Müssen Kinderkrankheiten durchgemacht werden?

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Müssen Kinderkrankheiten durchgemacht werden?

Es existiert viel Unwissen über die gefährlichen Komplikationen der Kinderkrankheiten. Darüber, dass manche immer noch weit verbreitet sind. Wenn Kinderkrankheiten durchgemacht werden sollen, sind vor allem Masern, Mumps, Röteln und Windpocken gemeint.

Elternirrtum: Kinderkrankheiten müssen durchgemacht werden.

Gerade diejenigen Eltern, die schon bei jedem Schnupfen um die Gesundheit ihrer Kinder besorgt sind, hätten manchmal am liebsten, dass ihr Kind diese Kinderkrankheiten durchmacht. Das Argument dabei ist, dass der kindliche Körper durch den Kampf gegen die Erreger stärker und unempfindlicher wird. Außerdem solle man die Krankheiten besser im Kindes- als im Erwachsenenalter durchmachen.
Dabei wehrt das kindliche Immunsystem täglich wohl tausende Viren und Bakterien ab und bekämpft sie, ohne Langeweile zu bekommen.
Da macht es keinen so großen Unterschied bei der Entwicklung des Immunsystems, wenn gegen zwölf von all den Viren und Bakterien geimpft wird (der Standard-Impfkalender, der in Deutschland empfohlen wird, enthält Impfungen gegen zwölf Krankheitserreger). Durch die Impfung bildet der Körper des Kindes Antikörper gegen die Krankheitserreger, ohne dass das Kind krank wird.

Impfungen vermeiden Komplikationen

Natürlich kann ein Kind auch die genannten Krankheiten alle unbeschadet überstehen. Impfungen wurden aber in erster Linie nicht zur Vermeidung der Krankheiten selbst eingeführt, sondern um ihre Komplikationen zu vermeiden. Wer wie ich und die meisten meiner Kollegen, solche Komplikationen in der Klinik erlebt hat, kann nicht guten Gewissens von einer Impfung abraten.
➤ So bedeutet etwa Keuchhusten, dass das Kind in der Regel mindestens acht Wochen schwer krank ist, und es können sich auch Komplikationen wie eine Lungen- oder Mittelohrentzündung entwickeln. Auch gibt es gefährliche Atemstillstände bei Säuglingen mit Keuchhusten (im Akutstadium bis zu 40-mal am Tag).
Masern können eine schwere Gehirnentzündung (SSPE) zur Folge haben, die
nach langer Leidenszeit schließlich zum Tod führt.

➤ 30 Prozent aller Schwerhörigkeiten wurden durch Mumps ausgelöst, bevor die Impfung eingeführt wurde. Bei Jungen löst Mumps auch häufig Hodenentzündung aus, die zu Unfruchtbarkeit führen kann.
➤ Neben den 'typischen' Kinderkrankheiten gibt es noch Erkrankungen wie Tetanus oder Hepatitis B, die, einmal ausgebrochen, kaum zu behandeln sind. Sie verlaufen möglicherweise lebensbedrohlich. Dadurch, dass heute ein hoher Prozentsatz an Kindern geimpft ist, ist das Risiko, eine der genannten Erkrankungen zu bekommen, gering. Deshalb geht es auch Ungeimpften in der Regel ein Leben lang gut. Das liefert Impfgegnern ein Argument: Die Krankheiten seien ja extrem selten geworden. Sie sind es aber eben nur, weil sich so viele haben impfen lassen! Solange die Komplikationsrate durch die Impfung deutlich geringer ist als die durch die Erkrankungen, machen in meinen Augen Impfungen Sinn. Vertrauen Sie den Impfexperten und Ihrem Kinderarzt. Impfungen haben schon viele Leben gerettet!
(Dr. med. Martin Beck)

Aus der Forschung

Nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält jeder dritte Elternteil Masern für nicht gefährlich. Allerdings werden immer wieder schwere Fälle der unheilbaren subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) als Folge der Erkrankung beschrieben. Das ist eine schleichende Entzündung des Hirngewebes, die zunächst Demenz, später Muskelkrämpfe und epileptische Anfälle auslöst. Sie ist immer tödlich. Im Jahr 2011 ist eine ungeimpfte 13-Jährige in Nordrhein-Westfalen daran gestorben, 11 Jahre nach der Infektion. Dagegen sind schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch die Masernimpfung nicht bekannt. Zudem weisen Wissenschaftler daraufhin, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass Kinder durch eine Maserninfektion physische und mentale Stärke gewinnen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte erst kürzlich, dass die Maserngefahr in Westeuropa zunimmt, vermutlich mit verursacht durch Anhänger einer 'Glaubensmedizin nach mystischen Vorstellungen'.
(Martin Beck: Schreien stärkt die Lungen und 99 andere Elternirrtümer - aufgeklärt vom Kinderarzt)

Bildquelle: Thinkstock

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