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Samenspender finden: Auf der Suche nach dem Richtigen

Künstliche Befruchtung

Samenspender finden: Auf der Suche nach dem Richtigen

Es kann viele Gründe geben, dass ein Paar mit Kinderwunsch einen Samenspender sucht. Doch wie findet man eigentlich den passenden Spender und welche Möglichkeiten habt ihr dafür?

Eine Samenspende kann euch in vielen Fällen helfen, den Wunsch nach einem leiblichen Kind zu erfüllen: Paaren, bei denen der Mann zeugungsunfähig ist, lesbischen Frauen, die sich ein leibliches Kind wünschen, oder Single-Frauen, die bei der Familienplanung nicht auf Mr. Right warten möchten, sondern lieber allein ein Kind bekommen wollen. Bevor ihr euch für eine Samenspende entscheidet, solltet ihr einiges zur rechtlichen Situation wissen und euch über die verschiedensten Möglichkeiten der Suche informieren.

Samenbank, Freunde, Fremde: Wer ist der passende Spender?

Während sie ursprünglich heterosexuellen Paaren halfen, bei denen es mit dem Kinderwunsch nicht klappte, gibt es inzwischen immer mehr Praxen mit Samenbanken, die auch für lesbische Paare und für Single-Frauen da sind und ihnen durch Samenspende zum Kind verhelfen. Die meisten heterosexuellen Paare kommen erst auf die Idee, einen Samenspender zu suchen, wenn es auf natürlichem Wege nicht klappt.

Oder es stellt sich bei der Kinderwunschbehandlung heraus, dass das Sperma des Partners nicht für eine künstliche Befruchtung in Frage kommt bzw. die Spermienanzahl und -qualität nicht ausreichen. Doch eine Samenspende kann auch eine Möglichkeit sein, nach einer Vasektomie doch nochmal Vater mit der Partnerin zu werden. Oft ist der Gedanke erst einmal fremd. Das Sperma eines anderen Mannes, seine Erbanlagen – an diese Vorstellung muss man sich erst einmal gewöhnen.

Dann sollte man sich überlegen, ob man auf eine anonyme Samenspende aus einer Samenbank setzt oder den Samenspender lieber selbst sucht, beispielsweise im Freundes- oder Bekanntenkreis. Beides kann seine Vor- und Nachteile haben. Wichtig ist, dass ihr euch über die rechtlichen Hintergründe im Klaren seid, um einen Samenspender zu finden.

Diese rechtlichen Regelungen gelten für eine Samenspende in Deutschland

Seit 1. Juli 2018 gibt es ein neues Gesetz, dass die rechtliche Situation für eine Samenspende regelt. Vater des Kindes wäre derjenige, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist, der die Vaterschaft anerkennt oder dessen Vaterschaft anhand eines Gerichtsurteils festgestellt wurde. Wenn eine Empfängerin keinen Partner hat, dann käme der Samenspender dafür in Frage. In diesem Fall können gegen den Samenspender Unterhaltsansprüche gelten gemacht werden.

Weder die Mutter, noch der Arzt oder die Samenbank kann diese vertraglich ausschließen. Der Partner der Samenempfängerin geht zugleich jedoch ebenfalls einen Vertrag ein. Mit der Zustimmung zur Samenspende unterzeichnet er die Verpflichtung zum Kindesunterhalt. In dem Falle wäre der Samenspender vom Unterhaltsanspruch befreit. Bei lesbischen Paaren wäre der biologische Vater ebenfalls der Samenspender gegen den prinzipiell Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden könnten.

Recht auf Anonymität vs. Recht auf Herkunft des Spenderkindes

Ärzte bzw. Kliniken garantieren den Spendern häufig Anonymität. Die künftigen Eltern erfahren bei der Auswahl nicht, um welchen Spender es sich handelt und er bleibt zum Zeitpunkt der Samenwahl anonym. Das Spenderkind hat jedoch das Recht auf Kenntnis seiner biologischen Abstammung. Dies ist seit 2018 geregelt. Daher wird für Samenspenden ab 1. Juli 2018 ein Spenderregister eingerichtet, aus dem das Kind diese Auskunft erhalten kann, wer der Samenspender war. Doch das Gesetz schließt auch die gerichtliche Feststellung der Vaterschaft aus, um die Samenspender zu schützen und die etwaigen Ansprüche, die Jahre später daraus geltend gemacht werden könnten.

Samenspender aus der Samenbank finden

Für die donogene Insemination, wie die Befruchtung mit Spermien von einem Samenspender genannt wird, liefern Samenbanken das „Material“. Diese Samenbanken sind nicht nur auf die Lagerung spezialisiert, sie überprüfen auch die Spermienqualität und erstellen ein ausführliches Spermiogramm. Spenden darf nur derjenige, dessen Spermienqualität und -quantität auch geeignet ist für eine spätere künstliche Befruchtung. Wie detailliert die Gesundheit des Erbmaterials untersucht wird, unterscheidet sich von Bank zu Bank.

Die Ansprüche der Samenbanken an ihre Spender sind jedoch hoch, körperliche und psychische Gesundheit werden ebenso geprüft wie das Alter, bei dem es im Interesse der Spermiengesundheit eine Obergrenze von 38 Jahren gibt. Übrigens werden Samenspenden in Deutschland zunächst sechs Monate eingefroren, bevor sie verwendet werden, um mögliche Gesundheitsschäden des Spenders, die nicht gleich klar waren, ausschließen zu können. So wird beispielsweise nach sechs Monaten ein erneuter HIV-Test durchgeführt.

Der umgekehrte Fall: Eine Eizellenspende ist in Deutschland verboten. Es gibt jedoch weltweit die Möglichkeit nach einer Spenderin zu suchen. Wie funktioniert‘s und was sollte man darüber wissen?

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Samenspender finden: Die Auswahl

Es hängt von den einzelnen Samenbanken ab, wie detailliert der Auswahlprozess ablaufen kann. Oft ist es möglich, anhand von Größe, Abstammung, Blutgruppe, Haar- und Augenfarbe, Gewicht und Körpergröße, Beruf und Hobbys einen gewissen Einfluss auf das geplante Wunschkind zu nehmen.

Ein Foto des Samenspenders anzuschauen ist bei deutschen Samenbanken nicht möglich. Allerdings bieten einige ausländische Anbieter, beispielsweise in den USA, Matching-Verfahren an, bei denen die Gesichtszüge des Samenspenders mit denen des zeugungsunfähigen Mannes oder der biologischen Mutter abgeglichen werden, damit sich mit größerer Wahrscheinlichkeit eine gewisse Ähnlichkeit ergibt.

Manche wenden sich auch an ausländische Samenbanken, weil einige das Sperma direkt nach Hause schicken, sodass eine Selbstinsemination möglich ist – dazu später mehr. Die meisten Samenbanken verschicken ihr kostbares Gut nur an Arztpraxen und Kliniken, wo dann die Insemination vorgenommen wird.

Kosten: Wer bezahlt die donogene Insemination?

Die Krankenkassen bezahlen weder Spendersamen noch die Befruchtung, also die Insemination. Sollte mehr als ein Anlauf nötig sein, kommen schnell mehrere tausend Euro zusammen. Sind womöglich noch Auslandsreisen und Hotelaufenthalte notwendig, wird es entsprechend noch teurer. Die Kosten sind sicher auch ein Grund dafür, warum manche sich für einen privaten Spender sowie für die Selbstinsemination entscheiden.

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DIY: Samenspender selbst finden

Manche mögen den Gedanken an eine Insemination in der Arztpraxis nicht, andere hätten lieber einen Samenspender, den sie kennen und mit dem man gewisse Regelungen trifft. Die Kosten können natürlich auch eine Rolle spielen. Wer sich selbst einen Spender sucht, der muss sich größtenteils auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen und Vertrauen aufbringen – und möglicherweise ein Gesundheitszeugnis verlangen: Da die Samenbank den Spender nicht checkt, muss man es sozusagen selbst tun, um mögliche Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind auszuschließen und günstige Erbanlagen zu bekommen. Dies ist ohnehin nicht einfach, aber wer sich beispielsweise per Inserat einen fremden Samenspender selbst sucht, weiß oft nicht, wie es um die Gesundheit des Spenders und die Qualität seiner Spermien steht – das kann also riskant sein.

Ihr solltet am besten um ein Spermiogramm bitten und vielleicht Auskunft über genetische Vorerkrankungen bitten. Letztlich basiert es auf viel Vertrauen zwischen Spender und Empfängerin. Der Spender sollte sich auch im Klaren über die oben genannte rechtliche Situation sein und die etwaigen Ansprüche an ihn. Darüber solltet ihr euch gründlich austauschen, damit die beiderseitigen Erwartungen klar sind und es später keine Probleme gibt. Auf queeren Foren oder Facebook finden nicht selten Samenspender und lesbische Paare zusammen. Aber auch Single-Frauen, die an einer Co-Elternschaft interessiert sind, können dort nach einem Partner suchen.

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Heiminsemination oder Geschlechtsverkehr?

Wenn der Kontakt zu einem Spender hergestellt ist, habt ihr die Wahl: Entweder könnt ihr euch eine Samenspende geben lassen (so frisch wie möglich) und eine Heiminsemination durchführen. Entsprechende Inseminationskits kannst du auch online kaufen. Oder aber ihr zeugt das Wunschkind auf natürlichem Wege, indem ihr Sex mit dem Spender habt – wenn die Umstände dafür passen und alle Beteiligten sich einig sind. Das ist eine sehr persönliche und intime Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss.

Wenn es mit dem ersten Zyklus nicht klappt, kann es jedoch vorkommen, dass mehrere Treffen nötig sind. Wenn ihr es ohne ärztliche Unterstützung probiert, müsst ihr selbst die fruchtbaren Tage bestimmen, damit die Chancen besonders gut stehen, dass ihr auch schwanger werdet. Hier helfen Fruchtbarkeitstracker und Zykluscomputer, den möglichst besten Zeitpunkt zur Befruchtung herauszufinden.

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Was ihr ebenfalls vorab bedenken und offen besprechen solltet: Wenn der Samenspender beispielsweise aus dem Freundeskreis stammt, wird er dem Kind später begegnen. Wie wollt ihr damit umgehen? Und ist geklärt, ob es Kontakt zum Kind geben darf? Jemand, der euch gut kennt, hat möglicherweise andere Erwartungen als ein anonymer Samenspender. Vielleicht von vornherein, vielleicht auch erst später. Gut, wenn man rechtzeitig darüber redet.

Bildquelle: Getty Images/Julia Simina, Olga Zarytska

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