Familienbett: Alle in einem Bett

Mama, Papa und Baby alle zusammen in einem Bett – das klingt praktisch und gemütlich! Es gibt aber auch Argumente, die gegen das Familienbett sprechen. Und: Das gemeinsame Bett ist nicht für alle Familien die beste Lösung. Hier finden Sie alle Informationen im Überblick.

Für die einen (meist die Mamas) ist es die perfekte Lösung aller nächtlichen Probleme – für die anderen ist eine Horrorvorstellung: sein Bett mit einem kleinen Kind zu teilen, das vielleicht manchmal unruhig schläft und regelmäßig gefüttert werden möchte. Der Teil, der nicht viel vom Familienbett hält, sind meist die Papas, die naturgemäß mit dem Hunger des Winzlings meist nichts zu tun haben – zumindest wenn das Baby noch gestillt wird.

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Baby im Bett – ist das eine gute Idee?

Wenn wir die Kleinen fragen könnten, wo sie schlafen möchten, würde die Antwort garantiert lauten "ganz nah bei Mama oder Papa!". Babys (und auch größere Kinder!) lieben es, wenn sie dicht bei Mama und Papa schlafen. Mit sanftem Körperkontakt und dem Duft der wichtigsten Bezugspersonen in der Nase. Diese Nähe gibt ihnen die Sicherheit und Geborgenheit, die sie aus der Zeit in Mamas Bauch kennen. Und praktisch ist es natürlich auch, wenn das Baby bei der Mama schläft: Babys wachen erfahrungsgemäß nachts diverse Male auf und haben Hunger. Wenn Mama da nicht erst aufstehen muss, um das Baby zu stillen oder ihm das Fläschchen zu geben, ist das natürlich für beide eine gute Lösung. Einfach T-Shirt hochziehen, das Baby "andocken", stillen – und dann gleich wieder weiter schlafen. Das Baby bekommt schnell, was es braucht – und Mama kann sich immer sicher sein, dass sie ihr Kind sofort hört, wenn es weint.

Familienbett: Eine gar nicht neue Idee

Die Idee des Familienbetts ist kein moderner Erziehungsansatz in einer Zeit, in der immer öfter von attachment parenting (d.h. die Babys bestimmen selbst, was sie brauchen) die Rede ist. Ganz im Gegenteil: In vielen Kulturen ist das Familienbett ganz selbstverständlicher Bestandteil des Familienlebens. Auch hierzulande war es früher gang und gäbe, dass alle in einem Bett geschlafen haben. Der Platz war knapp, die Nächte kalt – und die Zeit zusammen kostbar. Auch heute nehmen viele Eltern ihr Baby ganz automatisch mit in ihr Bett. Einfach weil sie spüren, dass die Nähe ihrem Kind gut tut und dass die Nächte so ruhiger sind. Wer die nicht endenwollende Erschöpfung in der Babyzeit aus eigener Erfahrung kennt, kann nachvollziehen, wie wichtig diese beiden Faktoren sind.

Die Vor- und Nachteile des Familienbetts

➤ Babys, die bei den Eltern im Bett schlafen, wachen seltener auf und schlafen schneller wieder ein. Und: Sie schreien weniger.

➤ Wenn das Baby weint oder krank wird, können Eltern schneller darauf reagieren.

➤ Das Elternbett ist eigentlich ein Ort für Zweisamkeit – und irgendwann dann auch wieder für Sex. Dem muss das Familienbett aber nicht unbedingt im Weg stehen: Schließlich muss die Lust auf Zweisamkeit ja nicht zwingend nachts im Familienbett ausgelebt werden, oder? Und ganz nebenbei sei erwähnt: Die Lust frischgebackener Mamas auf Sex ist in den ersten Wochen und Monaten - dank Schlafmangel und das neue Familienmitglied - eher mau. Aber das ist ein anderes Thema:

➤ Immer wieder ist zu lesen oder zu hören: "Babys werden durch zu viel Nähe im Familienbett verzogen." Dass dem nicht so ist, wurde vielfach widerlegt: Für Babys gibt es kein Zuviel an Geborgenheit und Nähe. Und sie zu sehr zu verwöhnen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Fakt ist dagegen: Wenn Babys sich sicher und geborgen fühlen, können sie besonders gut einschlafen.

➤ Bleibt noch das Argument, dass Kinder, die sich erstmal an das gemütliche Beisammensein im Familienbett gewöhnt haben, nicht mehr freiwillig im eigenen Bett schlafen. Da ist was Wahres dran. Familienbett-Befürworter sind sich zwar sicher: Der Wunsch nach einem eigenen Bett und danach "groß zu sein" kommt von ganz alleine. Irgendwann. Der Kinderarzt Prof. Dr. Thomas Erler aber gibt zu bedenken: "Es ist ganz normal, dass Kinder nachts aufwachen. Genauso normal ist auch, dass sie nach und nach lernen, alleine wieder einzuschlafen. Wenn Kinder jede Nacht im Familienbett schlafen, wird es später viel, viel schwieriger für sie, ohne Körperkontakt wieder einzuschlafen". Generell gilt natürlich: Allein die Eltern dürfen und müssen entscheiden, wann es Zeit ist, dass der Junior im eigenen Bett schläft.

➤ Das Haupt-Argument gegen das Familienbett lautet: Es besteht die Gefahr, dass Babys unter die Bettdecke rutschen, dort nicht mehr genug Luft bekommen - und sterben. Die Gefahr erhöht sich, wenn ein Elternteil Alkohol getrunken, Medikamente oder Drogen eingenommen hat. Die Körperwahrnehmung wird vermindert, das Kind läuft Gefahr, im Schlaf erdrückt zu werden.

Wichtige Regeln fürs Familienbett

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Und was sagt die Wissenschaft?

Wie meist im Leben gibt es auch bei dieser Frage zwei konträre Meinungen: So gibt es Studien, die die Vorteile des Co-Sleepings beweisen wollen – andere Studien wiederum stellen einen Zusammenhang zwischen dem plötzlichen Kindstod und dem Familienbett her. Viele Mediziner sehen im Familienbett definitiv eine Gefahr, so auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.. Prof. Dr. Thomas Erler (Chefarzt der Kinderklinik Potsdam) fasst die Empfehlung seiner Kollegen zusamen: "Kinder im Säugingsalter sollten NICHT im Bett der Eltern schlafen, auch nicht ausnahmsweise. Wir empfehlen aber, dass sie in direkter Nähe zur Mutter schlafen sollten, zum Beispiel in einem Beistellbettchen." Babys, die im Bett der Eltern schlafen, hätten ein 3-fach erhöhtes Risiko am plötzlichen Kindstod zu sterben. Wenn die Eltern dazu auch noch Raucher sind, sei das Risiko sechs Mal so hoch, so Prof. Dr. Thomas Erler. "Dabei ist das Risiko für Säuglinge unter zwölf Wochen am höchsten." Der Mediziner gibt außerdem zu bedenken "Bei Babys, die nur ausnahmsweise im elterlichen Bett schlafen, ist das Sterberisiko nochmals erhöht."

Was Sie über den plötzlichen Kindstod wissen sollten

Der plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrom, kurz SIDS) ist noch immer ein rätselhaftes Phänomen. Die Gründe, warum immer wieder Kinder nachts aufhören zu atmen, sind auch heute noch nicht wirklich erforscht. Über die Schutzfaktoren weiß die Wissenschaft allerdings schon einiges:

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Diese Schutzmaßnahmen sollten Sie unbedingt ernst nehmen! Wenn Sie sie aber allesamt befolgen, dürfte das Bed-Sharing nur einen minimalen Risikofaktor darstellen.
Das sieht auch die Weltgesundheitsorganisation WHO so: Sie ist nach der Auswertung sämtlicher Studien zu dem Thema der Meinung: Junge Familien sollen (wenn sie möchten) gemeinsam im Familienbett schlafen. Fakt ist nämlich auch: Mütter, die ihr Kind bei sich schlafen lassen, stillen häufiger und länger – was nachweislich gut für die Immunabwehr des Kindes ist und das Risiko senkt, am SIDS zu sterben, und zwar um sage und schreibe 50%! Und noch ein wichtiger Punkt: Neuere Studien zeigen, dass Mütter ihre Babys intuitiv schützen, wenn sie direkt neben ihnen schlafen. Sie schützen sie vor Überhitzung und verhindern kurze Atemstillstände durch unbewusste Berührungen. Beides sind Risikofaktoren für das SIDS.

Familienbett ohne Risiko für Kinder ab zwölf Monaten

Für Kinder, die dem Babyalter entwachsen sind, ist das Familienbett unumstritten. Zumindest, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Wenn die Vierjährige nachts schlecht träumt und nicht mehr einschlafen kann, darf sie sich zu Mama und Papa ins Bett kuscheln – und schläft dank der Extraportion Nähe und Geborgenheit schnell wieder ein. Der plötzliche Kindstod ist ab dem Kleinkindalter (d.h. ab dem Ende des ersten Lebenjahres) kein Thema mehr.

Für jede Familie gibt es eine individuelle Lösung

Jede Familie muss selbst entscheiden, wie sie zum Co-Sleeping steht und wo das Baby schlafen soll. Bed-Sharing ist nicht für jedes Kind und jedes Elternpaar die richtige Lösung, wie das Beispiel einer jungen Familie zeigt: Während Kind 1 als Baby ganz friedlich bei Mama und Papa im Bett geschlafen hat, war bei Kind 2 alles anders: "Hanna hatte von Anfang an keinen tiefen Schlaf und ist immer wieder aufgewacht, wenn einer von uns aufs Klo musste oder früher aufgestanden ist", so Mama Bettina über die unterschiedlichen Schlaf-Vorlieben in ihrer Familie. Die Lösung der Familie: Hanna schlief im ersten Lebensjahr in einem Beistellbett – und durfte nach dem Aufwachen morgens noch zum ausgiebig Kuscheln ins große Bett umziehen.

Alternativlösung: Beistellbett oder Babybalkon

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Praktisch: Verstellbares Beistell-Babybett


Diese pragmatische Lösung ist für alle Eltern, die ihr Kind – aus welchen Gründen auch immer - nicht im Elternbett schlafen lassen möchten und ihr Kind aber trotzdem in der Nähe wissen möchten, optimal. Zwei praktische Varianten gibt es hier: Entweder das Baby schläft in seinem eigenen Bettchen, das neben dem Elternbett steht oder es schläft in einem Babybalkon: Ein auf einer Seite offenes Babybettchen wird ganz dicht an das Elternbett gestellt. So hat das Baby seinen eigenen kleinen Schlafbereich – und ist ganz nah bei Mama und Papa. Fern jeglicher Gefahr, vielleicht doch unter die Decke der Eltern zu rutschen.

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Baby im Elternbett - ist das okay?

Quellen:

WHO: Evidence for the ten steps to successful breastfeeding

LSHTM Research Online: Bed sharing when parents do not smoke: is there a risk of SIDS?

Unicef: Bed Sharing, Infant Sleep an SIDS

Pediatrics in Review: Does Breastfeeding Reduce the Risk of Sudden Infant Death Syndrome?

La Leche League International: Media-Release Co-Sleeping

Dr. Herbert Renz-Polster: Neues zum Plötzlichen Kindstod (SIDS)

Sueddeutsche.de: Streit um das Familienbett

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