Abpumpen: Mit Muttermilch mobil

Muttermilch abpumpen ist vor allem eines: Praktisch! Es schenkt neue Freiheiten, steigert die Milchmenge bei Bedarf und hilft, wenn Sie eine Stillpause einlegen müssen. Hier erfahren Sie, wie das Milch abpumpen funktioniert und wie Sie die Muttermilch aufbewahren und Ihrem Baby füttern.


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Stillen ist etwas Wunderbares. Es ist kuschelig und praktisch: Ganz gleich, wo Mutter und Säugling sind, die Mahlzeiten sind immer dabei, mit der richtigen Temperatur und in der richtigen Menge. Die beste Nahrung für das Baby ist außerdem Muttermilch. Doch was ist, wenn Mutter und Baby mal nicht am selben Ort sein können? Wenn die Mutter wieder in den Beruf zurückkehrt oder vielleicht auch nur einen Abend ins Kino will? Auch dann müssen sie und ihr Baby nicht auf die vielen Vorteile des Stillens verzichten. 



© iStock
Muttermilch auf Vorrat mit der Milchpumpe


Die Milchpumpe macht es möglich. Mit diesem, übrigens schon im 16. Jahrhundert erfundenen Gerät können stillende Mütter ihre Milch abpumpen. Dann kann der Vater oder die Tagesmutter dem Baby die Muttermilch mit der Flasche oder mit einem Löffel geben, während die Mutter fort ist. Frühchen, die noch nicht selbstständig saugen, können so ebenfalls mit der genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Muttermilch gefüttert werden. Ein Vorrat hilft auch, einen Milchstau oder Brustentzündungen zu überbrücken. Das klingt perfekt, aber leider ist das Abpumpen nicht ganz einfach. Verglichen mit dem kuscheligen Stillerlebnis sind Milchpumpen nämlich etwa so sinnlich wie Stützstrümpfe. "Die meisten Mütter fühlen sich ein bisschen wie eine Milchkuh", sagt Bettina Müschen, seit 14 Jahren Stillberaterin der La Leche Liga Deutschland.

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Abpumpen der Muttermilch ist Gewöhnungssache

Anfangs kann es passieren, dass trotz eifrigen Pumpens nur wenig Milch im Auffangbehälter landet. "Stillen ist eine Kopfsache", sagt Müschen. "Eine Milchpumpe übt eben nicht denselben Reiz auf das Gehirn aus wie ein Säugling. Es kann etwas dauern, bis sich der Körper an das Abpumpen gewöhnt." Damit die Milch richtig fließt, ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und nichts erzwingen zu wollen. "Es hilft, die Brust vorher mit einem warmen Waschlappen, einem Kirschkernkissen oder einer sanften Massage zu erwärmen", sagt die Stillberaterin. "Ein Foto des Babys kann den Milchfluss ebenfalls anregen." Die meisten Frauen fühlen sich wohler, wenn sie beim Abpumpen allein sind. Wenn der Mann oder ältere Kinder neugierig gucken, stört das oft sehr. 



Zwischen zwei Stillmahlzeiten abpumpen
Die beste Zeit zum Abpumpen der Muttermilch ist zwischen zwei Stillmahlzeiten. "Mütter müssen sich aber keine Sorgen machen, dass sie ihrem Kind dadurch etwas wegnehmen", beruhigt Bettina Müschen. "Die Brust ist nie leer. Selbst wenn ein Baby pappsatt ist, hat es höchstens 80 Prozent der Milch getrunken."
Elektrische Milchpumpe oder Handpumpe?
Eine gute Ausrüstung ist entscheidend. Am besten klappt es mit einer modernen elektrischen Kolbenmilchpumpe, bei der sich Saugintensität und -intervalle stufenlos einstellen lassen. Diese Geräte kann man in Apotheken, Sanitätshäusern oder bei Hebammen leihen. Kaufen muss man nur das dazugehörige Set mit Schläuchen und Auffangbehältern. Hat der Arzt die Pumpe verschrieben, trägt die Krankenkasse die Leih-Kosten. Wer nur gelegentlich Muttermilch sammeln oder unterwegs abpumpen möchte, ist mit einer kleinen Hand-Milchpumpe (Kosten je nach Ausstattung ca. 40-150 Euro) gut beraten. Hier werden Rhythmus und Intensität manuell bestimmt. Die Hebamme hilft bei der Auswahl.
Warnung vor zu billigen Milchpumpen
Wichtig bei allen Geräten ist, dass der Saugaufsatz Brustwarze und Warzenhof großzügig umfasst und die Intensität nicht zu stark ist. "Auf keinen Fall sollte man die billigen Handpumpen aus  Glas nehmen, bei denen man einen roten Gummiball drückt", warnt Müschen. "Da kann man den Druck nicht regulieren, und es tut weh! Außerdem können die Gummibälle Schadstoffe absondern."

Richtig abpumpen - So läuft's!
  • 1 / 10

    Setzen Sie sich bequem in aufrechter Position hin.

  • 2 / 10

    Platzieren Sie die Brustwarze mittig in der Brusthaube.

  • 3 / 10

    Milch abpumpen kann und darf sich durchaus unangenehm anfühlen, weh tun sollte es jedoch nicht!

  • 4 / 10

    Wenn der Milchfluss nachlässt, wechseln Sie zur anderen Brust – bis Sie jede Brust zwei Mal entleert haben.

  • 5 / 10

    Verschieben Sie während des Pumpens den Aufsatz leicht, so wird die Brust möglichst vollständig entleert.

  • 6 / 10

    Wichtig: Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre, dann fließt die Milch am besten!

  • 7 / 10

    Warme Kompressen und Brustmassagen regen den Milchfluss an.

  • 8 / 10

    Wenn der Milchfluss nicht so recht in Gang kommen will: Denken Sie an Ihr Baby! Oder schauen Sie ein Foto an.

  • 9 / 10

    Sehen Sie die Zeit, die Sie fürs Abpumpen benötigen, bewusst als kleine Auszeit. Lesen Sie gemütlich ein Buch, lesen Sie Ihrem älteren Kind vor – oder tun sich einfach mal gar nichts!

  • 10 / 10

    Hygiene ist wichtig! Reinigen Sie alle Teile der Milchpumpe immer sorgfältig.


Aufbewahren und Aufwärmen von Muttermilch

Muttermilch können Sie im Kühlschrank aufbewahren und sogar für einige Monate einfrieren. Für die Aufbewahrung im Kühlschrank eignen sich kleine Glasbehälter oder BPA-freie Plastikgefäße. 


© iStock
Die meisten Pumpenhersteller haben kleine Aufbewahrungsbeutel im Angebot, in denen die Milch eingefroren werden kann. Achtung: Abpumpdatum nicht vergessen!
Muttermilch erwärmen
Eingefrorene Muttermilch können Sie im Kühlschrank oder im handwarmen Wasserbad auftauen. Bitte erwärmen Sie Ihre Milch nicht in zu heißem Wasser, im Topf oder in der Mikrowelle – den wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen bekommt das gar nicht. Kühlschrankkalte Milch können Sie natürlich auch im Fläschchenwärmer aufwärmen. Rühren Sie die Milch vor dem Füttern um, damit sich das abgesetzte Fett verteilt. Die optimale Temperatur liegt bei Körpertemperatur, d.h. ca. 37 Grad.
Mit der Milchpumpe die Milchmenge steigern
Die Milchproduktion Ihres Körpers funktioniert nach dem einfachen, aber wunderbaren Gesetz von Nachfrage und Angebot: Die Nachfrage bestimmt das Angebot! Wenn Sie Ihre
Milchmenge steigern möchten, können Sie nach jeder zweiten Stillmahlzeit anschließend noch abpumpen. Auch wenn jetzt sicher nur wenig Milch kommt: Durchhalten! Das zusätzliche Abpumpen ist für Ihren Körper das Signal: Bitte mehr Milch produzieren. Auch wenn es schwer fällt: Sie sollten auch nachts mindestens einmal aufstehen und Milch abpumpen.

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Wichtig zu wissen

➤ Abpumpen benötigt Zeit und Geduld!
➤ Die abgepumpte Milch eines Tages können Sie problemlos mischen und aufbewahren.
➤ Bereits aufgewärmte Milch sollte nicht nochmals aufgewärmt werden.
➤ Wenn Ihr Baby die Milch nicht mit der Flasche trinken möchte, ist die Fütterung mit dem Löffel oder mit einem kleinen Becher in jedem Fall einen Versuch wert.



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