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Frühere Weihnachtsferien wegen Corona: Hab ich das Recht auf Freistellung?

Kein Urlaub mehr?

Frühere Weihnachtsferien wegen Corona: Hab ich das Recht auf Freistellung?

Fast in jedem Bundesland (bis auf Bremen und Thüringen) werden die Weihnachtsferien auf den 19. Dezember vorgezogen und viele Eltern müssen nun überlegen, was sie mit ihren Kindern in der Zeit machen. Was tun, wenn der Urlaub aufgebraucht ist? Habe ich Anspruch auf bezahlten Urlaub oder Freistellung wegen fehlender Betreuung?

Teenagerkinder, die gern mal alleine sind, wird es sicherlich freuen, dass in ihrem Bundesland die Ferien ein paar Tage eher beginnen. Diese stört es dann vielleicht weniger, wenn sie 2 Tage mal zu allein zu Hause sein müssen, weil die Eltern noch arbeiten müssen. Doch was ist mit Grundschülern, die auch nachmittags betreut werden müssen und wo die Eltern ihren Urlaub bzw. die Betreuung so geplant haben, dass die Ferien abgedeckt sind?

Wenn der Jahresurlaub aufgebraucht ist

Die meisten Eltern planen ihren Urlaub schon recht früh im Jahr. Das heißt, man lässt sich für die Weihnachtsferien auch noch Tage übrig. Daher kommt es für diese Eltern eher ungünstig, dass nun zwei oder drei Tage überbrückt werden müssen. Wenn der Jahresurlaub schon verteilt ist, muss man dennoch arbeiten gehen.

Nicht jeder hat die Möglichkeit von Großeltern oder Freunden, die einspringen können. Zumal man ja auch nicht automatisch verlangen kann, diese dann einspringen und die Kinder betreuen. Bei einem Kind mag das noch gehen. Doch wenn es gleich mehrere Kinder betrifft, wird es schon schwieriger. Es soll zudem eine Notbetreuung für einige Kinder an den Schulen geben. Wendet euch dazu am besten direkt an eure Schule und fragt nach, wer Anspruch darauf hat und wie das abläuft.

Gibt es ein Recht auf unbezahlten Urlaub?

Viele Angestellte fragen sich jetzt, ob ihr Arbeitgeber für diesen Fall unbezahlten Urlaub geben müsste. Denn ein generelles Recht bzw. gesetzlichen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit gibt es nicht. Man bekommt in Deutschland dann unbezahlten Urlaub wenn

  • das Kind krank ist (§ 45 Abs. 3 Satz 1 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch)
  • man unverschuldet in eine Zwangslage geraten ist (z.B. nach einer Überflutung oder Brand)
  • ein naher Angehöriger pflegebedürftig wird (kurzzeitige Freistellung wegen Arbeitsverhinderung von bis zu zehn Tagen möglich)

Eine solche Situation, wie in der aktuellen Corona-Pandemie, ist im Gesetz nicht vorgesehen. Es ist bisher daher ähnlich problematisch, wie schon während der Kita- und Schulschließungen im Frühjahr. Als Arbeitnehmer*in hat man keinen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit wegen fehlender Kinderbetreuung. Man ist auf das Wohlwollen des Arbeitgebers angewiesen.

Welche Möglichkeiten ihr habt

Es gibt allerdings im BGB laut § 616 die Möglichkeit auf bezahlten Sonderurlaub, wenn "ohne eigenes Verschulden" eine vorübergehende Verhinderung besteht. Dies würde ja zutreffen, da die Ferienzeiten staatlich angeordnet sind und ihr darauf keinen Einfluss habt. Doch dies greift nur, wenn wirklich keine andere Betreuung des Kindes erfolgen kann.

Zumal es in einigen Tarifverträgen bzw. Dienstverträgen ausdrücklich untersagt ist, Sonderurlaub beantragen zu können. Ihr solltet daher euren Arbeitsvertrag prüfen, bevor ihr nach Sonderurlaub fragt.

Wenn ihr also jetzt wisst, dass euer regulärer Urlaub aufgebraucht ist, eure Kinder definitiv nicht anders betreut werden können, dann sprecht offen und ehrlich mit eurem Arbeitgeber. Vielleicht könnt ihr schon 2 Tage Urlaub aus eurem Kontingent vom kommenden Jahr nehmen oder er stellt euch unbezahlt frei. Je nachdem in welcher Branche ihr arbeitet, werdet ihr am besten wissen, ob das machbar sein wird oder das definitiv nicht geht.

Doch Fachanwälte für Arbeitsrecht empfehlen immer, offen das Gespräch zu suchen und die eigene Situation darzustellen. Auf keinen Fall könnt ihr einfach so von der Arbeit fern bleiben. Dann riskiert ihr euren Arbeitsplatz. Ebenso können die Kindkrank-Tage nicht genutzt werden, um in diesem Fall eine Lohnfortzahlung bei Freistellung zu erreichen. Um diese einzureichen, muss das Kind krank sein und vom Arzt einen Krankenschein bekommen.

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IG Metall fordert bezahlte Freistellung

Die IG Metall sieht ein großes Problem in den vorgezogenen Ferien für ihre Angestellten und fordert bezahlte Freitage für alle Eltern. Der Chef der IG-Metall, Jörg Hofmann, sagte heute, dass die Vorverlegung der Ferien wegen Corona nicht auf dem Rücken der Eltern ausgetragen werden dürfe und fordert Arbeitgeber und Politik zum Handeln auf.

Quelle: advocard.de, rnd.de

Bildquelle: Getty Images/sam thomas

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