Die richtige Zahnpflege für Kinder

Gesundheit

Die richtige Zahnpflege für Kinder

Mit der richtigen Zahnpflege für Kinder legst du den Grundstein für ein gesundes Gebiss. Hier erfährst du alles über die Pflege der Milchzähne und wie Kinder das Zähneputzen lernen. Außerdem haben wir witzige und praktische Zahnpflegeprodukte für Kinder zusammengestellt.

Ab wann mit der Zahnpflege bei Kindern beginnen?

Mindestens 2 x täglich: Zur Zahnpflege für Kinder gehören Zähneputzen und regelmäßige Zahnarztbesuche genauso dazu wie die richtige Zahnbürste und Zahnpasta.

Eine erfreuliche Nachricht aus der Praxis: In Deutschland verbessert sich die Gesundheit der Kinderzähne. "Das liegt vor allem daran, dass die Eltern sich ihrer Vorsorgeaufgaben bewusster werden. Zähneputzen, gesunde Ernährung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sind in den meisten Familien selbstverständlich", erklärt die Münchner Kinderzahnärztin Dr. Bettina Brem.
Schon vor dem ersten Zahn sollten Eltern darauf achten, nach dem Stillen oder Fläschchen den Mund des Babys von Bakterien zu befreien. Gaumen und Zahnfleisch können mit einem Wattestäbchen, speziellen Tüchern (z.B. Oral Care Rabbit von MAM) oder einer Fingerzahnbürste aus Silikon (z.B. von reer) gesäubert werden. Ab dem ersten Zahn sollten Eltern mit dem Zähneputzen beginnen.

Gut geschrubbt: Zahnbürsten für Kinder

Für die Reinigung der ersten Milchzähne eignen sich Lernzahnbürsten (z.B. von elmex oder Massaging Brush von MAM). Spezielle Kinderzahnbürsten mit weichen Borsten, einem kleinen Bürstenkopf und einem rutschfesten, kindgerechten Griff sind zur Zahnpflege für Kinder ideal. Für die ersten Milchzähne sind kurze, weiche Borsten gut. Wenn alle Milchzähne da sind, können längere Borsten zum Einsatz kommen, bzw. Bürsten mit Borsten, die an der Seite höher und in der Mitte niedriger sind.
Elektrische Zahnbürsten für Kinder werden ab einem Alter von drei Jahren empfohlen. Bitte orientiere dich an den Angaben der Hersteller. Bei Anwendung einer elektrischen Zahnbürste empfiehlt es sich dennoch, das Kind an den gleichzeitigen Gebrauch einer Handzahnbürste heranzuführen. Denn nur mit einer Handzahnbürste bekommen Kinder ein Gefühl für das Zähneputzen. Ungefähr ab dem 8. Lebensjahr können Kinder normale Erwachsenenzahnbürsten verwenden.

Pasta e basta: Die richtige Zahnpasta für Kinder

Eine ausgewiesene Kinderzahnpasta putzt und pflegt Milchzähne besonders schonend. Kinderzahnpasta enthält weniger Fluorid als normale Zahnpasta und ist deshalb nicht schädlich, wenn sie aus Versehen verschluckt wird. Fluorid ist dennoch wichtig, da es Karies entgegen wirken kann. Ideal ist für Kinder eine Zahncreme mit einem Fluoridgehalt von 0,05 Prozent. Ansonsten entscheidet der Geschmack - auch der optische. Kinderzahnärztin Dr. Bettina Brem stellt fest: "Wenn Kinder die Zahnpasta mit der Prinzessin oder der Maus selbst ausgesucht haben, macht ihnen das Zähneputzen oftmals mehr Spaß." Faustregel: Eine erbsengroße Menge Kinderzahnpasta pro Putzvorgang genügt.
Bis zum 2. Lebensjahr ist es ausreichend, die Milchzähne einmal am Tag zu putzen. Danach sollten sie zweimal täglich geputzt werden. Je früher Eltern ihr Kind an eine regelmäßige Zahnpflege gewöhnen, desto leichter gelingt ihm später die Routine beim Zähneputzen und desto gesünder sind natürlich auch die Zähne. Wichtig: Damit die ersten Milchzähne gesund bleiben, sollten Eltern darauf achten, ihren Kindern möglichst wenig Süßes und Saures zu essen zu geben.

Zahnpflege-Produkte für Kinder

Zahnpflege-Produkte für Kinder
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Richtiges Zähneputzen und 1. Zahnarzt-Besuch

Vorm Zahnarzt braucht keiner Angst zu haben, vor allem, wenn man den Herren bzw. die Dame in Weiß schon lange kennt. Deswegen steht der 1. Zahnarzt-Besuch schon im 1. Lebensjahr an. Dort wird dann erklärt, wie die Zähne ordentlich geputzt werden. Nach der KAI-Methode nämlich.

Ein Kinderspiel: Richtiges Zähneputzen

Grundsätzlich brauchen Kinder bis zum Alter von zirka sechs Jahren Unterstützung beim Zähneputzen. Eltern sollten die Zähne ihrer Kinder so lange sicherheitshalber immer nachputzen. Am besten lernen Kinder das Zähneputzen mit Hilfe der "KAI-Methode". Dabei lernt das Kind je nach Fähigkeit Schritt für Schritt Kau-, Außen- und Innenflächen der Zähne richtig zu putzen. Zuerst putzt es nur die Kauflächen durch Hin- und Herbewegen der Bürste. Dann folgen die Außenflächen der Zähne, die durch kreisende Bewegungen der Bürste gereinigt werden. Im letzten Schritt wird dem Kind beigebracht, wie die Innenflächen der Zähne vom Ansatz bis zur Spitze gebürstet werden.

Die kleine Huschi lernt Zähne putzen

Schritt 1: Kauflächen
Zuerst bürstet Huschi auf den Kauflächen hin und her. Sie beginnt auf der rechten Seite, erst unten, dann oben. Dann kommt die linke Seite dran - erst unten, dann oben.

Schritt 2: Außenflächen

Dann lernt Huschi, wie man die Außenflächen der Zähne richtig putzt. Und das geht so: Huschi malt mit der Bürste Kreise auf die Zähne. Wieder zuerst auf der rechten Seite - von hinten nach vorne. Dann auf der linken Seite - von hinten nach vorne. Dann beißt sie die Zähne zusammen und putzt auch die Schneidezähne.

Schritt 3: Innenflächen
Schließlich lernt Huschi, wie sie die Innenflächen der Zähne richtig putzt - unten und oben. Sie beginnt mit den hinteren Zähnen und putzt dabei vom Zahnfleisch zum Zahn - von Rot nach Weiß.

Mit Kindern regelmäßig zum Zahnarzt

Experten empfehlen den 1. Besuch beim Zahnarzt bereits für Babys im Alter zwischen sechs und neun Monaten. Zu diesem Zeitpunkt sind die ersten Vorderzähnchen sichtbar, bzw. brechen durch. Der Zahnarzt bespricht mit den Eltern die Ernährung und Zahnpflege des Kindes, kann Fehler der Eltern erkennen und somit Schäden an den ersten Milchzähnen entgegen wirken.
Ungefähr im Alter zwischen 16 und 18 Monaten, bzw. nach Durchbruch der Backenzähne wird der 2. Zahnarzttermin für Kinder empfohlen. Sobald alle Milchzähne vollständig durchgebrochen sind, sollten Eltern mit ihrem Kind alle sechs Monate zur Kontrolle beim Zahnarzt gehen. Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt geben dem Kind zu verstehen, wie wichtig Prophylaxe und Zahnpflege ist.

Keine Angst vorm Mann in Weiß.

Angst vor dem Zahnarzt kann somit für die Zukunft vermieden werden. "Angst vorm Zahnarzt ist nicht angeboren, sondern erlernt. Daher sollen sich die Eltern über eigene Zahnarzterfahrungen nur positiv äußern", empfiehlt Dr. Bettina Brem. "Das Kind soll während dem Termin ganz allein im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Die Eltern dürfen gerne mit in den Behandlungsraum, aber das Kind soll alleine unsere Fragen beantworten und eigene Entscheidungen treffen." Nach dem Besuch auf dem Zahnarztstuhl sollte das Kind ausgiebig gelobt werden, das stärke das Selbstvertrauen und motiviere, so die Kinderzahnärztin.
Mittlerweile gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Kinderzahnarztpraxen, die speziell auf die Behandlung ihrer kleine Patienten eingestellt sind. "Unsere Räumlichkeiten sind ausschließlich auf die jungen Patienten ausgerichtet, die Atmosphäre ist entspannt und fröhlich, außerdem 'verstecken' wir Angst einflößende Gegenstände", erklärt Dr. Bettina Brem. Mit lustigen Geschichten, Handpuppen und spannenden Zeichentrickfilmen finden Kinder in der Kinderzahnarztpraxis Abklenkung von der eigentlichen Behandlung. Beim Bundesverband der Kinderzahnärzte finden Sie einen Kinderzahnarzt in Ihrer Nähe. Wie es um die Zahngesundheit deutscher Kinder bestellt ist und warum gerade die Pflege der Milchzähne so entscheidend ist, lesen Sie in unserem Experteninterview auf der nächsten Seite.

Zahnpflege bei Kindern: Interview mit Prof. Dr. Christian Hirsch

"Wir sind schon froh, wenn alle Kinder zweimal am Tag eine Zahnbürste in den Mund bekommen" - Professor Dr. Christian Hirsch von der Abteilung für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe am Universitätsklinikum Leipzig steht uns Rede und Antwort.

familie.de: Herr Professor Hirsch, können Sie einen Trend erkennen: Wie gesund sind die Zähne unserer deutschen Kinder?

Professor Dr. Christian Hirsch

Prof. Dr. Hirsch: Für die größeren Kinder und Jugendlichen, also für das bleibende Gebiss, verzeichnen wir seit zirka 20 Jahren eine deutliche Verbesserung der Zahngesundheit. Sie haben also viel weniger Karies, bzw. wegen Karies behandlungsbedürftige Zähne als noch vor 20 Jahren. Das heißt bei den 12-Jährigen ist im Schnitt weniger als ein Zahn wegen Karies in Behandlung oder behandlungsbedürftig. Das ist natürlich grundsätzlich erfreulich. Allerdings sieht es bei den Kindern im Vorschulalter, also was das Milchgebiss betrifft, anders aus. Da haben wir keinen Kariesrückgang, das heißt die orale Gesundheit hat sich nicht verbessert. Wir verzeichnen sogar in bestimmten Regionen und sozialen Gruppen eine Verschlechterung der Zahngesundheit kleiner Kinder. Das ist insofern ein wichtiger Punkt, weil die Kinder natürlich unter schlechten Zähnen sehr stark leiden, und das beeinträchtigt die Familie natürlich ebenfalls.
familie.de: Löcher, Schmerzen, Wackelzähne – was sind die häufigsten Symptome ihrer kleinen Patienten?
Prof. Dr. Hirsch: Der überwiegende Teil der Zahnschädigungen und Schmerzen wird immer noch durch Karies verursacht. Allerdings ungefähr ein Drittel der Zahnschäden, die wir bei Kindern und Jugendlichen sehen, sind bereits auf Mineralisationsstörungen zurückzuführen. Das heißt, die Zähne sind in ihrer Entstehung gestört worden, und zwar durch vielfältige äußere Ursachen, wie Umwelteinflüsse, Erkrankungen oder Medikamente. Darüber hinaus gibt es eine gar nicht so geringe Anzahl von Kindern, die mit den Zähnen knirscht, schätzungsweise jedes 5. Kind. Dadurch kommt es ebenfalls zu einer Schädigung der Zähne, da sie dabei unnatürlich stark abgenutzt werden.
familie.de: Für welches Alter empfehlen Sie den allerersten Besuch beim Zahnarzt?

Prof. Dr. Hirsch:
Wir empfehlen den ersten Zahnarztbesuch mit dem Durchbruch der Zähne, also im Regelfall noch vor dem 1. Geburtstag. Das hat den Sinn, dass zu diesem Zeitpunkt präventive Aufklärungsarbeit geleistet werden kann. Beim ersten Zahnarztbesuch haben wir die Möglichkeit, die Eltern zu informieren und vorbeugend tätig zu werden, so dass es gar nicht erst zu schwerwiegenden Zahnschäden kommt. Tipps für die richtige Ernährung und Mundhygiene sollte man am Anfang bekommen und nicht erst, wenn es schon zu spät ist.
familie.de: Wie oft sollten Kinder zum Zahnarzt?


Prof. Dr. Hirsch:
Kinder sollten grundsätzlich halbjährlich zum Zahnarzt gehen, da es bestimmte Phasen in der Gebissentwicklung gibt, in denen relativ schnell sehr viel passiert. Wenn die Zähne durchbrechen, sollte zum Beispiel kontrolliert werden, ob Reihenfolge und Anzahl stimmen. Ein Zahnarzt kann außerdem sehen, ob es frühe Formen von Zahnschäden gibt und dann häufigere Kontrolle empfehlen. Ein Loch ist ja nicht plötzlich einfach da. Es gibt immer Vorstadien, die man erkennen kann und gegen die man auch was zu tun kann, bevor es dann zu Löchern und Schmerzen kommt.
familie.de: Kann ich mit meinem Kind zu meinem Hauszahnarzt gehen oder sollte ich mich für einen Kinderzahnarzt entscheiden?
Prof. Dr. Hirsch: Diese Entscheidung liegt natürlich bei den Eltern. Wenn Sie den Eindruck haben, dass der Hauszahnarzt, der ja primär Ansprechpartner für die Familie ist, auch gut mit dem Kind zurechtkommt, dann kann man sagen, dass man in puncto Aufklärung auch bei seinem Hauszahnarzt gut aufgehoben ist. Wenn es konkrete klinische Probleme gibt, also Löcher, Zahnschäden oder auch Unfallverletzungen, die bei Kindern nicht so selten sind, ist es oft praktisch, einen Kinderzahnarzt hinzuzuziehen, da er oft mehr Routine und Erfahrung in diesem Bereich hat.
familie.de: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, wenn ein Kind sehr ängstlich ist, nicht einmal seinen Mund öffnen will oder nicht still auf dem Stuhl sitzen bleibt?
Prof. Dr. Hirsch: Im Prinzip muss der Zahnarzt eine Kommunikation mit dem Kind herstellen. Die Kinder wollen, dass der Zahnarzt oder die Zahnärztin eine persönliche Beziehung zu ihnen aufnimmt. Dann haben sie Vertrauen, setzen sich auf den Stuhl und öffnen den Mund. Kinderzahnärzte verfügen dank ihrer Ausbildung über sehr umfangreiche Kenntnisse der richtigen Kommunikation mit Kindern in den verschiedenen Altersstufen. Und wenn das Kind entsprechend seiner Möglichkeiten informiert wird, dann befolgt es auch die Anweisungen des Zahnarztes.

Wichtig ist das Vertrauen zum Zahnarzt.

familie.de: Zur Zahnhygiene Erwachsener gehören Zahnseide, Interdentalbürsten und Mundwasser. Wie ist das bei Kindern?
Prof. Dr. Hirsch: Wir sind schon froh, wenn alle Kinder zweimal am Tag eine Zahnbürste in den Mund bekommen. Wir fordern da nicht das gesamte Spektrum an Hilfsmitteln. Wichtig ist dabei, dass die Eltern die Zähne der Kinder bis zur Einschulung nachputzen. Bestimmte Maßnahmen gehen bei Kindern ja auch gar nicht. Zum Beispiel eine Spüllösung wird man erst verwenden können, wenn die Kinder den Mund komplett wieder ausspucken können, also erst ab dem Schulalter. Wir empfehlen Zahnseide zwar auch schon bei Kindern, insbesondere bei sehr engstehenden Milchzähnen, denn da bildet sich natürlich in den Zwischenräumen auch schneller Karies. Allerdings muss man den Umgang mit Zahnseide gemeinsam mit den Eltern trainieren. Das ist Aufgabe des Zahnarztes bei den Besuchen in den ersten Lebensjahren.
familie.de: Was halten Sie von elektrischen Zahnbürsten für Kinder?
Prof. Dr. Hirsch: Grundsätzlich soll ein Kind lernen, mit einer Handzahnbürste zu putzen, weil elektrische Zahnbürsten nicht immer zur Verfügung stehen. Erst wenn das Kind das richtig beherrscht – das ist meist erst im Schulalter der Fall – dann kann es selbständig eine elektrische Zahnbürste verwenden. Und zwar die, die auch die anderen Familienangehörigen benutzen. Dafür gibt es bei elektrischen Zahnbürsten verschiedenfarbig markierte Aufsätze. Da heißt es dann zum Beispiel Rot für Mama, Blau für Papa und Grün und Gelb für die Kinder. Bei kleineren Kindern empfiehlt sich die elektrische Zahnbürste nur zum Nachputzen durch die Eltern. Der Reinigungseffekt ist mit der elektrischen Zahnbürste tatsächlich besser als mit Handzahnbürste.
familie.de: Welche Zahnpasta empfehlen Sie für Kinder?

Prof. Dr. Hirsch:
Wir empfehlen unbedingt Zahnpasten, die Fluorid enthalten, und zwar in einer bestimmten Abstufung für Vorschulkinder, Kinder im frühen Schulalter und Jugendliche, so wie es auf den Tuben steht. Die Konzentration des Fluoridanteils nimmt mit dem Alter zu. Auf jeden Fall sollten keine Zahnpasten verwendet werden, die stark mit Frucht- oder irgendwelchen anderen Geschmacksnuancen aromatisiert sind. Zum einen, weil die Kinder dadurch zum Verschlucken verleitet werden. Zum anderen ist eine Zahnpasta ein Reinigungsmittel, das nicht noch künstlichen Geschmack im Übermaße in sich tragen sollte. Insgesamt raten wir von sehr schillernden, sehr bunten, sehr intensiv nach Frucht oder Aromen schmeckenden Zahnpasten ab. Eine Zahnpasta soll nach Zahnpasta schmecken, vielleicht etwas nach Pfefferminz für ein angenehmes Frischegefühl. Das ist natürlich auch abhängig vom persönlichen Geschmack. Aber da gibt es ja ein irrsinnig breites Angebot.
familie.de: „Das sind doch nur die Milchzähne. Wenn da was ist, wachsen ja wieder welche nach.“ Gibt es noch Eltern, die so denken?

Prof. Dr. Hirsch:
Wenn Eltern mit Kindern, die schlechte Zähne haben, zum Zahnarzt kommen, dann nehmen sie bereits sehr deutlich wahr, dass es den Kindern nicht gut geht. Und natürlich entstehen daraus auch Beeinträchtigungen für die ganze Familie. Das Kind schläft nachts nicht, Zahnarztbesuche finden zur Notfallbehandlung statt, z.B. am Wochenende. Das läuft ja nie problemlos ab. Das geht auch meistens mit Beschwerden einher, von Anfang an keine gute Basis für eine gesunde Gebissentwicklung. Denn der Zahnwechsel verläuft nur dann regulär, wenn die Milchzähne gesund sind und ganz normal durch die Nachfolger abgelöst werden. Sobald es zu Entzündungen kommt, ist das immer mit Schmerzen und Notfallbehandlungen verbunden. Dadurch dass Kinder zwanzig Milchzähne haben, gibt es während des Zahnwechsels viele Situationen, bei denen es zu Problemen kommen kann. Und das spüren und sehen Eltern natürlich schon.
familie.de: Schlechte Milchzähne sind gleich schlechte bleibende Zähne?
Prof. Dr. Hirsch: Milchzähne und bleibende Zähne sind ja über mindestens fünf bis sechs Jahre in der gleichen Mundhöhle. Nämlich ab dem Zeitpunkt, wenn der erste bleibende Zahn durchbricht, das ist mit sechs Jahren, und wenn der letzte Milchzahn ausfällt, das ist mit zwölf. Wenn die Milchzähne alle kaputt sind, bekommen natürlich auch die bleibenden Zähne schneller Schäden, weil sie in einer Mundhöhle stecken, die stark mit Bakterien belastet ist und nicht gut geputzt wird. Wir wissen aus Studien, dass das Risiko für Karies an den bleibenden Zähnen viermal höher ist, wenn die Milchzähne kaputt sind. Das heißt, vor Durchbruch der bleibenden Zähne sollten die Milchzähne auf jeden Fall saniert und die Mundhöhle aufgeräumt sein. Das bedeutet, alle nichterhaltungswürdigen Milchzähne müssen entfernt werden und alle, die man sanieren kann, müssen mit einer Füllung versehen werden.
(Interview: Tanja Thurner)

Bildquelle: Thinkstock,Daniela Jackelen,privat

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