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Corona-Sonderurlaub für Eltern  – Unter diesen Voraussetzungen ist es (un)möglich

Corona-Sonderurlaub für Eltern – Unter diesen Voraussetzungen ist es (un)möglich

Corona Update

Theoretisch, also ganz theoretisch, stünde euch wegen des neuen harten Lockdowns Sonderurlaub zu. Den könntet ihr nehmen, um die Betreuung eurer Kinder abzusichern. Denn, wie wir alle in den letzten Monaten im Praxistest erfahren durften (als wäre es uns nicht sowieso schon klar gewesen): Arbeiten und Kinderbetreuung parallel, das klappt nicht.

Die Realität aber zeigt: Sonderurlaub zu nehmen, um die Betreuung eurer Kinder sicherzustellen, ist fast unmöglich. Zum Einen wird vermutlich jeder Arbeitgeber darauf drängen, dass ihr Überstunden, Resturlaub oder Gleitzeit in Anspruch nehmt.

Jahresurlaub vor Sonderurlaub

Ihr könnt auch darum gebeten werden, euren Jahresurlaub zu nehmen. Das hätte immerhin den Vorteil, dass ihr euer volles Gehalt bekommt. Denn wer Sonderurlaub nimmt, bekommt auch nur 67 % seines normalen Nettogehalts. Maximal könnt ihr 2.016 Euro im Monat an Sonderleistungen bekommen. Den Jahresurlaub gleich im Januar zu nehmen, birgt aber auch Probleme.

Es kann passieren, dass euch nicht der gesamte Urlaub gewährt wird und vor allem nicht so kurzfristig. Und es bleibt die Frage: Was macht ihr dann den Rest des Jahres? Bei Schulferien, andauerndem Lockdown oder, verrückte Idee, weil ihr einfach auch mal Erholung von all dem Stress braucht?

Zumutbare Betreuungsmöglichkeiten

Wollt ihr den Corona-Sonderurlaub nehmen, hat die Bundesregierung da einige Hürden für euch aufgebaut. Zunächst einmal müsst ihr nachweisen, dass es keine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit gibt. Und ganz ehrlich, das wird euch vermutlich überhaupt gar nicht gelingen.

Denn, und jetzt kommt es, die Bundesregierung hält die Betreuung eurer Kinder, weil ihr sowieso im Homeoffice arbeitet, für total zumutbar. Wie hoch (oder eher niedrig) die Qualität da nun sein möge, weil ihr einfach auch arbeiten müsst, spielt dabei keine Rolle. Hauptsache, ihr habt das Kind irgendwie im Blick.

Kein Anspruch auf Sonderurlaub

Arbeitet ihr selbst nicht im Homeoffice, aber eure Partnerin oder euer Partner, gilt das gleiche. Sobald ein Elternteil in der Theorie den Nachwuchs Zuhause beaufsichtigen kann, gilt das als Betreuung und ihr habt keinen Anspruch auf Sonderurlaub.

Seid ihr beide außer Haus tätig und eure Kinder gehen in die Notbetreuung, habt ihr ebenfalls keinen Anspruch auf Corona-Sonderurlaub. Wie die Notbetreuung dann im Einzelnen aussieht ist unerheblich, die Kinder sind ja irgendwie unter Aufsicht.

Wirtschaft wichtiger als Infektionsschutz

Dass ihr eure Kinder und euch selbst gern vor einer möglichen Ansteckung schützen oder die Kitas und Schulen entlasten möchtet, indem ihr euch selbst um euren Nachwuchs kümmert, das spielt alles überhaupt keine Rolle.

Eigentlich, also in der Theorie, ist der Bundesregierung durchaus klar, dass die Kinder in der Notbetreuung zur Verbreitung des Virus beitragen. In der Praxis ist es aber so, dass darauf keine Rücksicht genommen werden kann. Es ist unfassbar bitter für alle Familien mitzuerleben, wie wenig die Politiker*innen ihre Situation mitdenken. Das verrät im übrigen schon die Bezeichnung Corona-SonderURLAUB. Wie erholsam ist es für Familien in der aktuellen Situation einfach nur ihren Alltag irgendwie aufrecht zu erhalten?

Wie geht es euch mit der aktuellen Situation?

Meine Meinung

Es ist doch unfassbar. Mein Mann und ich sitzen im Homeoffice, unsere drei Kinder springen den ganzen Tag um uns herum. Wir haben keine Möglichkeit die Kinder mal drei Minuten an die Luft zu schicken um selbst durchzuatmen, weil wir mitten in der Stadt in einer kleinen Wohnung wohnen.

Müssen wir über die Qualität der Betreuung meiner Kinder wirklich sprechen? Wie toll werden die das wohl finden, mit dauerangespannten Eltern die immer wieder zur Ruhe mahnen, ihre eingesperrten Tage zu verbringen?

Und ja, wir haben noch Glück, weil wir beide im Homeoffice arbeiten. Andere Eltern sind gegen ihre Überzeugung gezwungen, ihre Kinder in die Notbetreuung zu geben.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / Drazen Zigic

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