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Stillen nach Kaiserschnitt: Mit Geduld klappt es genauso wie nach einer "normalen" Geburt

Stillen nach Kaiserschnitt: Mit Geduld klappt es genauso wie nach einer "normalen" Geburt

Keine Sorge!

Auch nach einem Kaiserschnitt könnt ihr euer Baby stillen – genauso, wie nach einer vaginalen Geburt. Allerdings müsst ihr eventuell ein wenig mehr Geduld haben und braucht etwas Hilfe. Wir klären die sieben wichtigsten Fragen zum Stillen nach Kaiserschnitt für euch, zum Beispiel ob der Milcheinschluss nach Kaiserschnitt später kommt.

Darf ich trotz Narkose Stillen nach Kaiserschnitt?

Hautkontakt und das Saugen an der Brust regen die Milchbildung nach der Geburt an. Findet der Kaiserschnitt mit einer regionalen Betäubung, also einer PDA statt, spricht meist nichts dagegen, dass das Baby sofort auf der Brust der Mama liegt und angelegt wird, während die Wunde noch versorgt wird.

Achtung: Noch wird das sogenannte "Sectio-Bonding" nicht an allen Geburtskliniken praktiziert. Manche Ärzte haben Bedenken, dass das Baby im OP auskühlen oder herunterfallen könnte und dass die Arbeit des Anästhesisten erschwert werden könnte. Informiert euch vorab, ob in es in dem Krankenhaus, in dem ihr entbinden wollt, möglich ist. Das Siegel der WHO/UNICEF-Initiative BABYFREUNDLICH gibt darüber ebenso Aufschluss.

Auch nach einer Vollnarkose kann man das Neugeborene theoretisch sofort stillen, sobald man erwacht ist und sich wieder orientieren kann. Ihr müsst keine Angst haben, dass das Narkosemittel über die Milch zum Baby gelangt: Die Konzentration ist zu diesem Zeitpunkt bereits so niedrig, dass sie dem Kind nicht schaden kann.

Warum ist das Stillen nach Kaiserschnitt so wichtig?

Neun Monate lang war euer Baby geschützt, warm und geborgen in eurem Bauch. Und plötzlich ist da so viel Raum, Licht und kälter ist es auch. Deshalb braucht es nach der Geburt ganz viel Hautkontakt und Nähe. Durch das Stillen erhält es außerdem das wertvolle Kolostrum. Diese Vormilch ist ein echter Supershake und enthält Milcheiweiß, Enzyme, Wachstumsfaktoren, Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe.

Das sind Vorteile für die Mutter durchs Stillen nach Kaiserschnitt:

Doch auch der frischgebackenen Mama hilft das Stillen nach Kaiserschnitt: Gerade nach einem Notkaiserschnitt kann die Nähe beim Stillen dabei unterstützen, das gerade Geschehene zu verarbeiten. Denn nicht nur bei einer "normalen" Geburt, sondern auch nach einer "Bauchgeburt" führt das Anlegen dazu, dass bei der Mutter Oxytocin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon sorgt für Glücksgefühle und die Rückbildung und Heilung der Gebärmutter.

Bereitet das Stillen nach Kaiserschnitt der Mutter Schmerzen?

Wird die (frische) Wunde beim Stillen belastet, kann das sehr schmerzhaft sein. Lasst euch deshalb von der Hebamme helfen, eine Stillposition zu finden, die für euch angenehm ist. Zum Beispiel kann es helfen, beim Stillen nach Kaiserschnitt die Beine anzuziehen, da so die Narbe entlastet wird. Ein Kissen schützt sie zusätzlich. Auch seitlich im Liegen zu stillen kann gut und ohne Schmerzen funktionieren.

Lasst euch in den ersten Tagen beim Anlegen unbedingt vom Papa, der Hebamme oder einer Krankenschwester helfen. So könnt ihr unnötige Schmerzen und wunde Brustwarzen durch eine falsche Position oder Schonhaltung vermeiden.

Was, wenn das Stillen nach Kaiserschnitt zunächst nicht möglich ist?

Es gibt leider Situationen nach einem Kaiserschnitt, da können Mutter und Baby die ersten Stunden nach der Geburt nicht gemeinsam verbringen, weil einer oder beide medizinisch versorgt werden müssen. Dauert diese Trennung länger als sechs Stunden, wird empfohlen, die Vormilch aus der Brust auszustreichen und dem Baby zu bringen zu lassen. Müssen sie noch mehr Zeit getrennt voneinander sein, dann kann man abpumpen, um die Milchbildung trotzdem anzuregen und das Kleine mit der wertvollen Muttermilch versorgen zu lassen.

Trinken die Babys beim Stillen nach Kaiserschnitt ganz normal?

In der Regel sind Babys, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, nach der Geburt eher schläfrig. Durch die Erschöpfung kann es auch sein, dass ihr Saugreflex vermindert ist, sie also nicht die Kraft aufbringen, richtig an der Brust zu saugen.

Dann ist Geduld gefragt! Probiert es immer wieder und lasst euch von der Hebamme unterstützen und beraten. Geht es nicht anders, kann auch erst einmal abgepumpt werden und die Milch dem Neugeborenen über eine Flasche oder Pipette verabreicht werden, bis es selbst in der Lage ist, an der Brust zu trinken.

Kommt der Milcheinschuss nach Kaiserschnitt später?

Der Milcheinschuss nach einem Kaiserschnitt kommt oft etwas verzögert in Gang. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das von der veränderten Hormonausschüttung kommt. Achtet darauf, immer wieder und nach Bedarf euer Baby anzulegen, um den Start der Milchbildung bestmöglich zu unterstützen.
Und lasst euch bitte trotzdem nicht verunsichern: Auch Kindern, die durch einen Kaiserschnitt geboren werden, reicht in den ersten Tagen das Kolostrum, auch wenn es noch so wenig erscheint. Ein Zufüttern ist nur in seltenen Fällen nötig: Erst wenn das Baby über 10 % seines Geburtsgewichts verloren hat, sollte man eingreifen. Besteht dann unbedingt auf stillfreundliche Methoden des Zufütterns.
Nein, zumindest ist der Kaiserschnitt so gut wie nie die Hauptursache für Probleme beim Stillen. Zwar kann der Stillstart etwas mehr Geduld und Durchhaltevermögen erfordern als nach "normalen" Geburten. Aber dann stillen Mütter, die per Kaiserschnitt entbunden haben, durchschnittlich genauso lang wie alle anderen Mütter.

Video: Erstuntersuchung beim Baby nach der Geburt

Quellen: 

familienplanung.de
stilllexikon.de

Bildquelle: Petri Oeschger / Getty Images

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