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Mit Maske in die Schule – ist das euer Ernst?!

Ein Kommentar

Mit Maske in die Schule – ist das euer Ernst?!

Zurück zur Schule. Jetzt eben mit Abstand halten, Maske tragen und dem Wissen um zeitweise Schulschließung. Dafür hat unsere Autorin kein Verständnis. Stattdessen will sie wissen: Wieso ist Anwesenheitspflicht auch in Zeiten einer Pandemie wichtig?

Aufgeregt hüpfte meine Tochter an meiner Hand. Heute war der erste Tag, an dem sie in die Schule ging. Die Einschulung findet in Berlin in zwei Wochen statt, aktuell geht sie in die Ferienbetreuung, um die Schule vor Schulstart etwas besser kennenzulernen.

Ohne Maske in die Ferienbetreuung

Dabei trägt sie, ganz im Einklang mit den Vorgaben der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, keine Maske. Und sie hält auch keinen Abstand. Denn die neuen Maßnahmen, die für Schulen beschlossen wurden, gelten erst nach den Sommerferien.

Damit alle Schulen in den Regelbetrieb starten können, müssen Schüler*innen dann auf Fluren, in Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen oder auf der Toilette einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im Unterricht, auf dem Pausenhof und im Hort dagegen nicht.

Regelbetrieb mit Maske

Ich verstehe den Sinn dieser Maßnahme ehrlich gesagt nicht. Denn gerade im Hort und während der Hofpause vermischen sich Kindergruppen ja besonders gut. Und ganz ehrlich: Gerade für Erstklässler*innen, die vollkommen neu in der Schule ankommen, ist schon der neue Alltag eine Herausforderung. Da noch an die Maske denken? Halte ich für schwer durchsetzbar.

Abstand halten für Erstklässler

Auch das Abstand halten wird nahezu unmöglich werden. Meine Tochter fragte mich, wie sie denn Abstand halten kann, wenn sie doch gerade jetzt neue Freund*innen finden möchte. Sich auf 2 m Abstand miteinander bekannt machen, das geht einfach nicht. Wir halten uns hier Zuhause an wirklich alle Regeln, tragen Mund-Nasen-Schutz, wo immer es geboten ist, treffen uns kaum mit anderen Menschen und halten im Alltag Abstand. Aber von einer Erstklässlerin zu verlangen, dass sie, wenn alle anderen miteinander spielen, nur am Rand daneben steht, weil der Abstand nicht eingehalten werden kann, das geht nicht.

Familien sind nicht so wichtig

Gestern habe ich entdeckt, dass die Stadt Berlin dafür wirbt, Abstand zu halten, und wo das nicht geht zum Wohle aller eine Maske aufzusetzen. Ich musste bitter auflachen. Denn genau das, was für die breite Bevölkerung gefordert wird, das wird in Schulen außer Kraft gesetzt. Weil Schulpflicht über allem anderen steht, werden Familien der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt. Auch Kinder aus Risikofamilien müssen wieder in die Schule, Befreiungen wie im letzten Schuljahr werden nicht mehr akzeptiert.

Und einmal mehr zeigt sich, dass wir Familien bei all den Schutzmaßnahmen und Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wir sind noch immer die vergessenen Familien, weil für uns offensichtlich andere Maßstäbe gelten.

Wieso ist Anwesenheitspflicht wichtiger als Familien?

Mir ist unklar, wieso die Anwesenheitspflicht in der Schule wichtiger ist als der Schutz vor einer Ansteckung. Es ist doch hinreichend bekannt, dass Kinder sich und andere genauso leicht mit Covid-19 anstecken können, wie Erwachsene. Auch wenn sie selbst vielleicht einen milden Verlauf erleben und von einer Erkrankung nichts mitbekommen, sie können das Virus an Familie und Freund*innen weitergeben. Wieso wird das aber zugunsten einer Schulpflicht ignoriert?

Corona-Ausbruch im Sommercamp

Gerade erst ging durch die Medien, dass Kinder und Betreuer*innen sich bei einem Sommercamp im US-Bundesstaat Georgia mit Covid-19 infizierten. Mitte Juni waren 600 Menschen in einem Ferienlager, nur die Betreuer*innen mussten Masken tragen. Die Kinder schliefen in Gruppenunterkünften und spielten den ganzen Tag miteinander. Ein Betreuer zeigte nach zwei Tagen Erkältungserscheinungen und wurde positiv auf Corona getestet. Wenige Tage später wurde das Camp aufgelöst.

Es wurden mindestens 344 Teilnehmende vom Sommercamp getestet, 260 hatten ein positives Ergebnis. Und alles begann mit diesem einen Betreuer, innerhalb weniger Tage war mindestens ein Drittel des Camps infiziert. Das Beispiel aus den USA ist deswegen für deutsche Schulen so interessant, weil auch hier ja viele Menschen auf sehr engem Raum zusammenkommen. Und da hilft unter Umständen auch das beste Lüftungskonzept nichts.

Bitte um Geduld

Jetzt, wo die Temperaturen noch warm sind (und hier ja auch noch Ferien), ist das mit dem Lüften nicht das Problem. Aber was wird im Herbst passieren? Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres bittet Eltern um "Geduld und Pragmatismus". Es könne passieren, dass einzelne Schulen zeitweise wieder geschlossen werden und unsere Kinder dann ins Home-Schooling zurückkehren. Aber weil Kinder ein Recht auf Bildung und persönliche Entwicklung haben, gibt es eben auch wieder den Regelbetrieb.

Weil das Infektionsgeschehen ja aber nicht genau vorhergesagt werden kann, könne es sein, dass es in diesem Schuljahr noch mal "ruckelt", so die Ministerin. Da ist dann halt Verständnis gefragt. Ich habe wenig Verständnis für diese Kurzsichtigkeit.

Wieso gibt es nur warme Worte für Familien?

Ich verstehe durchaus, dass Kinder lernen sollen, das Recht auf Bildung unterstütze ich vollkommen. Aber wieso gibt es statt warmer Worte nicht endlich mal Taten? Wieso wurden die letzten Monate nicht dafür genutzt, um Konzepte zu entwickeln, wie Fernunterricht (und zwar jenseits von Arbeitsblätter ausdrucken und Eltern ins Boot holen) möglich ist.

Wieso müssen alle Schüler*innen wieder in voller Klassenstärke zurück in ihre Räume gedrängt werden? Warum ist Anwesenheitspflicht auch in Zeiten einer Pandemie das Mittel der Wahl? Wieso sind die Sorgen von Millionen Eltern und Kindern, die sich in diesem Superspreader-Schulevent nicht anstecken wollen, irrelevant?

Nicht überall Maskenpflicht

Die Regelungen zur Maskenpflicht an Schulen sind bundesweit nicht einheitlich, Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bestehen auf die Maske. In Hessen und Sachsen bleibt es den Schulen selbst überlassen.

Was macht das mit unseren Kindern?

Ich habe große Sorgen, was das mit unseren Kindern macht. Abstand halten, Maske tragen und lernen, das ist eine riesige Herausforderung. Und auch wenn ich keine dieser Maßnahmen für Erwachsene anzweifel, so fehlt mir das Verständnis, warum gerade Kinder dazu gezwungen werden, unter solchen Bedingungen in die Schule zu gehen.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Mich macht das alles wütend. Lehrer*innen die nicht regelmäßig getestet werden können, Kinder, die schon in Klasse 1 auf Abstand achten. Und dann diese Bitte um Verständnis. Habe ich nicht. Wieso gibt es in Schulen nicht mehr Flexibilität? Warum ist die Anwesenheitspflicht auch in solchen Zeiten das allerwichtigste?

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / Epiximages

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