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Kinderärzte und Eltern verzweifelt: Kitas schicken Kinder mit Schnupfen wieder nach Hause

Angst vor Corona

Kinderärzte und Eltern verzweifelt: Kitas schicken Kinder mit Schnupfen wieder nach Hause

Seit ca. vier Wochen sind die Kitas wieder deutschlandweit geöffnet. Doch die ersten Kinder sind vielerorts wieder zu Hause. Denn aus Angst vor einer Corona-Ansteckung schicken einige Kitas die Kinder wieder heim und nehmen Kinder nur mit Attest wieder auf. Die Folge: Wir Eltern sitzen in überfüllten Arztpraxen und müssen um eine Gesundschreibung betteln. Was nun?

Kinder haben alle paar Wochen ein Rotznase, auch im Sommer. Das ist ganz normal. Damit gehen sie normaler Weise auch in die Kita. Denn bisher gilt, dass man ein Kind nicht bringen sollte bzw. darf, wenn es Fieber, Durchfall oder Erbrechen hat. Denn dann kann es sich um eine Infektionskrankheit handeln und das Kind wäre eine gesundheitliche Gefährdung für das Kitapersonal und andere Kinder. Doch das Corona-Virus ändert die Situation komplett und viele Kindertagesstätten haben nun Angst um die Gesundheit ihrer Kinder und der Mitarbeiter.

Ein gesundes Kind gehört nicht in eine Arztpraxis

In Berlin, Thüringen und Niedersachsen berichten Kinder- und Jugendärzte von überfüllten Praxen. Die Kitas sind seit dem Ausbruch des Coronavirus vorsichtig und manche sogar strenger als sonst: Kinder, die nur mit einer triefenden Nase kamen oder mal niesten, was auch allergisch bedingt sein könnte, wurden aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt. Manche verlangten sogar eine Gesundschreibung, damit das Kind wieder in die Kita gehen darf. Doch diese wird im Normalfall bei einem Schnupfen nicht ausgestellt, sondern nur bei einer Erkrankung, die dem Infektionsschutzgesetz unterliegt.

Die Regelungen sind hier von Bundesland zu Bundesland und von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. In einem Landkreis in Niedersachsen sollten Eltern auch nach einem Schnupfen immer einen Corona-Test machen, bevor das Kind erneut in die Kita darf. Viele Eltern beschwerten sich darauf hin beim zuständigen Gesundheitsamt. Jakob Maske, Kinderarzt in Berlin und Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte, berichtet der Süddeutschen von Eltern, die weinend um ein Attest gebeten hätten. Er führt an, dass es keinen Sinn macht, Kinder nach einem Schnupfen gesund zu schreiben.

Wir haben das Problem, dass hier vermehrt gesunde Kinder in die Praxis kommen, was wir eigentlich sowieso vermeiden wollen, aber zu Covid-19-Zeiten insbesondere.

Oliver Bartelt, Kinderarzt in Berlin

Wegen Attest zum Kinderarzt?

Wir Eltern müssen jedoch in jedem Fall zum Kinderarzt, wenn die Kita sich weigert, das Kind mit Schnupfen aufzunehmen. Denn der Arbeitgeber verlangt ebenfalls eine Krankschreibung und wir können das Kind nicht eine Woche lang einfach so zu Hause betreuen. Ärzte und auch wir Eltern haben Verständnis dafür, dass die Kitas, in denen die Mitarbeiter teilweise auch zur Risikogruppe gehören bzw. selbst Eltern von Kindern sind, ihr Personal nicht gefährden möchten. Doch es kann nicht sein, dass wir Eltern zum Kinderarzt wegen eines Schreibens müssen, dass der Kinderarzt wahrscheinlich nicht ausstellen wird.

Rat für Eltern: Das empfehlen Kinderärzte jetzt

Jakob Maske rät Eltern, die Nerven zu behalten und sich an die bisherigen Vorgaben zu halten. Ein Kind gehört bei folgenden Symptomen nicht in die Kita:

  • Fieber von mindestens 38,5 ° Celsius hat, rektal gemessen
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Schlappheit und Unwohlsein

Bei Husten und Schnupfen sollten die Eltern laut Jakob Maske selbst entscheiden, ob sie das Kind ein bis zwei Tage zu Hause behalten können und mit der Kita sprechen. Doch die obigen Symptome müssen dann von einem Arzt abgeklärt werden. Sollte das Kind Kontakt zu einer nachweislich mit Corona-Infizierten Person haben, sollte man es ebenfalls nicht in die Kita zu schicken und sich unbedingt zunächst telefonisch beim Kinderarzt zu melden, wo ein Corona-Test durchgeführt werden kann. Zudem sollte man die Kitas immer direkt informieren, wenn ein Kind Allergien hat, damit das Personal nicht verunsichert ist, wenn es häufiger niest oder andere Symptome hat, die nicht ansteckend sind.

Wie sollen die Kitas jetzt mit kranken Kindern umgehen?

Für Kitas bleibt es weiterhin schwierig, wenn die Vorgaben so unterschiedlich und teilweise auch unklar sind. Sie müssen teilweise ganz individuell entscheiden und wissen ja nicht direkt, mit wem ein Kind Kontakt hatte und wie krank es ist. Sie sind auf die wahrheitsgemäßen Informationen der Eltern angewiesen. Sabine Radtke, Referentin für Kindertagesstätten vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Berlin, sagt, dass es schön wäre, wenn der Senat klar regeln würde, dass Kinder, die 48 Stunden ohne Symptome sind, wieder in die Kita gehen könnten.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat für alle Arztpraxen ein Schreiben veröffentlicht, wie sie in Bezug auf Atteste vorgehen sollten. Manche Ärzte bieten den Eltern an, in den Kitas anzurufen. Doch ist das auch keine Lösung, wenn Ärzte jetzt den halben Tag telefonieren müssen, damit ein Kind betreut werden darf. Es ist daher notwendig, dass es einheitliche auf Corona bezogene Regelungen in jedem Bundesland gibt, bei welchen Symptomen ein Kind zu Hause bleiben sollte und wann ein Test vonnöten ist.

Es muss eine klare Regelung von oben geben, wie Kitas mit leichten Symptomen in den nächsten Monaten umgehen sollen. Und ich bin mir sicher, die wird kommen.

Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

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Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Ratlos

Auf uns Eltern kommt nach den Sommerferien eine schwierige Zeit zu. Die Erkältungssaison beginnt wieder und viele von uns sehen sich schon wochenlang wieder mit den Kindern in der Homeoffice-Betreuung zu Hause. Wenn es diesbezüglich nicht bald eine klare Regelung gibt bzw. auch örtlich einfach Möglichkeiten, die Kinder auf Corona testen zu lassen, wird das eine große Herausforderung für alle. Ich kann die Kitas sehr gut verstehen, doch wenn es jetzt neue Vorschriften für kranke Kinder gibt, müssen diese für uns auch umsetzbar sein. Sonst sitzen wir im Herbst wieder alle mit den schniefenden Kindern in den Praxen, betteln um ein Attest bzw. wissen nicht, ob unser Kind ohne ein Schreiben in die Kita darf. Das ist für alle Beteiligten eine unzumutbare Situation.

Bildquelle: Getty Images/PeopleImages

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