spermiogramms
Die ermittelten Werte der Spermauntersuchung werden dann mit den aktuellen Normwerten der WHO (2010) verglichen:

Ejakulatvolumen: Sollte pro Samenerguss mehr als 1,5 ml ergeben.
ph-Wert: Sollte zwischen 7,2 und 8 liegen.
Spermienkonzentration: Sollte über 15 Mio Spermien / ml Ejakulat liegen.
Spermiengesamtzahl: Sollte über 39 Mio Spermazoten betragen.
Beweglichkeit: Es sollten mindestens 32 Prozent bewegliche Spermien vorhanden sein.
Morphologie: Mindestens 4 Prozent der Spermien sollten normal geformt sein.
Vitalität: Mindestens 50 Prozent der Spermien sollten lebendig sein.

Zusätzlich wird die Samenprobe auf Bakterien und Leukozyten untersucht.

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Mögliche Normabweichungen bei der Spermienuntersuchung

Erreicht die Samenprobe eines Mannes die Referenzwerte der WHO, sprechen Mediziner von einer Normozoospermie, also einem unauffälligen Befund. Aber auch, wenn seine Probe unter einem oder mehreren Normwerten der WHO liegt, heißt das nicht automatisch, dass er unfruchtbar ist. Seine Fruchtbarkeit ist dann nur mehr oder weniger eingeschränkt. Folgende Diagnosen treten am häufigsten auf.

Oligozoospermie: Es befinden sich zu wenige Spermien im Ejakulat.
• Asthenozoospermie: Es befinden sich zu wenig bewegliche Spermien im Ejakulat.
• Teratozoospermie: Der Anteil der normal geformten Spermien ist zu gering.
• Oligoasthenoteratozoospermie: Es liegt eine Kombination aus zu wenigen, zu wenig beweglichen und zu wenig normal geformten Spermien vor.
• Azoospermie: Es befinden sich keine Spermazoten im Ejakulat.

Ein weiterer Sonderfall ist die Aspermie. Bei dieser Störung tritt trotz eines Orgasmus des Mannes kein Ejakulat aus.
Das Spermiogramm weist schlechte Werte auf – und nun?
Zunächst einmal sollten Sie sich keine Sorgen machen. Ein Spermiogramm ist immer eine Momentaufnahme. Erkrankungen, Stress oder ein Schlafdefizit können sich kurzzeitig negativ auf die Spermienqualität auswirken. Daher wird ein Spermiogramm in der Regel nach einigen Wochen wiederholt, um belastbarere Ergebnisse zu erhalten.

Sollten auch bei der zweiten und dritten Spermienuntersuchung Auffälligkeiten auftreten, bedeutet aber auch dies nicht zwangsläufig das Aus für den Kinderwunsch. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, ergibt sich immer aus der Kombination der Fruchtbarkeit beider Partner. Hat der Mann beispielsweise eine eingeschränkte, die Frau dafür eine hohe Fruchtbarkeit, kann es auf natürlichem Weg trotzdem klappen. Problematischer ist es, wenn beide Partner Fertilitätsprobleme haben, dann hilft oft nur noch der Gang zum Kinderwunschmediziner.

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Spermiogramm-Kosten: Wer zahlt für die Untersuchung?

Ein Spermiogramm kostet zwischen 60 und 100 Euro. Gibt es eine Empfehlung des Frauenarztes für die Untersuchung des Mannes, werden die Krankenkassen die Kosten in der Regel übernehmen. Informieren Sie sich im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse, welche Bedingungen für die Kostenübernahme erfüllt sein müssen.
Spermientest für Zuhause: Was können die Selbsttests?
Mittlerweile gibt es in Apotheken verschiedene Selbsttests, mit denen man die Spermienqualität bequem zuhause messen können soll. Die Tests gibt es von verschiedenen Anbietern und kosten in der Regel um die 20 Euro. Jedoch geben sie lediglich Auskunft darüber, wie viele Spermien sich im Ejakulat befinden. Die anderen Faktoren wie Beweglichkeit und Vitalität der Spermien werden von den Heimtests nicht ausgewertet. Daher sind solche Selbsttests nur bedingt aussagekräftig.

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