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Trans-Mann bringt ein Baby zur Welt und hat diese Botschaft für alle Frauen

Mehr Akzeptanz

Trans-Mann bringt ein Baby zur Welt und hat diese Botschaft für alle Frauen

Der 37-jährige Trystan Reese ist bereits Vater zweier Adoptivkinder. Nun hat er sich seinen leiblichen Kinderwunsch erfüllt und ein gesundes Baby zur Welt gebracht. Auf seinem Instagram-Kanal beschreibt er, wie viel Skepsis ihm von Seiten anderer Mütter entgegengebracht wurde und setzt sich für ein vielfältigeres Frauen- und Männerbild ein, dessen Grundlage nicht die Fähigkeit Kinder zu gebären sein muss.

Der Wunsch eines leiblichen Kindes

Trystan und sein Partner Biff sind ein ganz normales Elternpaar zweier Adoptivkinder. Obwohl diese Tatsache wahrscheinlich viele bestreiten würden. Der Unterschied zu vielen anderen Paaren ist lediglich, dass Trystan als Frau geboren wurde und vor 17 Jahren anfängt, Hormone zu nehmen, um als Mann zu leben.

Nachdem sie bereits Erfahrung als Adoptiveltern gesammelt haben, überrascht er seinen Partner mit dem Wunsch ein leibliches Kind zu bekommen. Das ist möglich, weil er seine weiblichen Fortpflanzungsorgane behalten hat. Obwohl Biff zuerst nicht begeistert war, sondern sich um seine Gesundheit sorgte, konnte sein Partner ihn nach vielen Recherchen überzeugen.

Trystans Weg zur Schwangerschaft

Trystan setzte zunächst seine Hormonbehandlung aus, damit sein Zyklus wieder in Gang kommen konnte. Das klappte schneller als gedacht und nach 5 Monaten wurde er schwanger von seinem Partner. Beide erwarteten ihr erstes leibliches Kind. Die Schwangerschaft verlief laut Trystan nahezu bilderbuchmäßig und er brachte den kleinen Leo zur Welt.

Trystan wirbt für mehr Akzeptanz für Seepferdchen-Väter

Dass Transgender-Männer schwanger werden und gesunde Babys zur Welt bringen, ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Doch in Schwangerschaftsforen kommen diese Themen sehr wenig vor und Trystan fühlte sich von weiblichen Schwangeren ausgegrenzt. Dabei kann er die Skepsis der Frauen gegenüber einem Trans-Mann, der sich (fast) allen weiblichen Merkmalen entledigt hat, um dann doch wieder in einen Bereich zu stoßen, der für viele das Ur-Weibliche darstellt, gut verstehen. Für die meisten ist das Gebären allein den Frauen vorbehalten. Diese Sichtweise möchte er verändern und aufbrechen.

Ich weiß nicht, wie ich den Frauen sagen soll, dass ich keine Bedrohung für sie bin. Dass meine Fähigkeit zu gebären ihnen nicht ihre Fähigkeit zur Geburt nimmt. Dass meine Ermutigung, Geburtsräume zu bejahen, kein Angriff auf ihre heiligen Räume ist. Dass auch ich heilig bin. Dass auch ich ein Lebensspender bin ... dass meine Selbsterkenntnis als Mensch nichts von all dem verschwinden lässt. Wie kann ich sie überzeugen?

Trystan Reese, Instagram

Den Wert eines Menschens nicht an der Gebärfähigkeit festmachen

Für Trystan besteht das Problem eher im Sexismus, der den Geschlechtern ihre Definition über strikt biologische Fähigkeiten zuweist. Er möchte allen Frauen zeigen, dass sie sich nicht von ihm in ihrer Weiblichkeit angegriffen fühlen sollen, obwohl er weiß, dass das für viele sehr schwierig ist.

"Wenn ich eine Frau bin, weil ich gebären kann, aber jetzt können auch Männer gebären, was macht das dann aus mir?" Diese Frage kann ich euch nicht beantworten, denn die Fähigkeit zu gebären, hätte von Anfang an niemals die Grundlage eurer Identität sein dürfen. Was ist mit der Entscheidung, nicht zu gebären? Was ist mit der Unfähigkeit zu gebären? Wie steht es mit der feministischen Idee, dass niemand von uns zur Geburt verpflichtet ist, um seine Rolle als wertvoller Mensch zu sichern?

Eine typische Familie besteht für die meisten Menschen wohl eher nicht aus zwei Vätern. Dabei sind die Familienmodelle heute vielfältig. Trystan stellt das Wohl der Familie in den Mittelpunkt und möchte zeigen, dass es allein um die Liebe geht und das füreinander da sein, das eine Familie ausmacht.

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Quelle: Parents.com

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Wichtige Botschaft

Es wird bestimmt noch eine Weile dauern, bis wir uns daran gewöhnen, dass es normal ist, dass auch ein Mann ein Kind zur Welt bringen kann. Dass Trans-Männer wie Trystan so offen darüber berichten und ihre Geschichte teilen, kann nur dazu beitragen, dass wir alle Vorurteile abbauen. Ich kann teilweise nachvollziehen, wenn manche Frauen da skeptisch gegenüber Menschen wie ihm sind.

Doch eines zeigt er doch eindrucksvoll: Es ist für ein Kind egal, ob es von Mama oder Papa geboren wurde, es ist doch ausschlaggebend, dass es mit Liebe und Fürsorge aufwächst. Dabei sind Geschlechter eher nebensächlich. Und ich finde seine Aussage sehr wichtig, dass sich ein Mensch nicht über seine Fähigkeit zu zeugen oder zu gebären definieren sollte. Mit seinen Worten regt er hoffentlich bei vielen Denkprozesse an, dann sind wir einen großen Schritt weiter auf dem Weg zu mehr Akzeptanz für Transsexuelle.

Bildquelle: Getty Images/fotostorm

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