Nabelschnurblut – spenden oder einlagern?

Über das Nabelschnurblut wird das Baby im Mutterleib in den Monaten der Schwangerschaft optimal versorgt. Auch nach der Geburt bleibt dieses Blut eine Kostbarkeit, weshalb du überlegen solltest, es einzulagern oder zu spenden.

Nach der Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt.

Die Nabelschnur bleibt auch nach der Geburt kostbar.


Die Nabelschnur ist die Lebensader zwischen Mutter und Kind. Über sie ist das Baby im Mutterleib mit der Plazenta und damit mit dem mütterlichen Kreislauf verbunden. Unzählige Adern darin versorgen das Kind. Im Nabelschnurblut werden während der Schwangerschaft alle wichtigen Nährstoffe und Sauerstoff von der Mutter zum Baby transportiert. Gleichzeitig werden darüber auch alle Stoffwechselabbauprodukte wie Kohlendioxid wieder zum mütterlichen Kreislauf zur Entsorgung befördert.

Mit der Entbindung und dem ersten Atemzug des Babys außerhalb des Mutterleibs stoppt der Blutstrom in der Nabelschnur abrupt: Der Austausch zwischen Mutter und Kind über das Blut der Nabelschnur ist nicht mehr notwendig, beide Kreisläufe sind nun komplett getrennt. Damit verliert die Nabelschnur ihre Bedeutung. Doch nicht ganz! Das in der Nabelschnur enthaltene Blut ist eine Kostbarkeit, die es lohnt zu nutzen.

Nabelschnurblut - darum ist es so kostbar

Im Nabelschnurblut (aber auch in der Nabelschnur selbst) befinden sich - anders als in unseren Adern - auch nach dem Abnabeln noch unzählige Stammzellen. Stammzellen haben, als eine Art Urzelle oder Zell-Vorstufe, die einzigartige Fähigkeit, sich anzupassen und sich zu jeder Zelle des menschlichen Körpers zu entwickeln. Sie können sich zum Beispiel zu Nierenzellen, Herzzellen, Blutzellen oder Muskelzellen werden.

Je jünger die Stammzellen sind, umso größer sind die Ausdifferenzierungsmöglichkeiten – deshalb haben Stammzellen aus dem Nabelschnurblut das größte Potenzial. Diese Zellen sind, anders als zum Beispiel Stammzellen aus dem Knochenmark, frei von Umwelteinflüssen und Alterungsprozessen. Und genau das macht sie so kostbar. Sie sind, unter fachgerechter Lagerung, die ideale Gesundheitsvorsorge, die dem Kind für den Ernstfall ein Leben lang zur Verfügung steht. Die Zellen können zum Beispiel im Rahmen einer Stammzellentherapie eingesetzt werden, ohne dass anderweitig Spender gesucht werden müssten. Aber nicht nur Knochenmarkserkrankungen, Leukämie oder Anämie können mit Stammzellen behandelt werden. Auch ihr Einsatz bei Diabetes Typ 1, Schlaganfall oder Herzinfarkt wird weiterhin erforscht.

Weil Nabelschnur-Stammzellen frisch, jung und ohne jegliche Belastung sind, ist der Behandlungserfolg mit ihnen im potenziellen späteren Ernstfall meist größer, als mit einer Knochenmarkspende.

Gewinnung des Nabelschnurblutes

Möchtest du für euer Kind Nabelschnurblut konservieren, solltest du vor der Entbindung dem Arzt, der Hebamme und den Schwestern Bescheid geben. Nach der Abnabelung pulsiert das Nabelschnurblut nur noch für eine kurze Zeit in der Nabelschnur und es sollte so zügig wie möglich nach der Geburt abgenommen werden. Die Nabelschnur wird so früh wie möglich abgeklemmt und ein möglichst langes Stück abgeschnitten. Daraus werden etwa 50 bis 100 ml Nabelschnurblut entnommen. Das geschieht völlig schmerzfrei.

Anschließend wird das Blut untersucht, um sicherzugehen, dass auch genügend Stammzellen im Nabelschnurblut enthalten sind, und um Krankheitserreger auszuschließen.

Einlagerung des Nabelschnurblutes

Das Nabelschnurblut wird so schnell wie möglich nach den bestandenen Tests bei minus 196 Grad schockgefroren. So eingelagert sind die Stammzellen des Nabelschnurblutes unbegrenzt haltbar und frisch. In Deutschland gibt es bis dato sechs private Stammzellenbanken, die auch Nabelschnurblut einlagern.

Wer trägt die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Einlagerung in der Regel nicht. Jeder muss privat für seine Vorsorge aufkommen, dennoch lohnt eine Nachfrage bei der eigenen Krankenkasse immer. Die Kosten für die Entnahme, die Untersuchungen, die Aufbereitung des Nabelschnurblutes und die so genannte Einlagerung summieren sich auf bis zu 500 Euro, jährliche und fachgerechte Lagerungsgebühren in Speziallabors kommen noch dazu. Die relativ hohen Kosten stehen einem vergleichsweise geringen Risiko gegenüber, dass das eigene Kind so ernsthaft erkrankt, dass es eine Stammzellentherapie benötigt.

Die Vorteile der Einlagerung von Nabelschnurblut:

Die Einlagerung des Nabelschnurblutes deines Kindes hat viele Vorteile:

  • schmerzfreie Gewinnung
  • kein Verfall - ein Leben lang haltbar und nutzbar
  • beste Verträglichkeit für den Empfänger
  • junge, unbelastete und nicht mutierte Zellen
  • risikoärmer als Gewinnung von Stammzellen aus dem Knochenmark
  • größte Behandlungserfolge, da junge Zellen mit einer hohen Ausdifferenzierungsfähigkeit

Nachteile der Einlagerung von Nabelschnurblut

Trotz vieler Vorteile, gibt es auch einige Aspekte, die nicht so optimal sind:

  • es kann nur eine begrenzte Menge Nabelschnurblut gewonnen werden
  • das Baby muss sehr früh abgenabelt werden, das kann durch die geringere Blutmenge den Eisenspiegel herabsenken
  • längere Ausdifferenzierungszeit in gewünschte Zellen als bei Knochenmark-Stammzellen
  • hohe Lagerungskosten

Nabelschnurblut spenden

Eine andere und wesentlich günstigere Alternative, das kostbare Nabelschnurblut zu nutzen, wäre, das Blut mit seinen Stammzellen zu spenden und damit sofort und ohne lange Lagerungskosten akut Bedürftigen zu helfen. Solltest du dir unsicher sein, ob du das Nabelschnurblut deines Kindes einlagern oder spenden solltest, sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin – sie können dich umfangreich beraten

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