Arztsuche: Was Sie beachten sollten

Sie suchen nach der Geburt Ihres Kindes einen Kinderarzt? Oder Sie möchten den Hausarzt wechseln? So finden Sie einen guten Arzt:


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Kommen Sie aus einer Großstadt oder aus einem kleinen Dorf auf dem Land, denken Sie sich wahrscheinlich: Tipps für die Arztsuche brauche ich nicht, ich muss den nehmen, bei dem ich einen Termin bekomme / den einzigen der in Reichweite ist. Und ja, da haben Sie nicht ganz unrecht. Manchmal kann man sich den Arzt nicht aussuchen und muss "nehmen, was man bekommt." Trotzdem können Sie unsere vier Tipps zumindest im Hinterkopf behalten, um bei der Suche nach einem kompetenten Arzt ein Stückchen weiter zu kommen.

Darf ich meinen Hausarzt überhaupt einfach so wechseln?


In Deutschland gilt die freie Arztwahl – sowohl für Kassen- als auch Privatpatienten. Grundsätzlich stellt ein Hausarztwechsel also kein Problem dar. Schwierigkeiten können auftreten, wenn Sie einem Hausarztmodell zugestimmt haben. Hier kann es eine Kündigungsfrist geben, die Sie einhalten müssen. Ein anderes Problem kann die Übergabe der Krankenakte sein. Oft dauert es sehr lange, bis der neue Arzt die Krankenakte vom alten Arzt zugeschickt bekommt, auch wenn er diese selbst angefordert hat. Das können Sie umgehen, wenn Sie sich selbst eine Kopie der Krankenakte ausstellen lassen. Das ist nach den Einsichtsrechten des Patientenrechtegesetzes Ihr Recht und darf nicht abgelehnt werden.

Sie möchten Ihren Frauenarzt während Ihrer Schwangerschaft wechseln? Alle Infos dazu finden Sie hier:

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Tipps, um einen kompetenten Arzt zu finden

1. Bewertungsportale mit Vorsicht genießen

Mittlerweile gibt es auch für Ärzte zahlreiche Bewertungsprogramme im Netz. Zu den größten gehören Jameda und die Weisse Liste.

Solche Portale können Sie durchaus nutzen, um einen ersten Eindruck von Arzt und Praxis zu bekommen. Doch, wie bei anderen Rezensionen im Internet, sollten Sie die Patientenbewertungen mit Vorsicht genießen. Denn auch renommierte Portale können nicht zu 100 Prozent gewährleisten, dass gefälschte Meinungen gepostet werden.

Des Weiteren werden auch die echten Meinungen recht subjektiv ausfallen, da es auch um die zwischenmenschliche Ebene geht, die bei einem Arztbesuch natürlich immer eine Rolle spielt. Zudem kann es sein, dass die Patienten, die eine Bewertung abgegeben haben, komplett andere Schwerpunkte setzen, als Sie es vielleicht tun würden. So kann eine hochmoderne Praxis mit ansprechendem Ambiente eine schlechtere Bewertung bekommen als eine etwas ältere Praxis, bei der die Ärzte aber viel kompetenter sind. Eine Einschätzung der fachlichen Kompetenz ist für Laien nämlich eher schwer möglich. Das zeigen auch verschiedene Studien aus den USA und Großbritannien: Die Bewertung der Behandlungsqualität hängt nur sehr bedingt mit der Fachkompetenz des Arztes zusammen. Am besten vereinbaren Sie eine Art Kennenlerngespräch, bevor Sie den Arzt für eine langwierige Therapie auswählen.

Tipp: Die meisten Patienten geben an, dass Sie Ihren Hausarzt auf den Tipp von Freunden oder Verwandten gefunden haben. Hören Sie sich also einfach mal um. Suchen Sie einen Kinderarzt, kann auch Ihre Hebamme nützliche Tipps für Sie haben.

2. Nutzen Sie Empfehlungen des Hausarztes


Sind Sie auf der Suche nach einem Facharzt, könnten Sie gemäß der freien Arztwahl in Deutschland gleich direkt diesen aufsuchen, doch manchmal lohnt es sich auch, davor dem Hausarzt einen Besuch abzustatten. Dieser kann bei Bedarf Ihren Verdacht bestätigen und andere Möglichkeiten ausschließen. Außerdem kann Ihr Hausarzt Sie an einen kompetenten Fachkollegen weiterverweisen. Doch Vorsicht: Eine Studie des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen hat offenbart, dass in manchen Fällen inoffizielle Abmachungen zwischen Hausarzt und Facharzt bestehen und vielleicht sogar Prämien für jeden neuen Patienten gezahlt werden. Fragen Sie also ruhig nach, warum Ihr Arzt Ihnen gerade zu diesem Kollegen rät. An seiner Reaktion können Sie oft schon ablesen, welche Bewegründe Ihr Hausarzt haben könnte.

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3. Checken Sie, ob die Praxis Qualitätskontrolle betreibt

In Deutschland gibt es zwei große Programme zur Qualitätskontrolle: das Programm Qualität und Entwicklung in Praxen (QEP) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und die Zertifizierung der Stiftung Praxissiegel. Allerdings gibt es nur wenige Arztpraxen, die sich diesen Kontrollen unterziehen. An den beiden Programmen nehmen deutschlandweit nur 2.100 Praxen teil. Bei der QEP-Zertifizieren prüfen unabhängige Sachverständige für Qualitätsmanagement diese Praxen zum Beispiel in mehr als 244 Punkten, darunter Diagnose und Therapie sowie regelmäßige Fortbildungen und technische Kontrollen. Ist die von Ihnen ausgewählte Praxis also eine der 2.100 qualifizierten Praxen, dann wissen Sie, dass dort Wert auf Qualität gelegt wird.

4. Bereiten Sie sich vor


Gunter Frank, Allgemeinmediziner und Autor des Buches "Fragen Sie Ihren Arzt – aber richtig" ist der Meinung, man kann einen kompetenten Arzt mittels zweier Fragen erkennen.

Die erste Frage: "Was bringt mir die Behandlung konkret?" Die meisten Ärzte können die Wirkmechanismen von Medikamenten widergeben, welchen konkreten Vorteil die Patienten haben, können viele Ärzte dagegen nicht in Zahlen nennen. Wenn Ihr Arzt bei solch einer Frage abblockt, könnte das also schon einmal ein schlechtes Zeichen und ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Arzt selber gar nicht so genau weiß, was er Ihnen da verschreibt. Unwissen ist an sich kein Problem – die Medizin ist so umfangreich, dass auch der beste Arzt nicht alles wissen kann – doch sollte Ihr Arzt mit seinem Unwissen offen umgehen können und auch auf Ihre Nachfragen eingehen.

Die zweite Frage: "Welche Nebenwirkungen gibt es und wie wahrscheinlich sind sie?" Ein guter Arzt sollte Ihnen auch mögliche Nebenwirkungen eines Medikamentes erklären können und Sie nicht nur auf die Packungsbeilage verweisen.
Fragen, die Ihnen bei der Arztwahl helfen können

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie in Ihrer Praxis gut aufgehoben sind? Diese Fragen sollten Sie sich stellen:

1. Nimmt mich der Arzt ernst?
2. Nimmt er sich Zeit für meine Behandlung und hört er mir zu?
3. Informiert er mich ausführlich und vor allem verständlich?
4. Fühle ich mich respektvoll behandelt?
5. Bezieht mich der Arzt in alle gesundheitlichen Entscheidungen mit ein?
6. Wird meine Intimsphäre gewahrt?
7. Ist die Arztpraxis gut zu erreichen? (Vor allem für Kinderarztpraxen wichtig.)
8. Beim Kinderarzt: Kann der Arzt überhaupt gut mit Kindern umgehen und auf sie eingehen?
9. Wie sind die Wartezeiten? Wie sind die Sprechzeiten?
10. Mit welchen Krankenhäusern und Versicherungen arbeitet der Arzt zusammen?

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von Nicole Metz