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Verlängerte Weihnachtsferien? Das sendet das falsche Signal an Familien

Verlängerte Weihnachtsferien? Das sendet das falsche Signal an Familien

Kinderschutzbund fordert

Der Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers fordert, dass die Weihnachtsschulferien bis Ende Januar verlängert werden. Der Grund dafür ist natürlich Corona. Ich finde: Es sendet das falsche Signal in Richtung Familien. 

"Es ist kaum damit zu rechnen, dass bis zum 10. Januar eine grundlegende Besserung eintritt", sagte der Verbandspräsident Hilgers der Rheinischen Post. Und deswegen schlägt er vor, die Weihnachtsferien bis mindestens Ende Januar zu verlängern. Die Bundesregierung wird erst am 5. Januar darüber entscheiden, ob der Lockdown, den wir aktuell erleben, am 10. Januar wirklich beendet wird.

Sommerferien kürzen

Weil Schüler*innen aber nicht einfach so länger Ferien haben dürfen, immerhin gibt es Schulstoff und Jahresrahmenpläne und all das, woran sich Lehrer*innen und Schulen so zu halten haben, schlägt Heinz Hilgers vor, dass die Sommerferien einfach um drei Wochen gekürzt werden sollen.

Vielleicht sollte man sich an der Stelle aber auch mal fragen, was wirklich wichtig ist. Natürlich sollen die Schüler*innen in der Schule etwas lernen, natürlich müssen sie Prüfungen bestehen und benotbare Leistungen vorweisen. Aber wieso ist es nicht möglich, das in diesen besonderen Zeiten etwas großzügiger zu handhaben?

Müssen wir die Lehrpläne unbedingt rigoros durchsetzen?

Denn ganz ehrlich: Wie relevant fürs weitere Berufsleben ist es, dass wir uns in Zeiten einer globalen Pandemie bis ins Letzte an Lehrpläne gehalten haben? Wo digital gestützter Unterricht in weiten Teilen Deutschlands nach wie vor ein Problem ist? Wo Familien mit massivem Druck von Arbeitgebern und Schule zu kämpfen haben und wo Eltern in den Burnout rutschen? Ist es da wirklich entscheidend, dass wir auf jeden Fall an all dem Altbekannten festhalten? Dass Ferienzeiten genau definiert sind, statt großzügig miteinander zu sein und uns allen ab und zu Verschnaufpausen zu gönnen?

Haben Entscheider*innen eigentlich Kinder?

Als Mutter eines schulpflichtigen Kindes frage ich mich, wie man auf solche Ideen kommen kann. Haben diese Entscheider*innen Kinder im schulpflichtigen Alter? Wissen sie, wie das Leben vieler Familien gerade aussieht? Ist ihnen klar, was solche Aussagen in Familien anrichten? Welche Eltern können mal eben den gesamten Januar Urlaub nehmen? Denn Ferien für die Kinder bedeutet ja auch, dass sie irgendwie betreut werden müssen. Wie soll das bewerkstelligt werden?

Familien sind die Leidtragenden

Natürlich hat Hilgers recht, wenn er anmerkt, dass es bis 10. Januar aller Voraussicht nach nicht zu einer grundlegenden Besserung der Situation kommen wird, gerade angesichts der mutierten Coronaviren. Aber Leidtragende einer solch weitreichenden Entscheidung werden wieder die Familien sein.

Denn die verlängerten Ferien der Kinder würden dann im Homeoffice mit ihren Eltern stattfinden, die keine Zeit und keine Nerven für unbeschwerte Familienmomente haben. Und genau das ist es doch, was eigentlich im Vordergrund stehen sollte: Dass unsere Kinder ihre Eltern nicht die ganze Zeit als gestresst und gehetzt und sich selbst als störend wahrnehmen.

Bleibt nur die Notbetreuung?

Für Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, bleibt nur die Option, ihre Kinder mit schlechtem Gewissen in die Notbetreuung zu geben. Hier in Berlin bedeutet das: Nicht gemeinsam spielen, Maske tragen und hoffen, sich nicht anzustecken. Kein Elternteil bricht angesichts solcher Aussichten in Jubel aus. Es ist für alle Beteiligten eine schwere Situation.

Wie überhaupt die Zeit gerade schwer ist. Denn beinahe täglich gibt es neue Meldungen und Ideen, wie denn nun mit Familien in diesen Zeiten verfahren werden sollte. Ganz so, als wären wir ein Hindernis und nicht etwa eine wichtige Stütze in der Gesellschaft.

Ängste schüren

Ich finde es fatal, dass in diesen Tagen immer wieder neue Ideen verbreitet werden, wie mit Schüler*innen und Arbeitnehmer*innen zu verfahren sei, die Kinder haben. Das sendet das falsche Signal. Und die Idee, ad hoc die Weihnachtsferien zu verlängern, die kann nicht im Interesse der Regierung sein. Sie schürt Ängste und stiftet Verwirrung. All das, was wir in diesen Zeiten nicht brauchen können.

Familien müssen mitgedacht werden

Ich fordere, dass Familien in diesen Zeiten wirklich mitgedacht werden. Fern von: Schulen und Kitas auf um jeden Preis. Denn das hat natürlich das Infektionsgeschehen beeinflusst. Viel zu lange wurde erklärt, dass Kinder weniger ansteckend seien. Und wo Erwachsene auf Abstand gehen mussten, waren Schüler*innen noch immer durch die Schulpflicht gezwungen, eng an eng im Unterricht zu sitzen.

Ich fordere aber auch, dass Familien nicht mehr allein gelassen werden. Dieses "Lasst die Eltern mal machen, die schaffen das schon", was im Frühjahr Programm war, das geht nicht mehr. Denn wir Eltern sind an unseren Grenzen angekommen. Nein, wir schaffen das (nicht) mehr ohne Unterstützung!

Mein Fazit

Was mir in dieser besonderen Zeit wirklich fehlt, ist Großzügigkeit. Mit sich selbst, denn ja, wir können nicht alles schaffen, aber auch miteinander. Manche Arbeitgeber gehen auf die Bedürfnisse der Eltern ein, manche fordern die Rückkehr aus dem Homeoffice um jeden Preis. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Wir Eltern reiben uns auf zwischen Kindern und Arbeit und bleiben dabei auf der Strecke.

Und unsere Kinder auch. Die kriegen das mit Maske und Distanzunterricht und was weiß ich nicht alles dann gut hin, wenn sie Eltern haben, die nicht vollkommen ausgelaugt und fertig sind. Ich habe drei Kinder im Kita- und Schulalter und sie kennen mich seit Monaten nur angespannt. Ich wünsche mir eine Zeit des Innehaltens, ohne Katastrophenmeldungen und mit gut durchdachten Plänen und Ideen.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / tatyana_tomsickova

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