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Häh, was?!

Stilldemenz: Wenn Mama nach der Geburt vergesslich wird

© Getty Images/ nicoletaionescu
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Hab ich schon? Muss ich noch? Wo war nochmal? Eben lag es mir noch auf der Zunge ... Diagnose Stilldemenz! Kein Grund zur Sorge, die Vergesslichkeit nervt zwar, geht aber bald wieder vorbei.

Zum dritten Mal Zahnpasta gekauft, aber immer noch nicht die Bodylotion. Die Autoschlüssel sind schon wieder unauffindbar und wie heißt mein Nachbar noch gleich? Keine Sorge, du bist mit der Geburt nicht zum hirnlosen Zombie geworden (auch wenn wir uns dank durchgestillter Nächte häufig so fühlen), sondern leidest vermutlich nur unter der sogenannten Stilldemenz, der Fortsetzung der Schwangerschaftsdemenz.

Nach der Geburt ist unser Kurzzeitgedächtnis häufig wie weggeblasen – wir verwandeln uns in gedächtnislose Goldfische. Aber du bist nicht allein: Viele Mütter (genaue Zahlen gibt es nicht) berichten von Konzentrations- und Gedächtnisschwäche nach der Entbindung.

Entwarnung: Stilldemenz ist keine echte Krankheit

Aber woher kommt diese Vergesslichkeit nach der Geburt? Und ist Stilldemenz wirklich eine Form der Demenzerkrankung? Hier können wir dich sofort beruhigen. Stilldemenz ist kein medizinischer Begriff, sondern nur eine treffende Beschreibung für die Merkprobleme, die viele frischgebackenen Mamas in den ersten Wochen und Monaten haben. Im Englischen spricht man daher auch viel harmloser von "Mommy Brain" oder "Baby Brain".

Ausgelöst wird unser schlechtes Gedächtnis vermutlich durch unseren fehlenden und häufig unterbrochenen Nachtschlaf. (Nacht? Schlaf? Ausgeschlafen? Wach? Was ist das?) Der Schlafentzug setzt die Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit herab – und macht uns ein klitzekleines bisschen braindead. Denn der Tiefschlaf ist mit seinen REM-Phasen dafür verantwortlich, Gedächtnisinhalte zu festigen. Fehlen die dafür notwendigen Schlafeinheiten, fährt der Körper seine Leistungen herunter. Hinzu kommen dann noch ungewohnter, beziehungsweise zusätzlicher Stress, den ein Baby nun mal so mit sich bringt (mehr Wäsche, mehr Termine, mehr Sorgen, etc.) und der sich wandelnde Hormonspiegel. Das alles beeinträchtig unsere Gedächtnisleitung.

Aber keine Sorge: Spätestens zwei Jahr nach der Geburt ist alles wieder beim Alten (bis auf die zusätzlichen elterlichen Sorgen, die verschwinden nie mehr). Zumindest in den meisten Fällen. Hier in der Redaktion gibt es auch Mamas, die sagen, dass sie sich auch sechs Jahre nach der Geburt noch nicht wieder so fit im Kopf fühlen wie vor der Schwangerschaft. Das betrifft natürlich nicht unsere allgemeine Intelligenz, sondern nur unsere Merkfähigkeit (weniger) und Emotionalität (mehr).

Die Benefiz der Stilldemenz

Stilldemenz ist aber nicht nur schlecht, sondern hat auch eine positive Auswirkung auf uns. Denn die Hormonumstellung und damit verbundene Vergesslichkeit lassen uns auch die Geburt und damit verbundenen Geburtsschmerzen vergessen. Ohne diese "Schutzreaktion" unseres Körpers gäbe es sonst vermutlich viel mehr Einzelkinder auf dieser Welt, weil die Antwort auf die Frage "Schatz, wollen wir noch eins?" dann viel öfters "No way!" lauten würde. Super Sache, nur an der Feinjustierung bei der Datenlöschung müsste unser Gehirn noch etwas arbeiten: die Löschung unserer Erinnerungen der weniger schönen Momente der Geburt ist toll, aber auch gleich alle gemerkten Geburtstagstermine unserer Freunde zu entfernen ist doch ein bisschen zu viel des Guten.

Was hilft gegen Stilldemenz? Schlafen gegen das Vergessen

Hauptursache für das schwächelnde Gedächtnis ist der Schlafentzug. Also müssen wir Mütter einfach mehr Schlafen. Wir hören euch laut lachen, denn das ist leichter gesagt als getan. Aber versucht wirklich euch während der Schlafphasen eures Kindes tagsüber auch aufs Ohr zu hauen. Haushalt und andere Pflichten können warten, zumindest ab und zu. Ein Nickerchen wird zwar nicht die volle Leistung wiederherstellen, aber es verschafft eurem Körper und Gehirn zumindest eine Pause.

Auch Vitamin C, E, B12 und Zink bringen das Gedächtnis auf Trab. Die Einnahme von Vitamin- und Mineralientabletten solltet ihr vorher aber immer mit eurem Arzt oder eurer Ärztin absprechen. Es gibt auch ein zu viel an Vitaminen, gerade in der Stillzeit. Viel besser ist es, Vitamine und Mineralien über eine ausgewogene Ernährung aufzunehmen, damit kann man nichts überdosieren. Dazu viel trinken und ihr seid auf dem besten Weg eure Gedächtnisleistung wieder herzustellen. Ideal in der Stillzeit: natrium- und kohlensäurearmes Mineralwasser.

Gedächtnisstützen für vergessliche Mütter

Da sich die Vergesslichkeit nach der Geburt aber nur in seltenen Fällen wegschlafen (hat jemand schlafen gesagt?!), essen und trinken lässt, hier noch ein paar nützliche Tipps, um den Alltag auch mit Mommy Brain besser zu meistern:

  • Dinge des Alltags wie Schlüssel, Geldbeutel, Handy und Tasche immer an dieselbe Stelle legen
  • Alle Termine sofort notieren
  • Notizblock und Stift sind euer als ständiger Begleiter
  • Einkaufszettel und To-do-Listen anlegen und aktuell halten
  • Klebezettel für wichtige Erinnerungen verwenden
  • Multitasking runterfahren und lieber eine Sache nach der anderen erledigen
  • So viele Aufgaben abgeben wie möglich

Auch Väter leiden unter Stilldemenz

Nicht nur Neu-Mamis, sondern auch frischgebackene Papas werden vergesslich. Männer und Stilldemenz? Wie ist das möglich? Wie oben beschrieben, hat die Vergesslichkeit in den ersten Wochen und Monaten trotz ihres Namens nichts mit dem Stillen zu tun, sondern mit der hormonellen Umstellung und dem Schlafmangel. Letzteres trifft nicht nur Mütter, sondern auch die Väter. Denn die meisten Papas sind nachts mittlerweile bei der Babypflege genauso engagiert wie ihre Frauen – auch wenn sie nicht stillen können. Die Stilldemenz trifft übrigens auch Mütter, die nicht stillen, sondern mit dem Fläschchen füttern.

Wir Eltern sitzen also alle in selben Boot – ein schöner und tröstlicher Gedanke, an den wir uns erinnern können (falls wir uns daran erinnern können), wenn wir das nächste Mal am Telefon hängen und beim Anklingeln schon nicht mehr wissen, wen wir eigentlich gerade angerufen haben.

Weil Schlafen gegen das Vergessen so wichtig ist ...

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