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Lackmus-Test

Fruchtwasser oder Ausfluss: Wie erkenne ich den Unterschied?

© Getty Images/Evrymmnt
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Nicht immer lässt sich ein vorzeitiger Blasensprung gleich eindeutig als solcher erkennen. Und auch im Verlauf der Schwangerschaft ist unser Ausfluss immer mal ungewohnt anders und kann uns schnell verunsichern. Wie du den Unterschied zwischen Fruchtwasser und Ausfluss erkennst. Und wann es Zeit ist, dich untersuchen zu lassen.

Auch wenn man immer hört, dass der Blasensprung meistens nicht unbemerkt bleibt und das Fruchtwasser dabei in aller Regel schwallartig kommt, ist man als Schwangere natürlich beunruhigt, wenn die Unterhose plötzlich nass wird. Ist es nur Ausfluss oder vielleicht doch Fruchtwasser? Denn während der Ausfluss überwiegend harmlos ist, ist es wichtig, bei abgehendem Fruchtwasser schnell zu reagieren.

Fruchtwasser oder Ausfluss – was ist der Unterschied?

Ein vermehrter Ausfluss während der Schwangerschaft ist total normal, schließlich wird die Scheide stärker durchblutet und reinigt sich konstant selbst. Meist ist der Ausfluss wässrig, durchsichtig bis etwas trübe weiß und völlig harmlos – auch dann, wenn deine Unterwäsche davon nass wird.

Wenn dein Ausfluss andere Eigenschaften hat, ist es wichtig, die Ursachen abzuklären (s.u.), aber nicht immer ein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn er sich wie richtiges Wasser anfühlt: Fruchtwasser ist durchsichtig, sehr wässrig und riecht süßlich. Es KANN schwallartig abgehen, aber auch nur in kleinen Mengen oder Tröpfchen austreten.

Wie erkennt man Fruchtwasser?

Fruchtwasser unterscheidet sich vom normalen Scheidenausfluss deutlich:

  • es kommt häufig schwallartig, nach einem vorzeitigen Blasensprung
  • es ist dünn wie Wasser, nicht dickflüssig oder zäh
  • es ist durchsichtig, manchmal leicht rosa
  • es riecht nur sehr leicht, aber süßlich
  • man kann es mit der Beckenmuskulatur nicht aufhalten
  • es hat einen hohen pH-Wert von über 7

Den pH-Wert kann man leicht mit dem so genannten Lackmustest bestimmen. Dazu kannst du dir aus der Apotheke Lackmus-Teststreifen besorgen. Zur Orientierung: Der normale pH-Wert im Scheidenmilieu liegt etwa bei 4, Urin bei 7 und Fruchtwasser darüber.

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Jennifer Kober

So war es bei mir

Ich hatte bei beiden Kindern einen vorzeitigen Blasensprung, der abends/nachts im Bett passierte. Beim ersten Kind kam immer wieder ein richtiger Schwall, sodass uns gleich klar war: es geht los! Beim zweiten Kind war der Schwall geringer, aber ebenfalls wiederholt. Das kann passieren, wenn das Baby mit dem Köpfchen tief im Becken liegt und somit den Fluss immer wieder wie ein kleiner Korken stoppt.

In der Klinik waren sich die Hebammen uneinig, ob das jetzt ein Blasensprung oder nur Urin war, aber ich war mir absolut sicher: Das Wasser kam immer gelaufen, ohne dass ich es beeinflussen konnte. Übrigens erinnerte mich das Fruchtwasser bei beiden Kindern vom Geruch und Aussehen her an Kokoswasser.

Arten von Ausfluss in der Schwangerschaft

Dein Ausfluss ist – puh! – kein Fruchtwasser, aber kommt dir trotzdem anders oder komisch vor? Hier sind die häufigsten Arten von Ausfluss in der Schwangerschaft.

#1 Bräunlicher Ausfluss

In den ersten Wochen der Schwangerschaft bekommt fast jede fünfte Frau bräunlichen Ausfluss. Häufig treten dabei auch ziehende Schmerzen auf, ähnlich wie Menstruationsbeschwerden. Meistens ist die Blutung jedoch so schwach, dass sie kaum bemerkt wird. Die Ursache ist in den überwiegenden Fällen harmlos, aber es ist immer gut, solche Veränderungen abklären zu lassen. Bei starken Blutungen oder Schmerzen oder wenn der Ausfluss länger anhält, fährst du am besten direkt zu deiner Ärztin.

#2 Gelblicher Ausfluss

Zwischen Pubertät und Wechseljahren sondert die Scheide ein Sekret ab – als Abwehr- und Selbstreinigungsmechanismus. Dieser Scheidenausfluss besteht aus Schleim aus der Gebärmutter sowie aus Schleimhautzellen der Vagina und ist – aufgrund von enthaltendem Östrogen – meist hellgelb. Die Konsistenz kann von wässrig bis dickflüssig gehen – je nachdem, wann im Zyklus du dich befindest. Auch in der Schwangerschaft kann dein Ausfluss leicht gelblich sein, da dein Östrogenspiegel jetzt stark ansteigt.

#3 Gelber Ausfluss

Gelber Ausfluss in der Schwangerschaft ist oft ein Anzeichen einer Infektion. Häufig sind Hefepilzinfektionen oder eine bakterielle Vaginose. Hier ist es wichtig, dass du dich schnell behandeln lässt, denn Infektionen können das Risiko einer Fehlgeburt und Frühgeburt erhöhen.

#4 Weißer Ausfluss

Eine Schwangerschaft bewirkt, dass von Woche zu Woche der gesamte Körper stärker durchblutet wird, dadurch die Temperatur rund um die Gebärmutter steigt und der Unterleib mehr gelockert wird. In der Folge wird ein weißlicher Ausfluss, den die Vagina absondert, schneller nach außen abgesondert. Dieses Sekret ist ein Begleitprodukt der permanenten hormonellen wie physischen Veränderungen im Körper und kann daher durchgängig auftreten. Der farblose und geruchlose Ausfluss besteht hauptsächlich aus Wasser und Schleimhautzellen von Gebärmutter und Vagina; durch sein Entstehen werden beide Bereiche gereinigt. Starker Ausfluss ist ganz normal und muss dich nicht beunruhigen.

Ausfluss als Warnsignal

Eine Veränderung des Ausflusses kann jedoch ein Hinweis auf eine eventuelle Erkrankung sein und du solltest dich immer untersuchen lassen, wenn ...

  • ... der Ausfluss unangenehm riecht.
  • ... Seine Konsistenz verändert ist.
  • ... Er eine bräunliche oder grünliche Farbe hat.
  • ... Der Ausfluss mit andauerndem Juckreiz
  • ... oder mit Schmerzen einhergeht.

Was sind Ursachen für stärkeren Ausfluss in der Schwangerschaft?

Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen, die vermehrten Scheidenausfluss hervorrufen können:

  • Stress oder seelische Belastungen
  • Hormonumstellungen, etwa durch die Antibabypille oder eine Schwangerschaft
  • Reizungen durch die Spirale oder einen vergessenen Tampon
  • Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren
  • Feigwarzen oder Entzündungen der äußeren Geschlechtsorgane
  • Eileiter- oder Eierstock-Entzündungen
  • Tumoren, gut- oder bösartig, in Eierstock, Scheide oder Gebärmutter
  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr

Es kommt bei vielen Frauen vor, dass sich der Ausfluss nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr verändert. Eine Erklärung dafür ist, dass dann für eine kurze Zeit der saure pH-Wert der Scheide z. B. durch alkalisches Sperma angehoben wird. Für eine gesunde Vagina stellt das jedoch kein Problem dar.

Zusätzliche Hygieneaktionen braucht es auf keinen Fall, Seifen und Duschgels können die Flora von Vagina und Scheide sogar angreifen und sie für Krankheiten anfälliger machen. Um nachzuschauen ob deine Flora gesund ist, kannst du dir einen vaginalen Selbsttest (ca. 10 Euro, Aponeo) holen, mit diesem kannst du Scheideninfektionen selbst diagnostizieren.

Es ist völlig ausreichend, den Intimbereich mit klarem, lauwarmen Wasser zu reinigen. Auch dein*e Partner*in sollte auf strikte Hygiene achten und eventuelle Entzündungen oder Krankheiten ärztlich untersuchen lassen.

Ausfluss oder Fruchtwasser?

In den letzten Wochen der Schwangerschaft verstärkt sich der Ausfluss und wird zumeist dickflüssiger – das ist ein Hinweis darauf, dass die Geburt bald bevorsteht. Viele Frauen sind dann extrem verunsichert, ob sie nicht bereits Fruchtwasser verlieren.

So funktioniert der Lackmustest

Der pH-Wert, also der Säure- bzw. Basengehalt einer Lösung, kann mit Hilfe des Farbstoffs Lackmus ermittelt werden. Lackmus besitzt die Eigenschaft, seine Farbe zu verändern, abhängig davon, ob er mit sauren oder basischen Stoffen zusammengebracht wird. Bei pH-Werten unter 4,5 erscheint Lackmus rot, bei Werten größer als 8,3 blau und dazwischen violett.

Normaler Scheidenausfluss oder doch schon Fruchtwasser? Grundsätzlich gilt: Wenn du nicht ganz sicher bist, ob du Fruchtwasser oder Ausfluss verlierst, solltest du dich umgehend mit deiner Hebamme oder deinem Arzt besprechen. Sie können am besten beurteilen, wie kurz die Geburt bevorsteht.

Fruchtwasser nach einem Blasensprung: Wie geht es jetzt weiter?

Wenn du glaubst, Fruchtwasser nach einem Blasensprung zu verlieren, solltest du in die Klinik fahren und dich untersuchen lassen. Dabei musst du nicht alles stehen und liegen lassen, sondern kannst dich noch umziehen und alles Wichtige einpacken. Haben deine Wehen noch nicht eingesetzt, werden sie das bestimmt bald tun. Wenn nicht, wird man mit dir besprechen, ob die Geburt eingeleitet werden sollte, weil das Infektionsrisiko nach einem Blasensprung steigen kann.

Wichtig: Wenn du glaubst Fruchtwasser zu verlieren, aber dein Baby noch nicht mit dem Kopf im Becken liegt, solltest du dich sofort hinlegen und den Notruf verständigen.

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