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„Wehr dich“: Cheyenne und Natascha Ochsenknechts Kampfansage gegen Mobbing

Interview

„Wehr dich“: Cheyenne und Natascha Ochsenknechts Kampfansage gegen Mobbing

Ein Leben in der Öffentlichkeit ist nicht leicht und oftmals Fluch und Segen zugleich. Cheyenne Ochsenknecht kann davon ein Lied singen. Sie wurde nicht nur in ihrer Schulzeit gemobbt, mittlerweile erhält sie auf ihrem Instagram-Kanal die übelsten Beleidigungen bis hin zu Gewaltphantasien und Morddrohungen. In ihrem jetzt erschienen Buch "Wehr dich" sagt sie gemeinsam mit ihrer Mutter Natascha allen Hatern den Kampf an und möchte Betroffenen von (Cyber)Mobbing helfen.

Mobbing ist kein Einzelphänomen

Das Buch des Mutter-Tochter-Duos ist keine leichte Kost für Eltern von Teenagern. Die beiden beschreiben recht detailliert und anschaulich, wie die Tochter von Schauspieler Uwe Ochsenknecht schon seit ihrer Kindheit unter Mobbing leiden musste. Auch mehrere Schulwechsel konnten daran nichts ändern.

Cheyenne war schon immer ein besonderes Kind mit eigenem Style und passte scheinbar für viele nicht ins Bild. Der berühmte Nachname und der Erfolg ihres Vaters und ihrer Brüder machten es ihr zudem nicht leicht, Freunde zu finden, sondern legten ihr eher Hürden in den Weg. Doch ist sie da ein Einzelfall? Nein. Laut einer Studie von 2017 waren bereits 16 % der Schüler von Mobbing betroffen. Es ist also nicht nur ein berühmter Name, der dafür Anlass gibt, gehasst zu werden.

Wehr dich!: Wie Mutter und Tochter gegen den Hass im Netz kämpfen

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"Lasst euch nicht einschüchtern!"

Die Ochsenknechts wollen mit ihrem Buch "Wehr Dich!" jedoch nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählen, um Mitleid zu erwecken. Ihre Botschaft ist klar und heißt: Lasst euch das nicht gefallen! Sie werfen die Frage auf, warum Kinder andere Kinder mobben und berichten anhand ihres persönliches Weges, was man tun kann, um sich dem entgegen zu stellen. Es geht einerseits um das Mobbing zwischen Schulkindern, bei dem Lehrkräfte oft nur hilflos zusehen und die heutige moderne Form des Cybermobbings, das sich ins Internet verlagert hat.

Wehrt euch. Lasst es euch nicht gefallen. Wenn dir jemand sagt, du bist hässlich, bist nicht du hässlich, sondern die Person, die so etwas schreibt. Lasst euch nicht einschüchtern und gönnt den Hatern nicht das Gefühl, dass sie es geschafft haben, euch runterzuziehen und einzuschränken.

Cheyenne schreibt aus ihrer Perspektive, wie es sich für sie bis heute anfühlt, dem Hass anderer ausgesetzt zu sein. Natascha berichtet als Mutter, wie sie es dank ihrer Courage und ihrem engen Vertrauensverhältnis geschafft hat, dass Cheyenne daran nicht zerbrochen ist wie manch andere Teenager.

Aufmerksamkeit erregten Mutter und Tochter, als sie im Februar 2020 öffentlich machten, dass sie gegen Cheyennes anonyme Internet-Hater vor Gericht ziehen und diese anzeigten. Um anderen Betroffenen und Eltern von Teenagern zu helfen, haben sie ihre Buch geschrieben.

Ich habe ja gesehen, wie Cheyenne gelitten hat und musste auch lernen, wie man damit umgeht. Auch viele Eltern sind komplett ratlos – denen möchten wir Hilfestellung geben.

Natascha Ochsenknecht

Die beiden waren so nett, uns zur Buchveröffentlichung ein paar Fragen zu beantworten und geben uns einen Einblick, wie sie angefangen haben, sich zu wehren und warum das Thema Mobbing noch lange nicht weit genug von der Öffentlichkeit als Problem wahrgenommen wird.

„Wer so aussieht wie du, sollte auf offener Straße vergewaltigt werden“. Das ist nur einer der furchtbaren Sätze, die man dir schickt. Du hast dich Anfang des Jahres entschieden, dich gegen solche üblen Beleidigungen auf deinem Instagram-Kanal zur Wehr zu setzen. Welche Möglichkeiten hat man denn als Betroffene oder Betroffener, anonyme Profile im Internet als Täter anzuzeigen und was passiert dann seitens der Behörde, wenn man Anzeige erstattet hat?

Cheyenne: Es gibt unterschiedliche Portale, wo man sich melden kann, wie z.B. stärker-als-gewalt.de, Hate Aid oder eben die Polizei. Nur auch da passiert oft leider nicht so viel hinterher. Aber es wird besser je mehr Leute darüber sprechen.

Was war der Auslöser dafür, dass du den Mut gefasst hast, Anzeige wegen Cybermobbing zu erstatten. Wie hat es sich angefühlt, von der Polizei diesbezüglich ernst genommen zu werden?

Cheyenne: "Ich hatte einfach genug – ich dachte mir, so geht es nicht weiter, ich muss etwas tun, sonst gewinnen die Hater. Ich habe mich befreit und stark gefühlt. Zum ersten Mal seit langem."

Wehr dich_RGB

Inwieweit empfindet ihr die aktuellen juristischen Möglichkeiten gegen Onlinemobbing vorzugehen ausreichend bzw. tun die Social-Media-Plattformen eurer Meinung nach selbst genug gegen Cybermobbing?

Natascha: "Da muss viel mehr passieren. Die lassen einen leider fast komplett alleine. Selbst wenn ein Konto gesperrt wird, eröffnen sie halt direkt ein Neues."

Du bist sicherlich nicht die einzige prominente Person, die mit solchen Hass-Kommentaren beleidigt wird. Auch Lena Meyer-Landruth oder Cathy Hummels haben sich schon öffentlich zum Thema Cybermobbing geäußert. Doch die meisten Influencer*innen schweigen eher. Woran liegt das?

Cheyenne: "Ich glaube, viele schämen sich und verdrängen das. Es ist ja auch einfach, die Kommentare zu löschen und nicht mehr dran zu denken. Vielleicht gibt es Menschen, die das können. Mir fällt das sehr schwer. Ich hatte zum Glück auch meine Mutter, die mich bestärkt hat, es öffentlich zu machen."

Mobbing kann man gut verstecken. Es ist keine Wunde, die blutet und traditionell behandelt werden kann.

Cheyenne

Du beschreibst in "Wehr dich", wie du schon seit deiner Schulzeit auf fast jeder Schule, die du besucht hast, mit verschiedensten Arten von Mobbing zu tun hattest. Was glaubst du, warum ist es für den Einzelnen bzw. die Einzelne so schwer, sich in der Schule gegen Mobbing zu wehren und warum sind viele Lehrer mit diesem Thema einfach so überfordert?

Cheyenne: "Die Lehrer sind überfordert, weil es so häufig passiert. Die wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, Denen fehlt der Überblick und sie sind nicht geschult. Und Mobbing kann man gut verstecken. Es ist keine Wunde, die blutet und traditionell behandelt werden kann."

Du hast vor einigen Tagen öffentlich gemacht, dass du selbst im nächsten Jahr Mutter wirst (Herzlichen Glückwunsch!). Wenn deinem Kind in der Zukunft on- und offline Ähnliches passieren würde wie dir, wie würdest du reagieren und was würdest du dir wünschen, was sich zukünftig diesbezüglich verändern sollte?

Cheyenne: "Es muss in jeder Schule eine Anlaufstelle für Mobbingopfer geben, der man vertrauen kann. Viele wissen ja gar nicht, an wen sie sich wenden sollen. Neulich habe ich in Berlin überall an Bushaltestellen Plakate von krisenchat.de gesehen. Das fand ich toll, weil ich dachte, da sehen Betroffene ganz deutlich, wo sie Hilfe finden können."

Wie fühlt es sich für eine Mutter an, wenn die eigene Tochter bereits seit ihrer Schulzeit auf viele Weisen mit Mobbing zu kämpfen hat und jetzt auch auf Social Media derart üble Kommentare und Nachrichten bekommt?

Natascha: "Das ist eine ganz schlimme Erfahrung für eine Mutter, wenn das Kind immer und immer wieder angegriffen wird und leidet. Man fühlt sich komplett hilflos."

Cheyenne und du scheinen ein ganz besonders enges Mutter-Tochter-Verhältnis zu haben. Du beschreibst im Buch, wie du aktiv geworden bist und den Jungen, der deine Tochter in der Schule gemobbt hat, selbst zur Rede gestellt hast. Das würden bestimmt nicht alle Eltern tun. Was ist dein Rat an alle Eltern, die mitbekommen, dass es ihrem Kind nicht gut geht und eventuell Mobbing daran schuld ist?

Natascha: "Die Eltern müssen genau zuhören und auf mögliche Signale achten. Kinder verschließen sich und haben auf einmal Bauchweh, wenn sie in die Schule sollen. Dann ganz behutsam das Gespräch suchen und ernst nehmen.

Und dann im Ernstfall einschreiten. Das sind ja ganz arme Würstchen, die da ihre Wut rauslassen. Mit den Lehrern reden, mit dem Rektor reden und notfalls auch eine Anzeige machen."

Du schreibst, dass du „von Lösungsansätzen, Mobbing zu begegnen, in keiner Schule, auf der Cheyenne war, etwas mitbekommen“ hast. Was würdest du dir dahingehend von Lehrern und dem Schulsystem wünschen?

Natascha: "Mit Cheyenne ist es ja etwas her. Da hat sich schon etwas getan. Man braucht eine Vertrauensperson, die sich kümmert. Eine Art Streetworker, der eine Gesprächsgruppe macht oder so.

In der Offline-Welt kann man als Elternteil zum Schuldirektor gehen bzw. den Mobber, wenn er bekannt ist, direkt ansprechen und zur Rede stellen. Die Anonymität des Internets und die Möglichkeit zu Zweit- und Drittaccounts macht es den Mobbern so leicht, sich immer wieder zu beleidigend äußern zu können. Oftmals ahnen sie gar nicht, was solche Nachrichten beim Empfänger an Traumata auslösen. Welche Strategien empfiehlst du all denjenigen, die solche Hass-Nachrichten auf Instagram bekommen?

Erstmal hilft es zu ignorieren, blockieren, löschen. Wenn das nicht fruchtet, melden, mit Vertrauenspersonen reden, online melden und eine Anzeige erstatten, wenn es wirklich zu weit geht."

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Viele sind ja der Meinung, wer sein Leben auf Instagram zur Schau stellt, der muss mit Kommentaren leben. Sicherlich ist es richtig, dass man mit all dem nicht zu kämpfen hat, wenn man sich den sozialen Medien entzieht. Doch gibt das anderen Personen das Recht, sich derart aggressiv zu verhalten? Vielen ist eben doch noch nicht bekannt, dass auch Online-Beleidigungen und gewaltbereite Drohungen eine Straftat darstellen. Daher ist es wirklich Zeit, dass darüber mehr und mehr gesprochen und informiert wird und sich niemand, der andere beleidigt hinter einem anonymen Profil verstecken kann.

Mobbing gibt es wirklich schon immer, jeder hat da persönlich aus der eigenen Schulzeit die eine oder andere Erfahrung. Nur dank engagierter Lehrer kann einem Schüler da wirklich geholfen werden und wir Eltern sind eben mit in der Verantwortung, dies aufzuklären und hellhörig zu werden, wenn es unserem Kind nicht gut geht.

Wichtig finde ich auch, dass Eltern sich unbedingt mit den sozialen Medien auseinander setzen und sich informieren, wie sie da die Privatsphäre ihres Kindes schützen können. Im Buch geben die zwei auch dazu einige Tipps und stellen Organisationen vor, die einem da Hilfe bieten. Denn keiner muss und sollte sich das bieten lassen, was Cheyenne Savannah sich da fast täglich durchlesen muss.

Bildquelle: Oliver Wand, Komplett-Media GmbH

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