Der erste Besuch beim Frauenarzt – So bereitest du deine Tochter darauf vor

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Der erste Besuch beim Frauenarzt – So bereitest du deine Tochter darauf vor

Der erste Frauenarztbesuch ist für junge Mädchen sehr aufregend und meist auch mit Ängsten verbunden. Wie du sie deiner Tochter nehmen kannst und gleichzeitig ihr Selbstvertrauen stärkst.

Der erste Frauenarztbesuch ist ganz schön aufregend. Als Mutter kannst du deinem Kind Ängste oder Schamgefühle vorher nehmen.

Im Leben deiner Tochter ändert sich in der Pubertät vieles: Der Körper entwickelt sich, Jungs (oder Mädels) üben plötzlich einen ganz neuen Reiz aus und sie bekommt ihre erste Regelblutung. Mit Einsetzen der Periode steht meist auch der erste Besuch beim Frauenarzt an. Für junge Mädchen oft eine schwierige Situation: Das Bild des martialisch aussehenden Untersuchungsstuhls und der -instrumente sind angsteinflößend, dazu die Vorstellung, den Intimbereich einer fremden Person zeigen zu müssen. Sorgen, die du deiner Tochter vor ihrem ersten Frauenarztbesuch nehmen kannst und solltest. Als erwachsene Frau ist der Besuch beim Frauenarzt für dich schließlich zur Routine geworden – es ist ein Arztbesuch wie jeder andere auch.

In welchem Alter muss der erste Frauenarztbesuch stattfinden?

Beim Thema Frauenarzt muss sich deine Tochter definitiv nicht unter Druck setzen. Es gibt keinen fixen Termin, wann sie beim Frauenarzt gewesen sein muss. Die meisten Mädchen besuchen das erste Mal einen Gynäkologen, wenn sie ihre erste Regelblutung bekommen haben oder wenn sie vor ihrem ersten Mal die Pille einnehmen möchte.

Möchte deine Tochter schon vor ihrem 14. Geburtstag zum Frauenarzt, dann ist dieser gesetzlich dazu verpflichtet, die Eltern darüber zu informieren. Ab 15 Jahren kann deine Tochter den Besuch beim Frauenarzt theoretisch vor dir geheim halten. Der Arzt unterliegt dann der Schweigepflicht. Sollte deine Tochter allerdings ernsthaft krank sein oder liegt ein anderer triftiger Grund vor, muss der Frauenarzt dich trotzdem darüber informieren.

Den richtigen Arzt finden

Das Wichtigste, wenn es um den ersten Besuch beim Frauenarzt geht: Einen Frauenarzt finden, bei dem deine Tochter gut aufgehoben ist. Bei der Suche nach dem richtigen Arzt muss deine Tochter ganz auf dich oder eine andere Bezugsperson wie die Schwester oder die beste Freundin vertrauen. Sei also ehrlich zu ihr, wenn du mit deinem eigenen Frauenarzt nicht absolut zufrieden bist oder Bedenken hast, dass er im Umgang mit jungen Patientinnen nicht ganz geeignet ist. Vielleicht ist es deiner Tochter anfangs angenehmer, von einer Frau, als von einem Mann untersucht zu werden. Sucht gemeinsam nach einer geeigneten Frauenarzt-Praxis, in der sich deine Tochter wohlfühlt.

Was passiert bei der ersten Untersuchung?

Inzwischen bieten viele Frauenärzte spezielle Teenagersprechstunden an. Bei diesen Sprechstunden findet noch keine gynäkologische Untersuchung statt. In einem Gespräch erklärt der Arzt, welche Untersuchungen in Zukunft anstehen, warum sie gemacht werden und was dabei genau passiert. So weiß deine Tochter, was sie bei der ersten richtigen Untersuchung erwartet. Das nimmt die Nervosität.

Bei der ersten richtigen Untersuchung kontrolliert der Frauenarzt dann die inneren Geschlechtsorgane: Scheide, Eierstöcke und Gebärmutter. Mache deiner Tochter klar, dass der Arzt das ganz vorsichtig macht und es nicht wehtut. Gerade wenn sie noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, hat sie vielleicht Sorge, dass ihr Jungfernhäutchen bei der Untersuchung reißt und das Schmerzen verursacht. Das kann allerdings nicht passieren, da bei jungen Patientinnen extra kleine Instrumente verwendet werden. Außerdem wird bei der ersten Untersuchung ein Abstrich gemacht. Oft untersucht der Frauenarzt durch abtasten auch die Brüste auf Knoten. Normalerweise gehört die Brustuntersuchung erst ab 30 Jahren zur pflichtmäßigen Routine. Bis dahin kann sie gemacht werden, muss aber nicht.

Informationen zu Gebärmutterhalskrebs

Deine Tochter kann sich auch über die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, die sogenannte HPV-Impfung, informieren lassen. Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts diese Impfung für junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren. Seit 2014 hat die Kommission das Mindestalter sogar auf neun herabgesetzt. Damit will man sichergehen, dass Mädchen die Impfung auch wirklich vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen haben. Denn nur dann kann die HPV-Impfung auch zuverlässig vor sexuell übertragbaren Viren schützen, die krebserregend sein können. Pflicht ist die HPV-Impfung nicht, sie steht jedem Mädchen frei. Informiert euch also zusammen und trefft gemeinsam eine Entscheidung.

Dazu muss deine Tochter einen Fragebogen ausfüllen, damit der Arzt mehr über den eigenen und den familiären Gesundheitszustand erfährt. Bereitet euch auf folgende Fragen vor:

  •  Welche Krankheiten hast du bis jetzt gehabt?
  • Musst du regelmäßig Medikamente einnehmen?
  • Welche Krankheiten gab es in deiner Familie (Krebs, Herzerkrankungen)?
  • Wann hattest du deine erste Periode?
  • Wann hattest du deine letzte Periode?
  • Ist deine Regelblutung regelmäßig?
  • Hast du akute Beschwerden? (Perioden-Schmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,     Zwischenblutungen)

Die erste Pille

Viele Mädchen gehen das erste Mal zum Frauenarzt, weil sie sich die Pille verschreiben lassen möchten. Es gibt kein Mindestalter, ab dem die Pille verschrieben werden darf. Der Arzt entscheidet selbst, ob das Mädchen reif genug für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität ist. Er kann auch darauf bestehen, dass die Pille nur verschrieben wird, wenn die Einwilligung der Eltern vorliegt. Das sind aber nur die rein rechtlichen Fakten. Wenn du mit deiner Tochter ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis pflegst, dann wird sie dir vermutlich sowieso davon erzählen. Sei aber nicht enttäuscht, wenn sie das dennoch zunächst für sich behalten möchte. Es wäre nicht gut, sie durch zu viel Nachfragerei zu nötigen, etwas zu erzählen.

Das Normalste auf der Welt

Bei vielen Mädchen ist es nicht nur die Angst vor den Untersuchungsinstrumenten, die beim ersten Frauenarztbesuch Bauchschmerzen bereiten. Vielmehr ist es die Scham vor den eigenen Körper, die Sorge, dass die Vagina oder ihre Brüste “nicht normal” sind. Auch wenn Themen rund um die Sexualität in der Pubertät keine sind, die Kinder besonders gerne mit ihren Eltern besprechen, solltest du dennoch versuchen, deiner Tochter schon früh klarzumachen, dass Körper sehr unterschiedlich aussehen und nichts “falsch” oder “hässlich” ist. Gib deiner Tochter den Gedanken mit, wie viele Vaginas und Brüste ein Frauenarzt in seinem Leben zu Gesicht bekommt. Frauen allen Alters und aller Formen besuchen täglich Frauenarztpraxen. Der Frauenarzt sieht die Geschlechtsteile bei der Untersuchung einfach als Organe an und nicht als sexualisierte Körperteile, die bewertet werden müssen.

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