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Sudbury: Das steckt hinter dem demokratischen Schulkonzept

Sudbury: Das steckt hinter dem demokratischen Schulkonzept

Freiheit für alle!

Nena hat eine gegründet: Die Sudbury-Schule schwört auf freiheitliches Lernen. Welches Konzept genau hinter der demokratischen Schule steckt.

Was genau ist eine Sudbury-Schule?

Als Sudbury-Schule bezeichnen sich demokratische Schulen, die sich am Modell der Sudbury Valley School orientieren, die 1968 im US-amerikanischen Framingham (Massachusetts) von Daniel Greenberg gegründet wurde. Laut Wikipedia arbeiten weltweit derzeit rund 70 Schulen nach diesem Konzept. Im Mittelpunkt steht bei allen die individuelle Freiheit des einzelnen Schülers.

Das bedeutet konkret:

  • Ein Sudbury-Schüler oder eine Sudbury-Schülerin darf frei über seine oder ihre Zeit verfügen. Beginn und Ende der täglichen Schulzeit sind flexibel.
  • Wann, wie, was und mit wem er/sie lernt, ist komplett seine/ihre eigene Sache.
  • Es wird kein fester Lehrplan vorgegeben.
  • Es gibt keine Bewertung oder Dokumentation des Lernens der Schüler*innen.

Wie läuft der Unterricht an einer Sudbury-Schule ab?

Unterricht im klassischen Sinne gibt es an einer solchen demokratischen Schule nicht. Gelernt wird, indem sich die Schüler*innen untereinander unterhalten, miteinander spielen, anderen zusehen oder auch lesen. Nur wenn sich Schüler*innen ausdrücklich einen bestimmten Kurs wünschen, findet er statt: Und zwar entweder von einer Mitarbeiter*in oder aber von einer Schüler*innen geleitet.

Für die verschiedenen Tätigkeiten gibt es spezielle "Funktionsräume", also zum Beispiel eine Bibliothek, einen Werkraum oder einen Musiksaal.

Kinder welchen Alters gehen an eine Sudbury-Schule?

In eine Sudbury-Schule können in der Regel Kinder und Jugendliche zwischen vier und 19 Jahren gehen. Dabei werden sie nicht nach Alter oder Klassen getrennt. Interessen und Fähigkeiten erzeugen Gemeinsamkeiten, nicht das Alter. Der Vorteil dieses Konzepts laut Gründer Greenberg: Die jüngeren Kinder würden von den Erfahrungen der älteren profitieren. Die Älteren würden von den Fragen der Jüngeren zum Nachdenken angeregt. Auch die Kommunikationsfähigkeit würde so geschult.

Gibt es in einer Sudbury-Schule gar keine Regeln?

Doch, aber über alle Schulregeln und auch Verwaltungsangelegenheiten wird in einer Schulversammlung abgestimmt. Das kann zum Beispiel die Neuanstellung oder auch Entlassung von Mitarbeiter*innen betreffen. Diese findet wöchentlich statt und jeder Anwesende hat eine gleiche Stimme – egal, ob Schüler*in oder Mitarbeitende.

Ein weiteres To Do bei der Schulversammlung: Aufgaben, wie das Übernehmen der Verantwortung für verschiedene Aktivitäten, werden an einzelne Personen oder Gruppen verteilt. Allgemeingültige Regeln (persönliches Verhalten, Sicherheit, Nutzungsbedingungen von Räumen, ...) sind zudem meistens in einem schuleigenen Gesetzbuch niedergeschrieben.

Wird gegen diese Regeln verstoßen, kommt an den meisten demokratischen Schulen ein Justizkomitee zum Einsatz. In diesem sitzen von der Schulversammlung gewählte Zuständige. Sie verhandeln nach rechtsstaatlichen Grundsätzen ausschließlich schriftliche Beschwerden – in Anlehnung an einen echten Strafprozess. Wichtig: Es gilt zunächst immer die Unschuldsvermutung.

Wie schneiden Sudbury-Schüler ab?

Wer einen staatlichen Abschluss möchte, muss das als Sudbury-Schüler*in selbst kommunizieren. Grundsätzlich sind als Gastschüler an staatlichen Schulen alle Abschlüsse möglich.

Einige Studien, die die Sudbury Valley School selbst über die Jahre veröffentlichte, kommen zu folgendem Ergebnis:

  • 80 % der früheren Schüler*innen gehen auf eine Universität oder ein College
  • Die Mehrheit der Absolventen konnte ihren Wunschberuf ergreifen.
  • 45 % gründeten Unternehmen.

Unabhängige Erhebungen gibt es unseres Wissens nach nicht.

Gibt es Sudbury-Schulen in Deutschland?

Inzwischen gibt es weltweit demokratische Schulen, die meisten in den USA und in Israel. Doch auch in Deutschland wird an verschiedenen Einrichtungen seit dem Jahr 2000 in verschiedenen Bundesländern nach dem Sudbury-Prinzip unterrichtet. Sie zählen zu den staatlich genehmigten und subventionierten Schulen. Finanziert werden sie außerdem über Schulgeld, das die Eltern für ihre Kinder bezahlen und das sich meist am Einkommen orientiert.

Die wohl bekannte demokratische Schule hierzulande ist die "Neue Schule Hamburg", die im Jahr 2007 unter anderem von Sängerin Nena und ihrem Lebensgefährten Philipp Palm gegründet wurde.

Gibt es auch Kritik am Sudbury-Modell?

In Deutschland sind Sudbury-Schulen umstritten. Manchen gefällt das freiheitliche Lern- und Erziehungskonzept generell nicht. Die staatliche Genehmigung bzw. auch staatliche Förderung wird kontrovers diskutiert.

Kinder wollen auch in den Ferien beschäftigt werden. Damit sich keine Langeweile breit macht, verraten wir euch coole Aktivitäten:

Quellen:
de.wikipedia.org/wiki/Sudbury-Schulen
de.wikipedia.org/wiki/Neue_Schule_Hamburg
Besser-bilden.de

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Bildquelle: Getty Images / monkeybusinessimages

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