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Hör auf dein Herz

Herzrasen in der Schwangerschaft: harmlos oder gefährlich?

© Getty Images/ NataliaDeriabina
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Viele schwangere Frauen kennen das Gefühl: Das Herz schlägt bis zum Hals und der Puls rast – und das, obwohl sie gerade ganz in Ruhe auf dem Sofa sitzen. Das kann ganz schön beklemmend und beunruhigend sein. Woher das Herzrasen in der Schwangerschaft kommen kann, wie du dich dann am besten verhältst und wann du lieber zum Arzt gehen solltest.

Was ist Herzrasen in der Schwangerschaft?

Normalerweise pumpt das Herz in Ruhe etwa 60 bis 90 Mal pro Minute. "Schlägt das Herz ohne körperliche Anstrengung zu schnell, nennt man dies Herzrasen oder Tachykardie. Dabei können Herzfrequenzen von 140 bis 180 oder sogar darüber auftreten", wie die Deutsche Herzstiftung informiert. Schwangerschaften werden oft durch Herzrasen, starkes Herzklopfen oder auch mal leichtes Herzstolpern begleitet. Besonders im Liegen bzw. nachts kann es vorkommen, dass dein Herz buchstäblich bis in den Hals schlägt und dir leicht schwindlig wird. Auch begleitende Kurzatmigkeit ist nicht selten.

Warum kann Herzrasen in der Schwangerschaft auftreten?

Der Grund liegt darin, dass dein Herz durch das Wachstum des Babys immer mehr Blut transportieren muss: Zum Ende der Schwangerschaft sind es 40-50 Prozent mehr Blut als bei Nicht-Schwangeren. Das Blutvolumen steigt also, gleichzeitig bleibt die Menge der roten Blutkörperchen, die dafür verantwortlich sind, Sauerstoff zu den Organen zu transportieren, aber konstant. Das heißt vereinfacht gesagt, das Herz hat "mehr zu tun", aber die "Arbeiter" bleiben gleich viele. Um dies auszugleichen, schlägt dein Herz schneller und härter. Auch das Atemvolumen steigt, damit du mehr Sauerstoff aufnehmen kannst.

Dies alles ist sehr anstrengend für den Körper, weswegen es sein kann, dass du dich manchmal müde und erschöpft fühlst und eben Herzrasen oder starkes Herzklopfen empfindest – vor allem nachts, wenn du zur Ruhe kommst und deutlicher "auf dein Herz hören" kannst. Übrigens: Vor allem Schwangere mit niedrigem Blutdruck nehmen das verstärkte Herzklopfen oft verstärkt wahr.

Ist Herzrasen in der Schwangerschaft gefährlich?

Bei gesunden Frauen ohne Vorerkrankungen ist Herzrasen meistens eine harmlose Begleiterscheinung der Schwangerschaft und weder für die Mama noch für das Baby gefährlich. Es gibt allerdings einige Situationen und Erkrankungen, für die bzw. bei denen Herzrasen ein warnendes Symptom sein kann. Dies sind:

  • Bluthochdruck: Die schnellere Herzfrequenz und das kräftigere Pumpen des Herzens während der Schwangerschaft können zu einem erhöhten Blutdruck führen. Dieser wiederum gefährdet die Gefäße und kann auch ein Anzeichen für eine Präeklampsie oder HELLP-Syndrom sein.
  • Fieber: Hohes Fieber in der Schwangerschaft, z. B. durch eine Erkältung, kann u. U. sehr belastend für deinen Körper sein. Das Herz schlägt mit jedem Grad mehr Körpertemperatur um bis zu 15 Schläge pro Minute schneller.
  • Nach einer Erkrankung: Wenn du zum Beispiel Grippe oder starken Durchfall hattest und danach Herzrasen verspürst, ist dies möglicherweise ein Anzeichen für eine beginnende Herzmuskelentzündung.
  • Vorbestehende Herzerkrankung: Wenn dein Herz durch eine bereits vor der Schwangerschaft bestehende Erkrankung ohnehin schon geschwächt ist, können sich die Symptome nun noch verstärken. Manchmal werden die Mediziner*innen auch erst während der Schwangerschaft auf eine Herzschwäche aufmerksam.
  • Schilddrüsenerkrankung: Herzrhythmusstörungen können Symptome einer Schilddrüsenerkrankung sein.
  • Long Covid: Herzrasen ist eines der Symptome, die nach einer Corona-Infektion auftreten können.
  • Zu viel Stress: Wenn dein Herzschlag schneller wird, wird auch der Herzschlag deines Babys schneller. Eigentlich ist das für euch beide erstmal unbedenklich, dennoch kann zu viel und dauerhafter Stress in der Schwangerschaft gefährlich für dein Baby werden.
  • Vena-cava-Syndrom: Wenn du im Liegen Herzrasen bekommst, solltest du deine Position verändern. Vor allem auf dem Rücken oder auf der rechten Seite liegend, kann es sein, dass durch die vergrößerte Gebärmutter zu viel Gewicht auf der Vena cava, der großen Hohlvene, lastet. Das Herz muss dann schneller schlagen, um noch genug Blut zu befördern. Verändere in diesem Fall deine Position, leg dich am besten auf die linke Seite. Dann dürfte das starke Herzklopfen nachlassen.
  • Peripartale Kardiomyopathie (PPCM): Von dieser schweren, schwangerschaftsbedingten Herzerkrankung sind in Deutschland jährlich 1.500 bis 2.000 Frauen betroffen. Sie tritt ohne Vorwarnung im letzten Monat der Schwangerschaft oder nach der Geburt auf. Leider wird die Krankheit oft nicht erkannt, da die Symptome (Herzrasen, Müdigkeit, Atemnot, Husten, Gewichtszunahme, Wasser in den Beinen) mit "normalen" Schwangerschaftsbeschwerden verwechselt werden können. Die Ursache der PPCM ist noch nicht gänzlich erforscht. Allerdings weist vieles darauf hin, dass das Stillhormon Prolaktin fehlerhaft gespalten wird. Dadurch reduziert sich die Dichte der Blutgefäße im Herzen und es wird schlechter durchblutet. Schlimmstenfalls kann es dazu kommen, dass die Herzmuskelzellen absterben, was zu einer schweren Herzschwäche oder sogar zum Tod der Mama führen kann. Zum Glück kann die PPCM behandelt werden: durch Herzmedikamente sowie Bromocriptin, den Wirkstoff, der in Abstilltabletten verwendet wird. Hierdurch wird das Prolaktin blockiert und das Herz kann sich wieder erholen. Rund die Hälfte der erkrankten Frauen werden nach der Therapie wieder ganz gesund.

Wenn du den Verdacht hast, unter einer der genannten Erkrankungen zu leiden, suche unbedingt schnellstmöglich eine*n Ärzt*in auf.

Herzrasen in der Frühschwangerschaft

Viele Frauen klagen erst ab dem Beginn des 3. Trimesters über Herzrasen. Es kann aber auch schon ganz früh in der Schwangerschaft auftreten. Bereits ab der 6. SSW steigt das Blutvolumen an. Manche Frauen fühlen dann einen stärkeren Herzschlag. Starkes Herzklopfen kann also ein frühes Schwangerschaftsanzeichen sein.

Daniela Hamburger

Doppelherz

Ich konnte meinen stärkeren Herzschlag schon zu einem sehr frühen Schwangerschaftszeitpunkt fühlen. Beunruhigend fand ich das allerdings nie, für mich fühlte sich das "Doppelherz", das nun für zwei schlägt, sogar ziemlich schön an.

Herzrasen in der Schwangerschaft: Was tun?

  • Ruhe bewahren, hinsetzen oder legen und ganz tief durchatmen: Denn wie gesagt – Herzrasen und Herzklopfen in der Schwangerschaft sind in den allermeisten Fällen völlig normal, harmlos und kein Grund zur Sorge.
  • Hab keine Angst! Wenn du dir sagst, dass dein Herz so fest schlägt, um dein Baby zu versorgen und dies wichtig für dein Kleines ist, beruhigt dich das bestimmt. Und Angst ist auch wirklich schädlich. Denn unser Körper hat es so eingerichtet, dass er bei Angst das verfügbare Blut in die Beine pumpt, um uns die Flucht zu ermöglichen. Dies führt aber leider dazu, dass die "weniger wichtigen" Organe – darunter auch die Geschlechtsorgane mit Gebärmutter und Plazenta – weniger durchblutet werden. Das heißt, bei Angst kommt nicht so viel sauerstoffreiches Blut bei deinem Baby an.
  • Trinke schnell ein kaltes, kohlensäurehaltiges Getränk, zum Beispiel Mineralwasser. Laut dem Berufsverband der Internistinnen und Internisten soll dies einen übermäßig erhöhten Herzschlag in manchen Fällen stoppen können.
  • Mache Atem- und Entspannungsübungen, z. B. autogenes Training oder Yoga, um dich zu beruhigen.
  • Valsalva-Manöver: Halte dir Mund und Nase zu und atme kräftig aus (so wie wenn du im Flugzeug beim Landen den Druck im Ohr ausgleichst). Danach kannst du dich hinlegen und die Beine für eine Weile im 45 Grad-Winkel anheben. So ist es möglich, dass sich die Schlagzahl deines Herzens wieder normalisiert.
  • Magnesiumpräparat einnehmen: Magnesium entspannt die Muskeln – dies kann auch auf den Herzmuskel zutreffen. Bitte mit deiner*m Ärzt*in absprechen.
  • Bryophyllum einnehmen: Viele Schwangere machen gute Erfahrungen mit diesem pflanzlichen Mittel. Besprich die Einnahme am besten mit deiner Hebamme und/oder der*m Apotheker*in.

Herzrasen in der Schwangerschaft: Wann zum Arzt?

Wie gesagt: In den meisten Fällen gehört Herzrasen zu den harmlosen Schwangerschaftsbeschwerden. Wenn allerdings eines oder mehrere der folgenden Symptome zum Herzrasen hinzukommen, solltest du mit deiner*m Ärzt*in sprechen bzw. sogar den Notruf wählen, wenn es dir sehr schlecht geht:

  • Hoher Blutdruck
  • Sehstörungen
  • Ohnmacht
  • Atemnot
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel in der zweiten Schwangerschaftshälfte
  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen auf der rechten Seite
  • Schmerzen in der Brust
  • Übelkeit

Herzrasen während der Geburt

Gesunde Frauen haben normalerweise trotz der großen Anstrengungen während der Geburt keine Probleme mit dem Herz. Dass der Puls steigt, wenn dein Baby kommt, ist ganz normal. Im Verlauf der Geburt wird der Herzschlag schneller, während der Austreibungsphase kann es auch mal zu Herzrasen kommen und danach schlägt das Herz wieder normal. Laut der Deutschen Hebammen Zeitschrift kann länger anhaltendes Herzrasen während der Geburt dennoch ein "Zeichen für Dehydration, eine beginnende Entzündung oder ein unzureichendes Schmerzmanagement sein". Eine gute Hebamme wird deinen Puls während der Geburt also regelmäßig kontrollieren und nach ärztlicher Absprache entsprechend reagieren, wenn dein Herz zu sehr rast.

Herzrasen beim Baby während der Schwangerschaft

Auch bei deinem ungeborenen Kind kann während der Schwangerschaft Herzrasen auftreten. Für das Baby ist das leider manchmal nicht so harmlos: "Herzrasen kann dem Baby im Mutterleib schaden, da der schnelle Herzschlag dazu führt, dass das Blut des Kindes nicht richtig durch den Körper gepumpt wird. Wenn das Herz längere Zeit zu schnell schlägt, kann es zu Wassereinlagerungen um das Herz, die Lunge, im Bauch und der Haut des Kindes kommen. Ohne eine Therapie drohen u.a. eine zu frühe Geburt, eine Schädigung oder sogar der Tod des Kindes", teilt die Kinderherzen Stiftung München mit.

Zum Glück kann man das Herzrasen beim Baby behandeln, indem die Mama Medikamente einnimmt. Nur in sehr seltenen Fällen schlägt diese Medikation nicht an. Für diese Kinder gibt es aber glücklicherweise ein neues Verfahren, welches zum Beispiel das Deutsche Zentrum für Fetalchirurgie und minimal-invasive Therapie vornimmt: "Mittels eines fetoskopisch in der Speiseröhre des Ungeborenen platzierten Elektrokatheters können eine exakte Diagnose der Rhythmusstörung gestellt, das Herzrasen mittels Elektroimpulsen beendet und die medikamentöse Therapie optimiert werden. Insbesondere bei therapieresistentem Vorhofflattern kann dieses Verfahren zwischen der 23. und der 35. Schwangerschaftswoche eingesetzt werden."

Daniela Hamburger

Ruhig Blut

Herzklopfen und Herzrasen in der Schwangerschaft sind meistens wirklich harmlose Begleiterscheinungen der Kugelzeit und durch das erhöhte Blutvolumen zu erklären. Dennoch gibt es auch ein paar ernstzunehmende Erkrankungen, die mit Herzrasen einhergehen. Wenn du also unter Vorerkrankungen leidest, sehr beunruhigt bist oder es dir einfach schlecht geht, geh lieber zum*r Ärzt*in. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig!

Quellen: Kardionet, Deutsche Herzstiftung, AOK, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kardiologie.org, Kinderherzen, Bundesministerium für Bildung und Forschung

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