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Charité-Studie: Patienten nach Erkältung immun gegen Corona?

Neue Erkenntnisse

Charité-Studie: Patienten nach Erkältung immun gegen Corona?

Die Berliner Charité veröffentlichte eine Studie, in der bestimmte Probanden nach ihrer Immunität gegen das Corona-Virus untersucht wurden. Das Erstaunliche: Sie waren gar nicht mit Sars-CoV-2 infiziert. Kann uns also eine überstandene Erkältung immun gegen das neuartige Corona-Virus machen?

Neben dem neuartigen Sars-CoV-2-Virus, das auf tierische Viren zurückgeht, gibt es eine Reihe menschlicher Corona-Viren, die eigentlich harmlos sind und lediglich einen Schnupfen auslösen. Eine Studie von Charité-Wissenschaftler und Professor Andreas Thiel unter Mitwirkung des Teams von Professor Christian Drosten fand heraus: Ca. 34 % der gesunden Probanden hatten nie eine Infektion mit Covid-19 und wiesen dennoch T-Zellen auf. Diese Zellen des menschlichen Immunsystems helfen unserem Körper, Krankheitserreger zu bekämpfen. Bei einer erneuten Ansteckung werden sie reaktiviert und bekämpfen den Erreger direkt. Die menschlichen Corona-Viren führten also zu einer sogenannten Kreuz-Reaktivität und bekämpften auch die neuartigen Corona-Viren. Heißt das also, viele von uns, die bereits mehrfach in ihrem Leben stark erkältet waren, könnten gegen Covid-19 immun sein?

Positive und negative Einflüsse von Kreuz-Reaktivität

Diese Hoffnung sei verfrüht, denn diese Kreuz-Reaktivität kann laut Thomas Kamradt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, auch negative Effekte haben. Gegenüber dem Focus betont er, es sei möglich, dass Patienten, die eine solche Kreuz-Reaktivität aufweisen, gar nicht oder nur sehr mild erkranken. Doch im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass im Falle einer erneuten Infektion die Antikörper sogar eher Schaden anrichten. Ob dies beim Corona-Virus der Fall sei, müssen Studien noch klären. Daher sei es jetzt wichtig, dass diese Immunreaktionen so viel wie möglich untersucht werden. Noch gibt es dazu sehr wenige Untersuchungen.

Nur der Impfstoff kann zu einer großflächigen Immunisierung führen

Thomas Kamradt betont, dass die Entwicklung eines Impfstoffes jetzt dringend notwendig sei. Doch bis dieser am Menschen getestet werden kann, könnte es noch dauern. Wann dieser bereit steht, kann aktuell nicht vorhergesagt werden.

Nur, weil ein Impfstoff im Versuch an Mäusen oder in der Zellkultur erfolgreich war, dürfen wir ihn nicht sofort am Menschen testen.

Thomas Kamradt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

Wer Corona hatte, ist immun?

Ob diese Aussage zutrifft, ist ebenfalls noch nicht bewiesen. Aktuell würde es jedoch weltweit keinen Fall geben, bei den ein Corona-Patient ein zweites Mal an Covid-19 erkrankte. Es spräche bisher alles dafür, dass die Immunität mindestens ein paar Jahre anhalten würde. Das würden die Erfahrungen mit anderen Sars-Epidemien oder Corona-Erkältungsviren zeigen. Doch wie viele Mediziner warnen wird dies nicht die letzte Pandemie gewesen sein. Deutschland hätte mit einer niedrigen Sterberate noch großes Glück gehabt. Jetzt müsse geforscht werden, damit man umso mehr von den neuartigen Viren lernen und frühzeitig einen Impfstoff finden könne. Bis dahin müssen wir alle wohl mit dem Corona-Virus und der hohen Infektionsgefahr leben lernen.

Quelle: Merkur, Focus

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Wissenschaftstreit

Natürlich ist der Ruf nach einem Impfstoff groß und wöchentlich erreichen uns neue teilweise widersprüchliche Meldungen über die Erkenntnisse zum Corona-Virus. Doch Forschung braucht Zeit und das Virus wird nicht von heute auf morgen sofort verstanden werden können. Bis dahin müssen wir alle uns leider gedulden, positiv denken und die Medizin arbeiten lassen.

Bildquelle: Getty Images/aprott

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