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Deshalb ist die Corona-Krise für Menschen mit Behinderung besonders hart

Corona-Krise

Deshalb ist die Corona-Krise für Menschen mit Behinderung besonders hart

Für viele Eltern stellt die Corona-Krise eine große Herausforderung dar.  Haushalt, Homeoffice und die Beschäftigung des Kindes verlangen viel von einem ab. Vor allem die Eltern von Kindern mit Behinderung haben es in dieser Zeit nicht leicht. Dabei sind die Herausforderungen, vor denen  Menschen mit Behinderung und deren Familien derzeit stehen, sehr vielseitig.

Wenn das Verständnis für die derzeitige Situation fehlt

Für Kinder mit Behinderung und deren Eltern gestaltet sich der Alltag in der Krise besonders schwierig. Viele von ihnen sind auf eine klare Alltagsstruktur angewiesen, müssen raus und sich auspowern können. Das ist in Zeiten der Corona-Krise jedoch nur in einem eingeschränkten Maß möglich, was bei einigen zu einem erhöhten Aggressionspotential führt. Das Problem: Oft fällt es einfach schwer, die derzeitige Situation zu begreifen.

Auf diese Problematik machte u. a. eine Mutter aufmerksam, die am 3. April in der Sendung „Domian live – Sorgentelefon in der Corona-Krise" anrief.  Sie berichtete dem Moderator, dass ihre Tochter mit geistiger Behinderung in einer Einrichtung lebt und nicht besucht werden dürfe. Auch das Telefonieren mit ihr sei nur begrenzt möglich. Die Frage, die sich nun stellt: Wie macht man der jungen Frau klar, dass der ausbleibende Besuch nichts mit dem fehlenden Interesse an ihrer Person zu tun hat? Die Mutter, die sich in der Sendung als Andrea vorstellte, bat das Pflegepersonal, ihrer Tochter mitzuteilen, dass momentan niemand besucht werden dürfe. Andrea ging es mit ihrem Anruf v. a. darum, auf die schwere Situation aufmerksam zu machen, in der sich derzeit Menschen mit Behinderung und deren Familien befinden. Viele Menschen seien betroffen und stehen aus diesem Grund vor einer großen Herausforderung.

Fachverbände fordern: Menschen mit Behinderung müssen besser geschützt werden

Auch die Fachverbände für Menschen mit Behinderung fordern mehr Aufmerksamkeit für das Thema. In einer Pressemitteilung betonen sie, dass Einrichtungen der Eingliederungshilfe verstärkt mit der notwendigen Schutzausrüstung ausgestattet werden müssen. Außerdem solle die Durchführung der zur Verfügung stehenden Tests beschleunigt werden. Es ist wichtig, dass die notwendigen Quarantäne- und Behandlungsmaßnahmen möglichst schnell durchgeführt werden können. Nur so verhindert man die Ausbreitung des Virus in den entsprechenden Einrichtungen. Das ist besonders wichtig, weil viele Personen mit Behinderung unter einer Vorerkrankung leiden.

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Viele leiden unter einer Vorerkrankung

Ein weiteres schwerwiegendes Problem in dieser Zeit ist die Tatsache, dass viele behinderte Menschen unter einer Vorerkrankung leiden und somit zu der Risikogruppe gehören. Sie müssen in einem besonderen Maße geschützt werden. Somit fallen auch viele Hilfen im Alltag und die damit verbundene Entlastung für die Eltern weg.

Über einen Fall berichtete der Spiegel am 10. April. Nicole Fiebrich ist die Mutter der zehnjährigen Nele, die unter der schweren Stoffwechselerkrankung Mukopolysaccharidose Typ 3 leidet. Das Mädchen hatte schon viele Lungenentzündungen. Das ist sehr gefährlich, da viele Kinder mit dieser Erkrankung an einem Infekt oder einer Lungenentzündung sterben. Aus diesem Grund dürfen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die üblicherweise mit Nele spazieren oder schwimmen gehen, nicht mehr kommen. Auch die Reittherapie, die für sie sehr wichtig ist, entfällt.

So wie der Mutter von Nele geht es vielen Eltern. Sie müssen nicht nur den anstrengenden Alltag in der Corona-Krise bewältigen, sondern sind permanent der Sorge ausgesetzt, dass sich ihr Kind infizieren und schwer erkranken könnte.

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Fazit

Je mehr Zeit vergeht, desto anstrengender ist es für viele, die Ausgangsbeschränkungen einzuhalten. Die vom Robert-Koch-Institut vermeldeten Zahlen scheinen zu zeigen, dass sich die in Deutschland durchgeführten Maßnahmen lohnen. Dennoch solle man weiterhin vorsichtig sein. Vor allem die Risikogruppen müssen geschützt werden, wozu auch viele Menschen mit Behinderung gehören. Wie jede andere Gruppe in dieser Gesellschaft auch, verdienen diese Menschen Respekt und unser aller Aufmerksamkeit. Wir alle können dazu beitragen, besonders gefährdete Personen zu schützen, indem wir uns nach wie vor an die empfohlenen Maßnahmen halten.

Bildquelle: Getty Images/olesiabilkei

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