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Minister: Corona-Krise kein "Wahnsinns-Ausnahmezustand" für Familien!

Ab in die Nesseln

Minister: Corona-Krise kein "Wahnsinns-Ausnahmezustand" für Familien!

Da staunten wir in der Redaktion aber nicht schlecht, als der Brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach in einer Talkshow über die familiären Situationen in der Coronakrise spricht.

Brandenburgischer Minister Steinbach lässt uns kopfschüttelnd zurück

Steinbach nahm am 12.5.2020 an einer Talkshow im RBB teil. Die Runde diskutierte über das von Manuela Schwesig geforderte "Corona-Kindergeld". Es soll Familien entlasten, die gerade aufgrund von Kinderbetreuung finanzielle Einbußen erfahren.

Steinbach ist der Meinung, Kinder seien keiner Wirtschaftsgüter, für die es eine Kompensation geben kann. Meinetwegen... Doch dann holt der SPD-Politiker, der selbst drei Kinder hat, weiter aus. "Wir sind im Augenblick in einer Situation, die ist gerade mal 14 Tage länger als die Sommerferien". Und weiter: Die Situation sei seiner Meinung nach kein "Wahnsinns-Ausnahmezustand".

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, setzt Steinbach nach: "Ich würde mich freuen, wenn zum Teil die Eltern auch mal wieder ihre Kinder richtig kennengelernt haben." Die Tatsache, dass die Familien am Limit laufen und sich dadurch auch Gefahren auftun, fällt mal wieder hinten über.

Shitstorm lässt nicht lange auf sich warten

Diese Sätze sind für uns ein Schlag ins Gesicht. Seit Wochen versuchen wir, Familie, Haushalt und Job unter einen Hut zu bekommen. Die Kitas und Schulen machen nur schrittweise wieder auf. Und dann dürfen wir uns noch von einem Politiker, die uns sowieso im Regen stehen lassen, so was anhören?

Die Aussage ist nicht nur gänzlich unüberlegt, sie schürt weiter Wut und bringt Familien zu Recht auf. Das ist einfach nur zynisch, zudem hinkt der Vergleich: Sommerferien kommen keinesfalls überraschend und die Familie plant ihre Zeit entsprechend. Die Eltern haben Urlaub eingereicht, Oma und Opa stehen zu Verfügung. Außerdem sind Ausflüge möglich, die Kids können sich mit Freunden treffen oder nehmen an einem Ferienprogramm teil. Von alle dem waren wir in den letzten Wochen weit entfernt. Von den finanziellen Sorgen, die Familien im Moment umtreibt, mal ganz abgesehen.

Mit dieser Meinung sind wir in der Redaktion nicht alleine, auch die Twitter-User sind aufgebracht:

Auch kinderlose User sind entsetzt:

Ein Blick in Steinbachs Lebenslauf verrät, dass er viele anspruchsvolle Berufe ausübt und wohl in den letzten Jahren viel gearbeitet hat. Den Twitter-Usern fällt es daher schwer, seine Aussage nicht als weltfremd zu deklarieren:

Inzwischen spricht Steinbach von einer "Wahnsinns-Mehrbelastung"

Der Politiker ruderte inzwischen ein Stück weit zurück. Er erklärte, dass in der Debatte kein ordentlicher Dialog zustande gekommen sei. Die Eltern haben eine "Wahnsinns-Mehrbelastung", dennoch sei diese in der momentanen Situation von den Eltern noch zu erwarten - im Sinne der Solidarität.

Ob er sich damit aus der Situation retten konnte?

Sarah Plück
Das sagtSarah Plück:

Da kann ich mir nur an den Kopf fassen...

Wie kann man in so einer Zeit, in der sowieso schon alle aufgebracht sind, so etwas raushauen? Und sich im Nachhinein damit rechtfertigen, dass die Verletzung in der Verkürzung lag? Er ist eigentlich Profi und er müsste wissen, was solche Aussagen anrichten.

Ich musste dabei an Markus Söder denken, der von einem Journalisten gefragt wurde, wie es denn bei ihm zu Hause mit dem Homeschooling liefe. Er antwortete wenigstens ehrlich und sagte sinngemäß: "Laut meiner Frau läuft es ganz gut."

Bildquelle: Gettyimages/Vladimir Vladimirov

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