Die häufigsten Geburtskomplikationen

Nabelschnurkomplikationen, Anomalien der Planzenta oder Fehllagen – manchmal treten während der Geburt unerwartete Probleme auf, sowohl ernste als auch ganz harmlose. Doch Ärzte und Geburtshelfer sind gut darauf vorbereitet.

Eine Geburt ist immer wieder ein kleines Wunder und auch immer wieder spannend. Keiner kennt den Tag und die Stunde, wann es soweit sein wird, dass ein neues Leben auf die Welt kommt. Und es kann dir auch keiner vorher sagen, wie genau die Geburt ablaufen wird. Zu deiner Beruhigung, was dir auch jeder Mediziner bestätigen wird: In den allermeisten Fällen verlaufen Geburten heutzutage ohne irgendwelche Probleme. Es kann manchmal aber auch zu plötzlich auftretenden Komplikationen kommen, selbst wenn die Schwangerschaft völlig problemfrei und normal verlaufen ist. Wenn das der Fall ist, beruhigt es zu wissen, dass Geburtshelfer, Ärzte und Krankenhaus optimal darauf eingestellt sind.

Die häufigsten Geburtskomplikationen

Manche Schwierigkeiten bei der Geburt sind absehbar, etwa bei Mehrlingsgeburten oder bei schwangerschaftsbedingten Krankheiten wie Schwangerschaftdiabetes oder Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). Trotz aller Vorsorge und optimaler Geburtsvorbereitung kann es aber auch zu ungeplanten und ungeahnten Problemen während der Geburt kommen. Das bedeutet nicht immer sofort Gefahr für Mutter und Kind – manche Geburtskomplikationen sind eher harmlos. Zudem können dank der modernen Medizin die meisten Probleme schnell und sicher gelöst werden.

Die häufigsten Geburtskomplikationen sind:

  1. Fehllagen (Beckenendlage, Querlage)
  2. Komplikationen der Nabelschnur (Nabelschnurvorfall, Nabelschnurumschlingung)
  3. Anomalien der Planzenta (vorzeitige Ablösung, Plazenta praevia, Plazenta-Insuffizienz)
  4. Insertio velamentosa
  5. Wehenprobleme (Wehenschwäche, Wehensturm)
Familie.de wünscht einen schönen Tag!

Viele Hände tun alles dafür, dass Mutter und Kind eine glückliche Geburt erleben.


1. Fehllagen: Beckenendlage, Querlage, Schräglage

Im Optimalfall liegt das Ungeborene bei der Geburt mit dem Kopf nach unten, in Richtung Becken, mit dem Gesicht zum Rücken der Mutter. So passt das Köpfchen am besten in das mütterliche Becken. In 90 Prozent der Fälle dreht sich das Baby bis zur 36. Schwangerschaftswoche in diese Lage. Ist der Kopf zwar unten, das Baby hat aber sein Gesicht auf der Bauchseite der Mutter, muss der Kopf mit seinem größten Durchmesser zuerst durch das  Becken der Mutter. Das kann den Geburtsverlauf hemmen und es kann passieren, dass es gar nicht mehr weitergeht. In so einem Fall kann das Kind mit Geburtszange, Saugglocke oder durch einen Dammschnitt auf die Welt geholt werden.

Andere Fehllagen sind die Beckenendlage, dann liegt das Ungeborene mit dem Popo nach unten, oder die Schräglage und Querlage. Bei der Schräglage kann es unter den Wehen noch zu einer Spontanwendung kommen. Im Fall einer Querlage versuchen die Geburtshelfer, die Lage des Babys noch zu verändern, was immerhin bei der Hälfte der Versuche erfolgreich ist. Bleibt es jedoch bei der Querlage, kann nur ein Kaiserschnitt weiterhelfen. Die Häufigkeit der Beckenendlage bei allen ausgetragenen Schwangerschaften liegt bei 3 bis 5 Prozent.

Beckenendlagen treten häufig auf bei:

  • Frauen, die schon geboren haben
  • Mehrlingen
  • zu viel oder zu wenig Fruchtwasser
  • angeborenen Gebärmutter-Fehlbildungen
  • Gebärmuttermyomen
  • tief- oder vorliegender Plazenta (Plazenta praevia)
  • Frühgeburten

2. Komplikationen der Nabelschnur: Nabelschnurvorfall und –umschlingung

Ein Nabelschnurvorfall bedeutet immer höchste Alarmbereitschaft, denn er kann für das Baby lebensbedrohlich sein. Wenn die Nabelschnur vor das Köpfchen des Babys rutscht, kann die Sauerstoffversorgung abgedrückt werden, was wiederum zu einer Hirnschädigung führen kann. Zum Glück tritt diese Komplikation sehr selten auf, nur bei weniger als einem halben Prozent der Geburten in Deutschland. Ausgelöst werden kann ein Nabelschnurvorfall unter anderem durch Fehllagen des Fötus oder durch eine tiefer sitzende Plazenta. Ein sofortiger Notfall-Kaiserschnitt ist dann die Rettung. Eine zweite Komplikation der Nabelschnur ist dagegen sehr viel häufiger, dafür aber auch meistens harmlos.

Die Nabelschnurumschlingung kommt tatsächlich bei jeder fünften Schwangerschaft vor. Dabei schlingt sich die Nabelschnur, ein- oder auch mehrfach, um einen oder mehre Körperteile des Fötus, sei es um Hals, Arme, Beine oder Körper. Zirkulationsstörungen gibt es dabei jedoch nur in der Hälfte der Fälle.

3. Anomalien der Plazenta: tief sitzend, vorzeitige Ablösung, Insuffizienz

Bei den Geburtskomplikationen, die durch die Plazenta ausgelöst werden, muss schnell gehandelt werden, denn das kann gefährlich für Mutter und Kind sein. Bei der tief sitzenden Plazenta praevia liegt der Mutterkuchen neben oder über dem Muttermund und versperrt somit dem Ungeborenen den Weg in den Geburtskanal. In diesem Fall ist ein Kaiserschnitt unumgänglich. Eine Plazenta praevia wird heutzutage normalerweise jedoch bei einer Ultraschalluntersuchung vor dem Einsetzen der Wehen festgestellt.

Bei der vorzeitigen Plazentaablösung hat sich der Mutterkuchen noch vor der Geburt von der Gebärmutter gelöst, verursacht durch ein Hämatom hinter der Plazenta.

Entstehen kann ein solches Hämatom durch:

  • Bluthochdruck
  • vorzeitigen Blasensprung
  • Uterusanomalien
  • kurze Nabelschnur
  • Mangelernährung
  • Nikotin- und Drogenmissbrauch

Die Gefahr einer Plazentalösung nimmt außerdem mit jedem weiteren Kind zu. Eine Plazentaablösung ist verbunden mit starken Blutungen während der Geburt. Zum Schutz von Mutter und Kind wird dann versucht, die Geburt so schnell wie möglich zu beenden, sei es mit Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt.

Von einer Plazentainsuffizienz spricht man bei einer gestörten oder ungenügenden Funktion des Mutterkuchens. Die Plazenta dient der Versorgung des Fötus mit Sauerstoff, Nährstoffen und Antikörpern, außerdem werden hier zahlreiche wichtige Hormone wie Östrogene und die schwangerschaftsfördernden Gestagene gebildet. Eine akute Plazentainsuffizienz bedeutet einen plötzlichen, verminderten Blutfluss, auf Seiten von Mutter oder Kind. Bei der Mutter kann der Auslöser ein Blutdruckabfall sein, etwa nach einer Periduralanästhesie, durch einen Wehensturm während der Geburt, durch eine vorzeitige Plazentalösung oder eine Blutung aus einer Plazenta praevia. Beim Kind sind in der Regel Nabelschnurprobleme die Verursacher, wie Umschlingung, Vorfall oder Knotenbildung. Eine akute Plazentainsuffizienz ist ein Notfall, bei dem schnellstmöglich entbunden werden muss. Dagegen zeigt sich die chronische Plazentainsuffizienz in zu langsamem Wachstum des Kindes während der Schwangerschaft.

Die unzureichende Plazentafunktion kann verursacht werden durch:

  • Anämie (Blutarmut)
  • Diabetes mellitus
  • Niereninsuffizienz
  • Bluthochdruck
  • Infektionen
  • Genuss von Alkohol
  • und Nikotin während der Schwangerschaft

4. Insertio velamentosa

Auch dieses Problem taucht zum Glück eher selten auf, nur bei etwa einem Prozent aller Einlingsschwangerschaften. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist die Wahrscheinlichkeit allerdings höher. Bei dieser Anomalie setzt die Nabelschnur nicht unmittelbar am Mutterkuchen an, sondern die Gefäße verlaufen frei über die Eihäute. Da die Nabelschnurgefäße ungeschützt sind, können sie während der Schwangerschaft eventuell abgeklemmt und die Blutzufuhr gestört werden, wodurch es zu Fehlbildungen beim Kind kommen kann. Nur selten geschieht es, dass dann beim Blasensprung die freien Gefäße verletzt werden. Dann allerdings kommt es zu einer Blutung, die für das Ungeborene lebensgefährlich sein kann, da das Blut sein eigenes ist. Zu erkennen ist das daran, dass sich die Herzfrequenz des Babys verlangsamt. Der Herztonwehenschreiber, auch Kardiotokograph (CTG), kontrolliert während der Geburt, ob es dem Baby gut geht. Ist dies nicht der Fall, wird sofort die Geburt eingeleitet und das Kind geholt, entweder mit Hilfe einer Geburtszange, einer Saugglocke oder per Notkaiserschnitt.

5. Wehenprobleme: Wehenschwäche und Wehensturm

Die Wehenschwäche ist eines der häufigeren Probleme bei einer Geburt. Dann sind die Gebärmutterkontraktionen entweder nicht effektiv oder nicht ausreichend, zu schwach oder zu unregelmäßig - oder sie hören sogar ganz auf. Manche Mütter sind auch so erschöpft, wenn die Wehen zu lange dauern, dass sie zum Ende der Geburtsphase nicht mehr in der Lage sind, stark genug zu pressen. Dann kann eine Saugglocke oder Geburtszange helfen, das Kind zur Welt zu bringen. Umgekehrt sind beim Wehensturm die Kontraktionen zu stark oder die Frequenz ist zu hoch. Das bedeutet, dass die Gefahr einer Uterusruptur besteht, eines Zerreißens der Gebärmutter. Bei einem kompletten Riss der Gebärmutter setzen die Wehen dann schlagartig aus und es kommt zum Geburtsstillstand. Das bedeutet dann zwingend einen Notfall-Kaiserschnitt. Diese Komplikation gibt es jedoch nur bei einer von 1.500 Geburten.

Wie war die Geburt? Eine Umfrage unter Müttern

Wenn du nun das alles über die verschiedenen Geburtskomplikationen gelesen hast und selber vielleicht demnächst dein Kind erwartest: Lass dich nicht verunsichern und mach dir keine unnötigen Gedanken. Die moderne Medizin ist bei uns soweit fortgeschritten und Ärzte sowie Geburtshelfer so gut ausgebildet, dass sie diese Schwierigkeiten schnell und sicher meistern können. Also keine Angst. Die Autorin kennt eine Frau, die bei zwei Geburten gleich zwei Mal eine Komplikation hatte. Ihr erstes Kind musste mit der Saugglocke geholt werden, da es die Nabelschnur um Hals und Körper gewickelt hatte, und das dunkelblau angelaufen zur Welt kam. Und beim zweiten Kind hatte sie eine Insertio velamentosa. Die beiden Kinder sind heute 10 Jahre und 5 Jahre alt, mopsfidel und puppenlustig – wie im Übrigen ihre Mutter auch.

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