Schwangerschaftsdemenz: Ups, vergessen!

Gibt's das wirklich?

Schwangerschaftsdemenz: Ups, vergessen!

Am 2. Juli ist der internationale “Hab-ich-vergessen-Tag” –  für viele Schwangere und Stillende ist dieser Tag eher Alltag. Denn gegen Ende der Schwangerschaft leiden viele Frauen an Schwangerschaftsdemenz.

Schwangerschaftsdemenz ist nervig, verschwindet aber spätestens mit dem Ende der Stillzeit wieder.

Was wollte ich nochmal in der Küche? Wann ist mein Geburtstag und wie heißt nochmal mein Mann? In den letzten Wochen meiner Schwangerschaft hatte ich das Gefühl zu verdummen. Die einfachsten Informationen wollten mir nicht mehr einfallen. Manchmal kamen mir sogar ganze Wörter abhanden, was in meinem Beruf als Redakteurin nicht sehr förderlich ist. Schwangerschaftsdemenz hörte ich von allen Seiten, wenn ich mein Gedächtnisproblem ansprach. Klang irgendwie gefährlich. Ist es glücklicherweise aber nicht.

Tatsächlich hat die Wissenschaft so etwas wie eine Schwangerschaftsdemenz, oder auch Stilldemenz (mit der Geburt hört die Vergesslichkeit nämlich nicht auf), bestätigt. Wobei die Mediziner nicht wirklich von einer Demenz sprechen, sondern nur von nachweisbaren Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten von werdenden Müttern und Neumamas. Im Englischen nennt man das Phänomen etwas charmanter “Baby Brain”.

Kognitive Leistung von Schwangeren sinkt um bis zu 28 Prozent

Aber zurück zur Wissenschaft: Forscher der Deakin University in Melbourne haben in einer Meta-Analyse Daten aus 20 Studien mit mehr als 700 Schwangeren und ebenso vielen gleichaltrigen Nicht-Schwangeren verglichen. Die kognitive Leistung der werdenden Mamas war dabei um etwa 28 Prozent geringer, insbesondere im Bereich Gedächtnis, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle.
Endlich weiß ich, warum ich in meiner Schwangerschaft bei süßem Babykram jedem Kaufimpuls nachgeben musste und wegen Entscheidungsschwierigkeiten alles in doppelter Ausführung in unterschiedlichen Farben gekauft habe.
Gegen Ende der Schwangerschaft wird die Schwangerschaftsdemenz immer ausgeprägter, so die Wissenschaftler, aber auch im zweiten Drittel der Schwangerschaft können sich schon so manche Gedächtnisbeeinträchtigungen spürbar machen.

Was sind die Auslöser für eine Schwangerschaftsdemenz?

Das Leben als Schwangere bringt viele Neuheiten mit sich, die sich auf das Gedächtnis auswirken und zu einer Schwangerschaftsdemenz führen können:

  • Hormonelle Umstellungen
  • Schlafmangel (im letzten Trimester)
  • Körperliche Erschöpfung
  • Neue Aufgaben (Elterngeld, Erstausstattung, Klinikwahl, Hebammensuche, etc.)
  • Neuer Tagesablauf (ab dem Mutterschutz)

Aber keine Sorge, das bleibt nicht so. Die Schwangerschaftsdemenz geht bei vielen Müttern nach der Geburt zwar nahtlos in eine Stilldemenz über, aber beides ist nicht von Dauer. Mit der Umstellung der Hormone findet auch unser Gedächtnis wieder zu gewohnter Leistung zurück und im Alltag mit Kind sogar weit darüber hinaus. Mit Kind muss man sich nämlich noch tausend Dinge mehr merken als früher. Das treibt jedes Gehirn zur Höchstleistung an, aber das ist ein anderes Thema.

Was hilft gegen Schwangerschaftsdemenz?

Ständig Dinge zu vergessen nervt. Sich darüber aufregen aber auch. Deshalb steht Gelassenheit ganz oben auf unserer List der Mittelchen gegen Schwangerschaftsdemenz:

  • Gelassenheit üben Kein Gedanke und Wissen ist auf ewig verloren
  • Stress vermeiden Gibt Aufgaben ab, wenn es dir zu viel wird (auch Papas können Strampler kaufen)
  • Ausreichend schlafen Wenn du gegen Ende der Schwangerschaft in der Nacht keinen Schlaf findest, dann sorge tagsüber für Ruhemomente
  • Viel trinken Wasser hält dein Gedächtnis und deinen Körper am Laufen (in der Schwangerschaft besonders häufig zur Toilette)
  • Termine und Daten notieren Vergessene Dinge bringen Stress und mehr Stress fördert die Schwangerschaftsdemenz. Deshalb alles notieren.
  • Gedächtnistraining Kreuzworträtsel und Lesen fördert die Konzentration und das Gedächtnis, zumindest schadet es nicht.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Schwangerschaftsdemenz auch einen positiven Sinn hat: Die werdenden Mamas sollen sich voll und ganz auf ihre Schwangerschaft, die Geburtsvorbereitung und die neue Aufgabe als Mutter konzentrieren. Der Fokus wandert mit fortschreitender Schwangerschaft nach innen zum Kind.
Dieser Gedanke ist zwar tröstlich (und für mich auch etwas patriarchalisch, ich will nicht NUR NOCH Mama sein), hilft einem aber auch nicht weiter, wenn man Hochschwanger im Supermarkt steht und partout nicht mehr weiß, was man eigentlich kaufen wollte.

Quelle

Studie der Deakin University in Melbourne

Bildquelle:

Getty Images

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