Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Vatersein, das ist nicht schwer – oder etwa doch?

Vatersein, das ist nicht schwer – oder etwa doch?

Persönlich

Das Vatersein – immer noch ranken sich um einen ganz natürlichen Zustand viele Mythen. Verwunderlich ist das nicht. Gibt es doch entweder betont coole Papabücher oder den insgeheim vertretenen Vorwurf, die Väter könnten es doch eh nicht so richtig. Als wäre ein Papa ein Reserveelternteil, der im Notfall eingewechselt wird, kein Stammspieler in der Familienmannschaft.

Vatersein – was bedeutet das eigentlich?

Als Papa bin ich Profi. Ich weiß, welche Hosen meiner Tochter passen. Ich weiß auch, ob sie im nächsten Monat neue brauchen wird und wo ich diese Hosen kaufen könnte. Es bereitet mir keinerlei Probleme, spontan etwas in der Küche aus Resten zu kochen. Überhaupt, ich kann kochen. Ich befinde mich dabei auch in der Küche, zu Hause. Aber bin ich deshalb ein guter Papa? Am Anfang meiner Vaterschaft konnte ich diese Frage nicht wirklich beantworten, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste im Verhältnis zu meiner Frau einen enormen Beziehungsrückstand aufholen. Als wäre sie mit unserer Tochter im Bauch einen Marathon gelaufen und ich wäre bei der Geburt gerade mal an der Startlinie aufgetaucht.

Vatersein bedeutet Verantwortung übernehmen

Mittlerweile kann ich meine Tochter genauso gut beruhigen wie meine Frau. Gerade wenn es Meltdowns gibt, die die innere Welt meines Kindes zusammenstürzen lassen. All das war ein langer, oft steiniger Weg. Denn das Verständnis für mein Kind musste ich mir erarbeiten. Papa sein ist nichts, was ich wie aus dem Nichts magisch konnte. Eine Bedienungsanleitung gibt es ebenfalls nicht. Das einzige, was mir geholfen hat, Verantwortung als Papa zu übernehmen, war Zeit mit meinem Kind. Bewusste, manchmal hart erkämpfte Momente, weil ich eben „nicht die Mama“ war. Umso wertvoller ist mir die gute Beziehung, die ich jetzt mit meiner Tochter habe.

Das Schöne am Vatersein

Doch das Schönste am Vatersein ist meiner Meinung nach, dass ich mich selbst besser verstehen lerne. So viel habe ich über mich als Mensch gelernt in den letzten Jahren. Welche Dinge mir als Kind schwergefallen sein müssen, jetzt, wo ich die selben Schwierigkeiten bei meinem Kind sehe. Auf gute Freunde warten, beispielsweise. Unter Zeitdruck zu einer Unternehmung aufbrechen. Oder es aushalten, wenn jemand etwas anderes sein Eigen nennt, was ich aber auch gerne hätte.

Meine Tochter triggert mich hart, im besten Sinne. Durch sie lerne ich zu begreifen, wie ich als Kind am glücklichsten gewesen wäre. Und all diese Erkenntnisse, die ich einsammle wie kleine Schätze, kommen ihr hoffentlich eines Tages zugute. Ich packe sie in ihren Kopf wie in einen Drachenhort und passe auf, dass sie ihr niemand mehr weg nimmt.

Das heißt nicht, dass ich nicht mit schöner Regelmäßigkeit aus meiner Haut fahre oder es am Ende eines langen Tages schnaufend als Triumph feiere, wenigstens einmal ans Atmen gedacht zu haben, anstatt sofort zu meckern. Aber ich funktioniere als Papa. Meine Frau muss sich nicht darum sorgen, dass ich das Kind versehentlich mit Motoröl füttere oder verkehrtherum in den Babystuhl einspanne. Was für ein komisches Vaterbild ist das denn bitte auch?!

Wie meistern Papas den Alltag mit ihren Kindern?

Diese Frage lässt mich kopfschüttelnd zurück. Nicht, weil es da nicht viel Nachholbedarf gäbe. Sondern weil die Frage indirekt davon ausgeht, dass Mamas den Alltag mit Kids wie seltsame Superheldinnen nebenher erledigen. Dabei ist der Punkt, den viele Papa-Ratgeber und Väterblogs auslassen, eben genau der: Der Alltag und die gemeinsam verbrachte Zeit sind die entscheidenden Stellschrauben. Ich kann nur besser in etwas werden, wenn ich es konstant tue. Egal, ob ich Lust darauf habe oder müde bin. Als Vater bin ich eben nicht die Aushilfskraft, sondern immer dabei.

Vatersein für Anfänger – mein Fazit

Papas können alles, was Mamas können. Aber solange wir Väter bewundern, die Aufgaben vollbringen, die für Frauen nicht nur selbstverständlich sind, sondern von ihnen einfach erwartet werden, ist die Sache mit dem Motoröl nicht ganz so weit hergeholt, wie ich es mir wünschen würde.

Solange es immer noch Alltag ist, dass Papas keine große Rolle bei der Entwicklung ihrer Kinder spielen, solange entgehen uns Vätern und unseren Kindern wertvolle Erfahrungen. Wir sind keine lustigen Witzfiguren oder Ersatzeltern, wenn das Original gerade ausverkauft ist. Wir können das. Und es können zu dürfen tut so gut.

Bildquelle: Unsplash/Nathan Dumlao

Hat Dir "Vatersein, das ist nicht schwer – oder etwa doch?" gefallen? Wir freuen uns, wenn du den Artikel teilst - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Pinterest oder Instagram folgen.

Galerien
Lies auch
Teste dich