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Keine Angst!

Erster Frauenarzt-Termin – Was euch erwartet und alles über die wichtigsten Untersuchungen

Der erste Frauenarztbesuch ist für junge Mädchen sehr aufregend und meist auch mit Unsicherheiten verbunden. Daher verraten wir, wie ein Besuch bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen abläuft und auf welche wichtigen Untersuchungen ihr euch einstellen solltet. Außerdem haben wir Tipps, wie Eltern ihren Töchtern bestimmte Ängste nehmen können.

Erstes Mal Frauenarzt: In welchem Alter sollte ich hingehen?

Beim Thema Frauenarzt muss sich kein Mädchen unter Druck setzen. Es gibt keinen fixen Termin, wann du beim Frauenarzt gewesen sein musst. Die meisten jungen Frauen besuchen das erste Mal einen Gynäkologen, wenn sie ihre erste Regelblutung bekommen haben und sie vielleicht starke Schmerzen haben oder andere damit einhergehende Fragen. Viele vor allem dann, wenn sie den ersten Sex haben möchten und hormonell verhüten wollen.

Wenn ihr bis zum 15. Lebensjahr den Frauenarzt besucht, hat er oder sie gesetzlich die Pflicht, eure Eltern auf Anfrage zu informieren. Danach könnt ihr den Besuch theoretisch vor der Mutter oder dem Vater geheim halten. Der Arzt unterliegt dann der Schweigepflicht. Solltet ihr allerdings ernsthaft krank sein oder liegt ein anderer triftiger Grund vor, muss der Arzt eure Eltern ebenfalls informieren, solange ihr noch minderjährig seid.

"Unabhängig vom Lebensalter sollte ein Mädchen einem Frauenarzt bzw. einer Frauenärztin vorgestellt werden, wenn es Auffälligkeiten, Beschwerden oder Symptome hat, die mit einer Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane zu tun haben bzw. haben könnten, wie bei Entwicklungsstörungen und körperlichen Fehlbildungen, bei Menstruationsproblemen, bei Unterleibsschmerzen sowie bei Jucken, Brennen und Ausfluss im Genitalbereich. Liegen keine Beschwerden vor, ist es wünschenswert, wenn Mädchen im Vorfeld von sexueller Aktivität in die Sprechstunde kommen, um sich über eine sichere Verhütung und die Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen zu informieren."

Dr. Stephanie Eder, Berufsverband der Frauenärzte e.V.

 

Erster Frauenarzt-Termin: Den richtigen Arzt finden

Die meisten Mädchen reden zuerst mit ihren Müttern darüber und gehen meist zur gleichen Ärztin wie diese. Wichtig ist, dass ihr euch bei dem Arzt sicher fühlt. Ihr könnt natürlich auch zu jedem Arzt gehen, den ihr in eurer Nähe findet. Besser ist es jedoch immer, einmal in der Familie oder Freundinnen zu fragen, zu wem sie gehen. Diese Erfahrungen auszutauschen, nimmt viele erste Ängste. Da der Frauenarztbesuch so intim ist und man als Teenager noch sehr verunsichert ist, sollte dieser Arzt bzw. die Ärztin sehr einfühlsam und vertrauenswürdig sein.

Frauenärztin Sheila de Liz verrät im Video-Interview, was alle Frauen über ihren Körper wissen müssen:

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Denn man redet dort über sehr intime, persönliche Themen, die man eben nicht jedem anvertrauen möchte. Hilfreich können auch Google-Bewertungen oder Arztplattformen wie Jameda sein. Aber letztlich ist diese Einschätzung, mit welcher Person man sich wohlfühlt, sehr individuell. Vertraut euch also am besten vorher eurer Mutter, Schwester oder einer anderen Vertrauensperson an und findet gemeinsam einen passenden Arzt.

Ihr könnt euch dann auch erst einmal die Praxis ansehen, euch anmelden und zu einem ersten Gespräch verabreden, bei dem noch gar nichts untersucht werden muss. Die Vertrauensperson könnte euch dabei bis ins Wartezimmer begleiten. Die Untersuchung muss aus rechtlichen Gründen allerdings meist alleine stattfinden bzw. wird der Arzt euch darüber aufklären, was passiert, wenn ihr noch unter 14 Jahren sein solltet.

Was passiert bei der ersten Untersuchung?

Inzwischen bieten viele Frauenärzte spezielle Teenagersprechstunden an. Bei diesen Sprechstunden findet meist noch keine gynäkologische Untersuchung statt. Nur wenn das Mädchen gesundheitliche Fragen hat, die sie notwendig machen. In einem Gespräch erklärt der Arzt, welche Untersuchungen in Zukunft anstehen, warum sie gemacht werden und was dabei genau passiert. So wisst ihr genau, was euch bei der ersten richtigen Untersuchung erwartet. Das nimmt schon die Nervosität.

Dr. Stephanie Eder vom Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) betont, dass die Gynäkologin bzw. der Gynäkologe der jungen Frau alle erstmaligen Untersuchungsschritte genau erklären sollte: "Das gilt besonders auch für sehr junge Mädchen und Kinder, die untersucht werden, und für ihre Eltern, die dabei sind. Es ist sehr wichtig, dass sie sich wohl und sicher fühlen." Die erste Untersuchung ist vielleicht etwas ungewohnt, aber im Regelfall nicht schmerzhaft. Welche Themen dann besprochen werden können, hängt von Alter und Reife des Mädchens ab.

Über diese Themen sollte der Frauenärztin/Frauenarzt aufklären

"Beim ersten Termin in einer frauenärztlichen Praxis versuchen wir körperliche Untersuchungen – wenn möglich – zu vermeiden, hier steht das Kennenlernen und der Vertrauensaufbau im Vordergrund. Kommt die junge Patientin allerdings mit Beschwerden, muss in Abhängigkeit von diesen, unter Umständen eine gynäkologische Untersuchung, ggf. inklusive Ultraschall stattfinden."

Dr. Stephanie Eder

Wir erläutern hier, wie bestimmte wichtige Vorsorge-Untersuchungen ablaufen:

Wenn ihr bereits Geschlechtsverkehr habt, solltet ihr ebenfalls überlegen zu einer Frauenärztin zu gehen, um euch über Safer Sex und Geschlechtskrankheiten zu informieren. Die Gynäkologin Dr. Eder bemerkt dazu: "Bei Verdacht auf eine mögliche Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Infektionen sind entsprechende Tests bzw. Untersuchungen angezeigt. Das gilt auch bei Beschwerden und Symptomen sowie ungewolltem Geschlechtsverkehr."

Wichtige Vorsorgethemen für Mädchen und junge Frauen

Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Ein wichtiges Thema für den allerersten Besuch bei der Ärztin ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts die sogenannte HPV-Impfung für junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren. Seit 2014 hat die Kommission das Mindestalter sogar auf neun herabgesetzt. Damit will man sichergehen, dass ihr die Impfung auch wirklich vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen habt. Denn nur dann kann die HPV-Impfung auch zuverlässig vor sexuell übertragbaren Viren schützen, die krebserregend sein können. Bis zum 18. Lebensjahr wird sie auch von den Krankenkassen übernommen.

Pflicht ist die HPV-Impfung nicht, sie steht jedem Mädchen frei. Informiert euch also zusammen mit euren Eltern darüber. Ihr müsst vorher einen Fragebogen ausfüllen, damit der Arzt mehr über den eigenen und den familiären Gesundheitszustand erfährt.

Bereitet euch auf folgende Fragen vor:

  • Welche Krankheiten hast du bis jetzt gehabt?
  • Musst du regelmäßig Medikamente einnehmen?
  • Welche Krankheiten gab es in deiner Familie (Krebs, Herzerkrankungen)?
  • Wann hattest du deine erste Periode?
  • Wann hattest du deine letzte Periode?
  • Ist deine Regelblutung regelmäßig?
  • Hast du akute Beschwerden? (Perioden-Schmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Zwischenblutungen)

Jährlicher Test auf Chlamydien

Wer sexuell aktiv ist oder werden möchte, sollte über Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien Bescheid wissen. Auch darüber werdet ihr aufgeklärt.

"Frauen wird bis zum 25. Geburtstag in Deutschland ein jährlicher Test auf Chlamydien angeboten, auch wenn sie beschwerdefrei sind. Chlamydien sind Bakterien, die zu den am häufigsten vorkommenden sexuell übertragbaren Infektionen gehören, dabei oft symptomlos verlaufen und ggf. zu Unfruchtbarkeit führen können."

Dr. Stephanie Eder

Jährliche Genitaluntersuchung

Frauen zwischen 20 und 34 Jahren erhalten einmal jährlich eine Genitaluntersuchung mit Fragen nach Veränderungen und Beschwerden, gynäkologische Tastuntersuchung und das Screening des Gebärmutterhalses. Zusätzlich erfolgt auf Kosten der Krankenkasse der oben schon erwähnte PAP-Test mit Auswertung, bei dem der Gebärmutterhals auf etwaige Krebszellen untersucht wird. Die Frauenärztin weist darauf hin, dass auch sexuell aktive Mädchen unter 20 unter bestimmten Voraussetzungen eine zytologische Untersuchung des Gebärmutterhalses bekommen können.

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Die erste Pille und hormonelle Verhütung

Viele Mädchen gehen das erste Mal zum Frauenarzt, weil sie sich die Pille verschreiben lassen möchten. Es gibt kein Mindestalter, ab dem die Pille verschrieben werden darf. Der Arzt bzw. die Ärztin entscheidet selbst, ob das Mädchen reif genug für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität ist. Er kann auch darauf bestehen, dass die Pille nur verschrieben wird, wenn die Einwilligung der Eltern vorliegt. Das sind aber nur die rein rechtlichen Fakten.

"Für Minderjährige mit Fragen oder dem Wunsch nach Verhütung ist es ganz wichtig zu wissen, dass sie sich in jedem Alter und jeder Situation vertrauensvoll an Frauenärztinnen und Frauenärzte wenden können und ihnen diese als Ansprechpersonen mit ärztlicher Schweigepflicht zur Seite stehen."

Dr. Stephanie Eder

Beim Info-Gespräch klärt eure Gynäkologin euch darüber auf, wie die Pille wirkt, wie man sie richtig einnimmt und welche Auswirkungen sie auf euren Körper und Zyklus hat. Auch etwaige Nebenwirkungen und Risiken spielen eine Rolle. Wer hormonell verhütet, muss darüber Bescheid wissen. Es kann durchaus sein, dass ihr diese Verhütungsart nicht gut vertragt und Kondome besser zu euch passen. Das solltet ihr ebenfalls mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Verhütungsquiz: Wie gut kennst du dich mit Spirale, Pille, Kondom & Co. aus?

Tipps für Eltern

Lisa Purrio

Das Normalste auf der Welt

Bei vielen Mädchen ist es nicht nur die Angst vor den Untersuchungsinstrumenten, die beim ersten Frauenarztbesuch Bauchschmerzen bereiten. Vielmehr ist es die Scham vor den eigenen Körper, die Sorge, dass die Vagina oder ihre Brüste “nicht normal” sind. Auch wenn Themen rund um die Sexualität in der Pubertät keine sind, die Kinder besonders gerne mit ihren Eltern besprechen, solltet ihr dennoch versuchen, eurer Tochter schon früh klarzumachen, dass Körper sehr unterschiedlich aussehen und nichts “falsch” oder “hässlich” ist.

Gebt eurer Tochter den Gedanken mit, wie viele Vaginas und Brüste ein Frauenarzt oder die Ärztin in seinem oder ihrem Leben zu Gesicht bekommt. Frauen allen Alters und aller Formen besuchen täglich Frauenarztpraxen. Der Frauenarzt sieht die Geschlechtsteile bei der Untersuchung einfach als Organe an und nicht als sexualisierte Körperteile, die bewertet werden müssen.

Wenn ihr mit eurer Tochter ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis pflegt, dann wird sie vermutlich sowieso davon erzählen. Seid aber nicht enttäuscht, wenn sie das dennoch zunächst für sich behalten möchte. Es wäre nicht gut, sie durch zu viel Nachfragerei zu nötigen, etwas zu erzählen.

Aufklärungsthemen wie Sexualität, körperliche Entwicklung und die Periode setzen ein enges Vertrauensverhältnis zu den Eltern voraus. Wenn ihr mit eurer Tochter schon von Kindheit an altersgerecht über solche Themen sprecht, sollte auch der erste Termin beim Frauenarzt dann keine so große Hürde sein. Doch Teenager sind gerade in der Pubertät sehr unstet bzw. verändern sich sehr und so kann es auch sein, dass euer Verhältnis komplizierter wird. Das ist ganz normal und in jeder Familie auch sehr unterschiedlich. Manchmal helfen Bücher oder Filme, um darüber zu sprechen:

Aufklärungsbücher für Kinder und Jugendliche: 17 Bücher über Liebe, Sex & Pubertät

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Verhütungsquiz: Wie gut kennst du dich mit Spirale, Pille, Kondom & Co. aus?

Quellen: BFA, Pro Familia

Bildquelle: Getty Images/Inside Creative House

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