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Corona-Lockdown sorgte für mehr Zeitwohlstand, aber nicht für Frauen und Familien

Überraschend!?

Corona-Lockdown sorgte für mehr Zeitwohlstand, aber nicht für Frauen und Familien

Während des Lockdowns im Frühjahr waren wir alle zur Entschleunigung gezwungen. Eine Studie hat jetzt herausgefunden, welche Bevölkerungs- und Berufsgruppen wirklich davon profitieren konnten und wer deutlich mehr gestresst war. Das ist keine Überraschung!

27 Minuten mehr Schlaf und 69 Minuten weniger Arbeit

Zu diesem Ergebnis pro Person kam das Forschungsprojekt "ReZeitKon - Zeit-Rebound, Zeitwohlstand und Nachhaliger Konsum" unter Leitung von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der TU Berlin. Sie befragten zwischen Februar und April 2020 ca. 1.000 berufstätige Menschen aus ganz Deutschland zu ihrer Arbeits- und Freizeitverteilung und ihrem "Zeitwohlstand". Darunter verstehen die Forschenden den Umfang an frei verfügbarer Zeit, den ein Mensch hat.

Das Ergebnis: Pro Person stieg dieser Zeitwohlstand leicht an, wobei die allgemeine Lebenszufriedenheit gleich blieb. Doch es gab große Unterschiede in den einzelnen Berufen, Geschlechtern und Bevölkerungsgruppen, die befragt wurden.

Unsere Befragung ergab, dass die Menschen während des Corona-Lockdowns durchschnittlich weniger gearbeitet und länger geschlafen haben. Das führte dazu, dass Menschen ihren Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten und mehr Schlaf teilweise realisieren konnten. Gleichzeitig war auch eine gewisse Entschleunigung während des Corona-Lockdowns festzustellen.

Dr. Sonja Geiger, TU Berlin

Keine Entschleunigung für systemrelevante Berufe

Viele Berufe waren im Frühjahr aus wirtschaftlichen Gründen und wegen des Lockdowns gezwungen, in Kurzarbeit zu gehen. Daher blieb den Befragten so mehr Zeit zu Hause für die Familie oder persönliche Freizeit. Das Empfinden des gestiegenen Zeitwohlstands gilt demnach nur für diese Berufsgruppe. Im Gegenteil: Viele systemrelevante Berufe empfanden diese Zeit eher als deutlich stressiger. Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich, Polizei, Feuerwehr, Einzelhandel, öffentlicher Nahverkehr und Einrichtungen waren in dieser Zeit einer größeren Belastung ausgesetzt. Homeoffice war hier nicht möglich und sie wurden mehr denn je an vorderster Front gebraucht.

Die große Rede der Entschleunigung für alle traf also nur auf einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung zu. Denn auch viele nicht-systemrelevante Berufe und Selbstständige mussten weiterhin ihr Geld verdienen und dazu noch die Doppelbelastung mit Homeoffice und Kinderbetreuung aushalten.

Frauen leisteten mehr Kinderbetreuung während Corona

Leider zeigte die Studie auch wieder, dass der Großteil der Betreuungsarbeit weiterhin an den Frauen hängen bleibt. Sie mussten eher auf den Job verzichten und bei den Kindern bleiben, als Schulen und Kitas geschlossen wurden. Nur ein Teil der Männer konnte ins Homeoffice wechseln bzw. musste weiterhin seiner Arbeit nachgehen und konnte hier nicht zurückstecken zugunsten der Familie. Frauen leisteten demnach täglich mehr als 79 Minuten mehr Betreuungsarbeit als Männer. Vor dem Lockdown waren es noch 58 Minuten.

Frauen haben aber einen Großteil der zusätzlichen Kinderbetreuung übernommen, sodass sich der geschlechtsspezifische Unterschied während des Corona-Lockdowns sogar noch vergrößert hat

Dr. Stefanie Gerold, TU-Berlin

Corona hat geschlechtsspezifische Unterschiede noch verstärkt

Die Zeit des Lockdowns hat also wieder gezeigt, dass es in einer Familie häufig wieder die Frauen sind, die dann eher zu Hause bleiben. Das kann natürlich die verschiedensten Grüne haben und mit Sicherheit ist das nicht immer von den Männern so gewollt. Das liegt auch viel an den jeweiligen Berufen und ob der Arbeitgeber dem Mann auch Homeoffice bzw. ein kürzer treten ermöglicht hat. Doch oft hatte es ganz lapidar finanzielle Gründe:

Wenn der Mann leider häufig immer noch mehr Geld nach Hause bringt, wird die Familie natürlich nicht entscheiden, dass er dann zu Hause bleibt. Es wäre Zeit für Arbeitgeber, die Familien hier mit flexiblen Modellen unterstützen, so dass beide bei einer erneut ähnlichen Situation teilweise zu Hause bleiben können, ohne einen Großteil ihres Lohnes einbüßen zu müssen. Auch die Politik könnte hier tätig werden und sich ein Modell überlegen, wie Familien hier unterstützt werden könnten. Der Corona-Kinderbonus ist ein Anfang, löst diese Problematik aber noch lange nicht.

Quelle: ReZeiKon

Bildquelle: Getty Images/Liderina

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