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Im Lockdown: Mutter wurde entlassen, weil ihre Kinder in Business-Calls störten

Unglaublich

Im Lockdown: Mutter wurde entlassen, weil ihre Kinder in Business-Calls störten

Im Frühjahr dieses Jahres waren alle Eltern gezwungen, irgendwie mit der Corona-Situation klarzukommen: Kita und Schulen waren zu, aber die Arbeit musste weiterlaufen. Also saßen viele von uns, die Homeoffice machen konnten, zu Hause mit den Kindern und gaben alles, um Job und Betreuung zu vereinbaren. Doch scheinbar hatte nicht jeder Arbeitgeber Verständnis für diese Ausnahmesituation. Was dieser Mutter passiert ist, ist einfach unsagbar unfair.

"Die Kinder unterbrachen ständig, und das Baby wollte die ganze Zeit stillen."

Jede*r, der im März und April Homeoffice mit Kindern machen musste, kennt die Situation von Dris: Es steht ein wichtiger Call an und das Kind will einfach nicht allein spielen, hat Hunger oder will zu Mama oder Papa. Dris ist Mutter zweier kleiner Kinder im Alter von vier und eins und war ebenfalls ab März gezwungen, mit den beiden von zu Hause aus zu arbeiten. Sie musste ihren Arbeitgeber bei der Kundenbetreuung unterstützen.

Dass das nicht immer glatt läuft, liegt auf der Hand. Denn Kinder schlafen ja schließlich nicht den ganzen Tag. Da braucht es einen verständnisvollen Arbeitgeber und ein wenig Flexibilität. Doch Dris Chef wurde ärgerlich, als er ihre Kinder bei den Kundengesprächen hörte. Als Mutter bezog sie dieses Unverständnis sofort auf sich selbst und fühlte sich schlecht.

Es brach mir das Herz. Ich fühlte mich schlecht, dass sie nicht verstanden, dass Mama arbeiten musste.

Dris Wallace, Scary Mommy

"Bringen Sie die Kinder bitte zum Schweigen"

Doch statt der arbeitenden Mutter ein wenig in ihrer schwierigen Lage entgegenzukommen, verlangte er, sie solle die Kinder "ruhig stellen", egal wie. Es sei unprofessionell, wenn man Kinder im Hintergrund hören würde. Also versuchte Dris, den Mittagsschlaf ihres kleinen Sohnes so zu verschieben, dass er während der wichtigen Telefonate schlief. Ihr Chef erwartete schließlich zwischen 13 und 16 Uhr Ruhe. Doch Kinder halten sich nicht an einen Zeitplan und waren dennoch häufig im Hintergrund zu hören.

Weniger Verständnis, mehr Druck

Obwohl Dris um zeitliche Terminanpassung gebeten hatte, fielen die Telefontermine weiterhin auf ihre Mittagspause. Dris musst also gleichzeitig ihre Kinder versorgen und die Telefonate wahrnehmen. Entgegenkommen? Fehlanzeige. Dennoch legte sie sich ins Zeug und tat bis Mai weiterhin alles, um ihren Job bestmöglich zu machen, trotz Doppelbelastung. Von ihren Kunden hörte sie nie Beschwerden, sie hielt ihre Fristen alle ein. Aber ihr Vorgesetzter war weiterhin verärgert und unzufrieden.

Ich arbeitete die härteste Arbeit, die ich je in meiner gesamten Karriere geleistet habe.

Dris Wallace, Scary Mommy

"Kümmern Sie sich um ihre Kindersituation"

Dann eskalierte die Situation und obwohl alles gut lief, verlangte ihr Chef, sie solle sich "um die Situation kümmern". Er meinte damit wohl, sie soll ihre Kinder einfach einschließen. Hauptsache, sie wären weg. Doch nicht jeder hat ja eine Betreuerin oder eine Großmutter oder Partner daheim, der während der Arbeitszeit auf die Kinder aufpassen kann. Zumal eines der Kleinen erst ein Jahr alt war. Die Antwort ihres Vorgesetzten? Zeitmanagementseminare und Hinweise, den Alltag besser zu planen, schließlich hätten auch andere Mitarbeiter Kinder.

Von der Personalabteilung kam kein Verständnis, sondern die Kündigung

Dris war so verzweifelt, dass sie sich an die Personalabteilung wand und dieser berichtete, was sie sich als arbeitende Mutter anhören müsse. Doch auch hier stieß sie nicht auf Verständnis, sondern auf taube Ohren. "Jede Geschichte hätte zwei Seiten", hörte sie nur. Nachdem sie noch mal per Mail ihre Situation schilderte und die unglaublichen Bemerkungen ihres Vorgesetzten anführte, antwortete man ihr, es wäre besser, man würde sich trennen, weil sie als Mitarbeiterin so unglücklich sei.

In der E-Mail stand außerdem, dass die Firma einen "Rückgang der Einnahmen" zu verzeichnen hätte und daher Stellen abgebaut werden müssen. Dabei wusste Dris, dass bislang galt: Während der Pandemie wird niemand gekündigt.

Ich habe mich am 26. Mai an die Personalabteilung gewandt, um Hilfe zu erhalten bei der offensichtlichen Diskriminierung, die mir als Mutter widerfahren ist, und bei den Belästigungen, mit denen ich in den letzten drei Monaten direkt zu tun hatte - und sieben Tage später werde ich gefeuert, weil ich mich geäußert habe? Das ist nicht in Ordnung.

Dris Wallace, Scary Mommy

Quelle: Scary Mommy

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Geht gar nicht

Wenn alle Vorgesetzten sich im Frühjahr so diskriminierend verhalten hätten wie der Chef von Dris Wallace, wären jetzt viele Eltern arbeitslos. Inklusive mir. Denn es kam auch bei mir des Öfteren vor, dass ich im März und April mal mein Kind auf dem Schoss hatte während eines Redaktionsmeetings.

Doch bei Familie.de sitzen wir alle in einem Boot und unsere Chefredakteurin hat selbst kleine Kinder und viel Verständnis. Doch auch wenn ein Chef diese Situation nicht selbst kennt, kann man doch gerade in dieser Ausnahmesituation ein wenig Entgegenkommen erwarten. Zumal Dris schon alles gegeben hat, um ihren Terminplan und die Betreuung anzupassen, so dass ihre Kinder "nicht stören".

Dass sie dann wirklich gekündigt wurde, ist an Ungerechtigkeit nicht zu überbieten, da sie laut ihren Aussagen ja auch alle Termine eingehalten hat und sich auch die Kunden nie beschwert hatten. Was hätten denn Eltern machen sollen, wenn die so wichtige Betreuung eben von heute auf morgen ausfällt?

Bildquelle: Getty Images/Kerkez

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