Frühgeburt oder nicht - Wann ist mein Kind ein Frühchen?

Dank hoch spezialisierter klinischer Geräte und bestens ausgebildeter Mediziner haben Frühchen heutzutage gute Überlebenschancen. Entscheidend dafür, ob es als Frühchen behandelt wird oder nicht, sind sein Alter und das Gewicht.


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Wenn die Wehen vorzeitig einsetzen und das Kind zu früh kommt, ist plötzlich alles anders als geplant. Nun muss schnell und richtig gehandelt werden. Doch die Medizin ist inzwischen sehr gut auf diese Fälle vorbereitet – schließlich gibt es heutzutage 50 Prozent mehr Frühgeburten als noch vor 30 Jahren. Als Ursache gelten zum einen das vielfach höhere Alter der so genannten Erstgebärenden, zum anderen die Fortschritte in der Geburtshilfe, die drohende Fehlgeburten vermeiden. Und die technischen Fortschritte sind es auch, die den Frühgeborenen das Leben sichern.

Ob das Neugeborene in den Brutkasten muss, entscheiden Alter und Gewicht


© Getty Images

Ist mein Kind ein Frühchen?

Wann man überhaupt von einer Frühgeburt spricht ist eine Frage von Zeit und Gewicht. Rund 90 Prozent aller Kinder weltweit kommen zwischen der vollendeten 37. Woche und der vollendeten 42. Woche zur Welt; man bezeichnet sie als "termingeboren". Etwa 9 Prozent werden vor diesem Zeitraum geboren; sie gelten als Frühgeburten. Die medizinische Definition für ein so genanntes "Frühchen" ist:
es kommt vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt
es wiegt weniger als 2500 Gramm
Die Zahl der Frühgeburten ist nahezu in allen Ländern permanent steigend. Das ist ein Ergebnis des ersten Frühgeborenen-Reports der Weltgesundheitsorganisation WHO. Demnach kommen etwa 15 Millionen Babys weltweit zu früh zur Welt. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 63.000 Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren.

Frühchen oder nicht - was zählt?

Ob das Baby eine Frühgeburt ist oder nicht, ist in mehrerlei Hinsicht relevant. Denn als Frühchen braucht das Baby eine
besondere medizinische Versorgung
Weiterbehandlung eventueller Spätfolgen
Nicht zuletzt ist diese Frage vor allem in finanzieller Hinsicht entscheidend, weil es dann mehr Geld von der Krankenkasse gibt. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten verlängert sich die Mutterschutzfrist und damit das Mutterschaftsgeld um 4 Wochen von 8 auf 12 Wochen nach der Geburt. Hinzu kommen noch die Anzahl der Mutterschutztage, die vor der verfrühten Geburt nicht in Anspruch genommen werden konnten. Dafür braucht man jedoch eine so genannte "Frühchen-Bescheinigung" vom Arzt bzw. Krankenhaus.

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In Deutschland ist jedes 9. Baby eine Frühgeburt. Die Überlebenschancen sind gut - leider gibt es aber auch Spätfolgen.



Wie kommt es zu einer Frühgeburt?

Häufig ist nicht klar, was der Auslöser war. Als mögliche Ursachen dafür aber gelten
Unterleibs-Infektionen der Mutter
Komplikationen während der Schwangerschaft wie mangelnde Funktion der Plazenta oder Blutarmut)
chronischer Stress durch Überbelastung
psychosoziale Gründe
Parodontitis
Rauchen
Doch kann die Frühgeburt auch vom Fötus ausgelöst werden, etwa durch
Fehlbildungen
Chromosomenanomalien
Mehrlingsschwangerschaften

Wenn das Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche kommt, wird es sofort auf die Neugeborenenstation verlegt oder es kommt auf die Intensivstation. Im Brutkasten, dem Inkubator, werden alle wichtigen Körperfunktionen des Neugeborenen überwacht und bei Bedarf unterstützt.

Gute Überlebenschancen

Bei einer Frühgeburt gilt die allererste Sorge der Überlebensfähigkeit des Neugeborenen. Auch wenn das Baby noch bis zur 36. Schwangerschaftswoche als Frühchen gilt, liegt in Deutschland die Überlebenschance von extrem früh Geborenen nach der 24. Schwangerschaftswoche bei 50:50. Bereits ab der 28. Woche überleben bereits 90 Prozent aller Frühchen.

Da die Geburtsmedizin große Fortschritte macht, ist es mittlerweile möglich, immer mehr Frühgeburten zu verzögern oder gar zu verhindern. Und die Frühchen haben sehr gute Überlebenschancen. Noch zu "Großmutters Zeiten" war das undenkbar.






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