Braxton-Hicks: Woran erkennt man Übungswehen?

Schwangerschaft

Braxton-Hicks: Woran erkennt man Übungswehen?

Wehenartige Schmerzen in der Schwangerschaft können Anzeichen einer Frühgeburt oder einer (statistisch sehr seltenen) Fehlgeburt sein. Kein Wunder, dass werdende Mütter oft verunsichert sind. Zudem kursieren viele Fehlinformationen darüber, wie man Übungswehen erkennt und was sie bedeuten.

Übungswehen sind ein ganz normaler Teil der Schwangerschaft, aber nicht immer leicht zu erkennen.

Was sind Wehen überhaupt?

Wehen entstehen, wenn sich der Uterus rhythmisch zusammenzieht und wieder entspannt. Medizinisch wird zwischen “echten Wehen” und “falschen Wehen” entschieden: Erstere bewirken, dass sich dein Muttermund verkürzt oder öffnet, befördern dein Kind weiter Richtung Geburtskanal und leiten letztendlich die Geburt ein. “Falsche Wehen” dienen dem Körper während der Schwangerschaft zur Vorbereitung auf die Entbindung, haben aber keinen Einfluss auf den Muttermund.

Diese Arten von Wehen gibt es:

  • Übungswehen: man unterscheidet hier die sogenannten Alvarez-Wehen und Braxton-Hicks-Kontraktionen

  • Vorzeitige Wehen: verkürzen den Muttermund und können (unbehandelt) zu einer Frühgeburt führen

  • Vorwehen / Senkwehen: der Bauch senkt sich ab, dein Baby wird tiefer ins Becken geschoben und der Muttermund verkürzt sich 

  • Geburtswehen: Eröffnungswehen und Austreibungswehen, die zur Geburt führen 

Ab wann hat man Übungswehen?

Die meisten Frauen spüren Übungswehen in der zweiten Schwangerschaftshälfte, etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche. Bei einigen können sie aber auch ab der 16. SSW auftreten. Denn in dieser Zeit beginnt die Gebärmutter, sich auf die Geburt des Kindes vorzubereiten und die sogenannten Alvarez-Wehen, die ersten Übungswehen, sind manchmal spürbar. Die Gebärmutter spannt hier kleine Teile ihrer Oberfläche an und entspannt sie wieder, was sich durch ein leichtes Flattern oder Kribbeln im Bauch bemerkbar macht. Die meisten Mamas spüren genau in dieser Zeitspanne auch ihre ersten Kindsbewegungen, die sich sehr ähnlich anfühlen, sodass die Alvarez-Wehen oft unbemerkt bleiben.

Woran erkenne ich Übungswehen?

Mit dem Wachstum von Kind und Gebärmutter im Verlauf der Schwangerschaft werden auch die Übungswehen regelmäßiger, intensiver und langanhaltender: Braxton-Hicks spürst du durch ein Festwerden deines Bauches, denn deine gesamte Gebärmutter zieht sich zusammen. Einige Wochen vor Geburtstermin gehen sie dann in die Senkwehen und letztendlich in die “echten Wehen”, deine Geburtswehen über. 

Übungswehen zu erkennen ist in der Tat nicht immer einfach, denn jede Frau hat ein anderes Körperempfinden. So spürt manche jedes Ziepen, andere erkennen selbst die Geburtswehen erst als solche an, wenn die Fruchtblase platzt.
 
Zu den typischen Schwangerschaftssymptomen gehören unter anderem ziehende Schmerzen im Unterleib, die sich auf Rücken und Beine ausstrahlen können: Das Dehnen der Mutterbänder. So kann man oft gar nicht richtig unterscheiden, ob es sich jetzt um Übungswehen, die Mutterbänder oder die in der Schwangerschaft so häufigen Verdauungsprobleme Auslöser sind. 

Manche Mamas machen sich auch über das Ausbleiben der Braxton-Hicks Sorgen. Heißt das, etwas ist mit der Schwangerschaft nicht in Ordnung? Nein, denn auch wenn die Übungswehen für einige Mamas schmerzhaft sein können, spüren andere sie überhaupt nicht oder nehmen sie nicht als Braxton-Hicks wahr.

An diesen Symptomen erkennst du Übungswehen:

  • der sogenannte harte Bauch: dein Bauch spannt und fühlt sich “hart” an

  • ggf. leicht menstruationsartige Schmerzen

  • lange Abstände zwischen den Wehen: über mehrere Stunden bis zu drei mal pro Stunde

  • weniger als zehn Wehen pro Tag

  • Stärke und Häufigkeit nimmt nicht zu

  • Intensität lässt mit Ruhe, Positionswechsel und Wärme nach

Das kannst du bei Übungswehen tun:

  • Ruhe: Hinlegen oder Setzen und entspannen. Oft hilft auch ein Positionswechsel im Liegen, besonders die linke Seitenlage mit Hilfe eines Stillkissens, denn hier wird dein Bauch am besten durchblutet und die Verdauung entlastet.

  • leichte Wärme: eine Wärmflasche oder ein Dinkelkissen können die Wehen abmildern. Auch ein lauwarmes Bad hilft häufig.

  • Yoga: Atemtechniken, Meditation und Entspannungs-Posen entlasten die Gebärmutter und helfen dir, die Vorgänge im Körper gedanklich anzunehmen.

  • etwas Trinken: Wasser oder Schwangerschaftstee helfen, die Muskeln zu lockern.

  • Ablenkung: ein Telefonat oder ein guter Film können helfen, Abstand zu gewinnen, wenn du den harten Bauch als unangenehm empfindest.

Übungswehen oder vorzeitige Wehen: die Unterschiede

Nicht selten bekommt man nach einem stressigen Arbeitstag, langen Einkauf im Supermarkt oder Streit mit dem Partner als werdende Mama (meist unbegründet) Angst, sich übernommen zu haben und prompt folgt das schlechte Gewissen. Manchmal reicht schon ein unberechtigter Kommentar von Außenstehenden oder anderen Müttern und man spielt alle Schreckensszenarien im Kopf durch.

Wenn dann die Übungswehen einsetzten, fragt man sich schnell, ob es vorzeitige Wehen sein könnten. Je früher in der Schwangerschaft du dich befindest, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du muttermundwirksame Wehen hast. Allerdings kann man die (fehlende) Wirksamkeit von Wehen erst mit einer Untersuchung feststellen.

Ein Besuch beim Frauenarzt oder bei der Hebamme klärt also schnell, um welche Art von Wehen es sich bei dir handelt: Mit dem Wehenmesser können sie die Aktivität deiner Gebärmutter überprüfen und deinen Muttermund untersuchen – und dir gegebenenfalls wehenhemmende Maßnahmen wie Bettruhe und Medikamente verschreiben. 

Besonders, wenn es deine erste Schwangerschaft ist, willst du vielleicht keine große Sache beim Arzt daraus machen, deshalb: Das ist es nicht. Für die Mediziner ist es vollkommen normal, dass schwangere Patientinnen spontan anrufen und um einen sofortigen Termin bitten. Das machen wirklich alle Mamas so. Wenn es das Kindeswohl betrifft, gelten für alle einfach andere Regeln.

Handelt es sich um starke Übungswehen, wird dir wahrscheinlich geraten, die Dinge etwas ruhiger angehen zu lassen. Auch bei leichten vorzeitigen Wehen können Magnesium und Bryophyllum – in Absprache mit Ärztin oder Hebamme eingenommen – diese abmildern. 

Allein die Gewissheit, dass du etwas gegen die Wehen unternimmst, bringt oft Erleichterung.

Nicht selten ist Schwangerschafts-Yoga eine tolle Möglichkeit, mal die Seele baumeln zu lassen und sich auf positive Gedanken zu konzentrieren. Auch der Austausch mit anderen Schwangeren kann oft helfen.

Leichte Wehen treten in jeder gesunden Schwangerschaft auf und sind bei regelmäßiger Betreuung durch deine Frauenärztin und/ oder Hebamme kein Grund zur Sorge. Vielmehr sind sie ein Zeichen, dass sich dein Körper auf den Endspurt zum Baby vorbereitet.

Quellen:
Bundesverband der Frauenärzte e.V.: www.frauenaerzte-im-netz.de  
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.familienplanung.de 

Bildquelle:

Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich