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Folsäure in der Schwangerschaft: So wichtig ist das Vitamin fürs Baby

Folsäure gilt als das Schwangerschaftsvitamin schlechthin. Die meisten Frauen nehmen während der Schwangerschaft Folsäure ein. Doch was bewirken die kleinen Tabletten eigentlich? Wir erklären dir, warum Folsäure so wichtig für ein gesundes Baby ist, warum du sie sogar schon einnehmen solltest, obwohl du noch gar kein Baby planst und in welchen Lebensmitteln viel von dem Schwangerschaftsvitamin drinsteckt.

Was ist Folsäure?

Folsäure ist ein B-Vitamin und wird auch Vitamin B9 genannt. Der Körper kann es nicht selbst produzieren. Es muss dem Körper über die natürliche Nahrung als Folat oder synthetisch hergestellt als Folsäure zugeführt werden. In der Schwangerschaft ist der Folsäurebedarf rund doppelt so hoch wie bei nicht schwangeren Frauen.

Wofür sollte ich in der Schwangerschaft Folsäure einnehmen?

Folsäure ist wichtig für Zellteilungs-, Blutbildungs- und Wachstumsprozesse. Sie hilft, Fehlbildungen des Babys am Gehirn oder Rückenmark vorzubeugen. Vor allem das Risiko eines offenen Rückens (Spina bifida), aber auch Herzfehler, Gehirnfehlbildung (Anenzephalie) oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten kommen um 70 Prozent seltener vor, wenn die Mutter einen gut gefüllten Folsäurespeicher hat. Bei der werdenden Mama kann Folsäuremangel zu Blutarmut (Anämie) führen.

Wie viel Folsäure brauche ich während der Schwangerschaft?

Die DGE empfiehlt, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung, für Schwangere 550 µg (Mikrogramm) und für Stillende 450 µg Folsäure pro Tag. Für Frauen mit Kinderwunsch liegt die empfohlene Dosis bei 400 µg. Der Folatbedarf sollte durch eine Kombination aus folatreicher, ausgewogener Ernährung und ergänzenden Folsäurepräparaten gedeckt werden.

Ab wann sollte ich Folsäure einnehmen?

Schon bei Kinderwunsch solltest du mit der Einnahme von 400 µg Folsäure pro Tag beginnen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt dies schon mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft, da es eine Weile dauert, bis der Folsäurespiegel so hoch ist, dass er das ungeborene Baby optimal versorgen kann. Außerdem wird vermutet, dass ein guter Folsäurespiegel eine Schwangerschaft begünstigen kann, da B-Vitamine an der Bildung von Östrogen und Progesteron beteiligt sind. Übrigens: Auch bei Männern sorgt Folsäure für eine verbesserte Qualität der Spermien und damit für eine höhere Fruchtbarkeit!

Der Berufsverband der Frauenärzte rät allen Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, vorsorglich Folsäure einzunehmen. So bist du auch bei einer ungeplanten Schwangerschaft bestmöglich versorgt. Trotzdem: Wenn du ungeplant schwanger geworden bist und noch keine Folsäure eingenommen hast, musst du nicht in Panik geraten. Die allermeisten Frauen bringen trotzdem gesunde Kinder zur Welt!

Wenn du dann schwanger bist, ist Folsäure besonders am Anfang, im ersten Trimester sehr wichtig. Denn bereits ab dem 18. Tag der Schwangerschaft wird das Neuralrohr gebildet, aus dem das Zentralnervensystem mit dem Rückenmark und Gehirn deines Babys entstehen. Um den 25. Schwangerschaftstag schließt sich das Neuralrohr. Zu diesem Zeitpunkt sollte deswegen schon ein guter Folsäurespiegel vorliegen, doch vielleicht weißt du dann noch gar nichts von deiner Schwangerschaft. Deswegen ist die Folsäureeinnahme schon bei Kinderwunsch so wichtig. Falls du erst nach Beginn der Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure startest, frag am besten deine*n Gynäkolog*in nach der für dich geeigneten Dosierung. Sie kann dann evtl. bei 800 µg Folsäure pro Tag liegen.

Wie sollte ich Folsäure während der Schwangerschaft einnehmen?

Am besten werden Folsäurepräparate gleich morgens auf nüchternen Magen mit ausreichend Wasser eingenommen. Dann kann dein Körper das Vitamin nahezu vollständig verwerten.

Wie lange sollte ich Folsäure einnehmen?

Es empfiehlt sich, mit der Einnahme von hochdosierter Folsäure bis zum Ende der 12. Woche weiterzumachen. Ab dem zweiten Trimester ist die Organbildung des Embryos abgeschlossen und du kannst nach Absprache mit deiner*m Gynäkolog*in mit der Folsäureeinnahme aufhören oder ein niedriger dosiertes Präparat einnehmen. Manche Frauenärzt*innen raten auch dazu, die Einnahme während der ganzen Schwangerschaft fortzusetzen. Auch nach der Geburt ist Folat weiterhin wertvoll für dich und dein Baby, insbesondere wenn du stillst. Das Vitamin gelangt über die Muttermilch auch in das Blut des Kindes und hilft, dass sich alle Organe gut entwickeln können. Achte also auf eine folatreiche Ernährung und sprich mit Arzt*Ärztin oder Hebamme darüber, ob du zusätzlich noch synthetische Folsäure einnehmen solltest.

Wo kann ich Folsäure für die Schwangerschaft kaufen?

Folsäurepräparate erhältst Du rezeptfrei in Apotheken, Online-Shops und Drogerien. Dabei müssen teurere Präparate nicht unbedingt besser sein als günstige von Rossmann, DM & Co. Die Stiftung Warentest überprüft die Präparate regelmäßig, sodass ihr euch gut informieren könnt. Es ist auch kein Problem, zwischen verschiedenen Präparaten zu wechseln.

Muss ich Folsäure in der Schwangerschaft selbst bezahlen?

Folsäurepräparate sind in der Regel nicht verschreibungsfähig, das heißt, du musst sie selber bezahlen. Manche Krankenkassen übernehmen aber während der Schwangerschaft die Kosten im Rahmen einer Zusatzleistung. Dazu muss dein*e Arzt*Ärztin dir ein Privatrezept bzw. grünes Rezept ausstellen, du bezahlst das Präparat zunächst selber und rechnest die Kosten danach mit deiner Kasse ab. Am besten fragst du bei deiner Krankenkasse nach, ob das für dich möglich ist.

Wo ist Folsäure drin?

Diese Lebensmittel haben einen hohen Folatgehalt und tragen zu einer gesunden Ernährung bei, was besonders während der Schwangerschaft wichtig ist:

  • Grünes Gemüse (z. B. Brokkoli, Spinat, Feldsalat, Rosenkohl, Grünkohl, Kohlrabi)
  • Paprika
  • Tomaten
  • Kartoffeln
  • Spargel
  • Hülsenfrüchte (Kichererbsen, Erbsen, Linsen)
  • Eier
  • Nüsse
  • Obst (Beeren, Zitrusfrüchte, Kirschen, Bananen)
  • Weizenkeime
  • Mungobohnen
  • Vollkornprodukte
  • Pseudogetreide wie Quinoa und Amaranth

Kann ich meinen Folsäurebedarf in der Schwangerschaft auch natürlich decken?

Es ist leider fast unmöglich, die für Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit empfohlene Dosis komplett mit der Ernährung abzudecken. Die Lebensmittel enthalten zu wenig von dem Vitamin und der Körper kann es jeweils nur zu ca. 50 Prozent verwerten, so dass du zu große Mengen davon essen müsstest. Synthetisch hergestellte Folsäure kann der Körper hingegen zu 85 Prozent verwerten. Hinzu kommt, dass Folat wasserlöslich und hitze- sowie lichtempfindlich ist. Bei der Zubereitung und Lagerung folathaltiger Lebensmittel geht deswegen ein großer Teil des Vitamins verloren. Aus diesem Grund solltest du die Lebensmittel möglichst frisch und schonend zubereiten und zusätzlich Folsäurepräparate einnehmen.

Folsäure in der Schwangerschaft vergessen: Was nun?

Eigentlich solltest du täglich eine Tablette mit Folsäure nehmen. Wenn du das mal vergessen hast, ist es kein Problem. Du musst deswegen keine doppelte Dosis einnehmen und es ist auch nicht notwendig, in die Praxis zu gehen. Wenn du über einen längeren Zeitraum keine Folsäure eingenommen hast, wendest du dich am besten an deine*n Arzt*Ärztin.

Gibt es zu viel Folsäure während der Schwangerschaft?

Erhält der Körper mehr natürliches Folat als er braucht, scheidet er es über den Urin ungenutzt aus. Auch bis zu 1.000 µg synthetisch hergestellte Folsäure pro Tag gelten als unbedenklich. Solltest du also eine größere Menge an Folsäure eingenommen haben, zum Beispiel weil du versehentlich zwei Folsäurekapseln statt einer geschluckt hast, ist dies also erstmal nicht schlimm. Sehr hoch dosiert kann zu viel Folsäure aber zu Übelkeit, Durchfall und Nervosität führen.

Folsäure in der Schwangerschaft: mit oder ohne Jod?

Auch der Bedarf an Jod ist bei werdenden Mamas schon ab der Empfängnis erhöht und beträgt 230 µg pro Tag. Ein Jodmangel wirkt auf die Funktion der Schilddrüse, was wiederum zu Entwicklungsverzögerungen beim Wachstum und Gehirn des Babys führen kann. Aus diesem Grund solltest du auch dieses Spurenelement ergänzend einnehmen, wenn du stillst, auch nach der Geburt noch. Dazu bietet sich ein Präparat an, das gleichzeitig Folsäure und 150 µg Jod enthält. Vor allem für Veganerinnen, die auf den Verzehr von jodreichen Lebensmitteln wie Fisch, Meeresfrüchten, Milch und Eiern verzichten, ist die zusätzliche Einnahme von Jod sehr wichtig. Ausnahme: Wenn du eine Schilddrüsenerkrankung wie eine Überfunktion oder Hashimoto hast, darfst du möglicherweise kein zusätzliches Jod einnehmen. Für diesen Fall gibt es Folsäurepräparate ohne Jod (z. B. Folio 1 forte jodfrei, erhältlich über DocMorris Apotheke). Besprich dies dann auf jeden Fall mit deiner*m Gynäkolog*in.

Folsäure in der Schwangerschaft – und was noch?

In der Regel können, außer Folsäure und Jod, alle für die Schwangerschaft notwendigen Vitamine und Mineralstoffe über die Nahrung aufgenommen werden. Bei einer gesunden Schwangeren sind dann keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel in Form von teuren Kombipräparaten nötig. Vor allem brauchen nicht alle Schwangeren von vorneweg zusätzliches Eisen zu sich zu nehmen, auch wenn Eisenmangel eine häufige Begleiterscheinung in der Schwangerschaft ist. Am besten wendest du dich aber an deine*n Gynäkolog*in. Er*sie kann auch genau sagen, welche Supplemente individuell für dich sinnvoll sind, vor allem, wenn du dich vegetarisch oder vegan ernährst.

Was ist, wenn mein Körper Folsäure nicht optimal aufnehmen kann?

Synthetische Folsäure muss vom Körper in mehren Schritten in eine Folatform umgewandelt werden, um die genannten positiven Effekte für dein Baby zu haben. Manche Frauen können Folsäure aber nicht optimal verwerten. In der Regel weiß man nicht, ob man Folsäure richtig aufnehmen kann. Deswegen empfehlen manche Hersteller, statt eines klassischen Folsäurepräparats ein Produkt einzunehmen, dass zusätzlich zu Folsäure auch Metafolin enthält, z. B. Femibion 1 Frühschwangerschaft, über Shop-Apotheke. Diese Folatform steht dem Körper direkt zur Verfügung und muss nicht umgewandelt werden. Dadurch sei die Bioverfügbarkeit besser.

Folsäure in der Schwangerschaft: Nebenwirkungen

Nebenwirkungen bei der Einnahme von Folsäurepräparaten treten sehr selten auf. Bei einer zu hohen Dosierung kann es zu Übelkeit, Durchfall, Nervosität, Geschmacksstörungen und Appetitlosigkeit kommen. Wird Folsäure zu hoch dosiert über einen langen Zeitraum eingenommen, kann dies zu Alpträumen, Depressionen und epileptischen Anfällen führen.

Folsäure ohne Titandioxid?

Titandioxid ist ein weißer Farbstoff, der in vielen Nahrungsergänzungsmitteln, darunter auch in Folsäurepräparaten, vorkommt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Titandioxid 2021 als "nicht sicher" für die Verwendung in Lebensmitteln eingestuft, da er potenziell schädlich für die Zell-DNA sein kann. Ab August 2022 dürfen keine Lebensmittel mit dem Farbstoff mehr in Umlauf gebracht werden, Restbestände können aber noch in den Supermarktregalen liegen. Für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel gilt das Verbot (noch) nicht. Einzelne Hersteller reagieren trotzdem auf die Einschätzung der EFSA, indem sie nun auch alternative Folsäurepräparate ohne den Farbstoff herstellen, z. B. von Babyforte (über Amazon). Wenn ihr sichergehen wollt, dass kein Titandioxid in eurem Folsäurepräparat steckt, checkt die Liste der Inhaltsstoffe oder fragt in der Apotheke nach.

Nun weißt du, wie du deinen Folsäurebedarf bestmöglich decken kannst – über Folsäurepräparate und geeignete Lebensmittel. Was man in der Schwangerschaft hingegen besser nicht essen sollte, erfährst du in diesem Video:

7 Dinge, die man in der Schwangerschaft nicht essen darf Abonniere uns
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Schwangerschaftsmythen: Stimmt's oder stimmt's nicht?

Bildquelle: Getty Images / AndreyPopov

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