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Elterntaxi - Nein danke! "Simon sagt" im Interview

Interview

Elterntaxi - Nein danke! "Simon sagt" im Interview

Elterntaxi, macht ihr das auch? Wie oft bringt ihr euren Nachwuchs mit dem Auto zur Schule, obwohl der Weg vielleicht auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden könnte?

Elterntaxi: "Simon sagt" macht einen Song

Der Sänger "Simon sagt" hat sich mit dem ACV Automobil-Club Verkehr zusammengetan und einen Song gegen Elterntaxis herausgebracht. In "Mein Schulweg" singt er über Eltern, die es (zu) gut meinen und ihre Kinder tagtäglich mit dem Auto zur Schule fahren. Dabei ist das oft gar nicht nötig, die Entfernung zur Grundschule ist in vielen Fällen festgeschrieben und darf eine bestimmte Kilometeranzahl nicht überschreiten.Und die schaffen Kinder  dann auch zu Fuß oder mit dem Rad. Natürlich gibt es dafür Ausnahmen, und dann macht das Elterntaxi in manchen Fällen auch Sinn.

Anzahl an Elterntaxis steigt massiv

In den letzten 30 Jahren ist laut Informationen des ACV Automobil-Club Verkehr, die Anzahl der Elterntaxis rapide gestiegen. Jedes dritte Kind zwischen sechs bis acht Jahren wird einer Umfrage aus 2018 zufolge regelmäßig mit dem Auto zur Schule gebracht. Das bringt mehrere Probleme mit sich.

Denn gefährlich sind die Elterntaxis vor allem für die Kinder, die allein zur Schule kommen. Die Verkehrssituation wird hier unübersichtlicher, es kann schneller zu Unfällen kommen. Außerdem verstopfen immer mehr Autos natürlich auch die Gegend um die Schule. Wenn ihr eure Kinder also mit dem Auto bringen müsst, dann lasst sie doch nicht direkt vor der Schule raus. Sondern sucht eine sichere Parkmöglichkeit in der Nähe und geht die letzten Meter gemeinsam zu Fuß.

Kinder fehlt Bewegung

Den chauffierten Kindern fehlt Bewegung, was gerade für Grundschüler*innen sehr wichtig ist. Wir alle sitzen zu viel, da sollten Kinder den Weg zur und von der Schule dazu nutzen, sich mehr oder weniger sportlich zu betätigen. Wenn Kinder mit dem Auto gefahren werden, so werden sie laut ACV "davon abgehalten, eine eigene Verkehrskompetenz zu entwickeln".

Pressefoto_Simon sagt_Popcorn Album Shooting

Interview mit "Simon sagt"

Wir haben mit dem Musiker Simon Bergholz alias "Simon sagt" über sein Engagement und Elterntaxis im Speziellen gesprochen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Dir und dem ACV Automobil-Club Verkehr?

"Der ACV wollte beim Thema „Elterntaxis“ mit einem Lied direkt bei den Kids ansetzen und ist über mein Album „Popcorn für alle!“ auf mich als Kinderliedermacher aufmerksam geworden. Vor allem dürfte dabei mein Song „Fahrrad“ überzeugt haben, in dem ich meinen Standpunkt zur Verkehrsmittelwahl relativ deutlich mache. Da fiel die Wahl nachher wahrscheinlich nicht sehr schwer und so haben sie mich kontaktiert."

Popcorn Für Alle!

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Stark gegen Elterntaxis

Warum machst du dich stark gegen Elterntaxis? Was ist deiner Meinung nach daran so gefährlich?

"Die Liste ist lang. Doch zunächst einmal geht es im Zusammenhang mit Elterntaxis auch um ein sicheres Bewegen im Straßenverkehr. Kompetenzen, die Kinder sicher nicht hinten auf dem Rücksitz eines SUVs lernen, sondern eben zu Fuß oder wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind. Letzteres stärkt zum Beispiel auch wunderbar ihre motorischen Fähigkeiten.

Außerdem können sich die Kinder ohne das Elterntaxi mit ihren Klassenkameraden für den Schulweg verabreden und auf diese Weise ihre sozialen Kontakte pflegen. Das sind alles Chancen, die den Kids durch den Chauffeurdienst von Mama und Papa sonst genommen werden.

Gefährlich wird es zudem, wenn es vor den Schulen durch die vielen Elterntaxis nachher unübersichtlich und chaotisch wird. Gerade in solchen Situationen kommt es dann häufig zu Unfällen. Und in Zeiten des Klimawandels dürfen gesunde Menschen meiner Meinung nach gerne generell auf Autofahrten für Strecken in Nahdistanz verzichten."

Entgangene Abenteuer

Habst du mit Kindern über die Elterntaxis gesprochen? In Deinem Song geht es logischerweise ja weniger um den Sicherheitsaspekt den anderen Schüler*innen gegenüber als mehr um die entgangenen Abenteuer.

"Ich habe mit einigen Kindern gesprochen. Dabei hatte ich den Eindruck, dass der Spaß und Austausch mit Freunden auf dem Schulweg und der Aspekt, etwas unabhängiger und selbstständiger zu werden, die Kinder unmittelbar anspricht und sehr wichtig für sie ist.

Dass sie dadurch auch lernen, sich im Straßenverkehr zurecht zu finden, selbst mehr Sicherheit erlangen und auch ihre Mitschüler durch weniger Elterntaxis schützen, ist ein super Nebeneffekt, der natürlich auch mit ihnen kommuniziert werden sollte."

Wie kamst du auf die Idee für das Video?

"Die Idee für das Video stammt von der Regisseurin Lilja Häfele: drei Elternteile meinen es aus unterschiedlichen Gründen sehr gut mit ihren Kindern, merken jedoch nicht, dass diese ihnen bereits mehrere Schritte voraus sind."

Wurdest du in deiner Schulzeit eigentlich mit dem Auto zur Schule gebracht?

"Nein, ich bin immer zu Fuß gegangen und später Fahrrad gefahren. Gerade mit dem Fahrrad war ich auch immer sehr viel schneller da!"

Im Video bekommt ihr Hinweise darauf, wie ihr euch im Falle eines Unfalls als Ersthelfer richtig verhalten solltet.

 

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ich bringe eins meiner Kinder jeden Morgen zur Schule. Zu Fuß. Das liegt daran, dass wir in der Nähe der Grundschule wohnen und ich die gemeinsame Zeit morgens genieße. Die zwei Kitakinder fährt mein Mann mit dem Lastenrad in die Kita. Und nachmittags wechseln wir uns ab.

Natürlich fluche ich, wenn ich mir wieder das Regencape überwerfen und durch halb Berlin radeln muss, um die Kinder aus der Kita zu holen. Aber gleichzeitig sehe ich das als mein tägliches Sportprogramm. Mit dem Auto zu fahren verhindert ja auch, dass wir alle eine große Portion frische Luft genießen.

Psst, ganz offtopic: Meine Kinder sind Fans von Simon sagt. "Chill, Digga, chill" läuft hier rauf und runter. Ich hab mit diesem Interview also auch innerfamiliär gepunktet und hoffe, dass es euch Einblicke in dieses wichtige Thema gibt!

Bildquelle: Universal Music Family Entertainment

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