Der richtige Zeitpunkt für das zweite Kind

Familienleben

Der richtige Zeitpunkt für das zweite Kind

Die Fragen, ob und wann das 2. Kind kommen soll, beschäftigen fast alle Eltern. Eine Glücksgarantie gibt es nicht - ein paar klare Antworten dagegen schon

2. Kind verändert Lebensstil grundsätzlich

Durch den Erstgeborenen ist man ein Paar mit Kind, das 2. Kind lässt einen endgültig zur Familie werden. In der Tat: Während das 1. Kind irgendwie mitlaufen kann, verändert das 2. Kind den Lebensstil grundsätzlich. Zwei Kinder kann man nicht so selbstverständlich bei Omi oder der Nachbarin „parken“. Die Tagesbetreuung für zwei Kinder zu organisieren kann zur Herausforderung werden.

Auch auf das 2. Kind vorbereiten

Familien mit zwei Kindern fühlen sich in der Regel am zufriedensten. Das ergab eine Studie des Staatsinstituts für Familienforschung (ifb) in Bamberg:
Die Zeit, sich während der Schwangerschaft ganz intensiv aufs Kind einzulassen, bleibt bei dem 2. Kind oft nicht. „Beim ersten Kind werden Mütter umsorgt und bewundert. Die zweite Schwangerschaft ist selbstverständlicher und läuft eher nebenher“, sagt die Expertin. Schwangerschaftsyoga und Vorbereitungskurse lassen viele Zweit-Mütter deshalb ausfallen. Dabei ist es ganz wichtig, dass Mütter sich auch beim 2. Kind aktiv auf die Geburtvorbereiten. In ihren Kursen wünschen sich die Frauen vor allem zwei Dinge: mehr Ruhe und einen stärkeren Kontakt zu dem Ungeborenen.

Experteninterview: 2. Schwangerschaft

Interview mit Dr. Thomas Gent

vom Verband der Frauenärzte Hamburg über problemlose Schwangerschaften und den idealen Zeitpunkt fürs zweite Kind

Das 2. Kind - wann ist aus gynäkologischer Sicht der ideale Zeitpunkt?

Dr. Thomas Gent: Wenn die Geburt normal verlaufen ist, empfehle ich Frauen, mindestens ein halbes Jahr zu warten. Nach komplizierten Geburten oder Kaiserschnitten sollten die Frauen sich etwa ein Jahr Zeit lassen, bevor sie wieder schwanger werden. Stillen ist in dieser Zeit übrigens keine ausreichende Verhütung.

Verlaufen Schwangerschaft und Geburt beim 2. Kind einfacher als beim ersten Mal?

Nicht unbedingt. Eine Frau, die eine problemlose erste Schwangerschaft hatte, kann bei der Zweiten von starker Übelkeit geplagt sein. Und umgekehrt: Auf eine komplizierte kann eine ganz einfache Schwangerschaft folgen. Sicher ist allerdings: Wer schon einmal unter Gestose oder Schwangerschaftsdiabetes litt, muss damit rechnen, dass dies auch beim 2. Kind passiert. Und weil das Gewebe schon einmal stark gedehnt wurde, sieht man die Schwangerschaft beim zweiten Mal früher.

Stimmt die Regel: einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt?

Nein. Man kann auch nach einem Kaiserschnitt spontan entbinden. Wird eine Frau, die bereits ein Kind hat, schneller schwanger als eine kinderlose Frau im gleichen Alter?
Es scheint manchmal so. Das hat aber keinen medizinischen Grund. Denn grundsätzlich gilt: Ab 35 nimmt die Fruchtbarkeit stark ab – egal ob eine Frau schon ein Kind hat oder nicht. Dass Mütter leichter erneut schwanger werden, hat vielleicht psychische Ursachen. Sie setzen sich wahrscheinlich weniger unter Druck und werden deshalb leichter schwanger. Das Phänomen kann man manchmal beobachten, wenn Frauen, die mühevoll mit künstlicher Befruchtung schwanger geworden sind, dann ohne Probleme auf natürlichem Weg ganz schnell ein 2. Kind bekommen.

Gibt es einen idealen Altersabstand?

Gibt es einen idealen Altersabstand zum 1. Kind?

Aus Sicht von Pädagogen und Psychologen gibt es keinen idealen Altersabstand zwischen Geschwistern. Kommen die Kinder sehr dicht hintereinander zur Welt, dann stellt das ihre Eltern in den ersten Jahren auf eine harte Probe. Andererseits fangen die Kinder bald an, sich als Spielgefährten zu entdecken, und Mütter können nach einer kompakten Babypause wieder in den Beruf einsteigen. Einen Abstand von 3 und mehr Jahren finden viele Eltern angenehm, weil das ältere Kind selbstständiger ist und auch schon langsam verstehen kann, dass das Baby besondere Aufmerksamkeit braucht. Allerdings ist dann die Geschwisterbeziehung unter Umständen weniger innig. Und gemeinsame Familienaktivitäten lassen sich eventuell schwerer koordinieren, weil die Interessen schon zu unterschiedlich sind. Letztlich ist es eine Bauchentscheidung, wann das 2. Kind kommen soll. "Glück hängt nicht an Jahren", sagt Regina Hilsberg, Autorin von "Wenn das 2. Kind kommt" und Mutter von vier Kindern. "Das Wichtigste ist, dass Eltern bereit sind für ein 2. Kind - egal ob es 15 Monate oder 15 Jahre jünger ist als das erste." Dieser Punkt ist ganz entscheidend - auch um sich eventuell gegen ein 2. Kind zu entscheiden. Längst ist erwiesen, dass sich Einzelkinder genauso prächtig oder schwierig entwickeln wie Kinder mit Geschwistern. Und nur der großelterliche Wunsch nach einem zweiten Enkel oder das diffuse Gefühl, "zwei seien besser als eines", sollten nicht den Ausschlag geben.

Eltern sind beim 2. Kind gelassener

Eltern sind beim zweiten Kind gelassener

Das 2. Kind verlangt noch einmal den ganzen Einsatz von den Eltern, aber natürlich profitieren sie auch von ihrem „Zweitling“. Die Baby-Ausstattung muss meist nicht noch einmal gekauft werden und Anfängerfehler sind längst überwunden. Beim 2. Kind bekommen Eltern viel schneller ein Gespür für ihr Baby. Mechthild Deringer sagt: „Die Eltern des 2. Kindes sind gelassener und selbstbewusster und werden deshalb zum Beispiel von Kinderärzten ernster genommen. Und die vielen guten Ratschläge lassen sie leichter an sich abperlen. Schließlich haben sie schon die Erfahrung gemacht: Wir können das.“

Gängige Vorurteile ums zweite Kind - alles Quatsch?

  • Nr. 1: Das zweite Kind ist viel pflegeleichter. Jein - es scheint Eltern oft nur so, weil sie selbst entspannter sind und mehr Erfahrung haben.

  • Nr. 2: Zwei Kinder zu haben ist heute schon fast eine Seltenheit. Stimmt nicht. Zwei Kinder sind in Deutschland noch Standard. Zwar sinkt die Geburtenrate, aber das erklärt sich durch die vielen Paare, die gar keine Kinder bekommen. Und laut Shell-Studie wünschen sich 52 Prozent der 14- bis 25-Jährigen zwei Kinder.

  • Nr. 3: Zweitgeborene werden seltener krank. Stimmt. Jüngere Kinder in Familien sind weniger anfällig, weil das große Geschwisterkind genügend Keime einschleppt - der häufige und frühe Keimkontakt trainiert das Immunsystem.

  • Nr. 4: Beim 2. Kind fällt es schwerer, den Schwangerschaftsspeck wieder loszuwerden. Stimmt. Erstaunlicherweise steigt auch für Väter mit jedem Kind die Gefahr von Übergewicht, ergab eine Studie der Duke-Universität/USA. Vermutlich weil mehrfache Eltern aus Zeitmangel wenig sporteln und oft zu Fastfood greifen.

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