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Künstliche Befruchtung

Wunschgeschlecht: Ein Mädchen oder ein Junge auf Bestellung

Wunschgeschlecht: Wer hat die Wahl?
Wunschgeschlecht: Wer hat die Wahl? (© Getty Images/ FG Trade Latin)

Ob Mädchen oder Junge spielt für manche Eltern gar keine Rolle und andere wiederum tun alles, um das Geschlecht ihres zukünftigen Kindes irgendwie zu beeinflussen. Aber so leicht lässt sich die Natur nicht überlisten. Bis jetzt! Künstliche Befruchtung und amerikanische Ärzte machen es möglich, das Wunschgeschlecht zu bekommen. Was es damit auf sich hat.

"Am wichtigsten ist doch, dass es gesund ist", das ist wohl der Satz, der am häufigsten fällt, wenn es um die Frage nach dem Geschlecht des Nachwuchses geht. Der Kern der Aussage stimmt so natürlich auch. Und doch wünschen sich manche Eltern eben doch ein Mädchen oder einen Jungen – jede*r aus seinen ganz persönlichen Gründen. Und während der Versuch, das Geschlecht des zukünftigen Babys mit bestimmten Nahrungsmitteln oder Sexpositionen zu beeinflussen noch ganz niedlich (und meist zwecklos) ist, gibt es in den USA schon ganz andere Mittel, um das Wunschgeschlecht seines Babys sicher mitzubestimmen.

Präimplantationsdiagnostik: So geht Geschlecht nach Wunsch

In den USA und in wenigen anderen Ländern wie z. B. der Türkei oder dem Libanon ermöglichen es Ärzte und Ärztinnen ihren Klient*innen, bei künstlichen Befruchtungen nach dem Geschlecht auszusieben. Die Planung des Geschlechts erfolgt also in vitro, das heißt mit Hilfe der Reagenzglas-Befruchtung.

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Wer sich in den USA künstlich befruchten lässt, kann auswählen, ob ihr weibliche oder männliche befruchtete Eizellen (meist sind es mehr als eine) eingesetzt wird.

In Deutschland ist diese Auswahl bzw. dieses Verfahren des geschlechtsspezifisch befruchteter Eizellen nicht erlaubt, um das Wunschgeschlecht eure zukünftigen Kindes zu entscheiden. Hier bleibt es weiterhin dem Zufall überlassen, ob ihr ein Mädchen oder einen Jungen bekommt.

Kleiner biologischer Einschub Über das Geschlecht des Nachwuchses bestimmt in jedem Fall das Sperma des Mannes. Die Eizelle der Frau trägt nämlich immer ein X-Chromosom in sich. Je nachdem, welche Samenzelle des Mannes die Eizelle befruchtet, verschmelzen Eizelle und Samen entweder zu einer XX- (also einer weiblichen) oder zu einer XY- (also einer männlichen) Kombination.

Sortiermaschinen für Spermien für das Wunschgeschlecht

Um das Geschlecht des Embryos bei einer künstlichen Befruchtung zu bestimmen, haben Forschende sogenannte Sortiermaschinen für Spermien entwickelt, um das Wunschgeschlecht zu bekommen. Diese Maschinen können Spermien, die ein X-Chromosom tragen, von denen mit einem Y-Chromosom trennen. Das Ergebnis ist recht zuverlässig: Spermien mit weiblichen Erbgut können bereits mit einer Zuverlässigkeit von 93% erkannt und herausgefiltert werden. Männliche Spermien allerdings nur mit einer 73%iger Wahrscheinlichkeit. Sortierungsmerkmal ist die um 2,8 Prozent höhere DNA-Menge der weiblichen Spermien.

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Wunschgeschlecht-Bestimmung unterm Mikroskop

Eine andere und die am weitesten verbreitete Methode greift etwas später im Prozess der In-Vitro-Behandlung ein: Es werden per In-Vitro-Fertilisation mehrere Embryonen gezeugt. Danach wird im Vierzell- oder Achtzell-Stadium jedem Embryo eine einzelne Zelle entnommen und genetisch untersucht, wie es auch bei anderen Arten der Präimplantationsdiagnostik der Fall ist, um z.B. Erbkrankheiten wie Mukoviszidose oder Glasknochenkrankheit auszuschließen. Unter dem Neonlicht-Mikroskop kommt dann das Geschlecht des Embryos zum Vorschein: die weiblichen Zellen leuchten rosarot und die männlichen hellblau.

Viele Furchtbarkeitskliniken in den USA, darunter auch die Fertility Institutes, für die der renommierteste amerikanischen Reproduktionsmediziner Jeffrey Steinberg arbeitet, garantieren ihren Kund*innen mit Hilfe dieser Methode ein Baby mit dem gewünschten Geschlecht – und macht damit ein Millionen-Geschäft. "Für viele Patienten gehört es zum Lifestyle, die Familie geschlechtlich auszubalancieren", erzählt der Reproduktionsmediziner in einem Artikel der FAZ. In den Klinken Fertility Institutes können Paare mit Kinderwunsch übrigens nicht nur das Geschlecht auswählen, sondern auch die Augenfarbe. Beide Angebote werden auf der Webseite der Klinik deutlich beworben.

Auf Englisch hat dieses "Ausbalancieren" übrigens auch schon einen Namen: Family Balancing.

Wunschgeschlecht in Deutschland verboten

In Deutschland ist die Trennung menschlicher Spermien nicht erlaubt. Und auch wenn die Präimplantationsdiagnostik, die nur in Ausnahmefällen erlaubt ist, schon zu Beginn einer Schwangerschaft, beziehungsweise schon vor dem Einsetzen des Embryos, die Geschlechtsbestimmung möglich machen würde, dürfen Mediziner*innen erst ab der 14. SSW sagen, ob ihr einen Junge oder ein Mädchen erwartet. Die Bekanntgabe des Geschlechts ist mit der Frist für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch verknüpft, eben weil verhindert werden soll, dass Eltern ihr Baby abtreiben, weil es nicht ihr Wunschgeschlecht hat.

Negative Folgen der Geschlechtsselektion für das Wunschgeschlecht

Geschlechtsselektion ist unter anderem in Teilen der USA, in Zypern, Mexiko, Thailand, der Ukraine, dem Libanon und der Türkei und der Schweiz legal. Daher werden diese Länder oft Urlaubsziele für Paare, die unbedingt eine Geschlechtsselektion wollen – aus welchen Gründen auch immer. Wohin dieser Wunschgeschlecht-Wahn führen kann, zeigt die Beispiele Indien und China: Seit 1994 ist es dort Mediziner*innen eigentlich untersagt, das Geschlecht eines Fötus der schwangeren Frau zu enthüllen. Trotzdem sind Abtreibungen weiblicher Föten in den letzten Jahren immer häufiger geworden. Genauso wie in China, wo die gezielte Reagenzglas-Befruchtung auf eine Ein-Kind-Politik traf. In beiden Ländern entwickelte sich bereits ein demografisches Ungleichgewicht, denn es sind die weibliche Embryos, die häufiger abgetrieben werden. So herrscht in beiden Ländern ein massiver Frauenmangel.

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Dies hat zur Folge, dass sich rapide ein bedeutendes Ungleichgewicht in der Gesellschaft herausbildet. In Indien gibt es heutzutage beispielsweise etwa 50 Millionen mehr Männer als Frauen. Wenn das aktuelle Niveau der Geschlechterselektion bestehen bleibt, werden fast 10 Prozent der indischen Männer im Alter von 50 Jahren bald alleinstehend sein. Dies ist möglicherweise einer der Gründe, warum in Indien in den letzten Jahren Gewalt, Vergewaltigungen, Kinderehen und sexuelle Belästigungen immer weiter zunehmen.

Wunschgeschlecht: Eine Ethik-Frage

Angesichts dieser Tatsachen stellt sich die Frage der ethischen Bedeutung der Geschlechtsselektion. Möchte man die Bevorzugung des einen Geschlechtes zu Lasten des anderen wirklich fördern? Noch dazu, wenn es zu gesellschaftspolitischen Konsequenzen wie in China oder Indien führen könnte?

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Die Ethik-Frage beim Wunschgeschlecht lässt sich an dieser Stelle nicht klären, denn dafür reicht der Platz in diesem Artikel nicht aus. Und natürlich sind alle Gefühle ernst zu nehmen, die bei Eltern mit einem starken Wunsch nach einem bestimmten Geschlecht ihres Kindes einher geht. Es bleibt aber nicht aus zu hinterfragen, welche Büchse der Pandora geöffnet wird, wenn erst einmal mit der "Selektion" bei den Genen, bestimmten Körpermerkmalen und dem Geschlecht begonnen wird. Dazu fällt uns abschließend nur ein: Wer hat den Film "Gattaca" gesehen? An dieser Stelle sehr empfehlenswert.

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