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Ein Praktikum im Geburtshaus: Wie das mein Leben verändert hat

Ein Praktikum im Geburtshaus: Wie das mein Leben verändert hat

Eine besondere Zeit

Die Geburt eines Kindes ist das wohl schönste Erlebnis im Leben eines Menschen. Das eigen Fleisch und Blut in den Armen zu halten, stellt auf einmal alles auf den Kopf. Bei einem solchen Moment dabei zu sein, kann die Ansichten auf das ganze Leben völlig verändern – genauso erging es mir als ich vor einigen Jahren ein Praktikum in einem Geburtshaus absolviert habe. Es war eine unglaublich prägende Zeit, die mich völlig verändert hat und an die ich mich vor allem dann noch erinnern werde, wenn ich selbst irgendwann Mama werden sollte.

Ganze 6 Monate lang ging mein Praktikum in einem Berliner Geburtshaus. Ich entschied mich damals nach einem gescheiterten Studienversuch und einer abgebrochenen Ausbildung für diesen Schritt und bereue es nicht.

Warum gerade ein Praktikum im Geburtshaus?

2015 verlor ich meinen Ausbildungsplatz, nachdem ich dort gemobbt wurde. Es war eine schwere Zeit und bis heute wünsche ich mir, ich hätte diese Ausbildung nie begonnen. Als ich meine Arbeit verloren hatte, ging es mir sehr schlecht. Ich wusste, dass ich irgendwas machen musste, um herauszufinden, was ich wirklich will. Und so recherchierte ich, was mich interessierte und da ich Kinder liebe und selbst gerne irgendwann Mutter von 2 oder 3 Kindern wäre, kam für mich auch eine Arbeit mit Kindern oder Babys infrage. Bei meiner Recherche stieß ich dann auf die Anzeige für ein Praktikum im Geburtshaus und plötzlich ging alles ganz schnell. Ich bewarb mich, wurde kurz darauf zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und nur wenig später bekam ich die Zusage für das Praktikum im Geburtshaus.

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Die Arbeit im Geburtshaus

In einem Geburtshaus arbeiten freiberufliche Hebammen, die Beratungsgespräche durchführen, Herztöne abhören, Geburtsvorbereitungskurse führen, Geburten betreuen und anschließend die Besuche im Wochenbett übernehmen. Bei all diesen Tätigkeiten durfte ich die Hebammen begleiten. Die Beratungsgespräche mit werdenden Eltern waren informativ und noch heute habe ich viele Dinge davon nicht vergessen. Ich nahm auch an Geburtsvorbereitungskursen teil, lernte viele werdende Mütter kennen, die ich später bei den Wochenbettbesuchen wiedersah.

Das Schönste an meinem Praktikum im Geburtshaus waren jedoch die Geburten. Ganze zehn Geburten durfte ich während meiner Zeit im Geburtshaus miterleben und so unterschiedlich sie alle waren: Jede einzelne war wunderschön! Es gab Geburten im Wasser, im Bett, auf dem Gebärhocker. Dabei erinnere ich mich vor allem an zwei davon ganz besonders.

Die erste Geburt im Geburtshaus

Bevor ich mein Praktikum im Geburtshaus anfing, hatte ich noch keine Geburt miterlebt und da ich selbst auch noch keine Mutter bin, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Als ich dann dort begann, sollte ich mich für 24-Stundendienste eintragen, in denen mich die Hebammen jederzeit anrufen konnten, damit ich dabei sein konnte, wenn eine Frau ihr Kind bekommt. Die erste Frau bekam ihr viertes Kind, war sehr gut geübt im Veratmen der Wehen und wusste genau, in welcher Position sie ihr Kind bekommen wollte. Worauf ich nicht vorbereitet war: Die Schreie. Noch nie hatte ich jemanden so schreien hören und es war das erste Mal, dass ich wirklich Angst davor bekam, selbst mal ein Kind zur Welt zu bringen. Und trotz der Tatsache, dass mir zwischendrin schwindelig geworden war, erlebte ich diese Geburt als ein bewegendes Ereignis. Denn als der kleine Junge geboren wurde, kullerten bei mir viele viele Tränen.

Die letzte Geburt

Die andere Geburt bei meinem Praktikum im Geburtshaus erlebte ich mit einem Paar, dass ich nicht nur aus den Beratungsgesprächen kannte, sondern auch aus dem Geburtsvorbereitungskurs. So hatten wir bereits eine Bindung zueinander aufgebaut. Das spürte ich während der Geburt (die für mich auch die letzte im Geburtshaus war) genau, denn hin und wieder sollte ich die Stütze der Frau sein oder sie bat mich, ihr Mut zuzusprechen. Für mich war es ein besonderes Gefühl, in dieser Situation so gebraucht zu werden. Zwar lief die Geburt nicht ganz ohne Komplikationen ab, aber als ich dann beim Wochenbett-Besuch mit der frischgebackenen Mama gesprochen hatte, sagte sie, dass diese Erfahrung sehr prägend und nicht nur positiv war, sie die Geburt, so wie sie war, jedoch nicht rückgängig machen wollen würde.

Die Wochenbettbesuche

Jeder Geburt ist anders. Genauso unterschiedlich war auch das, was uns die Paare dann bei den Wochenbettbesuchen erzählten. Manchen kamen vor Freude die Tränen, andere erzählten davon, wie sie die Schmerzen wahrgenommen haben und auch die Väter berichteten wie es für sie war, die eigene Frau in solch einer Situation zu begleiten. Doch es ging bei diesen Nachsorge-Besuchen auch darum, zu schauen, ob sich ein Kind gut entwickelte und Gott sei Dank taten sie das alle! Auch das Wohl der Mütter stand im Vordergrund und ihnen allen ging es gut. Das ist etwas, das sich leider nie auf alle Mamas auslegen lässt. Es gibt auch Frauen, die schlechte Geburtserfahrungen gemacht haben und darunter noch lange nach der Geburt leiden. In diesen Fällen ist es wichtig, Gespräche mit der Hebamme, aber auch mit dem Arzt zu suchen, damit es einem besser geht. Genau das erklärten die Hebammen den Familien immer wieder und boten immer ihre Unterstützung an.

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Nichts anderes zählt mehr

Dass Frauen Kinder zur Welt bringen, ist für mich ein Wunder. Ich habe größten Respekt vor jeder Frau, die ein Baby auf die Welt gebracht hat. Ob und wie sie die Schmerzen gefühlt haben, kann ich natürlich nicht sagen, doch ich weiß, was sie mir danach berichteten: In diesem Moment zählte nur ihr Baby und nichts anderes war mehr wichtig. Es wirkte auf mich als wäre es ganz egal, ob dort gerade eine wohlhabende Familie ihr Kind bekommen hatte, oder Eltern mit weniger Geld. Es zählte nicht, welche Arbeit sie hatten, ob Paare dort waren oder frischgebackene Single-Mütter, die einfach ihre beste Freundin mitbrachten. All das geriet völlig in den Hintergrund – das erfuhr ich im Nachhinein.

Warum ich trotzdem keine Hebamme geworden bin

Mancher wird sich fragen, warum ich nach diesen wunderbaren Monaten nicht entschieden habe, Hebamme zu werden. Zu sehen, welchen unglaublichen Job Hebammen machen, zeigt mir auch heute noch, wie wichtig dieser Beruf ist. Doch Hebamme zu sein, ist eine riesige Verantwortung. Jede Geburt ist anders und manchmal muss man blitzschnell Entscheidungen treffen. Das ist nicht immer einfach und nicht jeder kann und will so viel Verantwortung tragen. Das ist sicher einer der Gründe, weshalb es in Deutschland deutlich an Hebammen mangelt. Wer dann auch noch als freiberufliche Hebamme arbeitet, der hat auch mit sehr sehr hohen Versicherungskosten zu kämpfen. Viele der Hebammen erzählten mir, dass das eigentlich das Schlimmste an dem Beruf sei. Eine sagte: "Ich mache den Job aus Überzeugung, nicht des Geldes wegen."

Ich selbst bin überzeugt davon, dass dieser Beruf einer der schönsten auf der Welt ist, doch ich würde über mich selbst sagen, dass ich zu emotional dafür bin und auch die Verantwortung für Menschen in solchen Situationen zu tragen ... dafür wäre ich nicht die Richtige. Und trotzdem hat mir diese Zeit wahnsinnig viel mit auf den Weg gegeben.

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Welche Art der Geburt passt zu mir?

Familie ist alles!

Meine Zeit im Geburtshaus war wunderschön und ich bereue nicht eine Sekunde davon. Die Hebammen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, den Job zu lieben, den man macht. Denn jede Arbeit bringt Positives und Negatives mit sich, doch ein Beruf lässt sich viel besser ausüben, wenn man glücklich darin ist und dafür brennt. Ich habe aber auch gelernt, dass Familie am Ende das Wichtigste ist. Die Familie ist für dich da, liebt dich und erträgt auch so manchen Schmerz.

Nach dem ich jetzt, einige Jahre später, ein abgeschlossenes Studium habe, seit Jahren in einem Beruf arbeite, der mich glücklich macht, verstehe ich viel besser wie es ist, eine Arbeit aus Leidenschaft auszuüben. Wer sich also nicht mehr wirklich sicher ist, was er im Lieben erreichen möchte, der sollte sich überlegen, auch so ein Praktikum zu machen. Es kann so vieles ändern. Was mich bei all dem besonders glücklich gemacht hat: Mein Praktikum hat mir gezeigt, wie schön es sein kann, eine eigene Familie zu gründen, auch wenn das nicht immer einfach ist. Und vielleicht, sollte ich mal Mama werden, werde ich meine Kinder auch in einem Geburtshaus zur Welt bringen, denn es ist so schön dort!

Bildquelle: Unsplash/Omar Lopez

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