Das erste Mal – Tipps für die Aufklärung von Teenagern

Irgendwann kommt auch für euer Kind der Zeitpunkt, an dem der eigene Körper, der der anderen und damit die Sexualität plötzlich interessant werden. Wie ihr über das erste Mal & Co. ganz ohne roten Kopf sprecht.

Verhüten beim ersten Mal

Viele Eltern denken, sie müssten in puncto Aufklärung hauptsächlich über Sex im Allgemeinen sprechen. Dabei wissen Jugendliche rein technisch und biologisch gesehen besser Bescheid als ihr denkt, vernachlässigt wird oft das Thema Verhütung.


Zwischen 14 und 18, da passiert es meistens – das erste Mal. Die einen sind etwas früher dran, die anderen lassen sich etwas mehr Zeit. Wann es wirklich so weit ist, wissen die wenigsten Eltern. Spätestens dann, wenn die Tochter oder der Sohn in der ersten Beziehung sind, wisst ihr aber, dass es jetzt bald zur Sache gehen könnte. Natürlich wollen Eltern nur das beste für ihr Kind und gerade zu Beginn dieser neuen Phase fällt es vielen Eltern schwer, zu akzeptieren, dass Sohn oder Tochter sich nun mehr für sexuelle Gefühle interessiert, als für den Musikunterricht oder Familienausflüge. Macht euch bewusst, dass eine erwachende Sexualität im Teeniealter absolut natürlich und gesund ist. Euer Kind entwickelt sich gut und wird erwachsen.

Wie ihr sicher auch noch von eurem ersten Mal in Erinnerung habt, kreisen ganz schön viele Fragen durch den hormongesteuerten Jugendkopf: Wie verhüte ich richtig? Welche Fehler kann ich machen? Ist mein Körper normal? Ihr kennt diese Fragen und wollt deshalb, dass eure Kinder so aufgeklärt wie möglich an ihr erstes Mal herangehen. Doch wie sprecht ihr mit eurem pubertierenden Kind über Sex, Verhütung und ansteckende Krankheiten, ohne dass es peinlich wird? Schließlich sollen Teenager einen unverkrampften Umgang zur natürlichsten Sache der Welt entwickeln. Für ein gelungenes Aufklärungsgespräch gibt es keine allgemeingültige Formel. Wie auch so oft im Leben gilt auch hier der Satz: Kommt drauf an!

Worauf kommt es an?

Wie ihr ein Aufklärungsgespräch am besten angeht, hängt ganz von eurer Familiensituation ab. Ist das Verhältnis zu eurer Tochter oder eurem Sohn gerade schwierig, wird der Alltag von Türknallen und genervten Blicken bestimmt, solltet ihr das Thema lieber nicht beim Abendessen ansprechen oder wild mit dem Kondom wedeln. Da die Gefühlswelt von Teenagern sehr fragil ist, solltet ihr hier zu Samthandschuhen greifen. Schnell fühlen sich pubertierende Jugendliche in ihrer Intimsphäre verletzt und das wird eure Situation nicht gerade verbessern. In diesem Fall solltet ihr einfach Offenheit zeigen und eurem Kind das Gefühl geben, dass Sex bei euch kein Tabuthema ist. Wenn ihr ein ungutes Gefühl habt, eurem Kind nicht Rede und Antwort stehen zu können, könnt ihr ihm Tipps geben, wo es sich selbst informieren kann: Auch heute noch hilft Doktor Sommer Jugendlichen bei Fragen rund ums Thema Sex weiter, im Internet gibt es mittlerweile eine riesige Sammlung. Auch die Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ein guter Rat für euer Kind, wenn es nach Informationen sucht.

Ist eure familiäre Situation entspannt, sollte auch ein Gespräch zum Thema Sex drin sein. Das Schwerste ist für Eltern oft, den Einstieg für ein Aufklärungsgespräch zu finden. Denn dass euer Kind auf euch zukommt und Fragen stellt, ist eher unwahrscheinlich. Oft ist Gegenteiliges der Fall, macht euch also auf eine ablehnende Haltung gefasst. Da Kinder in der Pubertät mit großer Scham zu kämpfen haben, ist Taktgefühl gefragt. Achtet darauf, in Gesprächen die Privatsphäre eures Kindes nicht anzugreifen. Sonst lauft ihr Gefahr, dass sich euer Kind komplett verschließt. Vermittelt mit der richtigen Taktik, dass es als junger Erwachsener ernst genommen wird. Für Jugendliche hat Sexualität generell mehr mit Emotionen als mit Gesundheit zu tun. Die Gefühle beim ersten Mal sind ein guter Aufhänger für ein Gespräch. Erklärt eurer Tochter oder eurem Sohn, dass es wichtig ist zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu stehen. Ermutigt sie, ihre Gefühle ernst zu nehmen und diese nicht zu übergehen.

Was ist wichtig?

Viele Eltern denken, sie müssten in puncto Aufklärung hauptsächlich über Sex im Allgemeinen sprechen. Dabei wissen Jugendliche rein technisch und biologisch gesehen dank Internet, Serien und Büchern besser Bescheid als ihr denkt, vernachlässigt werden hingegen oft Themen, die die Verhütung und die intime Beziehung zwischen zwei Menschen betreffen:

  •  Wie schützt man sich vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten?
  • Was tun, wenn bei der Verhütung etwas schief läuft?
  • Woran merke ich, dass es dem anderen gefällt und ob der andere einverstanden ist?
  • Welche unterschiedlichen Wertvorstellungen existieren über Sexualität, Partnerschaft, etc.?

Verhütung für Anfänger

Nicht alle Verhütungsmethoden sind für Jugendliche geeignet, manche erfordern eine sorgfältige Kenntnis und Beobachtung des eigenen Körpers, wie beispielsweise natürliche Methoden, die auf Körpertemperatur und Zyklusveränderungen beruhen. Auch das Diaphragma, die Drei-Monats-Spritze oder das Frauenkondom sind bei jungen Frauen nicht zu empfehlen. Manche chemische Verhütungsmittel wie Zäpfchen, Gels oder Cremes gelten als unsicher und sollten nur in Kombination mit anderen Mitteln angewendet werden.

Das häufigste Verhütungsmittel beim ersten Mal ist das Kondom. Bei richtiger Anwendung ist diese Form der Verhütung sehr sicher. Für Mädchen und junge Frauen ist die Pille nach wie vor die beliebteste Verhütungsmethode, da sie sehr sicher ist. Allerdings können Anwendungsfehler die Sicherheit gefährden, deshalb sollte der Beipackzettel sorgfältig gelesen und bei Fragen an direkt der Frauenarzt angesprochen werden. Die Pille schützt nicht vor Infektionskrankheiten, daher sollte zusätzlich ein Kondom verwendet werden.

Welche sexuell übertragbaren Krankheiten gibt es?

Wo zwei Körper nah aufeinandertreffen und Körperflüssigkeiten ausgetauscht werden, können sich auch Krankheiten übertragen. Die meisten Teenager kennen zwar den HI-Virus und wissen, dass man sich davor schützen muss, aber wie sieht es mit anderen Geschlechtskrankheiten aus? Studien und Umfragen belegen in diesem Bereich großen Nachholbedarf, mehr als die Hälfte der Jugendlichen weiß beispielsweise nicht, was Chlamydien sind.

  • HPV (Humanes Papillomvirus): Wird beim Sex häufig übertragen und gehört zu den weltweit häufigsten Infektionen. Kann der Auslöser für schmerzhafte Genitalwarzen, aber unter Umständen auch für Gebärmutterhalskrebs sein. Es wird empfohlen, junge Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr dagegen impfen zu lassen. Die Impfung wird von den gesetzlichen Kassen übernommen.
  • Chlamydien: Ist in Deutschland die am häufigsten übertragene Krankheit. Die Bakterien verursachen Brennen in der Harnröhre oder Ausfluss, oft bleiben sie aber unbemerkt. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie bei Frauen Unfruchtbarkeit verursachen.
  • Tripper (Gonorrhö): Wird ebenfalls durch Bakterien verursacht. Bleibt bei Frauen oft ohne Symptome, löst bei Männern aber eine eitrige Harnröhrenentzündung aus. Längere Infektionen können bei Mann und Frau zu Unfruchtbarkeit führen.
  • Syphilis: Geschwüre im Genitalbereich und Ausschlag auf den Schleimhäuten gehören zu den Symptomen. Wird die Krankheit rechtzeitig entdeckt, helfen einfache Antibiotika. Unbehandelt können die Erreger auch noch nach Jahren Nervenschädigungen oder Lähmungen verursachen.

Wichtig ist bei der Aufklärung über Geschlechtskrankheiten, keine Angst zu verbreiten. Die Verhütung mit einem Kondom schützt vor all diesen Krankheiten.

Was tun, wenn bei der Verhütung etwas schief läuft?

Auch diese Frage solltet ihr besprechen. Verhütungspannen sind ärgerlich, passieren aber den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens und sind kein Weltuntergang. Erklärt eurem Kind, dass beispielsweise durch die Pille danach auch nach dem Sex noch vor einer Schwangerschaft geschützt werden kann und dass es sich nicht schämen braucht, mit diesem Thema zu euch zu kommen.

Aus Unwissenheit heraus wird die eigene Sexualität schnell als etwas Unangenehmes oder Peinliches empfunden. Deshalb ist es wichtig, eurem Kind schon von klein auf einen gesunden und offenen Umgang mit dem Körper und der Sexualität zu zeigen. Auf diese Weise wird ein Aufklärungsgespräch vor dem ersten Mal auch viel weniger unangenehm.