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Stille Geburt: Ein totes Baby auf die Welt bringen

Normalerweise ist die Geburt ein freudiges Ereignis, der Beginn eines neuen Lebens. Eine stille Geburt ist das Gegenteil: Das Ende eines kurzen Lebens, der Abschied vom eigenen Kind.

Sein eigenes Kind tot entbinden zu müssen, ist für viele Frauen ein kaum vorstellbarer Gedanke. Doch die rechtliche Regelung besagt: Ab der 14. Schwangerschaftswoche muss das Kind auf normalem Weg entbunden werden, alternativ per Kaiserschnitt geholt werden. Man spricht dann von einer stillen Geburt – still deshalb, weil der erste Schrei nach der Geburt fehlt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Totgeburt und einer Fehlgeburt?

Von einer Totgeburt spricht man, wenn ein Baby mit mehr als 500 g Gewicht tot auf die Welt kommt. Wiegt es weniger, wird es rechtlich als Fehlgeburt behandelt. Bei einer frühen Fehlgeburt (in den ersten 12 Schwangerschaftswochen) raten Ärztinnen*innen üblicherweise zur Ausschabung.

Wie läuft eine stille Geburt ab?

Wenn die Ärzte sich sicher sind, dass das Baby im Bauch nicht mehr lebt, sollte die Schwangerschaft beendet werden. Geht es der Mutter gut, spricht nichts dagegen, wenn die Eltern vorher noch Zeit zu Hause verbringen, um in aller Ruhe Abschied von ihrem Kind zu nehmen.

Nicht alle Paare können sich mit dieser Idee anfreunden und möchten sich möglichst schnell von ihrem Kind trennen. Manche am liebsten sofort und in Vollnarkose per Kaiserschnitt. Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben, ist für einige Frauen schrecklich. Gefährlich ist es aber in den allermeisten Fällen nicht. Ausnahme ist eine Schwangerschaftsvergiftung. Hebammen raten: Egal, wie Sie sich entscheiden: Lasst euch Zeit und handelt nicht übereilt.

Setzen die Wehen nicht auf natürlichem Weg ein, werden sie durch Medikamente künstlich eingeleitet. In den meisten Fällen raten Ärztinnen und Ärzte von einem Kaiserschnitt ab: Die natürliche Geburt hilft, sich zu verabschieden und den Tod des eigenen Kindes zu realisieren, und zu verarbeiten.

Wie bei einer normalen Geburt entscheidet die Gebärende, was ihr wichtig ist, in welcher Position sie entbindet und ob sie Schmerzmittel möchte oder nicht. Eine Hebamme kümmert sich um die Mutter, ist immer an ihrer Seite. In einigen Kliniken gibt es einen extra Raum für stille Geburten, weit genug vom Kreißsaal entfernt, um die Schreie der gesund geborenen Kinder nicht hören zu müssen.

Was passiert nach der Geburt?

Wenn das Baby auf der Welt ist, wird es eingewickelt, sauber gemacht und den Eltern in den Arm gelegt, wenn diese das möchten. Wer für diesen Schritt Zeit braucht, bekommt sie. Die Eltern können sich in Ruhe überlegen, ob und wann sie ihr Kind nochmals sehen möchten. Viele Eltern zelebrieren den Abschied von ihrem Kind ganz bewusst: Sie nehmen es in den Arm, streicheln es, machen Fotos oder Fußabdrücke, um möglichst viele Erinnerungen zu behalten. Wer sein Kind erstmal nicht anschauen kann oder mag, kann auch die Hebamme oder ein Familienmitglied bitten, es zu beschreiben.

Der nach der Geburt eintretende Milcheinschuss kann mit Tabletten unterdrückt werden. In den Folgetagen untersucht eine Hebamme die verwaiste Mutter, kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter und wie es ihr geht.

Der Tod des eigenen Kindes gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, mit denen Eltern konfrontiert werden können. Was beim Verarbeiten des Verlusts seines Kindes helfen kann:

Gründe für eine Fehl- bzw. Totgeburt

Die Gründe, warum ein Baby im Mutterleib stirbt, können ganz unterschiedlich sein. Bei ungefähr zwei Dritteln der Fälle bleibt die Ursache für den Tod des Kindes völlig unklar. Wenn Eltern mehr über die Todesursache wissen möchten, werden das Blut der Mutter, die Plazenta und das Baby selbst (Autopsie) untersucht. Diese Untersuchungen werden nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Eltern gemacht.

Gründe für eine Fehl- bzw. Totgeburt können sein:
● Unzureichende Versorgung über die Plazenta
● Infektionen wie Listeriose oder Toxoplasmose
● Gebärmutterhalsschwäche
● Fehlbildung des Kindes
● Nabelschnur-Komplikationen (Nabelschnurknoten / Nabelschnurvorfall)
● Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum

Schwangerschaft nach einer Totgeburt

Nachdem sie ein totes Kind zur Welt bringen mussten, fürchten viele Paare, dass das noch eimal passieren könnte. Diese Angst ist verständlich, in den allermeisten Fällen besteht die Gefahr aber nicht: Die meisten Frauen erleben nach einer Fehl- oder Totgeburt eine ganz problemlose Schwangerschaft. Hier ist es sinnvoll, sich der Gynäkologin oder dem Gynäkologen anzuvertrauen, der weiterhelfen kann. Ist ein Kind aufgrund eines Gendefekts gestorben, ist ein Termin bei einem Humangenetiker sinnvoll, der über die individuellen Risiken einer erneuten Schwangerschaft aufklären kann.

Bildquelle: iStock