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Knochenbrüche und Schütteltraumata: Corona bringt Kinder in Gefahr

Massive Gewalt

Knochenbrüche und Schütteltraumata: Corona bringt Kinder in Gefahr

Gewalt an Kindern ist durch nichts zu entschuldigen, auch nicht durch blank liegende Nerven in Zeiten von Corona. Die Rückmeldung der Kinderschutzhotline zeigt nun besonders erschreckendes!

Niemals Gewalt

Bei allem Verständnis für die momentane Situation in vielen Familien: Gewalt gegen Kinder ist durch nichts zu entschuldigen. Keine Angst um den Job, keine Verzweiflung ob der momentanen Situation ist ein Grund für Gewalt gegen Kinder, für Knochenbrüche, Schleudertraumata oder auch nur eine Ohrfeige. Ja, wir Eltern sind am Limit und wir brauchen dringend Unterstützung und auch Entlastung. Aber seinem Kind Gewalt anzutun ist in meinen Augen unentschuldbar. An dieser Stelle auch eine Warnung: Die nachfolgenden Nachrichten könnten euch verstören, überlegt also, ob ihr gut mit dem Thema Gewalt gegen (Klein)Kinder umgehen könnt.

Kinderschutzhotline hat viel zu tun

Das Bundesfamilienministerium hat eine Kinderschutzhotline eingerichtet, bei der sich ausschließlich medizinisches Personal mit Verdachtsfällen von Kindswohlgefährdung melden kann. Und das muss leider reichlich genutzt werden. In den ersten zwei Maiwochen wurden schon über 50 Fälle gemeldet, mehr als im gesamten April. „Wir vermuten, dass im Zuge der ersten Corona-Lockerungen jetzt sichtbar wird, dass es in manchen Familien zu Gewaltausbrüchen in der Krise gekommen ist“, sagte Kinderarzt und Teamleiter der Kinderschutzhotline Oliver Berthold  im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Knochenbrüche und Schütteltraumta

„Wir werden teilweise wegen Verletzungen kontaktiert, die sonst nur bei Zusammenstößen mit Autos auftreten. Da geht es um Knochenbrüche oder Schütteltraumata", erklärt er. Dabei besonders dramatisch: Es sind besonders viele Kleinkinder betroffen, die noch gar nicht laufen können.

Zunahme Gewalt gegen Kinder

Berthold ist von der Zunahme von Gewalt gegen Kinder nicht überrascht. Studien aus der Vergangenheit hätten immer wieder gezeigt, dass es in Extremsituationen zu Gewalt gegen Schwächere kommt. Und die schwächsten in unserer Gesellschaft sind nun einmal Kinder. Und auch die jetzigen Zahlen sind, da sind sich Expert*innen einig, nicht vollständig. Es wird davon ausgegangen, dass das ganze Ausmaß von Gewalt gegen Kinder erst in den kommenden Wochen offenkundig wird. Noch sind Schulen und Kitas nicht im Normalbetrieb, noch gehen viele Eltern nicht zu den U-Untersuchungen. Da aber schon immer Kinderärzt*innen, Lehrer*innen und Erzieher*innen die waren, die sich beim Jugendamt mit Verdacht auf Kindswohlgefährdung melden, wird die Zahl weiter steigen.

Gewalt nimmt zu

Die Gewalt gegen Kinder passiert jetzt, wir bekommen sie nur einfach nicht zu Gesicht, weil Familien nach wie vor viel im häuslichen Kreis agieren, die Kinder keinen oder sehr eingeschränkten Kontakt zu anderen haben.

Weltweit mehr Gewalt gegen Kinder

Leider hat nicht nur die Deutschland die Gewalt gegen Kinder zugenommen, weltweit steigen, laut der Hilfsorganisation World Vision, die Zahlen massiv an. So würden in Bangladesch Kinder um 42% häufiger von ihren Eltern und Erziehungsberechtigte geschlagen. Weltweit rechnet World Vision mit einem Anstieg von Gewalt gegen Kinder um 20%. Was für eine unfassbar hohe Zahl. Einen Grund für die gestiegene Gewalt sieht World Vision in den geschlossenen Schulen und Kitas. Die Kinder bekommen hier keinen Schutz und keine Unterstützung mehr.

Zukunft von Kindern ist in Gefahr

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, sieht leider auch die Zukunft vieler Kinder nicht besonders rosig aus: Laut der Hilfsorganisation werden besonders die Familien, di in Existenznot geraten, ihre Kinder ausbeuten. Während Jungen nicht mehr zur Schule gehen und stattdessen arbeiten müssen, werden Mädchen sexuell ausgebeutet oder zwangsverheiratet. World Vision rechnet damit, dass in den nächsten zwei Jahren rund vier Millionen Mädchen zusätzlich zur Ehe gezwungen werden könnten.

Gewalt gegen Kinder passiert überall

All diese Zahlen sind nicht nur unglaublich schwer zu greifen, sie sind vor allem auch besorgniserregend. Was macht das mit unseren Kindern, wenn sie Gewalt zuhause schutzlos ausgeliefert sind, wenn niemand mehr mitbekommt, wie ihnen Knochen gebrochen werden, wie sie verprügelt und verkauft werden? Als Elternteil möchte man oft gern glauben, dass das alles ganz weit weg ist. Aber die Erfahrungen von Jugendamtsmitarbeiter*innen, Kinderärzt*innen und Lehrer*innen zeigen: Auch in Deutschland gibt es massive Gewalt gegen Kinder.

Hinweis: Wenn ihr Angst habt, eurem Kind etwas anzutun, dann wendet euch an die Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0550 oder nutzt ein Onlineberatungsangebot. Sucht euch Hilfe, bevor ihr euren Kindern Gewalt antut!

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Mein Fazit

Gewalt gegen Kinder ist durch nichts zu entschuldigen. Angespannte Nerven, Perspektivlosigkeit, Zukunftsangst, all das kann ich verstehen. Es ist nur kein Grund und keine Entschuldigung für Gewalt gegen Kinder. Wenn Eltern ein Problem haben, dann dürfen sie ihre Anspannung nicht an ihrem Nachwuchs auslassen. Ich fühle mich schlecht, wenn ich in dieser angespannten Situation meine Kinder anmotze, weil auch das nicht ok ist. Wenn ich dann höre, ich müsste mich nur mehr durchsetzen und "ein Klaps hat noch niemandem geschadet", dann möchte ich genau den Menschen gern einen Klaps mitgeben (auch wenn Gewalt nie eine Lösung ist!). Gewalt gegen Kinder ist verboten und das auch gutem Grund. Ein Klaps ist Gewalt, ein Knochenbruch ist massive Gewalt. Wir brauchen keine Abstufung von Gewalt, auch wenn die Erfahrungen von Ärzt*innen natürlich erschreckend sind. Wir brauchen das Ende der Gewalt gegen Kinder.

Bildquelle: getty images / fizkes

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